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Die Wahrheit · 1924-04-11 · Heft 15 (11.4.1924) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 15 (11.4.1924)
Date
1924-04-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 15 DIE WAHRHEIT Seite 11 Theater, Kunst u. Literatur Des „Parteienhammers" Ende. Am 27. v. M. erschien die letzte Nummer der von Dr. Alfred Sch woner herausgegebenen trefflichen politischen Wochenschrift „Der Parteienhammer". Dr. Schwoner teilte den Lesern diese bedauerliche Tatsache in Form eines launigen und doch auch seriös gehaltenen Nachrufes mit. Wir können noch hinzufügen, daß diese, während der kurzen Zeit ihres Bestandes sich allgemeiner Achtung erfreuende Zeitschrift wohl nur deshalb aus dem publizistischen Leben scheiden mußte, weil sie es verschmähte, den verderbten Geschmack des Wiener Publikums durch Skandälchen oder andere Sensationen Konzessionen zu machen. Der Herausgeber und Chefredakteur hatte mit diesem Umstände nicht gerechnet. Er hat den Versuch, Gutes zu schaffen, gar bald scheitern gesehen und mit leeren, aber reinen Händen aufgeben müssen. d. Renaissancebühne: „Baronin Fritz i". Die Renaissancebühne" begann ihre Frühjahrsspielzeit mit diesem nicht gerade übermäßig originellen Schwank in drei Akten der Brüder Golz, das seiner Handlung und seinen Witzen nach für die allerwärmste Jahreszeit besonders geeignet wäre. Wenn es trotzdem ein Erfolg wurde und der Abend kein verlorener war, so ist dies fast ausschließlich auf Konto der geradezu vorbildlichen, bis ins kleinste Detail durchdachten Regie und der vorzüglichen Darstellung zu buchen. Rosy Werginz als Baronin fesch und temperamentvoll wie immer und Hans Lackner, der einzigartige Spezialist in Verlegenheitskomik, (spielen das Ehepaar, das sich im ersten Akt trennt, um sich naturgemäß im dritten (in einer unwahrscheinlich entzückenden Bar) wieder zu kriegen. Nikolaus Lovric' feiner Humor tröstet über die Unmöglichkeit seiner Rolle hinweg. Anny E v e r a als italienische Tänzerin läßt den Seitensprung eines Ehegatten begreiflich erscheinen und Fritz G r ü n b a u m als Faktotuni einer Theateragentur spielt mit größtem Erfolge — sich selbst. Nach Schluß des zweiten und dritten Aktes wurden mit den Darstellern auch die Autoren und der Regisseur. Alax L i e b 1, immer wieder gerufen, der, ebenso wie seine Schauspieler, auf den starken Beifall umso mehr stolz sein darf, als Erfolg auf der Basis eines derartig schwachen Stückes ebenso wie die Kriegsjahre doppelt zählen. A. R. „Faul, faul, faul". Aus Anlaß der Hundertjahreswiederkehr vdfr Josef Jsraels Geburtstag erzählten die holländischen Zeitungen viele Anekdoten von dem berühmten Maler. Da darf denn auch wohl ein Erlebnis Israels' mit Adolf von Menzel erwähnt werden, das der nächste Zeuge des Vorfalls, Paul M e y e r h e i m, seinerzeit erzählt hat. Es war auf eaner internationalen Ausstellung und die Jury, der Menzel angehörte, machte ihren Rundgang durch die Säle. Wie zumeist, ging Menzel dabei seine eigenen Wege, so daß Freund Me3rerheim ihn herbeiholen mußte, um ihm in dem holländischen Saal die drei Holländer, um die es sich für die Jurv handelte, zu zeigen. Aber auch jetzt kümmerte sich Menzel nicht um diese Weisung, sondern belorgnettierte ein größeres Bild von Israels. Auch Meyerheims Bemerkung, daß Israels längst die große Medaille besitze und daher gar nicht in Frage komme, vermochte Menzel nicht von dem Bilde fortzubringen. Inzwischen kommt der ebenfalls kleine und greise holländische Maler selbst hinzu. Nichts Gutes ahnend, flüstert Meyerheim dem Freund noch schnell zu: „Du, da kommt Israels!" Dieser, hocherfreut darüber, daß der Meister die Fischer so genau betrachtet, fragt freundlich: „Nun, Exzellenz, wie gefällt Ihnen denn die Schilderij?" Menzel, der offenbar Meyerheims Zuflüsterung nicht verstanden hat, sagt, ohne von Israels Notiz zu nehmen: „Oh, in der Totalität und im Aufbau ist .es vortrefflich, aber aber," und dabei tippt er mit der Lorgnette auf viele Stellen, „es ist alles so faul gemacht, faul, faul, feil!" Erjist Llssauer. Lissauer ist in den Kriegsjahren durch seinen Haßgesang an England, den wir nicht billigen konnten und können, in den weitesten Kreisen des deutschen Vaterlandes — ja selbst in stark konservativen — berühmt geworden. Auf einem sogenannten literarischen „Waschzettel" wird die Bedeutung dieses Dichters folgendermaßen gewürdigt: „Ernst Lissauer ist Jude aus einer^ altansässigen Berliner Familie. Wenige unter den bedeutenden Gestalten seines Blutes haben sich so wurzelfest mit deutschem Wesen verwoben, zu denkbarem Leben, zu fruchtbarem Schicksal, Lissauers Deutschtum, mit einem Worte Lagardes, liegt im Gemüte". Hier möge der Hinweis auf Dr. Robert Drills treffliches Buch: „Aus der Philosophen-Ecke" (Frankfurter Sozietätsdruckerei 1923) Platz finden, worin in einem „Die Juden" betitelten Aufsatz Wilhelm Stapel, der sonst das Völkische sehr betont, zitiert wird, und zwar bemerkt Stapel, es gebe „allen Theorien zum Trotz — einzelne Juden, die schlechthin deutsch" seien. Darauf erwidert der Verfasser des genannten Buches mit vollem Rechte: „Das ist nur freilich ein bißchen wenig: wir kennen selber welche, Herr Stapel kennt offenbar auch einzelne, andere werden ebenfalls etwelche kennen, und wenn man das alles zusammenzählt, so ergibt sich eine recht schöne Summe. (Anderseits, wieviel Deutsche mag es wohl geben, die nicht „schlechthin deutsch" sind?)" Und weiter. Ist es nicht eine Ironie des Geschickes, auf Lissauers Deutschtum Lagardes Wort anzuwenden: Die deutsche Gesinnung liege nicht im Geblüte, sondern im Gemüte? Wir kennen diesen Judenhasser de Lagarde (ursprünglich Paul Bötticher), sonst durch seine Gelehrsamkeit als Orientalist berühmt, aber verbittert in seiner Wesenart, konnte er nicht von dem „bis in das Mark hinein undeutschen Lipmann Zunz" reden. Und da£ei hat Leopold Zunz selbst nachgewiesen, daß Lipmann ein echt deutscher Name ist: aber nicht bloß der Name ist deutsch, Zunz war alles im allem ein kernfester deutscher Jude. Dr. Spanier (Magdeburg). Das jüdische BHd und Buch. Mitte April findet in Berlin eine große Kunstausstellung unter dem Namen „Das jüdische Bild und Buch" statt. Dieselbe umfaßt zwei Gebiete: 1. Die Kunstabteilung, welche eine Gesamtschau der Arbeiten jüdischer Künstler verschiedener Länder zeigt, und 2. die Buchabteilung, welche MusterbeisDiele jüdischer Verlagswerke vorführt; dazu kommen auch Bücher, welche nicht in jüdischer Sprache erschienen, deren Inhalt sich aber mit dem jüdischen Schaffen beschäftigt. Als Leiter der Bilderabteilung wurde der junge jüdische Maler T. R v b a c k gewonnen, dessen Ausstellung (Dezember 1923) in Berlin einen Beweis seines bewußt jüdischen Schaffens sab. Die Buchabteilung wird von Herrn M. K r i m b e r g. Mitinhaber der „Gescher"'-Gesells.haft geleitet. Diese zuerst in Berlin gezeigte Ausstellung soll danach als Wanderausstellung nach Frankfurt, Leipzig, Wien. Prag, Amsterdam, Paris. London und New-York geführt werden. Die Bilderausstellung wird besonders interessant werden, da schon mehrere angesehene jüdische Künstler aus Deutschland, Rußland, Oesterreich, Polen und Amerika ihre Beteiligung zugesagt haben. Alle weiteren Interessenten werden gebeten, ihre Adressen an das Sekretariat der Ausstellung. Buchverlag „Oese hg r", Berlin-Schöneberg, Hauptstraße 37, anzugeben. F. Baer: Das Protokollbuch der Landjudenschaft des Herzogtums Kleve. C. A. Schwetschke & Sohn. Berlin. — Das Buch ist als Einleitung zu einer geplanten Ausgabe des genannten, im Gesamtarchiv der deutschen Juden in Berlin aufbewahrten Protokollbuches gedacht. Es bringt eine auf gründlichen Studien aufgebaute Uebersicht über die Geschichte der Juden im ehemaligen Herzogtum Kleve, insbesondere in der Stadt Wesel. Zur dort ansässigen. Familie Zaudij (S. 16) ist das Kapitel „Zacharias Zaudij" in Orunwalds „Die Feldzüge Napoleons nach Aufzeichnungen jüdischer Teilnehmer" (S. 25) zu vergleichen. Die Darstellung der Gemeindeordnung und des inneren Lebens ist besonders dankenswert. G. k Jeanette und Karl Kaiman teilen allen Bekannten sowie den p. t. Vorstandsmitgliedern und Mitgliedern der Vereine „Montefiore" und „Freunde des großen Leopoldstädter Tempels" mit, daß die Trauung ihres Sohnes Erwin \ mit Fräulein Irene Waktor Sonntag, den 13. d. M., 3 Uhr naclim., im großen Leopoldstädter Tempel stattfindet

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