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Die Wahrheit · 1924-04-11 · Heft 15 (11.4.1924) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 15 (11.4.1924)
Date
1924-04-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 15 war ein Urteil „als ob". Als ob die Schuld auch ihre Sühne gefunden. Man stellt che Justiz mit verbundenen Augen dar. Es ist nicht zu verwundern, wenn ihr niederfallendes Schwert zuweilen daneben schlägt. So wurde das mehrwöchige Gerichtsverfahren gegen Hitler und Komplizen zu einer Farce. Aus den vom Staatsanwalt beantragten mehrjährigen Freiheitsstrafen wurden in Wirklichkeit einige Wochen. Die Vermutung besteht allerdings, daß die Helden des 9. November der Bedingung der Bewährungsfrist nicht Folge geben werden, denn die völkischen Katzen lassen das Mausen nicht, außerdem haben sie den Trost, es gibt noch Richter in München von der Sorte, die am ominösen 1. April ihr Urteil gesprochen haben. Der sittliche Zweck der Strafe, zu bessern und bekehren, ist also im gegebenen Falle ausgeschaltet. Es ist für die Zukunft der völkischen Bewegung aufschlußgebend, wie ihre gesamte Presse noch immer ■das Lügienimiau-i volinimmt, als ob nichts giesdhehen wäre, und eigentlich ist auch so viel wie nichts geschehen. Hitler und seine Getreuen haben ihr billiges Märtyrer tum, dlas Austal Anlialß zu 'berechtigtem Hohn und Spott. Es kommt also männigliich axuf seine Rechnung. Wohl fehlt es niicht auch an ernsten Stimmen, die ihr Bedenken über den Ausgang der ganzen Sache laut werden lassen. Denn sie wird den bevorstehenden Wahlen in Deutschland, wenn nicht besondere Gegenaktionen vorgenommen werden, Richtung und Ziel weisen. Was den Becher des Mißvergnügens überfließen läßt, ist der Freispruch des Generals Ludendorff, dem das Volksgericht den Rücken gestärkt hat. Dieser gefährlichste Vertreter der Wilhelminischen Militärkamarilla und Schirmherr der preußischen Revanchepolitik ist die größte Gefahr für jede Friedensbestrebung und wird auch so von den Gegnern des deutschen Reiches eingeschätzt. Er wird seinen verhängnisvollen Einfluß auf den Gang der Ereignisse zu üben nicht verfehlen. Es ist auch fraglich, ob sich die jetzige Reichsregierung gegen den etwaigen Druck der Massen wird behaupten können. Jedenfalls wird der neuen Liga in maßgebenden Auslandskreisen mit lebhaftem berechtigten Mißtrauen begegnet. Der Kurs nach rechts ins monarchistisch-reaktionäre Fahrwasser würde ein Verhängnis bedeuten und so könnte die rückläufige griechische Dramaturgie in Erscheinung treten, nach dem Münchener Satyrsipiea döe Welttraigödie kommen. * * * Die „Berl. Volksztg." stellt folgendes deutsche Presseecho zur Münchener Maskerade zusammen: Das Urteil im Hitler-Prozeß findet in der hauptstädtischen Presse den erwarteten Widerhall. Fangen wir auf der äußersten Rechten an! Herr Maurenbrecher von der „Deutschen Z t g." stellt erst einmal fest, daß dem General Ludendorff heute die Glückwünsche aller sogenannten „guten Deutschen" zufliegen und meint dann: „Es scheint uns eine gebieterische Notwendigkeit zu sein, daß die bayerische Regierung, als Inhaberin der höchsten Staatsgewalt, den Verurteilten im Wege der Amnestie die Strafe erläßt, die nach dem Spruch des Gerichts noch zu verbüßen wäre." Bestände nicht die Gefahr, mißverstanden zu werden, wären wir geneigt, dem zuzustimmen, damit an der währen Tendenz des Urteils kein Zweifel mehr übrigbleibt! Als Groteske mag der Satz verbucht werden, den in der „Kreuz-Zeitung" Herr Georg Foertsch schreibt: „Das Urteil gegen Hitler, Poehner, Kriebel und Weber ist h a r t." Und dann folgen verklausulierte Elogen auf die armen Betroffenen. Der „Lokal-Anzeiger" ist zufrieden; er meint: „Das ist ein salomonisches Urteil. Kein Salomo, kein Daniel hätte unbefangener die Möglichkeiten bayerisch-volksgerichtlicher Rechtshoheit ausschöpfen können. Theoretisch wird der Justiz gegeben, was immer sie fordern kann. Praktisch wird selbst dem recht anspruchsvollen und verwöhnten bajuvarischen Volksglauben Genüge getan." O schlechter Richter Salomo! Der Moniteur-Stinnesois „D. A. Z." wählt die Ueberschrift „Versöhnung". Er preist die Lauterkeit der Verurteilten in hohen Tönen, warnt in zaghafter Zurede vor dem „Gefühlsrausch" des Putschismus und will, wie wenn nicht am 4. Mai die Bürgerbräuhelden sich zur Wahl präsentierten, aufs Goethe- Wort hinaus: „Laßt das Vergangene vergangen sein!" Verständiger ist schon Stresemanns „Zeit", wenn sie sagt: „Man wird nicht behaupten können, daß dieses Strafmaß abschreckend wirkt und diejenigen zur Besinnung bringen kann, die auch heute noch mit dem Gedanken eines gewaltsamen inneren Umsturzes spielen." Erfreulich klar ist die Ueberschrift des Aufsatzes in der „Germania": „Milde für Hochverräter", und auch der herbe Satz muß leider unterschrieben werden: „Mit diesem Urteil ist die Staatsautorität und das Rechtsempfinden des Volkes zuGrabe getragen worden." Traurig wirkt auch die Wahrheit, die in der „Vossischen Ztg." ausgesprochen wird: „Ludendorff und seine Freunde stecken schwarz-weißrote Wimpel auf. Das Reich aber möge sein schwarzrotgoldenes Banner u m f 1 o r e n." Mit Recht spricht das „B e r- 1 i n e r Tageblatt" von dem „Münchener Angst-Urteil" und sagt dann: „Ludendorff erklärt dem erstaunten Vorsitzenden: er empfinde das Urteil als eine Schande. Diesen Ruf, wenn auch nicht im Sinne des Sprechers, nimmt das ganze deutsche Volk auf." Und der „Vorwärts" endlich schreibt: „Nach dem wochenlang andauernden Schmierenpathos des Volksgerichtstheaters folgt jetzt ein katzenjämmerlicher Schlu ß." Das Bild ist klar: Die Reaktion jubiliert, die Republik verhüllt ihr Haupt in Kummer und Scham .... Der Volkische. Von Josef Maria Frank. Es baumelt irgendwo an ihm ein Hakenkreuz. Und seine Lippen piepen stündlich unergründlich Fridericus Rex. Er fühlt nur sich allein autorisiert als Edelingsgewachs * und legitimer Sohn des echten Teuts. Aus seiner Stirn furunkeln flammende Proteste. Und automatisch feuerspeit er gegen Juden und Marxisten. Er möchte überall und immer einen Stall (sowie die Republik) ausmisten und arrangiert im Sommer Sonnwendfeste. (Cäsar entflaischlt — wiotJaoiisiert, stets putiscbbereit fühlt er nur arisch und lebt teils mit, teils ohne Alkohol und häufig vegetarisch.) Sonst gliedert er sich noch in Gaue, Bünde und Verbände und wäscht sich stets in Unschuld seine Hände. („Die Glocke", Berlin.) Grestes Kager in feinst. Füdiscn, Efoles u. Capes Reiche Auswahl neuester Pelzmodelle in sämtt. Pelzarten - Pariser u. 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