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Die Wahrheit · 1924-05-30 · Heft 22 (30.5.1924) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 22 (30.5.1924)
Date
1924-05-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 DIE WAHRHEIT Nr. 22 an und verbargen sie in ihren Häusern. Als das rasende Gesindel am Wochenfeste in die jüdischen Häuser drang, fand es sie menschenleer und konnte seine Wut nur an Holz und Stein kühlen, zerstörte, raubte den Inhadt und zertrat die ThoranoLlen — am Matten Thora! Diese neuen Leiden .waren so groß, daß sie den alten Elternschmerz vergessen machten. In den Geistesproduikten der religiösen: Dichter, Pajtaoiim, hallte einzig"und allein diie Klage ihrer Zeit wider, der Jammer der Kreuzzüge hat die Herzen voll und ganz erfüllt, 'es blieb darin kein Raum mehr für den Schimerz aus dem zweiten Jahrhundert. Für um aber, vereinigen sich Altertum! und Mittelalter zu einem traurigen. Bunde, wm die Erinnerung an die Sephiratage zu einer wehmütigen und schmerzensreichen zu gestalten. „Zur Lust sajge ich :_ „Du bist toll" und zur Freude: „Was hat sie zu bedeuten?" Der denkende Jude befindet sieh dfa in einer Seelenstimmung, ähnlich der, in der der Völksdichter M. Rosenfeld die Worte niedergeschrieben: „Ich dacht', ich wollt* bitten die liebliche Lyra, Sie soll lachen einmal, — doch geht es nicht gut. Ja^ Brüderiein! Erstens ist jetzt bei uns Sephira — Und dann — sagt: Wie lacht denn ein Jud?" Der „Zionismus*' der Hakoah. Von Rudolf Sei-den (Mödling). Nachdem die Maßgebenden und Verantwort-. liehen auf den ersten „Hakoah"-Artikel des Herrn Rudolf Seiden nicht reagierten, ist man berechtigt, dieses Verhalten mit dem Sprichwort „Wer schweigt, gibt zu'' zu deuten. Ob, eine solche ''Taktik der „Hakoah" nutzt und frommt, sei dahingestellt, bezeichnend ist es. jedenfalls, daß sie den Vorwurf des Herrn Seiden, unter falscher Doppelflagge des Judentums und des Zionismus zu segeln, ohne dem einen oder anderen gerecht zu werden, auf sich sitzen ließ. Wir geben dem Verfasser des ersten Artikels gegen die „Hakoah" abermals das Wort, überzeugt, dem allgemeinen Interesse zu dienen. Daß ein solches in hohem Grade besteht, dafür sprechen die. vielen, fast-ausschließlich zustimmenden Zuschriften seitens sportlicher wie nichtsportlicher Kreise. Mehrfach wurde auch angeregt, übel angebrachte Spenden und Förderungen an eine des Wohlwollens kaum würdige juristische Person von der Qualifikation der „Hakoah" zu unterlassen. Die acht Tage, die ich der Sportredaktion der „Wiener Morgenzeitung" zur Veröffentlichung oder Rücksendung des von ihr vor Monaten zum Abdruck übernommenen Artikels über den „Zionismus der Hakoah" gab, sind längst um. Die Redaktion hatte weder das eine, noch das andere getan, sie machte so, als ob' sie die ganze Sache nichts anginge.. Und es kommt eigentlich wirklich nicht so sehr darauf an, was die Sportredakt'ioh tut, als darauf, was die „Hakoah" zu tun gedenkt. Das vorläufig Wesentlichste des heiklen Problems habe ich an dieser Stelle schon ganz kurz mitgeteilt*) Eine breite Oeffentlichkejt hat es zur Kenntnis genommen — selbst aus dem Auslande kamen mir zustimmende Briefe. Das gentigt. Es handelt sich ja vor allem darum: wird die zionistische „Hakoah" ihre zionistischen Pflichten erfüllen oder nicht? Darauf muß Antwort gegeben werden! So will ich denn meine offenen Anklagen *). Siehe die „Wahrheit" Nr. 19. vorläufig nur mehr gegen die Hakoah selbst richten. Daher erkläre ich in Ergänzung meines ersten Aufsatzes: 1. Der - Sportredaktion der „Morgenzeitung" überlasse ich den bei ihr erliegenden Aufsatz; sie braucht ihn nicht mehr zu retournieren. 2. Auch Herr Dr. Desider Friedmann fand es nicht der Mühe wert, meine an ihn als den Parte.ianwalt der zionistischen Part e i gerichtete Anfrage zu beantworten. Ich betone nun: es ist mir persönlich an der.Erledigung dieser Anfrage nicht mehr so viel gelegen, wie noch vor einigen Tagen. Darum werde ich auch einstweilen die öffentliche Erörterung dieser an -Ihn gerichteten Fragen zurückstellen, falls nicht innerhalb zehn Tagen an mich oder an die Redaktion dieser Zeitung ein Antwortschreiben des zionistischen1 Parteianwalts ergeht. *) Der Grund für diesen Entschluß liegt darin, daß der Generalsekre.tär des Jüdischen Nationalfonds mir mitteilte, er sei _eigenitlich schuld daran, daß das Parteigericht meine vor ihm gegen die Hakoah erhobene Anklage nicht in Verhandlung zog. Er habe Herrn Dr. Friedmann vor Monaten ersucht, die Sache ad acta zu legen,. Dazu habe ich zu bemerken: Ich übersandte die Klageschrift dem Parteianwalt am 1. Dezember 1923 nach einer diese Angelegenheit betreffenden Aussprache mit dem Generalsekretär des J. N. F. Nach Absendung der Klageschrift erh'ielt ich vom J. N. F.-Büro einen Brief, der den Auftrag der Klageüberreichung aufhob. Man. wolle es lieber doch noch auf gütiichejn Wege"^ versuchen -----JcJiieiltejtem J, NL_F. nun mit, daß die Klage schon abgegangen sei — und der J. N. F. ließ daraufhin, ohne daß ich von irgendwem darüber verständigt worden wäre, die Klage zurückziehen. Diese merkwürdige Vorgangsweise, die mir zufällig zu Ohren kam, spricht für sich selbst. Ich schweige. 3. An die „Hakoah" aber richte ich neuerlich das Ersuchen, zu der aufgeworfenen ernsten Frage, die sie in den Augen aller ehrlichen Juden— nicht nur der Zionisten — herabsetzt, wenn sie unbeantwortet bleibt, Stellung zu nehmen. Will die zionistische „Hakoah" ihre materiellen Pflichten dem J. N. F. und den übrigen zionistischen Institutionen gegenüber erfüllen oder nicht? Ich appelliere namentlich an den Referenten für zionistische Angelegenheiten in der , „Hakoah", Herrn Fol des, von dem ich höre, daß er im Gegensatz zu vielen anderen Vereinsfunktjionären und im Gegensatz zur Majorität der Vereinstnitglieder — ein guter Zionist ist. Sollte dieser Appell nicht baldJige Erledigung finden, dann sollen weitere Schritte unternommen werden. Die Herren von der „Hakoah" mögen bedenken: durch ihr Stillschweigen urteilen sie über sich! selbst; sie bekräftigen meffne Anklage, in der ich ihnen die Ehrentitel „jüdisch" und „zionistisch" abspreche. Durch eine eventuelle unsachliche, persönliche Erwiderung verurteilen sie sich natürlich auch; sie müßten die Unrichtigkeit meiner Be- *) Ich hatte nämlich — aus einer „Vorahnung im Unterbewußtsein" heraus — die Klage nicht für den J. N. F., sondern auch privatim, ah organisierter Zionist erhoben.

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