Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 20 (16.5.1924)
- Date
- 1924-05-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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schaftliche Forschung Großes leisten wiirdte. Gewiß aber ist, daß die Absolventen dieser Universität, soweit es. sich um die praktische Betätigung ihrer Kenntnissse handelte, den größten Schwierigkeiten begegnen würden. Von dem Numerus clausus einerseits und der Errichtung einer jüdischen Universität in Europa anderseits bis zu der ausdrücklichen oder stillschweigenden Anerkennung des Grundsatzes, daß zu staatlichen Anstellungen die Diplome dieser Universität nicht genügen, wäre nur ein Schritt. Wir begrüßen demnach den Zusammenschluß der jüdischen Studenten dier ganzen Welt zur Wahrung ihrer allgemein menschlichen, staatsbürgerlichen und akademischen Rechte mit voller Befriedigung und! Zustimmung, warmen, jedoch eindringlich davor* den Plan dier Errichtung einer jüdischen Universität i!m GaJmth weiter zu verfolgen. Siegfried Fleischer. Mitteilungen des Zentralvorstandes. Konstituierung des Vorstandes. In der am 8. Mai stattgefundenen Sitzung des Zentralvorstandes wurden neuerdings Herr Rechtsanwalt Dr. Jakob Ornstein zum Präsidenten, die Herren Karl Fröhlich und Hofrat Dr. Josef Löwner zu Vizepräsidenten der „Union deutschösterreichischer Juden'\ gewählt. Die Herren Moriz Oesterreicher, Medizinalrat Dr. Heinrich Haase und Karl Friedmann wurden in ihren Funktionen als Kassier, respektive als erster und zweiter Schriftführer bestätigt. Spende. Herr Hugo Ornstein, österreichischer Generalkonsul in Rio de Janeiro, hat der „Union deutschösterreichischer Juden" durch seinen Bruder, Herr Rechtsanwalt Dr. J. Ornstein eine Spende von 10 Millionen Kro- .nen zukommen lassen.-Wir sprechen dem edlen Spender für diese hochherzige Förderung unserer Bestrebungen den wärmsten und innigsten Dank aus. Aus unseren Rechtsschutzu. Abwehrbüro. Analogie zwischen Juden- und Katholikenhetze. In dem Münchner Hitlerprozesse hat bekanntlich General Ludendorff nicht sich, sondern die Juden und die deutschen Katholiken für den Verlust des Krieges verantwortlich gemacht. Das angesehenste deutsche Zentrumsorgan, die „Kölnische Volkszeitung", wendet sich nun gegen^die Hetze der Deutschvölkischen, die sich in gleicher Weise gegen das Judentum wie gegen das Christentum richtet, und wir empfehlen Herrn Ludendorft die sorgfältige Lektüre der nachfolgenden Sätze: „Wenn wir diese Erscheinungen historisch betrachten, so sehen wir, daß das, was heute von den Deutschvölkischen aus religiösen und ethischen, aus nationalen und rassenpolitischen Gründen den Juden und dem Judentum vorgeworfen wird, während der Zeit des Kulturkampfes den Katholiken und der katholischen Kirche vorgeworfen wurde. . . Wie heute bei den Deutschvölkischen der gesamte nationale und weltanschauliche Kampf vielfach eingespannt ist zwischen Germanen und Semiten, so war er vor ,50 Jahi en eingespannt zwischen Germanen und Ultramontanen, das heißt Anhängern der katholischen Kirche. Heute kann man in antisemitischen Organen oft lesen: die Juden arbeiten systematisch am Untergange "^Deutschlands. Während des Kulturkampfes hieß es: „Der Ruin der Nation und des Vaterlandes ist das Ziel des Ulträmontanismus". Ferner wird den Juden aus dem antisemitischen Lager immer wieder vorgehalten, sie hätten ein heimliches Gesetz, den Talmud, das sie von allen Eiden, die sie Nichtjuden leisten, entbindet. Beim Herannahen des Kulturkampfes in Preußen verdächtigte man die katholische Kirche, sie -rechne zu },ihrem Rechte" auch dies, „daß die Untertanen des ketzerischen Königs von Preußen diesem gegenüber von jedem Eide, von Treue und Gehorsam auf Grund Rechtens entbunden sind oder sein sollten und jeden Augenblick durch die Kirche entbunden werden können." Und so könnten wir" noch eine Reihe anderer Vorurteile und Vorwürfe anfuhren, die heute in erster Linie den Juden, vor Jahrzehnten ebenso den Katholiken gemacht wurden." ... r ■ -— > ' ]~-. H^lTIB Wahrheiten vom Tage Das Rasseubekenntnis au! den Inskriptlonsiormularen der Universität. Die nicht deutschnationale freiheitliche Studentenschaft wurde bei der Ausgabe der offiziellen Formularien für . die Inskriptionen im Sommersemester dieses Jahres an der Universität durch die Einschaltung eines Vermerkes in der Rubrik „Müttersprache, Alter" in unliebsamer Weise überrascht. Den beiden Angaben „Muttersprache" und „Alter" ist^ nämlich in rotem Drucke mittels Stampiglienaufdruck der Vermerk „Volkszugehörigkeit" beigefügt. Diese Forderung, im Inskriptiohsformulare ein Bekenntnis der Volkszugehörigkeit abzulegen, bedeutet an der Wiener Universität ein Novum. Die Einschaltung wurde auf Grund eines Beschlusses des akademischen Senats vom Rektorat angeordnet und ein diesbezüglicher Erlaß an der Rektoratstafel am 27. März angeschlagen. Vor kurzem haben die sozialdemokratischen Studenten und die Vereinigung der Wiener Mediziner beim Rektorat gegen die Erweiterung der Rubrik Protest eingelegt. Diesem Einsprüche wurde aber mit der Begründung, daß er verspätet eingebracht wurde, keine Folge geleistet (!). Die protestierenden Studenten beriefen sich darauf, daß der Anschlag an nicht genau ersichtlicher Stelle angebracht worden sei. Dieser Einwand blieb unberücksichtigt und die Formularien wurden sämtlichen Studenten mit dem betreffenden Vermerk eingehändigt, es scheint, als ob die Einfügung dieses neuen Vermerkes bereits ein Vorläufer des auf Grund der Forderung der deutschnationalen Studentenschaft in Schaffung begriffenen „Studentenrechtes" ist, das bekanntlich eine Gruppierung der Studenten nach ihrer „Rassezugehörigkeit" anstrebt. Von seiten mehrerer freiheit- ' licher Studenten sind bei der Universitätsbehörde gegen diese von ihnen nicht gebilligte Erweiterung des Nationales Vorstellungen erhoben worden. Es wurde ihnen jedoch bedeutet, daß an dieser Maßnahme des Rektorats nichts geändert werden könne; daß jedoch das Bekenntnis der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volksstamme auch eines Nichtdeutschen kein Hindernis für die Aufnahme an der Universität bedeute. Die freiheitliche Studentenschaft, welche die neue Fassung in .den Inskriptionsformularien mißbilligt, wird in dieser Frage weitere Schritte unternehmen. Jüdische Frauen gegen den Numerus clausus. Wir verzeichnen mit lebhafter Genugtuung die Tatsache, daß die jüdischen Frauen die volle Gefahr begriffen haben, welche der Zukunft ihrer. Kinder durch die Bestrebungen droht, die jüdische Jugend von dem Besuche der Hochschulen auszusperren., Die „Liga der jüdischen Frauen" in Genf hat sowohl dem Kongresse jüdischer Frauen in Washington als auch dem Kongreß des internationalen Rates der Frauen in London ein Memorandum unterbreitet, in welchem gegen die allgemeine Judenhetze protestiert und insbesondere über die Numerus clausus-Bewegung folgendes gesagt wird.: „Was aber die größte Schmach unserer Tage für alle Zeiten b'e'ben wird, ist die a n t i s e m itische Studentenverhetzung und der damit verbundene Kampf zur Erreichung des Numerus clausus an den Universitäten." Das Memorandum stellt fest, daß der Antisemitismus überall mit dem antirepublikanischen und antidemokratischeiv Militarismus äufs engste verbündet ist, daß er die Jugend aufs tiefste demoralisiert Die internationale Liga der Frauen, die sich die Pazifizierung der Welt zum Ziele setzt, könne unmöglich an dem großen antisemitischen Krieg achtlos vorübergehen und verkennen, daß die moralische Abrüstung so lange unmöglich bleibt, als die Universitätsjugend an der vordersten Front des antisemitischen Kries steht. Die internationale Liga der Frauen wie auch der internationale Rat der Frauen wird daher in dem Memorandum im Namen des Programms dieser Organisationen ersucht, gegen die Verdächtigungen und Verleumdungen des Judentums und gegen die unter dem Vorwande dieser Verleumdungen geführten internationalen, antisemitischen Kämpfe und vor allem gegen den die Zivilisation und den pazifistischen Gedanken entehrenden Numerus clausus in aller Form Stellung zu nehmen. Ein siebenfach Gescheiter. Das ist wohl nach seiner eigenen Meinung der Freiherr v. Wangenheim. Schon der Umstand, daß er im „Hammer" sein Licht leuchten Jäßt, giht iden Maßstab für seine Gescheitheit. Besagter v. Wangenheim verübte in Nr. 524 td'es .genannten Blattes den Aufsatz „Vom Weltrmg der