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Die Wahrheit · 1924-05-09 · Heft 19 (9.5.1924) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 19 (9.5.1924)
Date
1924-05-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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WH*—UEfM—Hit i»*i»»m>>M<f*»ii»< Veröffentli 5er» „Union deutschösterreichlscher ] L.___.___. . __ _ ______ *~. im i -Iirtäi-irni ii iini«*»r^l>-i<rtlMi«l> I Wien IX.T]! — 4! Fo6i$parka»scn-K©»s*k | Kr. W**> Telephon Nr. l**f«It »»"■»«■■mumm Der Ruck nach rechts. Es ist nicht leicht, aus der Verwirrung und Zerfahrenheit, m welcher sich die deutschen Reichstagswahlen vollzogen haben, einen leitenden Gesichtspunkt herauszuschälen. So weit sich in dem Augenblick, in welchem diese Zeilen geschrieben werden, überblicken läßt, .ist der angekündigte „Ruck nach Rechts" tatsächlich erfolgt und er wird vielleicht seinen Ausdruck darin finden, daß der bisherige sozialdemokratische Reichspräsident E b e r t abtreten und der deutschnationale Großadmiral T i r p i t z an seine Stelle gelangen wird. Denn tatsächlich sind die Deutschnationalen die Herren der Situation geworden. Während Sich das Zentrum in seiner alten Stärke behauptete, haben die Deutsche Volkspartei und die offiziellen Sozialdemokraten zugunsten der Kommunisten starke Einbußen erlitten, so daß sie als regierungsbildender Faktor kaum noch in Betracht kommen. Ob das Emporkommen der Deutschnationalen einen Vorteil für das Deutsche Reich in seinem Verhältnisse zu Frankreich bedeutet und ob Herr Tirpitz intellektuell und moralisch der richtige Mann als Staatschef ist, muß wohl nachdrücklichst bezweifelt werden. Aber immerhin stehen auch die Deutschnationalen auf dem Boden der Erfüllungspolitik und sie werden, einmal zur Regierung gelangt, wohl noch mehr Wasser in den Wein ihres Hurrapatriotismus schütten. Für uns ist es von Wichtigkeit festzustellen, wie weit dieser Hurrapatriotismus sich auch noch weiterhin der antisemitischen Note zur Aufreizung der Leidenschaften wird bedienen können uod wollen. Und nach dieser Richtung sind zwei Momente als ein entschiedener Gewinn aus den Reichstagswahlen zu buchen. Die 11 i 11 e r e i mit Herrn Lude nd o r f f an der Spitze, die noch bei den letzten bayrischen Landtagswahlen mächtig emporgekommen schien, ist vom deutschen Volke deutlich genug abgelehnt worden, d. h. die Bedrohung der Weimarer Verfassung, welche diese Bewegung bedeutete, erscheint abgewehrt und auch die Entfaohung einer wilden Judenhetze zur Steigerung der Kriegspsychose und des Willens zum Widerstande ist nicht zu befürchten. Das-deutsche Volk hat die Bedrohung seiner parlamentarischen Verfassung durch Herrn Hitler und die Parole Ludendorffs:. „Gegen Rom und Juda!" entschieden verworfen' und die Borniertheit dieses ins Deutsche übersetzten Faszismus wohl erkannt. Das zweite günstige Moment ist die erfreuliche Tatsache, daß der gebildete deutsche Mittelstand, soweit er freiheitlich gerichtet ist und in der demokratischen Partei seine Vertretung findet, aus den Wahlen ziemlich ungesc'hwacht hervorgeht. Das ist 4er Unterschied zwischen der geistigen Schichtog im Deutschen Reiche und in Oesterreich. Hier ist dde freiheitliche Mittelschichte parlamentarisch nicht mehr vertreten und so findet die konfessionelle Gleichberechtigung nur noch insoweit Anwälte im Parlament, als es den Sozialdemokraten beliebt, sich mit der sogenannten Judenfrage zu befassen. In Deutschland aber gibt es noch einen starken Anhang der von der bürgerlichen Demokratie vertretenen Grundsätze und die antisemitischen Bäume werden daher nicht so üppig wie bei uns in den Himmel wachsen. Immerhin werden jedoch die deutschen Juden unter einer deutschnationalen Vorherrschaft nicht auf Rosen gebettet sein. Herr Tirpitz ist geistig kaum höher einzuschätzen als Herr L-udendörff. Siegfried Fleischer. Mitteilungen des Zentralvorstandes. Die IV. ordentliche Delegiertenversammlung der „Union deutschösterreichischer Juden" fand Montag, den 28. April in Anwesenheit zahlreicher Delegierter im Saale des „Hotel Post" statt. Den zum Vortrage gebrachten TätigKeitsbericht iür das abgelaufene Vereiusjahr haben wir bereits in der vorigen Nummer veröffentlicht. Der Bericht fand allseitige Zustimmung. Mit Befriedigung konstatieren wir, daß in der Diskussion, welche sich an den Bericht knüpfte, die Stellungnahme des Vorstandes zu den Nationalrats- und Gemeinderatswahleii im Oktober 1923 allseitige und volle Billigung fand und daß auch dem Wunsche Ausdruck gegeben wurde, es mögen die Wahlen in den Vorstand der Kultusgemeiiide, welche voraussichtlich im November 1924 erfolgen werden, gleichfalls unter dem Zeichen der Einigkeit aller jüdischen Gruppen erfolgen. An der Debatte beteiligten sich die Herren Kultusvorsteher David D o h a n und Rat Bernhard Buchw a 1 d, sowie Herr Dr. Oskar Heim und Chefredakteur Ludwig H i r s c Ii f e 1 d. Herr Buchwaid gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Delegierten rechtzeitig einberufen werden sollen, damit etwaige Ueberrascliuugen bei den Kultuswahlen vermieden werden. — Der von Herrn Moriz Oesterreicher zum Vortrag gebrachte Kassabericht gab ein erfreuliches Bild von der günstigen finanziellen Lage der „Union". Trotz der Erhöhung des Mindestbeitrages von 10.000 auf 30.000 K, welcher die Versammlung ihre Genehmigung erteilte, gehen die Beiträge in befriedigender Weise ein, so daß es möglich war, die Bezüge des Personals entsprechend zu erhöhen, und auch das heurige Jahr voraussichtlich ohne Defizit abschließen werde. Der dringende Wunsch des Vorstandes, daß die einzelnen Mitgliedschaften eine stärkere Aktivität und eine größere Selbständigkeit entwickeln mögen, fand lebhaften Anklang und wird hoffentlich in der Folge zu einem kräftigeren Pulsschlag des ganzen Vereinslebens führen. Die statutarischen Ergänzungswahlen in den Vorstand ergaben die Wiederwahl der Herren Dr. Jakob Ornste i n, Karl Fröhlich und Hofrat Dr. Josef L ö w n e r, sowie die Neuwahl der Herren Baurat Kempler und Dr. Josef T i c h o. Dem Vorstande wurde einstimmig das Absolutorium erteilt. Medizinalrat Dr. Isidor SamueJy, der ehemalige Präsident der „Union deutsch-österr. Juden" („Oest. Isr. Union") ist am 2. Mai im Alter von 72 Jahren unerwartet aus dem Leben geschieden. — Wir haben an die Witwe, Frau Klara Samuely, folgendes Beileidsschreiben gerichtet: „Tief ergriffen durch die Nachricht von dem jähen Ableben Ihres edlen Gatten, des Herrn Medizinalrats Dr. Samuel y, bitten wir den Ausdruck unserer innigsten und tiefgefühlten Teilnahme an dem unersetzlichen Verluste, den Sie und Ihre Familie erleiden, entgegenzunehmen. Der Dahingeschiedene, dessen., fünfzigjährige Promotionsfeier wir erst vor kurzem begingen und den wir noch vor wenigen Tagen in voller Lebenskraft und Lebensfrische begrüßen konnten, hat lange Jahre -dem Vorstande der „Union deutschösterreichischer. Ju-

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