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Die Wahrheit · 1924-04-11 · Heft 15 (11.4.1924) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 15 (11.4.1924)
Date
1924-04-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. iS_....., „„ _bifc WAHfiBElT__. " _Seite 5 Hand zu reichen, auch wenn sie am anderen Ufer stehen." * * * Dieser Major Anker ist nach dem Mitteilungen der „Jüdisch-Liberalen Zeitung" eine extrafeine Nummer. Seime Gastrolle als Redner in der Versammlung des Dr. Naumann war schlankweg eine Niiediertraobt, deren sich dieser deutsche Mann und Offizier schämen sollte, wenn er dessen fähig wäre. Um sein schäbiges Anseihen bei: den 'Parteigenossen auf dien Qlaniz 'herzurichten, schrieb er dl&m Antisemitenbun/d „Stahlhelm" eine Rechtfertigiung, die Zweck unld Absieht seiner Rade in der deutsdhinationaiijüidischen Versaimimliung enthielt. Es war ihm daran gelegen, mit seinen. Ausführungen einem Tutrnult zu provozieren, was ihm auch -restlos -gelungen iist. Er entblödet sich nicht zu bekennen: „1 ch ging hin in di er Absicht", nach M ö g Ii c hk e i t ein scharfes A u f einanderptatzen der na- 1<l o -n a 1 e ni J u d e n <m i t ihre n n i c )h t n a t i onalen Rasse genossen herbeizuführe n." Und weiter: „Mir scheint auf jeden ■Fall ein bemerkenswerter nationaler Erfolg an jenem Abemd festzustehen. Nicht als ob die paar wirklich nationalen Juden positiv viel bedeuten. A ib e r Z w i e s p a 11, offene Meuterei im jiddischen Lager hab e ieh er zi e 11 un;4 das ist meines E rachtens von nicht zu unterschätzender Bedeutung im nationalen Sinne, >d enn e s b e d e,<u t e t e-i n e Sch wäcih ung d e r feind 1 ie h e n Front. Die Völkischen treiben, wenn sie mein Auftreten verwerfen, Geifüihlspolititk, die zu nichts führt. Ganz abigesehen davon, 'daß ihr letztes Ziel, Ausmerzuintg alle Angehörigen der jüdischen Rasse (denn für mich 'bleiben auch die Kinder und Enkelkinder getaufter Juden Fremdrassige), einfach unerreichbar ist. Ich bin für Realpolitik, d. 1. eine Politik, die manchmal „seltsame Bündnisse annimmt". Das ist ungefähr die gleiche Auffassung, wfe vor fünfzehn Jahren Gneisenau sie kundgab, inldlem er sagite: „S e 1 b s t Narre n sind mir w ii 11kommen, wenn sie an der nationalen Sa c h e m i t a r b e i t e n." Narren? Das mag noch Mflgetai. Aber wie ist es mit aufgemachten Schuften? Das hat der Herr Major Anlker nicht bediacht. Dr. Naumann wird wohl nach diiösiem Erlebnis nicht mehr gilaiuben machen wollen, daß „die vom andienen Ufer" ihim die Hand reichen; es wäre;denn, um iiim mit;der andern Hand meuchlings den Dolch in dien Rücken zu stoßen. Von der geigeniwärtig vorherrschend dleiutschnationälen Mentalität führt! keine Bmcke zur jüdisch-naitionalen. Es ist wie in dein LiedJe vom iden b eildien Königskihidern: „Sie konnten zusiammen nicht kommen; das (antisemitische) Wasser ist gar zu tief!'' d. Daniel Spitzer, der „Wiener Spaziergänger". Vom Adoit Retmann. (Schluß.) Besonders schart wird Spitzer, wenn er von der allgemeinen Politik auf 'das Gebiet des Antisemitismus übergeht. Als der berüchtigte Ritter von Schönerer, der vieledle Vorfahre unserer Waber und Franck, mit mehreren Komplizen bei Nacht die Redaktion einer Wiener Zeitung überfällt, die Redalk teure verprügelt usw., kommentiert dies Spitzer folgendermaßen: „Der Abgeordnete Schönerer ahmt das Beispiel dies berühmten Kalifen Harun al Raschid nach, und so wie dieser, verkleidet, nächtliche Wanderungen .durch die Straßen von Bägdaid unter nahm, mm die wirkliche Stimmung des Volkes kennen zu lernen, zieht auch er in nachtschlafender Zeit mit einem Schlagringe und einem Stocke mit Bleikopt maskiert in den Redaktionen der Volksblätter umher, um die Wahrheit zu erfahren." Anläßlich der Demonstrationen wegen -der erfolgten Verurteilung Schönerer's: „Wahrscheinlich infolge der großen Hitze trugen die Demonstrationen, miiit denen die heranwachsende Degeneration die Verurteilung ihres geistigen Führers, des Herrn Schönerer, wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit begrüßte, keinen erhebenden tumultuarischenCharakter an sich. Den Glanzpunkt 'der Huidiiguinigsfeier hiWeten zwölf armselige Arretierungen. Während demnach die arische Demonstration hei uns im Sandle verlief, ist das „Germanen-Fest", das einige Bonvivants 'der niedlichen Schwesterstadit 'Krems veramstailten wollten, um die so lange vernachlässigten natürlichen Beziehungen zwischen den Kremsern -und 'den sonstigen germanischen Stämmen, wie Skandinaviern, Engländern und Hoillänidern, endlich einmal intimer zu gestalten, von der Statt'halterei mit Haut und Haiar verboten worden, so daß leider die patriotischen Bestrebungen, die Aufmerksamkeit der etwas zerstreuten Welt auf das kleine Städtchen zu konzentrieren, das bisher mehr durch 'den daselbst produzierten bedeutenden Senif als durch die -dort erzeugten hervorragenden Oermanen bekannt war, ohne jeden Eriolg geblieben sind." Zur Zeiit der Cholieraepidemie konstatiert Spitzer mit Befriediigiung: „Es ist nur überraschend, daß sich die Politiker der Cholera nicht zu Parteizweoken bedient haben; die Antisemiten haben vorläufig noch nicht gegen die Juden die Beschuldigung erhoben, daß unter ihnen die stärksten Zwetschkenesser zu finden sind." •Prinz Liechtenstein, ein Liebiingsobjekt Spitzers, hält im Parlament eine seiner zwar nicht durch Sachkenntnis getrübten, dafür aber von antisemitischen Phrasen strotzenden Reden. In der darauf folgenden Sonntagsnummer ist zu lesen: „Die nur infolge der mangelnden Sachkenntnis des Prinzen Liechtenstem's mißlungene* Rede zeichnete sich JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Delailverkauf: Wien 11., Glockengasse 24 Wien H., Taborsfraße 44

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