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Die Wahrheit · 1924-05-02 · Heft 18 (2.5.1924) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 18 (2.5.1924)
Date
1924-05-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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o-i^ä^ sto^i^ ^tö&rg^^£ «2^ Seite 4 DIE WAHRHEIT Nr. 18 gleichen nicht ihre« Aeltermüttern in Aegypten, die schon geboren hatten, ehe die weise Frau erschienen war, so wird der zarte Kleine einer neuerlichen Operation ausgesetzt, die vielen überflüssig erscheint, da eben keine ausreichende Begründung für dieselbe bekannt ist. Ganz richtig wind in der Beschneidung eine: prophylaktische Maßregel allgemein; vermutet, die der geschlechtlichen Infektion im Mannesalter vorzubeugen! bestimmt sei. Da jedoch die Erfahrung lehrt, daß dieser Zweck nicht erreicht wird, da die Statistik leider einen großen Prozentsatz von Beschnittenen unter den männlichen "Geschlechtskranken aufweist, so hat die Beschneidiing allmählich an Kredit verloren und man unterläßt sie, da es eigentlich unbekannt ist, welcher Zwecke halber man sie vornehmen sollte. 1 Ich für meine Person vermulte, daß die Beschneidung allerdings einem prophylaktischen Zweck zu dienen berufen sei, und zwar d!em im mosaischen Gesetze ausdrücklich verbotenen homosexuellen Verkehre, der bekanntlich unter den Völkern des Altertums gebräuchlich war, im Pentateuch aber dem Greueln zugezählt wird, von welchen die Kinder Israels1 sich ferne und rein erhaben' sollten. Wie dem auch sei, so ist die Auffassung Doktor M i ß r i e g I e r s, die er selbst wieder seinem Meister, dem Psychopathen Dr. Freud zuschreibt, die Zirkumcession sei ein „Ueberbleibsel der uralten Kastration und die Ursache des Judenhasses liege in der Kastrajtionsangst", eine derartig kühne Behauptung, die in ihren weiteren Folgen zu geradezu ungeheuerlichen Schlüssen geführt wird, daß sie in der jüÖischen Publizistik nicht unwidersprochen bleiben darf. Leidler verführt die Leichtigkeit dqs Niveaus, auf welchem das alte reichhaltige „Neue Wr. Journal" seine Leser erhält, auch sehte Mitarbeiter dazu, mit einer bedauerlichen Oberflächlichkeit an die Bearbeitung ihrer Themata heranzugehen, und so läßt sich Dr. Mißriegler verleiten, Dr. Freud (angeblich!) nachzusagen: „Denn Menschen, die ihre eigenen Kinder, kastrieren, seien wohl auch der Tötung anderer Kinder (Ritualmord) fähig." Dies zu einer Zeit, da das Osterfest vor der Türe stand, und in einem sogenannten literarischen liberalen Blatte! Sachlich den ebenso albernen als läppischen Angriff zu wiedierlegen, gehe er von wem immer aus, ist allerdings sehr einfach und leicht. Auch ohne große Bibalkenntnisse ist es bekannt, daß auch die Kastration zu den Greueln! gehört, die i m Judentum verboten sind, während die B eschneidung geboten ist. Gebot und Verb o t können sich unmöglich auf 'dieselbe Sache beziehen, können unmöglich identisch sein.' Davon abgesehen, bezweckt und erreicht die Kastration die Herbeiführung der männlichen Impotenz, was gewiß nichlt innerhalb der alttestamentarischemi Tendenz von der Vermehrung des Volkes „wie Sand am Meere" und seiner ünzählbarkeit wie 'die „Sterne am Himmel" liegen kann. Endlich vviederspricht der Segenspruch, der übtet den beschnittenen Säugling gesprochen wird: „Ermöge aufwachsen zur Ehre, zum Studium und zum Wohltun", ganz offensichtlich einer küns/tlich herbeigeführten Impotenz, 'die ja auch durch diel Tatsache sind, ist falsch. Denn schon zu Beginn unserer Zeitrechnung hat die Blutsgemeinschaft der Juden aufgehört und einer Religionsgemeinschaft Platz gemacht, deren Schicksal wir in der Geschichte verfolgen können. Nach der zweimaligen Zerstörung der heiligen Stadt sind die Juden nach vielen Ländern ausgewandert und haben allenthalben Missionen errichtet, in Arabien, Medien, Spanien, Armenien, Griechenland und Germanien. Ueberail sind in den ersten Jahrhunderten neue Gemeinschaften entstanden, in Osteuropa durch Vermischung' mit den Kasaren eine neue Nation, die uns nach mancherlei Schicksalen als Volk der Ostjuden entgegentritt. Wir Rönnen daher streng drei Gruppen unter den heutigen europäischen Juden unterscheiden: 1. die semitische, 2. die aus Resten alter jüdischer Religionsgemeinschaften bestehende und 3. die mit kas^r Ischen Elementen vermischte ostjüdische Gruppe, von denen aber keine eine tatsächliche Sonderexistenz führt,, so wenig als es irgendwo in Europa eine jeden Zweifel ausschließende rassenreine Volksgemeinschaft gibt. Dazu kommt die einwandfreie Feststellung der Anthroposophie, daß die europäischen Juden ihrem Körperbau nach mehr' den Germanen als den Semiten ähneln. Ueberblicken wir endlich noch die führenden jüdischen Geister Spinoza, Israeli, Bergson, Mahler, Einstein u. a., dann wird die These von der Minderwertigkeit des europäischen Juden " und -von seinem Nomadentum in ihrer Hinfälligkeit klar. Will man nun den Unterschied zwischen den deutschen Juden und den nichtjüdischen Deutschen einsehen (positiv läßt sich die sogenannte „arische" Rasse gar nicht erfassen), dann dienen drei Gesichtspunkte zur Veranschaulichung. 1. Wie allgemein bekannt und anerkannt stellen die Deutschen eine recht verquickte Rässenmischung dar, die in eine Zeit zurückweist, da die Juden mit den Germanen noch nicht in innerer Berührung standen. 2. Die jüdische Kultur ist um zweitausend Jahre äfter und nur die kasarische mit der germanischen altersgleich. Leicht läßt sich auf Grund dieser Tatsache Günstiges und Gegenteiliges folgern und es scheint, daß gerade in dieser Verschiedenheit die Spannung zwischen deutschen Juden und nfchtjüdischen Deutschen, ihre bedeutendste Ursache besitzt. In der Jugend ist das Herz, im Alter mehr der Kopf tätig. 3. Die schärfste Trennung hat die jahrhundertelange Abschließüng der Juden im Ghetto, ihre Verfolgung und Unterdrückung vollzogen. Freilich ist gerade diese Scheidung, so auffallende Merkmale sie zunächst geschaffen hat, keine unheilbare, vielmehr eine sekundäre, welche die Zeit zu überwinden vermag. Die Züchtung in der Dumpfheit des Ghetto hat die Anpassungfähigkeit der Juden gesteigert, denn wer nicht schlau genug war, mußte zugrunde gehen und wer charakterschwach war, ließ sich taufen; die Züchtung1 fcat ferner die Ohnmacht und die Entwöhnung alter parsischer Tapferkeit bewirkt und hat den Juden einen ihnen so wohl und so wenig ursprünglichen Handelsgeist anerzogen, als er sich bei Griechen und Römern, Italienern und Engländern vorfindet, bei denen er auch bloß ein Ergebnis der geographischen Lage und mancherlei äußerer Umstände ist. So wurden und so sind die europäischen Juden. Es ist wahr, daß sie zu Ausnützung und Wucher neigen, ihr Denken in der Hauptsache „schlau" erscheint und an Stelle von Gefühl oft Raisonnement tritt; es ist aber auch wahr, daß ihnen ein warmer Familiensinn, eine reizlose Nüchternheit und anderseits eine schwüle Phantastik und immer ein nachgiebiges Herz eigen ist; daß ihnen Brutalität und alle empfindsame Plattheit ferne liegt. Vieles ließe sich noch gegeneinander in beide Wagschalen werfen, denn bei den Juden ist viel Licht und viel Schatten nebeneinander verteilt: Christus und Judas. — Weshalb aber wollen die Antisemiten in ihnen nur den Judas sehen? — Sind nicht Siegfried und Hagen beide Germanen? — Kämpfen die ..arischen" Jünglinge gegen einen „jüdischen Geist" und meinen sie darunter den Geist des Mammonismus und Materialismus, der älter als die Juden und überall auf Erden ist, dann wohl ihnen, dieser Ks.inpf ist edel und gut. Sittliche Resultate wird die „arische" Jugend erst erringen, wenn sie frei, von Rassenvorurteilen und -haß und frei von demagogischer Verhetzung der Welt ein Beispiel von Gerechtigkeit und wahrhaftiger Menschlichkeit gibt.

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