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Die Wahrheit · 1924-05-09 · Heft 19 (9.5.1924) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 19 (9.5.1924)
Date
1924-05-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 19__"___DIE WAHRHEIT________Seite 9 Münchener Rede tat, es sei denn, daß er nicht mehr imstande ist, sich Rechenschaft über die Tragweite seiner Worte zu geben. Man könnte fast meinen, die Münchener Richter seien dieser Ansicht gewesen und hätten ihn deshalb frei gesprochen, weil sie damit sagen wollten: „Dieser durch Größenwahn zum klaren Denken unfähig gewordene alte General a. D. verdient nicht Strafe, sondern Mitleid. Machen wir lieber ein Auge zu." Denn was hat das Gericht in seiner Urteilsbegründung gesagt? Es spricht ihn frei, trotzdem er am Putschabend sich zum „Führer der nationalen Armee" hat ausrufen lassen, und sagt: „Es ist Ueberzeugung des Gerichts, daß Ludendorff am Abend des 8. November an nichts anders gedacht hat, als daß nun die Reichsdiktatur im Kahrschen Sinne (nach Artikel 48 der Verfassung) greifbare Gestalt angenommen habe." Das war das Brett der Rettung, das ihm die Richter am Ende der Verhandlung hingehalten hatten. Und Ludendorff hatte sich beeilt, es zu betreten und seine Mitangeklagten im Stich zu lassen, was ihm jedoch nicht hindert, emphatisch auszurufen: „Ich empfinde die Freisprechung als eine Schande, weil meine Kameraden verurteilt worden sind." Ja eine Schande war es, aber durch sein Verhalten verdien t." Auch „zersetzender Jüdischer" Geist? Nur widerstrebend und nur in Abwehr spricht man es aus: Wieder einmal haben Juden an deutscher Kultur fördernd mitgearbeitet. Wenn aber täglich in deutschvölkischen und deutschnationalen Reihen die Beschimpfung vom „zersetzenden jüdischen Geiste" breitgetreten" wird, wenn für alles Unerfreuliche und Vaterlandsschädigende Juden und nur Juden verantwortlich gemacht werden, ist es nicht zu umgehen, mit gleicher Stärke auch auf hervorragende jüdische Deutsche hinzuweisen, die selbstlos an deutscher Kultur und damit an deutscher Weltgeltung mitschufen und deren Taten nie in völkischen Kreisen erwähnt werden. Vor kurzem hat das Berliner Alte Museum in seiner A e g y p t i s c Ii e ri Abteilung die Ausgrabungen von El-Armarna der deutschen .Oeffentüchkeit neu erschlossen: Kunstwerke, Kulturwerte stellen sich dort dar, deren Hebung und Auswertung deutschem Gelehrlenfleiß und deutschem Mäzenatentum zu danken ist. Wo auf der Welt kann man dieser Leistung, geboren in dunkelsten Jahren des Vaterlandes, ein Gleiches entgegenstellen? Die wissenschaftliche Einführung dazu, aus der Feder Professors Heinrich Schäfer (..Mitteilungen der Deutscheu Orient-Gesellschaft". Heft 63) schließt: „Wenn die Schätze, die unser neuer Saal birgt und um derentwillen er geschaffen ist, die Besucher erfreuen, so mögen sie aber mit uns dankbar vor allem der Männer gedenken, durch die dieser Teil der Sammlung zustandegekommen ist: Karl Reinhardt. Ludwig Borchardt Mild James Simon, dessen eines Denkmal dieser Saal ist." Zwei Juden und ein Christ! Merkt's euch, Ihr Völkischen! Ist die „Hakoah" zionistisch, ist sie überhaupt noch jüdisch? Zu dieser, in unserem Leitartikel von Rudolf Seiden aufgeworfenen Frage schreibt die Wiener „Jüd. Wochenschrift" in einer Briefkastennotiz der letzten Nummer: Daß die „Hakoah" nicht zionistisch ist, glauben wir recht gerne. Wir haben auch viele Beweise, daß der Verein und seine Leitung den elementarsten Verpflichtungen nicht nachkommen und „Hakoah" nur als eine finanzpolitische Schutzmarke benützen. Daß das Gros der Mitglieder nicht einmal Kenntnis davon hat, was eigentlich eine „jüdische" oder sagen wir eine jüdischnationale Bewegung ist, liegt auf der Hand. Es ist Mode geworden, „Sportsman" zu sein und man merkt es nicht, daß man nur zum Claqueur des Krieauer Sportplatzes wurde! Die Masken einiger Führer werden in Bälde fallen, wenn nicht anders, so durch die Beweisführung dessen, daß viele von ihnen bei den letzten Wahlen gegen die jüdische Liste gestimmt haben. So sieht der patentierte Zionismus des Atlashofes aus: Trinken, spielen, tanzen usw. . . . und ist es ein Wunder, wenn die Mütter jammern, daß die Kinder in diesem Milieu dem Abgrunde entgegengehen???!! — — Theater, Kunst u. Literatur Pessach und Palästina! Unter diesem Motive vereinigt das vor kurzem erschienene Aprilheft der Menorah, illustrierten Monatsschrift für die jüdische Familie. Erinnerungen an die Feier des Bcfteiungsfestes im Rahmen der religiösen Tradition und Berichte von dem alten neuen jüdischen Heimatboden. Reichhaltige Illustrationen und Darstellungen jüdischer Kultgeräte aus den Sammlungen des Museums der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkrnäler in Frankfurt am Main und Bilder palästinensischer Städte und Landschaften nach Originalzeichnungen Josef F 1 o c h s. der vor einem Jahre Palästina besucht hat, bilden eine jeden Leser erfreuende Beigabc. Der sonstige literarische Inhalt ist besonders reichhaltig. Walter E i d 1 i t z ist hier vertreten durch ein Fragment aus seinein Mosesdrama, „Der Berg in der Wüste", das in nächster Zeit an einer Frankfurter Bühne zur Uraufführung gelangen wird, der vielgelesene Otto Soyka in einer tiefgefühlten Selbstskizze „Der Gefühlsantisemit" der verstorbene S. A. W e i s s mit zwei Gedichten nach alten jüdischen Motiven. Der regelmäßige Beitrag in den Rubriken Bücherschau. Mode. Reise und Sport vervollständigt den wertvollen Inhalt, der dem Leser angenehme Abwechslung und Unterhaltung verspricht. Blätter des „Keren Hathora". Der ..Keren Hathora" ist eine auf dem jüngst in Wien tagenden Weltkongreß der jüdischen Orthodoxie geschaffene Institution zur Pflege des jüdischen Geistes und zur Erhaltung seiner Lehrstätten. Der „Keren Hathora" bildet den heiligen Schatz des jüdischen Volkes zur Erhaltung und Pflege seines höchsten Lebensgutes, .der Thora. und diesem Zweck sollen auch die „Blätter des Keren Hathora" dienen, die die Aufmerksamkeit weiterer jüdischer Kreise auf unsere Thoralehranstalten lenken soll. Die „Blätter des Keren Hathora", deren erstes Heft dieser Tage erschien, werden in jeder Nummer nebst Aufsätzen über Ziel und Wesen des Keren Hathora, belehrende und informierende Artikel, vornehmlich über unsere Thoralehrstätten bringen und durch genaue Nachrichten aus allen Lehrstätten ein treues Bild von dem inneren und äußeren Leben aller Schulen entwerfen, in welchen das Studium der Gotteslehre Ziel und Kernpunkt des Unterrichtes bildet. Vom Palästinafilm. In der „Jüdisch-liberalen Zeitung" schreibt Hans Adolf Margolies: Der Keren Kaiemcth zeigt seit Ende vorigen Jahres in allen größeren Städten des Reiches einen Palästinafilm, der nicht wenig zu denken gibt, wenn mau ihn vorurteilslos betrachtet. (Der Film läuft derzeit auch in Wien.) Nicht, daß er technisch schlecht gemacht ist, wie die Mitglieder des Keren Kajemeth vorsichtshalber selbst zugeben, ist hier von Belang. Aber wie. in welcher Weise er vom Aufbau in Palästina propagandistisch berichtet, das ist bezeichnend für das Wesen eines heutigen Zionismus, der mit dem Grade, mit dem er an Ausbreitung zunimmt, an innerer Glut und Tiefe abzunehmen scheint, die ihn bislang auch den Gegner verehruugswürdig machen mußte. Der Plan, das neu zu erstehende Land im Film nicht ohne jeden Zusammenhang zu zeigen, hat den Verfassern eine Einkleidung notwendig gemacht. Man führt einen Fremden durch Erez Israel — von Siedlung zu Siedlung, von Stadt zu Stadt. Aber dieser Fremde ist nicht ein junger Mensch irgendwo aus der Diaspora des Judentums, der hier mit heiligem Erschauern heiliges Land betritt, um zum Ende mit machtvoller Begeisterung der Flut neu erwachenden Lebens sich hinzuwerfen — nicht der Jude, wie wir ihn lieben könnten, der mit frommer Scheu die erinnerungumkosten Stätten sieht, dessen Auge leuchtet über der Pracht neuen Lebens auf altem Grund, dessen Sinne selig erschauern beim Namen „Jerusalem". Der Fremde, den der zionistische Film uns zeige, ist der Typus eines dicken, reichen Amerikaners, der sich von einem Fremdenführer „überreden" läßt, das Land zu „besichtigen" und der nun auch wirklich „besichtigt" mit der Art und Weise eines allseitig gebildeten Kaufmanns. Zeigt man ihm Weiukellereien und Schokoladefabriken, so weiß er: „Von Wein und Schokolade kann man nicht leben. Zeigen Sie mir jüdische 6r3&tes Gagep In feinst. plIz^Vr-'^aH1,"?:^:;^,».":^ DnbhilK PinorchONi II *»tmtr. 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