Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1924-05-16 · Heft 20 (16.5.1924) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 20 (16.5.1924)
Date
1924-05-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064071-3064090--12803-3080273
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 20__DIE WAHRHEIT_ Seite 9 Theater, Kunst u. Literatur ..Das neue Europa". Diese Monatsschrift, die schon nahezu seit Kriegsbegiinn besteht, zuerst tastend ihren verrnittelndneu'tralen Standpunkt suchend, nun aber von vorzüglicheni Mitarbeitern gestützt, politisch xind wirtschaftlich tonangebend geworden, araißte im neue« Jahr*e eine Erhöhung iihreri Bezaigspreise vornehmen, um nur einigermaßen die enorme VerteueTUittg der Herstefeimigs- und Druckkosten1 aufzuwiegen, und zu vierteljährlichem Erscheinen übergehen.. Die Verwaltung (Wien, 9. Bezirk, Türkenstraße 9), wall trotz der Verschlimmcruaitg der wirtschaftlichen Lage wenigstens versuchen, zunächst die Revue, .welche im Auslände se'hr beachtet und einihißreioh Üst, in Anbetracht 'der wachsenden Abonnentenzahl foritzinführen. Chaim Bloch, Köbez michtawim mekorim me - ha Beseht, Verlag „Menorah", Wien II., Heinestraße 16. Der auf dem Gebiete der Geschichte des Ohassidismus rühmlichst tätige Verfasser bereiobtert mit der vorliegenden Veröffentlichung unsere Kenntnis dieser Kulturerscheinung um wertvolle Einzelheiten. Auf ganz merkwürdigem Wege kam er in die Lage, Briefe des Beseht, des Begründers des Chassidismus, und seiner Schüler sowie anderer Mitglieder seines Kreises zu publizieren, die nicht nur für 'die Biographie der Beteiligten, sondern auch für die Kulturgeschichte und die Geschichte der Sekte von Bedeutung sind. Nach dem, was wir aus diesem Buche erfahren, befindet sich noch manches wertvolle Material in Privatbesitz, was, wie wir hoffen, auch recht bald weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden dürfte. Dem am Anhang abgedruckten angeblichen Briefe des Hohen Rabbi Low über die (Herstellung des Golems stehen wir skeptisch gegenüber. Noch 'immer halten wir an der Annaltome fest, daß Rabbi Low erst von einer späterem Zeit und ohne einen inneren Grund mit der Golemsage in Verbindung gebracht wondien sei'. Das Buch, dias durch Bflderbei'gaben seine Ausführungen 'unterstützt, wird jedem Historiker des Chassidiismus 'unentbehrlich sein. Auch Druck und Ausstattung verdienen vollste Anerkennung. Dr. G. Hermann Blumenthal. Die besten jüdischen Anekdoten. Eine ■mit- Sorgfalt zusammengestellte Sammlung jener eigenartigen drastisch wirkenden Witze, die stets für die scharfe Dialektik, der dem Osten eignet. Zeugnis geben. Die meisten dieser Anekdoten haben bisher nicht von Mund zu Mund zirkuliiert und sind deshalb dem großen Publikum nur wenig bekannt. Lobenswert ist auch, daß Bkanenttoal gewisse Pikanterien ausgeschaltet hat, die man in besserer Gesellschaft nicht gerne erzählt. Das schmucke, mit einer Umschlagzeichnung von Uriel Birnbaum gezierte. Heftchen im Kommissionsverlag Rudolf Lechner und Sohn, Wien, erschienen, kann allen Freunden erquickenden jüdischen Humors gewissenhaft empfohlen werden. Fritz Berger. Unseres Herrgotts Versuchskinder. Novelle. (Dom-Verlag, Berlin.) Der junge Dichter hat eine prächtige Novelle geschrieben; ich weiß nicht, ob es sich hier um einen Erstling handelt, das ist auch für den Gcs imteindruck gleichgültig. Die Kritik soll-sich in erster Linie fragen, wasder Dichter wollte und ob er das ersehnte Ziel annähernd erreichte. Berger kleidet die Geschehnisse in einen Rahmen, .wohl um im Tempo der Erzählung größere Lebhaftigkeit und Unmittelbarkeit zu wecken. Die impulsiven Taten des jähzornigen, herrischen Herzogs Ulrich sind nicht so außergewöhnlich und nicht so interessant, daß man aus der Fabel an sich eine spannende Geschichte formen könnte. Es gelingt;• dem Verfasser aber durch die Plastik seiner Schilderung die Gestalt des HeJden zu verlebendigen, er stellt einen Gewaltmenschen vor uns hin, verabscheuungswürdig in seiner Brutalität, liebenswert jedoch, weil er in seiner Art ein Prachtexemplar, ein ganzer Kerl ist. Und die Szene, in "der Ulrich seinen Herzensfreund Hans von Hutten grausam richtet, weil er sich von ihm verraten glaubt, wird uns durch die Hast des Berichtenden, noch mehr aber durch die Kunst des Autors, die Dinge malerisch zu sehen, greifbar anschaulich. Hier offenbart sich zweifellos dramatische Begabung, wie ich denn überhaupt meine, Berger sei vor allem zur knappen Novelle oder zum Theaterstück prädestiniert. Jedenfalls hat mich die erste Probe auf Kommendes neugierig gemacht. Dr. Otto Fröhlich. E. Schnippel. Volkskunde von Ost- und Westpreußen-, mit 12 Abbildungen, A. W. Kaferhann, Danzig 1921. Eine Fülle von interessantem folkloristischem Material, darunter zahlreiche jüdische Einzelheiten. So das „Unberufen!" das \ „Vermelden des Paarweisend, das; „Rückwärtswerfen des Mäusezähnchens'*, das „Vermeiden von Salzverschütten", u. a. m. Bemerkenswert sind auch die Herleitungen der Zaubermte aus dem Zauberstabe (2. Mose 14. 16. u. sonst), des „Hüpfens" aus 1. Kön. IS, 21, die Verwendung von 1. Mose 2,9. und 3,6 in Legende und Kunst. Der Wert des Buches reicht über den Bereich der Heimatkunde hinaus. R. Wilhelm Fischer. Spionage, Spione und Spioninnen. (Verlag Rob. Lutz, Stuttgart.) Dieses Bucht hatte, wie der Autor einleitend sagt, sein Schicksal. Es entstand mitten im Kriege, wollte gerade mitten in Not und Gefahr auf eine verbreitete und verderbliche Institution aufmerksam machen — und wurde verboten. So hat es eigentlich seinen Hauptzweck verfehlt, kann jetzt nur als Warnung dienen, wenn ein zweiter Weltbrand neuerlich Spione und Spioninnen mobilisieren sollte. Und das wollen wir doch im Interesse der Menschlichkeit und Gesittung nicht hoffen. Aber wie oft kam es anders, als man erwartete und so mag es ganz heilsam sein, zu wissen, mit welchen- Mitteln Freund und Feind im Ernstfalle arbeiten. Die Spionage ist zwar ein verächtliches Geschäft, der Spion wird eifrig verfolgt und hart gestraft, aber man braucht ihn und deshalb wird er gut bezahlt und die Sucht nach großen Reichtum verlockt viele trotz der Gefahr. Im Frieden suchen die Diplomaten die fremden Geheimnisse zu erkunden; im Kriege ist das Heer der Diensteifrigen größer und ausgedehnter. Wilhelm Fischer verfügt über reiches Material und seine Beweisführung ist zwingend. Er rät zu einer Verschärfung der Spionagegesetze, wenn er auch die Spionenfurcht in m/nchen Fällen als übertrieben bezeichnet. Ein lehrreiches, nützliches Buch. Freilich befällt den Leser zuweilen ein gelindes Grausen. Hinterlist und Tücke stellten sich den barbarischen Kriegseinrichtungen würdig znr Seite. Dr. Otto Fröhlich, Wien. Adolf- Böhm: Die zionistische Bewegung, zweiter Teil. Die Bewegung vom Tode Herzls bis zum Ausbruch des Weltkrieges. W e 11 v e r 1 a g Berlin. Der vorliegende Band ist in den Jahren seit seinem Erscheinen inzwischen zu einem unentbehrlichen Handbuch in allen Fragen der zionistischen Bewegung geworden. Der erste Band hatte die Darstellung bis zum Tode Theodor Herzls gefördert, der zweite behandelt zunächst in seinem ersten Hauptabschnitt Politik und Kolonisation bis zum Ausbruch des Weltkrieges. Der Verfasser spricht hier von der zionistischen Nationalpolitik in der Diaspora, von den jüdischsozialistischen Parteien, dann vor allem von der Entwicklung Palästinas, seiner landwirtschaftlichen Kolonisation, seiner wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung. Im zweiten Abschnitt wird sodann der innere Gang der Bewegung bis zum Ausbruch des Weltkrieges behandelt. Eingehend wird die hebräische Sprachenrenaissance und die jüdische Sprachenfrage beleuchtet. Einzelne Persönlichkeiten wie Martin Buber, Nathan Birnbaum, A. D. Gordon werden einer näheren Betrachtung unterzogen, im Anhang wird schließlich eine kurze Uebersicht über die Entwicklung der Bewegung vom Ausbruch des Weltkrieges bis zur Gegenwart gegeben. Mit den Schlußworten dieses Anhanges möchten auch wir diese kurze Anzeige beendigen: „Geschichte gleicht vielleicht einem großen Stammbuch der Menschheit. An besonderen Tagen schreibt jedes Volk seine Erinnerungsworte in dieses Buch. Das jüdische Volk hat in diese« Stammbuch dereinst ein Wort von Ewigkeitswert eingetragen. Während der langen Nacht, die darauf folgte, hat es stets davon geträumt, daß dieses Wort nicht sein letztes sein werde. Nun ist das Stammbuch wieder aufgeschlagen und harrt einer neuen Eintragung durch das jüdische Volk." Dr. Willy Cohn. L. Weiser, Jul. F. A. Perthes, Gotha 1923. In einem schmalen, geschmackvoll ausgestatteten Bändchen stellt die Verfasserin klar und übersichtlich reiches Material über die Frage nach der Herkunft des Weihnachtsfestes, der Weihnachtsgeschenke und des Weihnachtsbaumes zusammen, um daraus Schlüsse zu ziehen, denen man Bündigkeit und Wahrscheinlichkeit nicht absprechen kann. Mit dem Geburtstage des Stifters der christlichen Religion hat das Fest ursprünglich nichts zu tun. Man verlegte dieses Datum -bald in den November, bald in den März oder April. Auf christlichem Boden wurde dieser Geburtstag am 25. Dezember das erste Mal im Jahre 354 in Rom gefeiert. Weil diese Feier nun zwischen zwei volkstümliche Feste des alten 'Rom, die Saturnalien und die Kaienden des Januar fiel, sammelten sich Sitten und Gebräuche dieser Feste an sie an. Bei den Nord- und Ostgermanen kannte man von altersher ein Julfest, dessen Feier in Fruchtbarkeits¬ und Seelenzauber bestand. Die Weihnachtsgeschenke sind

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.