Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 18 (2.5.1924)
- Date
- 1924-05-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 18 DIE WAHRHEIT Seite 9 Wahrheiten vom Tage Alfred Grtinield und — Georg Quindel. ki der „Freiiheits- Sonne", einem der vier antisemitischen Blätter des Quindel- Konzerns reibt sich ei>n uaiibefcaniniter Gauch an dtem von uns seinerzeit gebrachten Nachruf für den Klaviervirtuosen Alfred Grünfeld, speziell an der Stelle: Mehr als einmal wurde ihm (Grünfeld) der Bon. für den christlichen Himmel in die Hand gedrückt. Er lehnte dankend ab und hatte für Getaufte, sie mochten ihm näher oder ferner stehen, verständnisvolles Lächeln, eine Mischung aus Mitleid und Minderwertung. Dieses ' „Mitleid und MiTideriwertUMg" hat es dem Schreiber angetan. Der Mann mit dem Spatzengehirn kaum eben nicht mir nicht schreiben, sondern auch nicht lesen, sonst würde er es begriffen 'haben, .daß Grünfeld Mitleid und Minderwertung nur ffer die „Stehendgetauften" hatte. Darin war er jedenfalls viel milderen Sinnes als die unterschiedlichen Antisemiten urbi et orbi, die Renegaten weit mehr Haß und Verachtung entgegenbringen. Und dies von Rechtswegen. Ein gerichtliches Nachspiel zum Vortrag Dr. Coudenhove- Calerets. Gelegentlich des Vortrages, den Dr. Coudenhove Cafergi über „Anjtäsemiitismius" hielt, worüber wir an anderer Stelle «ingehend berichten, kam es bei der sich anschließenden Diskussion zu erregten Szenen. Der Redakteur d>er völkischen „Sudetendeutschen Tageszeitung" Erwin Heine begründete seinen Antisemitismus damit, daß er im Kriege beobachtet haben will, daß Judten Drückebergerei triteben und Personen verlachten, die ihrer. MJlitärpfMtoht nachkamen. Auf diese niederträchtige Verleumdung entgegnete ' Direktor Ernst Lustig: „Ich verdamme die freche Stirn, mit welcher diese Pauschalverdächtigung von der Drückebergerei der Juden unter das Volk gebracht wird, und dies in einem Saal, wo sich Väter und Mütter gefallener Söhne und Frauen gefallener Männer jüdischer Konfession befinden. Sie sehen daran die ganze lügenhafte und verleumderische Argumentierung des Antisemitismus." Heine fühlte sich sonderbarerweise durch diese scharfe Abfuhr persönlich beleidigt und beging die Unvorsichtigkeit, Herrn Direktor Lustig wegen Ehrenbeleidigung zu klagen. In der vor dem Präger Beziirksrichter OLGR. Swoboda durchgeführten Verhandlung sah sich dieser veranlaßt, auf Grund der während des Verfahrens gemachten Erhebungen den Akt an den Staatsanwalt abzutreten, da nach Auffassung des Bezirksrichters der Tatbestand nach § 14 des Gesetzes zum Schutze der Republik vorliege. Der unbedachte Kläger dürfte wohl vor einer höheren Instanz Ursache, haben, seine Aeußerungen zu bereuen. Wohin aufs Land? Unter dieser Spitzmarke brachten wir kürzlich eine Notiz, die sich mit dem Sommerfrischenproblem der jüdischen Wiener befaßte. Es ist uns die zweifelhafte Ehre widerfahren, daß sich der Tiroler „Nationalsozialist", gespeist aus der „N. S. K." (National-Sozialistische Korrespondenz), aus diesem Anlaß an der „Wahrheit" in gewohnt rüpelhafter Weise reibt, wobei es selbstverständlich ohne Verdrehungen und Textfälschüngen nicht abgeht, worüber wir uns nicht besonders aufregen können. Dagegen möchten wir bei dem Jubel des genannten Hakenkreuzlerblattes, daß die Nester, die sich zum Hakenkreuz bekennen, immer mehr werden einigen Zweifel äußern. Mit dem Hinscheiden Hugo Stinnes, des Nährvaters der antisemitischen Presse von der „Deutschen Allgemeinen" bis zum ..Sturm" ist die Krippe der gewerbsmäßigen völkischen Blätter auch in Oesterreich nicht mehr so reich versorgt und kein Geld, kein Hakenkreuz. Dies nn; nebenbei. Es soll verzeichnet werden, daß auch die Wiener „Deutsche Arbeiter-Presse" scharf hintär den jüdischen Sommerfrischlern her ist. Das Siignail 'dazu gab ihr „Die .Stande", diie den vernünftigen Gedanken hatte, jene österreichischen Gaststätten, die wirkliche „Gast"stätten sind und nicht im Bann der völkischen Idee stehen, aufzuzählen, worüber?ich die Deutsahe Arbeiterpresse- bis zur Bewußtlosigkeit erbost. Dies Hetzblatt stellt nun die Namen jener Wirte, die sich so erniedrigen konnten, an den Pranger: nicht ohne die ernste Mahnung, daß alle völkisch Gesinnten sich wohl hüten mögen, derart pflichtvergessene Männer aufzusuchen. Die Anmeldung aller jeuer Wirte, die "offenbar mehr Geschäftsleute als Parteigenossen sairod, ist aus mehr als eimem Grunde erfreulich. Sie beweist vor allem das Abflauen dter deutschvölkisohen Gesinnung in den Alpenländern und enthebt die jüdischen Sommerfrischler der Notwendigkeit, ihr Geld in die Fremde zu tragen. Die Juden in China. Zu dem gleichnamigen Artikel in Nr. 10 unseres Blattes finden wir in der „Frankfurter Zeitung" vom 3. v. M. unter dem Titel „Hebräische Kultur in China" folgende interessante Ergänzung: Nach dem „Nieuwen Rotterdamschen Courant" hat der Bibliothekar des Hebrew Union College in Cincinnatti, Adolphe S. Oke, 59 chinesischhebräische Manuskripte zusammengefunden, die ausführliche Mitteilungen enthalten über hebräische Lehren und hebräische Kultur in China unter der Mingdynastie (136S—1644), deren Spuren verloren gegangen sind. Die Manuskripte wurden durch christliche Missionare der Londoner Gesellschaft zur Förderung des Christentums, die zuerst 1849 nach China kamen, in dem chinesischen Dorfe Kae-Foeng-Foo gekauft und nach London geschickt. Mit Ausnahme von vier Manuskripten, die vor einigen Jahren auf einer Londoner Ausstellung gestohlen wurden, umfassen sie das vollständige durch Juden je in China geschriebene Material. Das Geld zum Ankauf dieser Manuskripte wurde durch eine Gruppe von Juden im Westen der Vereinigten Staaten gestiftet und dem Hebrew Union College geschenkt, das 70.000 Bände besitzt, darunter die größte Sammlung von Spinoza-Literatur, sowie die größte hebräischer Musik. Den Manuskripten ist. eine Erzählung beigegeben, die die Erfahrungen der Missionare des Dorfes Kae-Foeng-Foo festhält; es erhellt daraus, daß in der Mitte des XIX. Jahrhunderts die einst mächtige Gruppe von Judfn in Armut verfiel und ganze Gemeinden auseinanderfielen seit den Verfolgungen durch die Mingdynastie. Seit dem englischen Vertrag von Nanking im Jahre 1842 wurde die Aufmerksamkeit Europas auf die Juden in China gelenkt. Diese lebten inmitten einer Bevölkerung, die zü zwei Dritteln aus Mohammedanern bestand und in der Nähe eines dem Feuergotte geweihten Tempels. Sie lebten in Armut, während ihr Gottesdienst, der nur dem Namen nach bestand, sie von der übrigen Bevölkerung trennte. Sie waren seit 50 Jahren ohne Rabbi, und kein einziger konnte die hebräischen Bücher lesen. Ihre Synagoge ist eine Ruine, ein Teil ihrer Grundstücke mußte heidnischem Gottesdienst dienen. Ein Gesuch an den Kaiser von China, ihren Tempel wieder aufbauen zu lassen, blieb unbeantwortet. Von 70 Familiennamen in Kae-Foeng-Foo sind nur noch 7 übrig; 200 Personen nur leben noch: auch diese werden infolge der schlechten Verhältnisse bald aussterben. Verschiedene der Bücher enthalten Uebersetzungen von Gesängen im jüdisch-persischen Dialekt, der auf eine Uebereinstimmung des - chinesischmit dem persisch-hebräischen Rituell hinweist. Dazu bemerkt unser Leser als Chinakenner: Die klugen Chinesen, denen die Juden natürlich ebenso auf die Nerven fielen wie anderen anständigen Wirtsvölkern, verboten ihren unerwünschten Gästen den Handel und zwangen sie, das Feld zu bestellen und öffentliche Arbeiten (Wege-, Kamalbau usw.) zu verrichten, genau wie die alten Aegypter sie „Ziegel streichen" ließen. Daran gingen die Schmarotzer zugrunde. Wann werden wir uns endlich zu der klugen Politik der alten Chinesen und Aegypter aufschwingen? Wie sie fälschen,! In Nr. 15 des „Israelitischen Wochenblattes für die Schweiz" lesen wir: „Auf die direkte Anfrage des Predigers der Israelitischen Kultusgemeinde in Bern bei Henry Ford, ob Ford wirklich der Verfasser des Buches „Der internationale Jude" sei, läßt Ford durch die Redaktion seines Blattes ..The Dearnborn Independen.t" in einem Schreiben vom 26. März a. c. mitteilen, daß er keinesfalls der Verfasser des genannten Buches sei und daß die in Frage stehenden Kapitel des genannten Buches von der Redaktion seines eben genannten Blattes gesammelt (!!) und herausgegeben wurden." Es war von allem Anfang zu vermuten, daß Henry Ford, der jede Stunde seines Lebens dem von ihm geleiteten Riesenbetriebe widmet, keine Zeit hat, sich auch literarisch zu betätigen und sich darauf beschränkt, den Allerweltsantisemitismus mit reichen Geldmitteln zu versehen. Einer der größten Nutznießer der automobilköniglichen Marotte ist wohl der berüchigte Theodor Fritsch, der vermutlich im Austauschverkehr — Ware gegen Geld — dem „Dearnborn Tndependent" das fertige Material für den „Internationalen Juden" überließ. Dagegen überließ Fritsch seinem Gönner die zweifelhafte Ehre, als Autor dieses Sudelwerkes zu erscheinen. Theodor Fritsch als ernster Bibelforscher. Das ist der Unterschied zwischen den alten Juden und den neuen Christen. Größtes Kager in feinst. EBdisen, Etoles u. Capes Reiche Auswahl neuester Pelzmodelle In sämtl. Pelzarten - Pariser u.Wiener Sesohmack vereint ~ erzeugt nur In eigenen Werkstätten, unter pers. Leitung des bestrenommlerten Inhabers der Firma Praterstr. 9-11 Jobrei9.2*S