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Die Wahrheit · 1924-04-04 · Heft 14 (4.4.1924) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 14 (4.4.1924)
Date
1924-04-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 16 tm Wjahrhe«t Nr, 14 Damit darf man am Ende selbst einem Zentrumsmann kommen, ohne etwas zu verderben. Dr. Marx kann.sich wohl rhetorisch mit Dr. Stresemann nicht messen, aber die Kunst des politischen Eiertanzes hat er — und nicht allem — ihm glücklich abgeguckt. Dr. Walter Rieh! als Rechtsanwalt der österreichischen Justiz. Der früher oft genannte Hakenkreuzadvokat Dr. Walter Riehl läßt seit der vorjährigen Salzbur&r Tagung der Nationalsozialisten in Salzburg nichts mehr von sich hören, um so mehr aber lesen. Seine Tribüne ist hauptsächlich der „Michel", der nicht müde wird, sich über die verfassungsmäßig festgelegten Staatsgrundgesetze, soferne diese den Schutz aller Konfessionen fordern, hinwegzusetzen. In diesem, den niedersten Antisemitismus kultivierenden Blatte veröffentlichte nämlich Dr. Riehl den Aufsatz „Eine Abwehr der Angriffe gegen unsere Justiz". Dem Verfasser will es durchaus nicht passen, daß Wiener freisinnige Organe an den Urteilsfällungen der Richter in politischen Prozessen Kritik üben.. Diese* Urteile sind oft genug eine Ironie jeder Rechtsprechung. Es ist noch nicht zu viel gesagt, wenn sie als Klassenjustiz hingestellt werden. Dem Anwalt solcher Justiz ist es aber selbst zu viel des Erlaubten, wenn an derlei Vorkommnissen auch nur irgendwie sich ein Tadel knüpft Es geht schon in einem Aufwaschen, wenn bei diesem Anlasse Dr. Riehl auch die Wiener Polizei als unfehlbar und unantastbar betrachtet wissen möchte. Dies zu begründen, leistet sich der deutsch gesinnte, aber nicht ganz deutschsprachlich sattelfeste Herr den folgenden, etwas östlich gebauten Satz: Bekannt ist der Sturmlauf der Sozialdemokraten gegen die Unabhängigkeit der Wiener Polizei von dem gewählten Bürgermeister (sie!). Macht nichts. Der deutsche Herrgott schaut auf die Gesinnung und nicht auf die Syntax. Dagegen ist der Herr Anwalt ganz auf der Höhe, wo es sich um schrankenloses Schimpfen handelt. Da beherrscht er die Terminologie der Marktweiber restlos. Anknüpfend an einen Konzerthausvortrag Anton Kuhs, den er als „eingestandenen Schmutzian" anspricht, stellt er ihn unter die „Leute aus den verkommendsten Spelunken, Abhub des Großstadtgesindels von Budapest und anderen östlichen Judenstädten, die (gemeint ist vermutlich Kuh und Konsorten) für ihr schmutziges Handwerk das Doppelte und Dreifache bezahlt bekommen wie Männer von der hohen Bildung und moralischen und geistigen Höhe unserer Richter." Nach dieser Gallenentleerung Dr. Riehls folgen einige positive Vorschläge, wie diesem Jammer abzuhelfen wäre. Von unserem „feigen Parlament" und der ängstlichen Regierung sei nichts zu erwarten, eher von den politischen (sprich hakenkreuzlerischen) Vereinen und vom Zentralrat bodenständiger Juristenvereinigungen (vermutlich mit Dr. Walter Riehl an der Spitze). Und außerdem wird eine Zensur der Berichterstattung dringendst angeraten. Schließlich reitet Dr. Riehl noch einmal darauf herum, daß seine Bourgeois-Klassenrichter weniger Einkommen besitzen als die angeblich ausgebeuteten Proletarier. Gesetzt den Fall, es verhielte sich so, ist das ein juristisch-logisches Argument gegen die Anklage der Klassenjustiz? Viel Glück hat der Anwalt dieser Justiz mit seinem geschriebenen Plädoyer nicht gehabt. Wohin? Um diese Zeit, wenn, diesmal sehr verspätet, bei uns die ersten Veilchen sprießen, wird in den Reihen solcher, die in der glücklichen Lage der Besitzenden sind, die Frage erörtert, wohin heuer der Großstadt entfliehen? Für den Wiener im allgemeinen ist diese Frage kein Problem, aber für den Mitbürger mosaischen Glaubensbekenntnisses ist nach mancherlei Erfahrungen der letzten Jahre die Sommerfrischenwahl nicht so einfach. Wir kennen nämlich ganz reizende Gegenden, die auch klimatisch sicher empfehlenswert, aber rassisch gefährlich verseucht sind. Ganze Bezirke fern und nah, so weit eben die Grenzen der Republik Oesterreich gezogen sind, erklärten schon voriges Jahr mit dem Freimut, der unverdorbenen Landmenschen ziemt, daß Juden nicht erwünscht sind und auch keine Aufnahme finden.. Darauf glaubten die neunmal Gescheiten unter den Abgelehnten, diesen „lästigen Fremden", auf den Schleichpfaden des verfassungsmäßigen Weges die verweigerte Aufnahme erzwingen zu können, und es gelang ihnen auch, mitunter zu siegen. Sie harten das Recht auf ihrer Seite und ein Dach über den Köpfen. Sie hatten aber auch — und dagegen hilft kein Paragraph — die Gehässigkeit der bodenständigen Bevölkerung wider sich. Sie konnten unter den tausendfachen Nadelstichen des täglichen Umganges der guten Luft und der schönen Lage des Ortes nicht froh werden. Alle Zeichen sprechen dafür, daß diese Zustände heuer keine Milderung erfahren haben. Eher läßt sich feststellen, daß die erbärmlichsten Nester bereits zum Sitz eines Hakenkreuzwisches geworden und „gegen Juda" losziehen. Angenehm würde sich das sommerliche Verweilen jüdischer Familien in solch idyllischen Gegenden schwerlich gestalten. Und deshalb heißt es, mit aller gebotenen Vorsicht für den heurigen Sommer die Wahl treffen. Erfreulicherweise gibt es noch Länder, wo der Schande des Jahrhunderts, dem Antisemitismus, noch keine Altäre errichtet wurden. Dieser Umstand mag bei der Frage „Wohin aufs Land?" entscheiden. Wer zeichnete die Deutschlandshilfe? Amerikanische Blätter melden übereinstimmend über eine Ende Jänner von Deutschamerikanern in New-York eingeleitete Sammlung für die Deutschlandshilfe, die nach einem Bericht des Abgeordneten des New-Yorker Zweiges des nationalen Komitees, Irving T. Bush, die stattliche Summe von 130.120 Dollar erbrachte. In den Berichten heißt es wörtlich: „Unter den Stiftern und Spendern befanden sich James Speyer* Felix M. Warburg und Paul M. Warburg, von denen jeder 25.000 Dollar gab, ferner August Heckscher mit 10.000 Dollar, die Oesterreichische und Deutsche Gesellschaft für Kinderhilfe mit 6000 Dollar, Henry Goldmann, Henry Heide, Otto H. Kahn, Mortimer, J. Schiff und H. N. Slater mit je 5000 .Dollar, Max Horwitz mit 2500, Fritz Achelis, Paul Baerwald, William Gray, Ralph Pulitzer, J. L. Reiß, Frau H. N. Slater und Frau Henry Villard mit je 1000 Dollar." Es ist eine Ironie des Schicksals, daß unter den Hauptspendern sich Namen befinden, die von den Völkischen leidenschaftlich bekämpft werden, weil sie „typische Vertreter des internationalen Judentums" seien. Um so anerkennenswerter Die besten jeder rituellen Anforderung entsprechenden MAZZOTH erzeugt die unter der strengen Aufsicht des berühmten Talmudgelehrten Oberrabbiner Chaim Gelernter aus Kuty stehende Mazzolhiabrih H. 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