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Die Wahrheit · 1924-04-18 · Heft 16-17 (18.4.1924) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 16-17 (18.4.1924)
Date
1924-04-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16/17 DIE WAHRHEIT st es der Geist krassester Unfreiheit, der die heutige dürfen wir aber nicht müde werden „zu verkünden Veit beherrscht, und es. schwingen Fronvögte ihre unserem Sohne": Wie die erstmalige Besitznahme eißel über Völker *und Menschen, schrecklicher des heiligen Landes-— nach der Auffassung unserer" nd grausamer, als es auf den Gefilden von Pithom Alten — nur ein Mittel war zu einem heiligen nd Raamseth geschehen war: die Furie entfessel- Zweck, so bilden all unsere heutigen, auf die Verer, nationaler Leidenschaften, der Dämon des wirklichung unserer nationalen Ideale gerichteten lassen- und.Rassenhasses, die Tyrannei Willkür- Bestrebungen, so warm und eifrig sie auch von icher Parteiherrschaft und last not ieast die Peitsche jedem sich Ju*de nennenden Menschen gecines rücksichts- und schonungslos - geführten pflegt und gefördert werden sollen und müssen, doch Existenzkampfes. Dringender als jemals erscheint nur Bruchteile jener Einheit,, die den Geist es darum gerade in unserer Zeit geboten, die des Judentums~ausmachen. Sie sind nur Etappen auf Forderung zu erfüllen, die das Pessachfest an uns dem Wege, den Israel bisher hat durchschritten und stellt: - „Verkünde deinem Sohne an diesem Tage, der zum ^Endziel hat: die Befreiung der deshalb hat mir der Ewige also getan, als ich" aus Menschheit aus dem selbstgeschaffenen Joche Mizrajim gezogen war." Unbeirrt und unerschrocken der Knechtschaft und Barbarei, ihre Erlösung durch müssen wir der heranwachsenden Jugend unseres den Geist Gottes, der keinen Rückfall in die .Knecht- Volkes immer wieder klarmachen, daß die Idee der schaft mehr gestattet. Die Mitarbeit an dem Auf¬ Freiheit den ältesten Kultur begriff unserer kommen einer neuen S i 11 Li c h k e i t, an dem Ahnen darstellt, älter als der der.N a t i o n, ja selbst »»Herankommen jener Zeit, dawo, in der Sprache der Religion. Ehe sie sich zu einem Volke konunseres festlichen Prophetenabschnitts gesprochen, solidierten, bevor noch ihr religiöses Bewußtsein mit der Eine den Anderen nicht mehr fragt: Gehörst du einem konkreten Inhalt ausgestattet war, hat die zu uns oder zu unseren Feinden, sondernjeder ein- Idee der Freiheit bereits bei unseren Vätern zelne Mensch zu einem „Fürst" der Heerscharen des Wurzel gefaßt. Freilich darum aber auch in einem Ewigen und die in Liebe und Frieden vereinte ganz anderen Sinne, als welcher mit diesem Be- Menschheit zum geweihten Volke Gottes wird. Kein griffe heutzutage verbunden wird: Freiheit als Zweifei, we:t, sehr weit, entfernter denn je liegt Erbe — und es hat dich der Ewige befreit aus dem dieses Ziel vor uns. Ist es darum aber weniger ereisernen Schmelzofen, um ihm zu sein ein Volk, ein strebenswert? Ist der Frühling weniger begrüßensgrbe js. Freiheit als Aufgabe", die bis auf den heuwert, weil der Winter zuweilen.ungewöhnlich lange tigen Tag der Lösung entgegenharrt. Eine Aufgabe, sich hinzieht, und wie es in diesem Jahre geschah, so herrlich und erhaben, daß an ihrer Lösung mitzunur nach langem Kampfe das Feld zu räumen sich wirken den Stolz unserer Jugend bilden muß, wie es entschließt. Um auch inmitten des harten, kalten der unserer Väter war, herrlich und erhaben, weil Winters, in welchem wir jetzt leben, die Hoffnung ihre Lösungnicht uns aliein betrifft, sondern die auf den kommenden .Völker- und Weltenfrühling in Zukunft der M e n s c h e n und der M e n s c h h e i t. unserem Herzen wach und dadurch zugleich uns Gewiß, wir sind ein Volk, wie die anderen auch und unsere jugendliche V o 1 k s k r a f t zu erhalten als solches haben wir ein Recht auf Freiheit, ein — deshalb feiern wir wie alljährlich auch in diesem Recht auf Land, Sprache und Leben, auf freie Ent- Jahre unser Pessachfest als Symbol, als Vorfeier Wicklung unserer Volkspersönlichkeit. Gleichwohl jenes Pessach l'ossid lowau, der einst von der e rzu werden. Aber auch die Bezeichnungen: Schaf, Lamm hatten für das alte Israel alles eher als den gegenwärtigen geringschätzenden Beiklang. Die heißgeliebte Frau des dritten Patriarchen, die sagenumworbene Mutter Josefs und Benjamins trug einen Namen, welcher nur aus der Vorliebe für dieses Tier erklärlich erscheint. Rahel bedeutet nämlich hebräisch nichts anderes als — säugendes Mutterschaf. Der- Psalmist wiederum bezeichnet Gott als denjenigen, der das Schaf Israel weidet, wie auch der Prophet Ezechiel im babylonischen Exil davon träumt, daß die verödeten Städte des heiligen Landes einst voll sein werden von Schafen-Menschen., Aber auch im talmudischen Zeitalter war dasSchaf, dasLämmchen, der Gegenstand der Obhut, die man nicht' leicht außeracht lassen durfte. Von einer führenden'Persönlichkeit jener Epoche, Rabbi •Jehuda Hanassi (der Fürst), dessen Namen noch bis zur Stunde nur mit besonderer Verehrung ausgesprochen wird, berichten die Zeitgenossen, daß er, auf der Straße stehend, ein Lämmchen zur Schlachtbank führen sah. Es riß sich los und suchte unter dem Mantel des Fürsten Zuflucht. Doch dieser stieß es von sich mit den Worten: Das ist deine Bestimmung. Das Lämmchen wurde wohl geschlachtet, Jehuda Hanas<si aber wegen seines1 Verhaltens zu diesem sanften Tiere mit einem körperlichen Leiden bestraft. Aus dieser uralten, immer festgehaltenen Tradition heraus sowie aus dem bewußten Gegensatze zu der von den Heiden den Tieren dargebrachten göttlichen Verehrung war das Lärnmchen bis zur Tempelzerstörung' das Pessachopfer ge-, blieben; nachher allerdings trat infolge unglücklicher Verhältnisse das Judentum selber an dessen Stelle: Im Mittelalter, aber auch über die Schwelle der. Neuzeit hinaus war es gerade Pessach,. namentlich der Se0derabend,, da das Blutmärchen, der Blutaberglaube auftauchte, „Bilbulim", das heißt falsche Anklagen und Unterschiebungen sich häuften und Israel ein Lämmchen wurde, das wohl von seinem (himmlischen) Vater gekauft, von allerlei Feinden aber gerade zu diesem Feste gebissen, zerrissen und zerfleischt worden ist. Wer kennt nicht die von jenem als leichtfertig verschrienen Dichter poesievoll entworfene Schilderung dieser religiösen Abendfeier, „wehmütig heiter, ernsthaft spielend und märchenhaft geheimnisvoll," die aber nicht bloß in dendunklenStraßenBacherachs, sondern häufig auch anderswo mit einem schrillen Mißton abbrach, mit dem Wehklagen des Lämmchens, des Lämmchens. Das Lied: Chad Gadjo, chatf Gadjo, ein Lammchen,

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