Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 16-17 (18.4.1924)
- Date
- 1924-04-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064071-3064087--12746-3080213- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 16/17 DIE WAHRHEIT Seite 7. spiel mehrere der litauischen Thoragrößen, sowie Rabbiner ' und Laien aus Amerika, England und Deutschland. Ich glaube aber — obzwar auch ich mich zu den Verteidigern des möglichst weitgehendsten Scholaums gesellte und geselle — daß der wahre, vielversprechende Weg für die Aguda nicht im ausschließlichen Scholaummachen unter allen Umständen wird - liegen können, noch viel weniger selbstverständlich in der Methode der Bekämpfung allein, sondern in einem dritten, in der Mischung beider. Das hat man bei scharfem Hinhorchen auf die Aeiißerungen und Entschließungen der über dem Meinungsstreit Stehendien, gewissermaßen zwischen den Zeilen, herausvernehmeit können. Sämtliche von diesen Männern inspirierte Resolutionen des Kongresses sind von dem Qeiste der Versöhnlichkeit gepaart mit dem unbeugsamen Entschlüsse fundamentalen Kämpfens, wenn nötig, getragen. Der Frieden hat seine Zeit und seinen Platz und der Kampf hat seine Zeit und seinen Ort. Zu beiden gehört Mut und Ueberzeugung, ein richtiges Gefühl und ein rechter Takt dazu. Nicht nur — glaube ich — werden sich positive Bewegungen auf die Dauer nicht mit" dem gleichgültigen Achselzucken mancher Orthodoxen oder gar des gedankenlos frisch Drauflosschimpfens unter allen Umständen erledigen lassen, sondern sogar die von allen Qesetzestreuen und auch von den Zionisten einmütig abgelehnten Richtungen, wie z. B. die Reform oder die materialistische Lebenseinstellimg, müssen neben einer kampfgerüsteten Abwehr, ebenso auch ein friedliches und geduldiges Verstehen der Umstände und Verhältnisse bei den Qesetzestreuen vorfinden und den Eindruck haben, daß in den thoratreuen Kreisen vollste Objektivität und Vorurteilslosigkeit herrsche. Darum wird der Wirksamkeitsweg der Aguda das geeinte Produkt des Kampfes und des Friedens sein müssen und dieses Mischungsprodukt heißt: Belehrung, Aufklärimg über Mißverständnisse des. Judentums, ruhige, sachliche, so weit wie möglich leidenschaftslose, niemals verketzernde, sondern, mehr überzeugende und herzgewinnende Geistesarbeit.* Die Politik darf meines Erachtens nur ein geringer und nebensächlicher Faktor im Leben' der Aguda sein. Keine politische .Machtexpansionen im Wettstreite mit änderen Richtungen, höchstens dort, wo die Idee selber auf dem Spiele steht. Politische Machtdemonstrationen imponieren nur eingeschüchterten, oberflächlichen Naturen, sie gewinnen und überzeugen niemals. Das haben ja die Bekenner der Aguda an sich selbst erfahren. Die Reform hat ihnen nie zu imponieren vermocht, ,trotz der zeitweisen .großen und mächtigen Erfolge im Leben der jüdischen Gemeinden. Der Zionismus hat ihnen ebenfalls keine Ueberzeugung eingeflößt, auch nicht nach der Balfour-Deklaration und nach St. Remo. Es heißt darum für die Aguda nicht in die Fehler der von ihr selbst angefochtenen Widerparten zu verfallen. Aus diesem Grunde ist es gut, daß der Kongreß glücklicherweise zu Entschlüssen gekommen ist, die den Organen der Aguda überall Instrumente in die Hand geben, solche unbefangene und zielsichere Arbeit zu leisten. Ich nenne da vor allem das Organisationsstatut, das wohl noch sehr verbesserungsfähig ist, doch im großen ganzen einen viel verheißenden Rahmen für großzügige Agudoleistungen abgibt. Ermöglicht es doch allen Juden, ohne Unterschied der Partei, wenn sie nur die Tauro als bindend für das jüdische Leben anerkennen — und wer ist so weit, dies nicht anzuerkennen —, Mitglieder der Bewegung zu werden. Auch bleibt es nach dem Statut den Landeszentralen überlassen, nach Maßgabe der. lokalen Verhältnisse* die Tätigkeitsaufgaben zu ermessen. Nicht unwichtig ist die beschlossene Schaffung einer streng objektiven, jeder Parteileidenschaft fernstehenden Organisationspresse sowie die Ueberwachung von Ton und Methode der bereits bestehenden agudistisch orientierten Presse. Die Einsetzung der „Mauazes Gedaule sentauro", des obersten rabbinischen Rates — die wichtigste fundamentale Institution der Bewegung — ver- . bürgt wohl in erster Reihe Objektivität und taurogemäße Sachlichkeit sowie ersprießliche erzieherische Einwirkung auf ganz Jisroel. (Fortsetzung folgt.) Die heutige (Doppel-)Nummer unseres Blattes ist 16 Seiten stark, die nächste erscheint am Freitag, den 2. Mai. V EINHEIT Verein zur Errichtung und Erhaltung von Volksspeisehallen Wien II.. Pffalzgass« *Ä Aufruf Das ganze Jahr hmidiurch kommen zur „Einheit" alte Männer und Frauen, erwerbsunfähige Frauen und Männer und Kinder armer Eltern, . Erwerbslose und Unglückliche, wie Fremde, die wegen Krankheit die Wiener Aerzte aufsuchen, sie suchen in der „Einheit" gute und;, streng koschere Nahrung. Zu Pessach ist dia Zahl dieser gerne gesehenen Gäste bedeutend! größer. Zu Pessach sind sie alle mehr wie sonst auf die „Einheit" angewiesen. Die „Einheit" erfüllt ihre Mission getreu dem Wort der Hagädah „Kol dachfin jese wejechaul". Auch die Schulkinderausspeisung, die wir seit dem Herbst vergangenen Jahres jeden Freitag Abend durchführen, um den Schülern und Schülerinnen die Weihe des Sabbates vor Augen zu führen, soll an den Pessachfeiertagen in verstärktem Maße durchgeführt werden. Nun sollen die Kinder sehen, wie jüdische Feste , gefeiert werden. Die Ausspeisung von je 50 Kindern an beiden Sederabenden und an den letzten zwei Feiertagen soll durchgeführt werden. Aber diese vergrößerten Pflichten erfordern auch gesteigerte Mittel. Die „Einheit" ist aber arm; reich an guten Absichten, aber stets im Kampfe um die Existenz. Darum bitten wir alle, herzlich, daß sie uns behilflich seien bei unserem Werke, den Armen den Pessach zu bereiten. Jeder denke, daß unsere Qäste die seinen seien und lasse uns nach Vermögen Qaben zukommen. Die Redaktion des Blattes und; das Büro der „Einheit", Wien, II., Malzgasse! Nr. 12, nehmen Spenden entgegen. Der Vorstand: * Bernhard Hofbauer, Obmann; Dir. Dr. S. K r e n b e r g e r, Adolf Fischer, Schriftführer; Oekonom.