Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 21 (23.5.1924)
- Date
- 1924-05-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 DIE WAHRHEIT Seite 9 Theater, Kunst u. Literatur «^»^^^^«■■M^MWn»KM0WHK=nnH^V^*M»9B*BM"VWi^H^aOTMHVaBMHHHHMMMHHe Jabotinsky in Wien. Am 24. und 28. Mai wird Wladimir Jabotinsky im großen Konzerthaussaal über „Europa, Islam und die Juden" und über „Die Krise im Zionismus und ihre Lösung" sprechen. Jabotinsky war vor dem Kriege ein bedeutender Publizist, Führer der Zionistischen Organisation in Rußland und ein hervorragender Mitarbeiter des Petersburger „Rasswjet", der seit dem Umsturz in Rußland in Berlin erscheint. Während des Krieges organisierte er die Jüdische Legion in Palästina und besaß als deren Führer den Rang eines Oberstleutnants der englischen Armee. Anläßlich der Maipogrome 1921 in Jaffa und Jerusalem organisierte er im Verein mit demobilisierten Legionären eine Selbstwehr, die den Arabern entgegentrat und das Aergste verhütete. Das britische Militär sah den Ausschreitungen tatenlos zu oder zog zum Teil an der Spitze der Plünderer. Die Mandatarmacht ließ Jabotinsky durch ein Ausnahmegericht wegen „unbefugten Waffendienst" zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilen. Durch die gesamte jüdische Welt ging ein Sturm der Entrüstung, der England zwang, Jabotinsky und die anderen Selbstschutzmiglieder zu amnestieren, das aber erst^ Monate nach der Freilassung der wenigen bloß in Unter-" suchung gezogenen Araber. Jabotinsky, der späterhin aus der Zionistischen Exekutive austrat, steht heute in starkem Gegensätze zur Organisation und seine Vorträge werden wohl auf das vollste Interesse der Wiener Judenschaft stoßen. Emanuel Reicher gestorben, Mit Emanuel Reicher ist einer der bedeutendsten Schauspieler dahingegangen. Aus dem jüdischen Osten stammend, kam/er nach bitteren Lehr- und Wanderjahren nach Berlin und wurde unter der Führung B r a h m s einer der größten Charakterdarsteller seiner Zeit. Insbesondere in Ibsenschen Rollen erwies er seine Darstellungskunst. Als Hjalmar und Baumeister Solneß, aber auch in Schnitzler-Gestälten trat er wiederholt mit dem ^Brahms- Ensemble vor das Wiener Publikum. Üeberragend war der Shylok dieses jüdischen Künstlers und noch im Vorjahre hat er in Wien mit seinem Leiser Frankel (in Tschyrikows „Juden") wahrhaft erschüttert. Emanuel Reicher, der Ostjude, hat bekanntlich in seinen reifen Jähren den Weg zur ostjiföischen Bühne gefunden. Er wirkte lange Zeit am jüdischen Kunsttheater in New-York, dessen Mitbegründer und erster Leiter er war. Unter anderem trat er auf der jüdischen Bühne in David Pinskis historischem Drama „Der stumme Messias" auf und unter seiner Leitung gelangten Hauptmanns „Einsame Menschen" und Ibsens „Nora" an dieser Bühne in jüdischer Sprache zur Aufführung. Sein Sohn Frank Reicher gehört zu den bekanntesten Darstellern des jüdischen Theaters. Ein charaktervoller Mann, ein Schauspieler von inbrünstiger Hingabe an seine Kunst und von ungewöhnlicher Bildung ist nicht mehr. Deutscher Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Wie uns die Bundesleitung mitteilt, ist das dem Reichsbund von Prof. Max Liebermann gewidmete Gedenkblatt für die 12.000 jüdischen Gefallenen bereits erschienen. Das Gedenkblatt stellt eine in edelster Haltung klagende Mutter dar, hinter der sich Grab an Grab reiht. Eine Frauengestalt an ihrer rechten Seite pflanzt ein Reis auf ein Heldengrab. Max Liebermann hat in seiner begnadeten Meisterschaft dem Antlitz der Hauptfigur die Züge tiefsten, aber weihevollsten Schmerzes aufgeprägt. Bestellungen auf die Kunstblätter werden durch die Geschäftsstelle des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Herrn Ledermann, Berlin C. 2, Burgstraße 26, Zimmer 9/10 effektuiert. Es wurden eine Anzahl von Exemplaren auf Büttenpapier gedruckt und von Professor Liebermann handschriftlich gezeichnet. Eine größere Anzahl erschien im Original-Steindruck. Auch Kunstpostkarten wurden herausgegeben. Der deutsche „Dybuk". Max Reinhardt bereitet die Aufführung von Sch. Anskys jiddischem Theaterstück „Dybuk" in deutscher Sprache vor. Das Stück wird im Theater an der Josefstadt zur Aufführung gelangen. Der Schöpfer des Moskauer Künstler-Theaters, S t a n i s I a w s k i, wird Reinhardt bei der Regie zur Seite stehen. Der Pionier. Die Doppelnurraner 10/11 für März-April liegt in glänzender Ausführung vor. Es war eine Schwergeburt nach der brutalen Unterdrückung durch die preußische Militärdiktatur. Aber ungebeugt und unentwegt hat dieses freisinnige .O.ngan, das jetzt den Untertitel „Blätter für linksgerichtetes Schirifthun" führt, den früheren Kampf gegen bornierte Gewalt und schleichende Muckerei autgenommen. Zu den alten Meistern der Schrift und des Stiftes haben sich neue von hervorragendem Rang gesellt. Der Pionier zählt entschieden zu den erfolgreichsten Blättern der schonungslosen Aufklärung. Nur wenige seiner Art vermögen so wie er lachend die Wahrheit zu verbreiten. Ihn zu fördern, ihn in nachdrücklicher Weise zu stützen, wird deshalb nicht genug eindringlich empfohlen werden können. Zuschriften jeder Art an den Pionier-Verlag, Carl T h i n i u s. Hamburg. —d. „Das, Zelt." Das vor kurzem erschienene Aprilheft dieser illustrierten jüdischen Zeitschrift für Kunst. Literatur und Wisenschaft (Wien, I., Christinengasse 4) enthält eine außerordentlich interessante Untersuchung über das Problem Bösel, eine Arbeit von P. Barchan über die jüd. Bild^ hauerin Ghana Orlnwa, eine Würdigung der drei jüdischen Künstler Groß, Low und G o 111 i e b, weiters eine Würdigung Immanuel L ö w s. mit Arbeiten des Gelehrten. Doktor B i r a m schreibt über das jüdische Technikum in Haifa. Eugen H o e f 1 i c h über eine jüdische Tänzerin, Hans K o h n über Andre Spire, Felber über Juliusz W o 1 f s o h n und Kalmer über die Chagallschen Wanddekorationen im Moskauer jüdischen Theater. Ueberdies enthält das vorzüglich ausgestattete Heft neben der Rubrik: Buch, Kunst und Künstler, literarische Beiträge von Mendali Mocher S f u r i m, Vogel. R o s e n 7 w e i s. Fisch mann. Andr6 Spire. Nadel und Paul Amann. sowie mehr als 30 Illustrationen. Kunstvereinigung „Jugend-Brjcke". Der letzte Abend dileser Vereinigung kunstbegeisterter junger Menschen stand im Zeichen des Abschieds von Fritz Eckhardt, der trotz seiner Jugend ein Prominenter dieser Bühne, vor seiner Abreise nach Amerika steht. Im gut besuchten Arkadiasaale wurde zuerst-..Der Bucklige", Sketch von Miko Deeac, aufgeführt, der dank der wirklich gnt>en Leistung Karl Brucks. Emmy M ä r t z und Fritz Eckhardts bis zur letzten Minute fesselte. Es Meten Vorträge, telepathische Experimente, ein. modernes Tanznaar und Sob vor träge des AbtschiednehiTnendien, 'm denen er bewies, daß er auch als Cbainsoninier seinen Mann stellt und eine verbliiffjnr.le Sicherheit imkI Routine an den Tag legte. Schließlich sei noch der UcC'h berühmten Mustern improvisierte Einakter ..In der Dinekrionskanzlei" hervorgehoben, der Hins Eckstein und Frütz Eckhardt (letzteren in ei-ner ranzen Anzahl von Roilleu) Gelegenheit gab, zu zeigen, daß s-'e beide über dem Niveau des Theatendtf-tettantotomis stehen. Sehr zu loben ist d£e Regie Ecksteins, die trotz der mehr als primitiven Mittel und der nicht gerode glücklichen Auswahl der Stücke in einzelnen Zügen verriet, daß er dias Theaiterspiel nicht als Vereinsangeleeenhe'it. sommern von einem ernsteren Gesichtspunkte ans betrachtet, der der Aurtakt zu größeren Problemen sein könnte. Der Abend verlief sehr arclrni-irt und zeitigte in jeder Hinsicht guten Erf^'g. T? Alfred Putze!. Fliegender Sommer (Aus den Papieren des Goswin Krell). Mit 20 Originalholzschnitteu und einer Titelzeichnung von W. Runprecht. Verla? W ö h r 1 e. Konstanz. Brosch. M. 2.50, geb. M. 5, Hnlbperg. M. 8. Die rhvthmis-h schwingende Prosa dieses Buches hat oft harfenden Klang; die Lvrik. an den großen Meistern des Liedes und dar Hymne geschult, geht eigenen Schritts. Aus Bayerns Hochfläche und Mooren wuchsen Putzeis Impressionen von Jean Paulscher Größe zu und er. selbst ist ins Idyllische geschmiegt oder der Gewalt der Landschaft überantwortet; bald voll Frömmigkeit, wie in den Arm der Natur hingesunken, bnkl ihr mit flnmmenden Organen sein Ichgefühl andrängend. Den vom Verleger fürsorglich hetrauten schlanken Band begleiten Originalholzschnitte des Müncheners W. Rupprecht. eines rassigen Künstlers, dessen Eigenwtichsigkeit an der Inbrunst der gotischen Form zu ganz persönlichem Stil gereift ist. Grote i^f in feinst. ^!'t^/„"r,^^rr:„eÄ:oc,'vne^":,- Dftbhanc Pinnrcbord IItn mm, Efoles n. Capes «gj ^t?£&K »™«M " W»!, II. tri