Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 20 (16.5.1924)
- Date
- 1924-05-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Universität in Europa; Schutz der Rechte deir jüdischen Universitätsstudenten durch eine politische und juriisitiischei Tätigkeit, die sich auf das öffentliche Recht und; die internationalen Verträge stützen kann und, wenn nötig, durch Anrufung djer öffentlichen Meinung der ganzen Welt; endlich Schaffung einer Hüfsinstitution für jene Studenten, die gezwungen simdi, aus ihren Heimatländern auszuwandern und1 an anderen Universitäten zu studieren. Das hier skizzierte Programm ist eine Mischung allgemein kultureller und jüdiischnationialör Bestrebungen und widerspricht im einigen (Punkten der auf der Konferenz abgegebenen Erklärung, daß der Welt verband jüdischer Studenten eine Körperschaft von vollkommen unpolitischem Charakter sei. Es ist wohl begreiflich unid vollkommen zu billigen, daß sich die Studentenschaft der ganzen Welt gegen den in einzelnen Ländern1 bereits durchgeführten und in anderen Staaten beabsichtigten Numerus clausus zur Wehr setzt und daß sie gegen solche kulturschänderischen Absichten an das Welt^- gewissen appellieren will. Der Judenhaß hat sich auf ein neues Gebiet geworfen und bringt neue Methoden zur Anwendung. Mit der Beschuldigung der Brunnenvergiftung, des .Kindesmordes und des Blutrituals will es nicht mehr recht gehen. Wir leben nicht mehr im Mittelalter, wo ungeheure Massen noch in tierischer Stumpfheit vegetieren, und durch solche Verleumdungen gegen die kleine jüdische Minderheit aufgehetzt werden konnten. Selbst im zaristischen Rußland hat die Blutbeschuldigung, die gegen Beilis erhoben wurde, nicht verfangen. Aber djer polnische Jesuiteaipater B a d e n i hat schon vor 25 Jahren den neuen Weg gezeigt, auf weichem man dem ^kulturellen Aufstieg des Judentums beikommien könnte. Er hat den Asemitismus gepredigt, d. h. den stillschweigenden, aber völligen Ausschluß der Juden aus der staatlichen Gesellschaft. Aus dlem wirtschaftlichen Laben,, aus dem gesellschaftlichen Verkehr und aus allen Bildungsstätten sollten sie hinausgedrängt werden. Von Polen hat sich diese unblutige, aber um so grausamere Form der Bekämpfung des Judentums über ganz Mitteleuropa verbreitet. Im rassenschützlerischen Ungarn ist der Numerus clausus bereits Gesetz geworden. In dem vom Rassenwahn besessenen deutschen Volke, sowohl in Oesterreich als im Reiche, zeigen sich immer heftigere Bestrebungen, ihm gesetzliche Geltung zu verschaffen. Es ist ein Rückfall in die Barbarei, der vielleicht eine Auswirkung der Kriegspsychosie ist und mit demselben Maßstäbe gemessen werden muß, wie die Morde an Erzherger uniä Raithenau und die Putschversuche der verschiedenen hakienkreuzleirischen Organisationen. Die jüdischen Studenten der ganzen Welt tun gut diaran, sich gegen die Ausstrahlungen dieses Hasses zu vereinigen und die staatsbürgerliche Stellung zu. verteidigen, die ihre Väter errungen haben. Sie haben ihre Konferenz mit einem wohlbegründeten Danke an die italienische, die belgische und die tschechoslowakische Regierung geschlossen, welche jüdischen Studenten, die in Polen und Ungarnnicht weiter studieren konnten, ihre Universitäten öffneten. Damit ist darf Beweis erbracht, daß der Wahnwitz des Numeiruä clausus noch nicht auf die Süegerstaaten übergegriffen hat und daß es sich wohl verlöhnt, alle Kräfte dafür einzusetzen, damit der Grundsatz der bürgerlichen Gleichberechtigung auch den Juden gegenüber wieder volle Geltung, gewinne und ihnen die Stätten der Wissenschaft offen gehalten werden wie vor dem Krieg, ' So sehr also dieser Teil des Programms der jüdischen Weltkonferenz mit herzlicher Sympathie zu begrüßen und zu unterstützen ist, so ernste .Bedenken stellen sich der Absicht entgegen, den im Schöße des Völkerbundes aufgetauchten Plan der Schaffung einer jüdischen Universität, sei es in Danzig, sei es in Spanien oder sonst einem Punkte Europas, zu verwirklichen. Das würde bedeuten, daß die jüdische■_ Jugend auf den Kampf um die Gleichberechtigung verzichten und sich freiwillig in ein akademisches Ghetto zurückziehiem will. Hier gilt das Wort Goethes: „Wer sich der "Einsamkeit ergibt, ach der ist bald allein," Wir begreifen und billigen es vollkommen, daß die jüdische Studentenschaft der ganzen Welt sich energisch und kraftvoll füllen Ausbau und für die Entwicklung einer jüdischen Universität in Palästina einsetzen will, aber die Errichtung einer jüdischen Universität in der Diaspora wäre ein gefährliches Experiment, welches unsere Feinde nur ermutigen würdje, .mit umso größerer Vehemenz auf der Durchführung des Numerus clausus^zu bestehen. Sie könnten .dann mit Recht darauf hmweiseivdaß ebenso wie die zu schaffende jüdische Universiität in Danzig oder in Spanien einen rein natüoniaien Charakter habe, sile sich berechtigt fühlen, ihre Universitäten „judenreiin" zu erhalten. Ja sie hätten dabei dien billigem Vorwand, daß die nationale Säuberung ihrer Hochschulen keineswegs gleichbedeutend mit der Fernhaltung der Juden vomi akademischen Studium sei', da ihnen ja die jüdische Universität hierzu volle Gelegenheit gebe. Es ist ja möglich undi sogar wahrscheinlich, daß eine solche jüdische; Universität für die wissen-