Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 18 (2.5.1924)
- Date
- 1924-05-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 die Wahrheit erwähnten Angelegenheiten sowohl dem Bundeskanzler als auch dem Außenminister und mehreren hohen Funktionären des Unterrichtsministeriums und der Abteilung für Inneres im Bundeskanzleramte die Anschauungen jener hervorragenden Männer zu entwickeln, welche an der Spitze der von ihm vertretenen jüdischen Körperschaften in England stehen und welche sich vollkommen mit dem von der „Union" eingenommenen Standpunkte decken. Wir wünschen Herrn Wolf, Üer sich hier einer schwierigen Augenbehandlung unterziehen mußte, rasche und volle Gesundung und sagen ihm herzlichen Dank für die wertvolle Unterstützung, die wir durch ihn gefunden haben. Mit lebhafter Genugtuung verzeichnen wir die Tatsache, daß jenes publizistische Organ, in welchem die Veröffentlichungen der „Union deutschösterreichischer Juden" regelmäßig erscheinen, „Die Wahrheit", seine Umwandlung aus einer Halbmonatschrift in ein Wochenblatt vollziehen konnte und daß seine Geltung und Verbreitung in der österreichischen Judenschaft immer größer^vird. Wir haben im abgelaufenen Jahre fast in allen unseren Mitgliedschaften sowohl in Wien als auch im ganzen Reiche eine Reihe von Versammlungen abgehalten, welche zur Stärkung des Gemeingefühls der gesamtösterreichischen Judenschaft sowie zur Aufklärung über wichtige aktuelle Fragen wesentlich beitrugen und unserer Organisation eine erhebliche Zahl neuer Mitglieder zuführten. Es sind der „Union" innerhalb des Berichtsjahres 420 neue Mitglieder zugewachsen. Ein großer Teil derselben ist durch die eifrige Werbearbeit dtr durch die Herren Moritz Neumann, Dr. Edmund Korn und Julius Brückner neugeschaffenen „Propagandasektion" zum Beitritte bewogen worden und wir sagen den genannten Herren für ihre erfolgreichen Bemühungen herzlichsten Dank. Wir hoffen, daß dieses erfreuliehe Interesse an dem von uns geführten unermüdlichen Kampfe auch weiterhin wachsen und andauern werde. Mit auf richtigem und herzlichem Bedauern haben wir unser rangältestes Vorstandsmitglied, Herrn Richard T e w e 1 e s, im Berichtsjahre aus unserer Mittescheiden gesehen. Er hat lange Jahre das verantwortungsvolle Amt des Kassiers bekleidet und wir haben sein politisches Verständnis, seine Klugheit und seine warme Empfindung für alle jüdischen Interessen stets hochgeschätzt Für all seine Treue und Opferwilligkeif sei ihm hier herzlicher Dank gesagt Der Vorstand hat für die beiden erledigten Stellen die Herren Baurat Wilhelm Kempler und Dr. Josef Ticho kooptiert und-die Herren Bezirksrät Simon W e i n e r und Ludwig Kränzt her in den Beirat berufen. Auch im letzten Jahre ist uns eine Anzahl treuer Mitglieder durch den Tod entrissen worden und wir geben hiermit unserer innigen Trauer um diesen Verlust Ausdruck. Insbesondere beklagen wir den Heimgang zweier Männer, welche sich um die „Union deutschösterreichischer Juden", aber auch um die Ehre des Gesamfjudenturns unvergängliche Verdienste erworben haben. In Dr. Josef Samuel Bloch verloren wir den Gründer und treuen Berater der „Union", der durch seinen Kampf gegen den meineidigen Blutlügner Rohling, durch seine kraftvolle Verteidigungdes Judentums im österreichischen Parlament und in seiner „Oesterreichischen Wochenschrift" sowie durch die kurz vor seinem Tode erfolgte Zusammenfassung des gesamten apologethischen Materials in seinem Werke „Israel unter den Völkern" sich in den Herzen aller Juden ein Denkmal dauernde* als Erz gesetzt hat Professor Leopold K ö n i g s t e i n hat bis zu seinem Ableben unserem Vorstande angehört. Die jugendliche Elastizität und Begeisterungsfähigkeit, die ihn noch im hohen Alter beseelte, sein liebenswürdiges und maßvolles Wesen, sein kluges, stets nur auf den Kern der Dinge gerichtetes Urteil haben ihn nicht nur in unserem engeren Kreise, sondern selbst bei politischen Gegnern die aufrichtigsten Sympathien zugewendet, und sein Tod hat in unseren Reihen eine Lücke gerissen, die nicht leicht auszufüllen sein wird. Geehrte Delegiertenversammlung! Wir gehen neuen Kämpfen entgegen! Noch ist die bürgerliche Gesellschaft dieses Staates durchwühlt und erschüttert von den Enttäuschungen des unglücklichen Weltkrieges und von dem Zerfalle der großen Monarchie. Die einzelnen Schichten der Gesellschaft ringen gegenseitig um den Vorrang, die wirtschaftlichen Grundlagen des Staates und der gesamten Wirtschaft sind trotz der Genfer Abmachungen rrooh höchst schwankend. Auch heute noch werden für alle Uebel, die sie wahrüch nicht verschuldet haben, die Juden verantwortlich gemacht. Es ist so billig/ die Verantwortung für eigenes Verschulden auf die Schultern* der Schwächsten und Wehrlosesten abzuwälzen. Wollen die Juden Oesterreichs ihr« 'politische und kulturelle Stellung behaupten, so können sie dies nur, indem sie dem bei Abschluß der Wahlgeraeinschatt festgehaltenen Prinzipe weiter folgen; alles Trennende hintansetzen und sich zur Abwehr einer übermächtigen feindlichen Phalanx in brüderlicher Eintracht zusammenfinden. Die Probe darauf, ob alle Gruppen der Judenschaft sich zu dieser Erkenntnis schon durchgerungen haben, werden die im heurigen Jahre stattfindenden Nsuwahlen in den K' u 1 t,u s v o rstand erbringen. Es wäre beschämend, aber auah verhängnisvoll, wenn wir bei dieser Erneuerung unserer legalen Vertretung der Welt neuerlich das Schauspiel innerer Zerrissenheit und Gehässgkeit geben würden." Aus unseren Rechtsschutzu. Abwehrbüro. Dr. Walter Riehls Hinauswurf. Der Begründer und mehrjährige Führer der Wiener nationalsozialistischen Partei wurde nach der Meldung ihres Häuptorgans über Beschluß der Obmännerkonferenz ausgeschlossen,- Ueber die Gründe dieser Maßregelung verlaiutbart dias Blatt nichts Nähertes. Dagegen machte Dr. Riehl dem Herausgeber des Korrespondenz Herzog rabulistische Mitteilungen, aus denen niemand recht klug wird. Erwähnenswert ist immerhin, daß Dr. Riehl den Vorgang als eine politische Kinderei bezeichnete, die ihn mit Ekel erfülle. Ob dieses Gefühl nicht auf Gegenseitigkeit beruht, müssen die Weiterungen! zeigen, die sich an den Ausschluß Dr. Riehls knüpfen werden, d!er das Vorgehen der Reichsparteileitung sehr eingehend zu beleuchten verspricht. Wenn er nur Wort halten wird! v Das paßt ihnen. In einem Leitartikel der „Deutschösterreichischen Tageszeitung" Vom 2. "v. M. unter dem vom deutschen Nationalgefühl gehobenen und darum sprachlich falschen Titel: „Die Rasse leugnen ist verfassungswidrig" heißt es: „ . . Aus diesen einfachen Feststellungen (betreffend die Artikel 63, 66 und 67) ergibt sich, daß gerade durch die Bestimmungen des V. Abschnittes des Staatevertraiges .vom St. Germain in die österreichische Gesetzgebung das derselben bisher fremdgebliebene Rassenproblem hineingetragen wurde." Die Deutschnationalen wollen — mit gutem Recht — von den Friedensverträgen nichts wissen, sie anerkennen sie nicht. Aber das. was Ihnen genehmi scheint, nehmen sie wililig ai>, besonders wenn es sich um den Judenpunkt handelt. Da lassen sie sich von jedem, und wäre es auch Clemenceau, ein Gesetz zutragen. Ein guter deutscher Mann mag keinen Franzen leMten, doch seine Rasserrirrtümer nimmt er gerne. iil!i!iilSlil!:i:iSilil!l Der Judenhaß wächst! Nur fester Zusammenschluß und: Opferwilligkeit m gemeinsamer Abwehr körinen dagegen helfen! Tretet der „Union deutsch-österreichischer Juden", Eurer bewährten Schutzorganisation, bei! «" Stärket unseren Preßfonds! Abonniert unser Organ „Die Wahrheit"! Tue Jeder seine Pflicht! *J J\ JkJL /\\ IE?Kleider-,Pelze-u. Gummimäntel-Fa 1 I Vi/■% 1^ 1^ Zentrale: Detailverkauf: ß* 1^11 1 ■ Lrfll WienIl.,Glockengaaae24 Wien II., Taborstra