Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 15 (11.4.1924)
- Date
- 1924-04-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr*l& Die Besonnenen. Zwei Aussprüche prominenter Persönlichkeiten in Deutschland sollen hier bekanntgegeben werden. Reichskanzler Marx äußerte sich zur völkischen Bewegung: Es gibt auch im katholischen Lager, und zwar gerade bei der Jugend, manche, die eine Neugeburt Deutschlands von einer nationalen Begeisterung für die Wiedererrichtung der deutschen Vorherrschaft erhoffen. Man kommt so zu völkischen Ideen, die in ihren Konsequenzen ungeheuerlich sind. Ich sage: wenn der völkische Gedanke weitere Kreise des Volkes ergreifen sollte, so wäre das schlimmer als der verlorene Krieg; denn dann sind wir verloren für immer. Noch schärfer verurteilte diese staatsgefährlichen Bestrebungen der Arbeitsminister Dr. Brauns mit den Worten: „Den Völkischen ist Staat und Nation der Herrgott. Ihre Mittel sind Gewalt und für viele dieser Leute geht die Gewalt bis zum Meuchelmord. Das kann ein Christ mit seinem Gewissen nicht vereinbaren. Der nationale Gott ist ein heidnischer Götze und bleibt es auch im Gewände christlicher Symbole. Die nationalistische Bewegung völkischer Art ist letzten Endes auch unsozial, selbst wenn sie mit Kommunisten in sozialen Phrasen um die Wette eifert." Vielleicht waren die Kundmachungen der beiden führenden Männer als zum Fenster hinaus und als Wirkung in die ferne gedacht. Möglich, daß vor allem das immer sprungbereite Frankreich, das durch die Treibereien der Unverantwortlichen, die von Revanche träumen mißtrauisch gemacht wird, belehrt werden sollte, daß die deutsche Reichspolitik andere Ziele verfolgt als jene Flach- und Kohlköpfe. Immerhin haben wir es hier mit dem Urteil der Besonnenen an hervorragender Stelle zu tun, die den blind Losstürmenden einen nicht mißzuverstehenden Wink mit dem Zaunpfahl gaben. Es ist nur zu begreiflich, daß die um und hinter Ludendorff Reichskanzler Marx und Minister Brauns daraufhin als Verräter an der deutschen Sache brandmarken und den politischen Nationalheiligen Hitler als den Retter und Befreier aus der Schmach des Vaterlandes glaubhaft machen wollen. Wie ja dieser Hitler-Prozeß eine Galerie dunkelster Ehrenmänner im eigentlichen Lichte sehen ließ. Jeder von ihnen bemühte sich als makellos zu erscheinen, jeder auf Kosten der Besudelung anderer den eigenen Schild blank und glänzend aufzuzeigen. Wie immer auch die Verhandlung beim Volksgericht ausfallen mag, die Oeffentlichkeit hat bereits geurteilt und verurteilt; sie hat Einblick in den tiefsten Pfuhl der völkischen Entartung gewonnen, in dieses Wettrennen der Streber im Bürger- und Waffenrock. Auch die Schichtung dieser bunten Gesellschaft entbehrt nicht des Interesses. Sie alle haben sich den Umsturz nur zun Aufgabe gemacht. Aber während die Deutschnationalen in manchen Kreisen nicht für voll genommen werden, weil sie gelegentlich auch mit den Juden oder Katholiken packeln, haben sich die deutschen Antisemiten durch ihre Häutung zum rein Völkischen als die unfehlbar Wahrhaften in den Vordergrund der Bewegung geschoben. Es ist nun gewiß die höchste Zeit, daß die Beossenen — und solche stehen nicht bloß an der Spitze der Regierung — Halt gebieten. Die Judenregierung. Im deutschen Wahlkampf wird die Judenregierung die bekannte Rolle spielen. Es ist darum zweckmäßig, festzustellen, was es eigentlich mit dieser Judenregierung auf sich hat. Hier das Ergebnis: In den zehn Ministerien der Republik waren unter 121 Ministern 5 Minister jüdischer Abstammung. In der ersten Regierung, dem Kabinett Scheidemann, saßen davon zwei (Preuß und Landsberg); in der fünften Regierung (dem Ministerium Wirth) saßen wiederum zwei Juden: Gradnauer und Rathenau. In der sechsten Regierung (im zweiten Ministerium Wirth) finden wir nur Rathenau. Im ersten Kabinett Stresemann (der achten Regierung) saß als einziger Jude: Hilferding. Alle übrigen Regierungen waren „judenrein". Dennoch: die Judenregierung wird in diesem Wahlkampf keine unbedeutende Rolle spielen. Aber nicht nur die Regierung, auch die deutsche Nationalversammlung soll verjudet gewesen sein. Die Wahrheit freilich ist, daß von 423 Abgeordneten nur 8 Juden und 4 Abgeordnete jüdischer Abstammung waren, das heißt 2.8 Prozent. Dem sachlichen Politiker mögen solche Statistiken blanabel erscheinen; sie sind notwendig wegen des Niveaus, das die sogenannten besten Deutschen unserer Politik bereiten. Es ist darum zu begrüßen, daß vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens das erforderliche Material zur Abwehr all dieser judenhetzerischen Lügen zusammengestellt worden ist. (Anti-Anti-Blätter zur Abwehr.) Etliche Einzelheiten darunter sind so amüsant, daß wir sie unsern Lesern nicht vorenthalten möchten. Die Judenfahne Schwarz-Rot-Gold war bekanntlich die Fahne der deutschen Burschenschaften; hingegen ist die Fahne des Stammes Levi Schwarz-Weiß-Rot. Der berühmte Kollege des Professors Roethe, der Judenfresser Adolf Bartels, nennt in seinem Buch über Heinrich Heine den Dichter einen „vollkommenen Lumpen, einen Seelenverkäufer, giftigen Feind des deutschen Volkes, einen Revolverjournalisten und Zuchthauskandidaten". In dem „Führer durch Reclams Universalbibliothek" schreibt derselbe Bartels: „Ein wirklicher Dichter, wenn auch vor allem ein Virtuose, ist Heinrich Heine, der von allen Dichtern des 19. Jahrhunderts das meiste Aufsehen zu machen verstanden hat und heute als europäische Größe gilt." Dr. Dinter — der Häuptling der Völkischen in Thüringen — erhitzt sich gegen den Paulus des Neuen Testaments: „Er redet, labert und salbadert das Blaue vom Himmel herunter. Er ist der Typus des Allerweltsjuden, dessen Maul man vergeblich totschlägt." Man möchte fragen, was.einem Juden geschehen würde, wenn er derartige Beschimpfungen einer von Millionen von Menschen aller Kontinente verehrten, ja angebeteten Persönlichkeit von sich spie. Aber die Deutsch-Völkischen sind eben eine Rasse für sich. Die Thora als Grundlage für den Aufbau Palästinas. In der „Prager Presse", dem offiziellen Organ der tschechischeft Regierung, veröffentlicht der bekannte Arabist Prof. M u s i 1, ein katholischer Geistlicher, einen Leitartikel über das jüdische Palästina. Er schreibt, daß das jüdische Volk seine Erhaltung bis heute nur der Thora zu danken habe, und erklärt, daß Palästina nur mit der Thora als Grundlage aufgebaut werden könne. Der Kampf um die Schechita in England. Im November vorigen Jahres fanden in B i r in i n g h a m von 200 Sanitäts- und Veterinär - Beamten Demonstrationen mit wissenschaftlichen Untersuchungen über die Schlachtmethoden vom sanitären und humanitären Standpunkte aus statt. Der offizielle Bericht über das Ergebnis ist nunmehr im „Lancet" veröffentlicht. Die Berichte stammen von dem Direktor des physiologischen Instituts, Dr. Leonhard Hill, dem Veterinär Prof. J. Mac Queen und dem Schlachthof-Oberinspektor Brenan de Vine und stimmen im günstigsten Ergebnis für die Schechita überein. Aus dem Berichte von Dr. Leonhard Hill seien nach der „Allg. Fleischer-Zeitung" Nr. 70 folgende Stellen wiedergegeben: „Ich komme nun auf den Standpunkt zu sprechen, daß das Fleisch von geschossenen Tieren feuchter sei und mehr Blut enthalte. Das war auch deutlich zu sehen bei den Versuchen in Birmingham. Hälften der ausgewählten und auf jede Weise getöteten Tiere waren in einem verschlossenen Räume aufbewahrt und wurden eine Woche später begutachtet. Als man die Tierkörper zerlegte und das Fleisch der geschossenen Ochsen mit dem nach jüdischen Ritus getöteten verglich, war es klar, daß das Fleisch von der letzten Schlacntart fester, trockener und von Blut frei war. Das Fleisch der geschossenen Tiere war nicht nur feuchter und weicher, sondern es zeigte sich auch Blut in den Blutgefäßen." Professor Hill schreibt dann weiter: „Zwei Tatsachen wurden zweifellos festgelegt: Das Durchschneiden der Kehle wird von den Tieren im Moment des Messeransetzens nicht gefühlt, das Durchschneiden der dicken Arterien der Kehle verhindert sofort die Blutzirkulation im großen Gehirn und bewirkt Bewußtlosigkeit. Die Schlächtermeister und Fleischwarenfabrikanten haben deshalb mit ihrer Ansicht recht, und sie sollen nicht daran gehindert werden, ihre alten Schlachtmethoden weiter anzuwenden, weil die Humanität nicht darunter leidet und auch die Volkswirtschaft Anlaß hat, ihrem Standpunkt Rechnung zu tragen." Ludendorff als Protektor ritueller Küchen. Anläßlich der judenfeindlichen Einstellung des Generals Ludendorff, der im Hitlerprozeß u. a. erklärte, er habe die jüdische Gefahr im und nach dem Weltkriege kennen gelernt, gestatte ich mir — so schreibt dem Isr. Fam. Bl. (Hamburg) ein Leser aus Görlitz —r eine Erinnerung aufzufrischen, die Herrn Ludendorff heute nicht angenehm berühren dürfte. Während des Krieges hatte ich eine Zeitlang ein Kommando im Hauptquartier-Ost, in Kowno, inne. Um die große Not unter den dortigen Juden zu lindern, .wurde auf Anregung des Herrn Feldrabbiners Doktor Rosenak eine rituelle Küche unter dem Protektorat Ludendorffs gegründet. Diese rituelle Speiseanstalt führte ihm zu Ehren den Namen L u d e n d o r f f - K ü c h e.