Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 16-17 (18.4.1924)
- Date
- 1924-04-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064071-3064087--12751-3080218- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
^ili^ÄüÄ; £^mm&^?:^^^^^^^äsmmJmmk",ä Seite 12 DIE WAHRHEIT 16/17 Das Burgeuland den Ungarn! -Der schlimmste Vorwurf, den die Völkischen dem Judentum, dem Bolschewismus, dem Jesuitismus, der Freimaurerei usw. gegenüber machen, ist der, ' daß sie international seien. Ihr Gedankenkreis dreht, sich tkut ums Völkische — weamgst-ens solange es siich! mit ihren Vorteilen vereinen läßt. Daß sie gelegentlich auch ganz unvölkisch handeln können, ja, daß sie sogar um ihrer hohlen Phrasen willen sich nicht sc treuen, deutsches Land und deutsches Volk zu verschachern, seigt eine Episode aus dem Hitler-Prozeß. Oberst Bauer, bekannt als rechte Hand des Generals Ludendorff und als einer der Hauptanstifter des Kapp-Putsches, war in Ungarn daran, für die deutschen „Völkischen" ein förmliches Bündnis abzuschließen. Die Ungarn verlangten jedoch die Uebergabe des, „Burgenlandes". Dieses Ländchen an der Westgrenze Ungarns, kerndeutsch' trotz aller jahrhundertelangen Unterdrückungsversuche, ist bekanntlich zu einem großen Teil bei Ungarn geblieben, weil die Abstimmung mit allen Mitteln verhindert und gefälscht wurde. Ungarische Banden hatten die Bevölkerung wochenlang terrorisiert, und ein Münchner deutschnationales Blatt hat selbst darauf hingewiesen, daß deutsche Freikorpsangehörige damals auf ungarischer Seite gegen ihre eigenen Landleute kämpften! Das „Burgenland" hat dem deutschen Kulturleben einen Haydn, einen Liszt geschenkt. Per Oberst Bauer hat damals erklärt: „Wir müssen um der Freundschaft mit Umgarn wollen auf die paar deutschen Dörfer verzichten.". Auch von Hitler liegt eine ähnliche Äußerung vor: „Man dürfe nicht um politischer Sentimentalitäten willen auf der Rückgabe Südtirols bestehen." Härten andere als Oberst Bauer-öder Hitler so gehandelt, so wäre es nach völkischer Anschauung Landesverrat gewesen! Eine konstruktive Persönlichkeit ersten Ranges nennt „Die Welt am Montag" Herrn Franz 0 p p e n h e i m e r, der früher in diesem ausgezeichneten Blatt „ebenso sachkundige wie temperamentvolle Artikel" veröffentlicht hat, seit vielen Jahren aber „die Arena des politischen Tageskampfes verlassen hat" und sich als Professor an der Frankfurter Universität ganz der Wissenschaft gewidmet hat. „Kaum einer der lebenden Dozenten verfügt über einer so große Schar begeisterter , und zugleich wissenschaftlich hochstehender Schüler." ... „Wenn Mommsen einst die Juden in einem bestimmten Zusammenhang als »Ferment der Dekompositiori4 bezeichnet hat, so ist t)ppenhehner im. eminentesten Sinne des Wortes ein JSlement der Komposition4!" Antisemitische Zoologie. Das Vorlesungsverzeichnis der Universität Jena für das Sommerhalbjahr 1934 enthält die. Ankündigung eines Vorlesungszyklus des bekannten Professors Plate über „Allgemeine Zoologie und Entwicklungslehre, , einschließlich der politischen Folgerungen". Der Zoologe Professor Plate hat sich dadurch berüchtigt gemacht, daß er seine zoologischen Vorlesungen mit heftigen - antisemitischen Ausfällen würzte. Vor einigen Monaten mußte 6r sich sogar auf eine Klage der jüdischen Studenten hin ^egen Beleidigung vor Gericht verantworten. Das Gericht sprach ihn frei, was damals großes Aufsehen erregte. Die Ankündigung einer Vorlesung über politische Zoologie durch Professor Plate wird allgemein dahin gedeutet, daß der Kursus dazu dienen soll, um unter dem Schein wissenschaftlicher Belehrung äntisemitische Ziele zu verfolgen. .__ eiUHiBfiBiiBBBiEsaiiiiiiiiiiaaiasniiia Dasiltsciguiig Bei der überwältigenden Fülle der mir anläßlich meines 60 jährigen Geburtstages zugegangenen Ehrungen, bin ich' gegenwärtig leider außerstande, jedem einzeln Dank zu sagen und spreche deshalb vorläufig auf diesem Wege allen, die an diesem Tage meiner freundlich gedacht, meinen herzlichen, tiefgefühlten Dank aus. Oberkanfor Isidor Löwit. Theater, Kunst u. Literatur Nachkriegsiudentum. Unter diesem Titel erscheint demnächst ein Buch aus der Feder unseres Mitarbeiters Herrn Josef Grob. Eine Käpitelserie seiner Reiseschilderungen ist bereits in unserer Zeitung unter dem Titel ,;Von Wien - nach Bukarest" erschienen und mit großem Interesse verfolgt worden. Es bestellt daher die berechtigte Annahme, daß das Erscheinen dieses mit künstlerischen Illustrationen -ausgestatteten interessanten -Buches von allen Literaturfreunden mit Freude begrüßt werden wird. Eine ausführliche Besprechung behalten wir uns nach Erscheinen des Buches vor. B. Kellermann. Die Ethik Spinozas, Berlin 1923, C. A. Schwetschke & Sohn. Wie ich soeben sehe, ist bereits in einer der letzten Nummern der „Wahrheit" dieses bedeutende Werk gewürdigt worden. Zur Ergänzung sei nur noch hervorgehoben, daß hier mit tiefbohrender, haarscharfer Beweisführung den wiederholten Versuchen entgegengetreten wird, die logischen Widersprüche in den Grundlagen der „Ethik" durch eine Hineininterpfetierung Kantischer Lehren in Spinoza zu lösen. Gleichzeitig wird die Unhaltbarkeit der Thesen Spinozas vor dem Richterstuhl der Logik dargetan. Aber auch von einer Ethik kann bei Spinoza nicht die Rede sein. "Mit welchem Rechte wird der geometrische Funktionalzusammenhang von Spinoza auch auf--solche Attribute übertragen, die jenseits der geometrischen Methode stehen? Da bei ihm nichts oder alles vollkommen ist, fehlt der Maßstab für die Beurteilung. Ferner besitzen bei Spinoza die Dinge zweierlei Wesen: Ein solches, das aus Gott stammt und eines, das ihrem transitorischen Sein;das Existenzrecht verleiht. Kami man aber noch von Gott als dem Urheber des Modus sprechen, wenn, das „Einzelding unmittelbar seinen Moduscharakter verliert, sobald es in die Ursachenkette der göttlichen Substanz hineingehoben ist? Wie kann man dem Endlichen als solchem Uhendlichkeitscharakter zusprechen, ohne mit. Kant eine Apriörität der Sinnlichkeit zu-substituieren? Mit der gleichen Konsequenz wird Jn dem umfangreichen Buche Spinozas Begriff des Zufalls (der „notwendigen Nichtnotwendigkeit") als unhaltbar nachgewiesen, Spinoza mit .seiner Ablösung der Teleologie durch die*Kausalität als der eifrigste Parteigänger der Teleologie dargestellt (I. 263, 328), die Unmöglickeit einer Harmonisierung zwischen Spinoza und und Kant dargetan (358), die Identität seiner Definition der Tugend mit der in jüdischem Schrifttum (434) betont. Das Buch bedeutet einen wichtigen Baustein zum kritischen Verständnis Spinozas, zugleich aber auch eine Vertiefung vieler Instanzen der kantischen Philosophie. G. Willi. Schäfer: Der deutsche Gott. München 1923, Georg Müller. — Das Buch rechtfertigt die Erwartung, die sich an den Namen seines Verfassers knüpft. „Diese fünf Reden an mein Volk" — der Titel erinnert an ähnliche, von Luther und Fichte gewählt —, sind reich an Inhalt, wie kerniger, den Dichter verratender Form. Sie wollen den deutschen Gott wiedererstehen lassen. Wer ist der deutsche Gott? Nicht der, den man inj Weltkrieg auf deutscher Seite gegen die Feinde bemüht hat, wie der „russische .Gott" und der „sacro egoismo" im anderen Lager beschworen wurden. Es ist nicht" Ear, der sich in den Hintergrund zurückgezogen hat, um den Kämpfen* zwischen Asen und Vanen,'zwischen Göttern und Riesen zuzuschauen. Mit dem Christengott — dem „Gott der Juden" setzt ihn Schäfer irrend gleich —, mit dem Kismet, das, wie er ganz richtig bemerkt, auch Spengler zu seinem Abgott erhoben, mit allem Fatalismus hat der deutsche Gott nichts zu tun. Hilf dir selber, so hilft dir Gott! Nur im einzelnen kann er gefunden werden, wo ein Wille gegen den Fatalismus aufspringt zur Tat. Gewiß ist das in Gott, aber es ruht nicht in ihm, sondern es wird; nicht im ewigen Sein zu vergehen, sondern im ewigen Werden zu sein,, ist der Sinn unseres Daseins, mit welchem Dasein wir Erdenkinder allein am ewigen Leben teilhaben können. Und wenn alles vorbestimmt und ewige Wiederkehr ist, so gewiß auch mein tiefster Instinkt, mein Wille, weil sich erst in ihm die Vorherbestimmung vollendet. „Das ist es, was ich den deutschen Gott nenne". Nur durch das Volk kommt man zur "Menschheit Das Volk ist nicht die* r-zci.. r—c z*. * Reiche Auswahl neuester Pelzmodelle in samtl. ÜPCttlCS bagCF III teinSI. Pelzarten - Pariser u. Wiener Gesohmackvereint - FfiASfiB Ctfilss II CflDfiS erzeugt nur in eigenen Werkstätten, unter pers. w*«» m. *o|n» Leltu|IB des bertrenommierten Inhabers der Firma Pratcrstr. 9-11 Mohreng.2-6 -■a