Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 14 (4.4.1924)
- Date
- 1924-04-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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;---,-,■.■.:..»■.• .."'H-**»•.. Uc.U^fi * h*-:*Xr* .*.< L*aBG!S^«i-BI®BiiiiäÄa ixsssmasmm: §eaie6 DIE WAfröfEIt Nr. 14 als eine Gefahr und sie versucht alle Keime von Größe außerhalb ihrer Grenzen zu ersticken .... bevor sie zur Herrschaft kam, hatten wir wohl auch Kriege, Plünderungen, gewaltsame Thronwechsel, 1 die Elend im Gefolge hatten, aber nie sahen wir solche furchtbare und hoffnungslose Raubgier, solch ein gegenseitiges Sich-auf-fressen von Nationen . . . solche entsetzliche Geburten wn Eifersucht .... Diese politische Kultur ist wissenschaftlich nicht menschlich. Sie ist mächtig, weil sie alle ihre Kräfte auf ein Ziel richtet, wie der Millionär, der Geld erwirbt, auf Kosten seiner Seele .... Wir haben gesehen, wie zu allen Zeiten in Europa edle Geister für die Rechte der Menschen ohne Rücksicht auf Farbe und Bekenntnis eintraten.....wie sie Verleumdungen und Schmähungen ihres eigenen Volkes trotzend, immer bereit sind, das Unrecht wieder gutzumachen, das ihre eigene Nationen früher anderen zugefügt. Schlecht ist das Motto, dessen Sinn ist: „Hilf dir und kümmere dicht nicht darum, was es andere kostet" — das Motto des Blinden, der an das glaubt, was er berührt, weil er nicht sehen kann. Die größte Entdeckung, die je der Mensch gemacht hat, ist die Entdeckung des sittlichen Gesetzes, dem der Mensch der Wahrheit um so näher . kommt, je mehr er sich in anderen erkennt und empfindet. Diese Wahrheit hat nicht nur subjektiven Wert, sondern sie offenbart sich in jeder Lebenssphäre. Und Völker, die eifrig sittliche Blindheit als Vaterlandsliebe kultivieren, werden jäh und langsam zugrunde gehen .... Die Welt ist im Begriffe, durch die technischen Erleichterungen zu einem einzigen Lande zu werden .... Es gibt überhaupt nur eine Geschichte, die Geschichte der Menschen. Die Geschichten der Völker sind nur einzelne Kapitel dieser großen Geschichte .... Jedes mdividium hat seine Selbstliebe .... aber der Mensch hat auch seine höheren Instinkte: Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Die Menschen, denen es an dieser höheren sittlichen Kraft fehlt und die sich nicht mit anderen zu -einer Gemeinschaft verbünden können, müssen umkommen .... nur die Völker haben fortgelebt und es zur Kultur gebracht, in denen dieser Gemeinschaftsgeist stark lebendig ist. So finden wir, daß vom Anfang der Geschichte an die Menschen zu wählen hätten zwischen Kampf und Gemeinschaft, Eigentum und Allgemeininteres)ße. Die wichtigste Tatsache der heutigen Zeit ist, daß die verschiedenen Menschenrassen in nahe Berührung miteinander gekommen sind. Und wieder haben wir zwischen zwei Wegen die Wahl: Die Frage ist, ob die verschiedenen Völkergruppen fortfahren sollen, einander zu bekämpfen, oder ob die versuchen sollen, eine Grundlage für Versöhnung und gegenseitige Hilfe zu finden; ob ewiger Wettstreit oder Zusammenarbeiten die Losung sein soll .... das ist das Problem, das jetzt vor uns liegt, und wir müssen unser höheres Menschentum dadurch beweisen, daß wir es auf sittlichem Wege lösten. Als die Nation noch in der Entwicklung begriffen war, da waf die sittliche Kultur der Brüderlichkeit in geographische Grenzen eingeschlossen, weil damals jene Grenzen auch wirkliche Grenzen waren. Jetzt sind sie zu traditionellen Linien geworden, die nur in der Einbildung bestehen und den Charakter wirklicher Schranken verloren haben. So ist die Zeit gekommen, wo die sittliche Natur des Menschen in allem Ernst mit dieser wichtigen Tatsache rechnen oder sich verloren geben muß. Indien hat nie den wirklichen Sinn für Nationalismus gehabt. Obleich man mich von. klein auf gelehrt hat, daß der Götzendienst der Nation fast noch besser ist als Ehrfurcht vor Gott und der Menschheit, so bin ich, glaube ich, doch dieser Lehre entwachsen und ich bin überzeugt, daß meine Landsleute ihr Indien in Wahrheit dadurch gewinnen werden, daß sie gegen eine Lehre kämpfen, die ihnen sagt, ein Land stände höher als die Idee der Menschheit. Unsere Ideale sind durch unsere eigene Geschichte entwickelt worden .... wenn wir den Wunsch hegen, unsere ganze Habe gegen politischen Nationalismus einzutauschen, so ist dies ebenso unsinnig, als wenn die Schweiz ihr Leben an die Erfüllung des ehrgeizigen Wunsches setzte, eine Flotte zu bauen, die es mit der englischen aufnehmen könnte. Der Fehler, den wir machen,* ist der, daß wir glauben, es gäbe nur einen Weg zur menschlichen Größe — den, den wir heute zu unserem Schmerz als breite Straße über die Welt des Westens laufen sehen und auf dem freche Anmaßung die Führerin ist. „Eine Nation ist die. Erscheinung eines ganzen Volkes als organisierte Macht. Diese Organisation zielt beständig dahin, daß die. Bevölkerung in Stärke und Leistungsfähigkeit gelange, und das entzieht der höheren Natur des Menschen, die ihn aufopfernd und schöpferisch machte, ihre Kraft. Er fühlt sich in der Erreichung dieses Zieles in seinem Gewissen beruhigt, wenn er seine Verantwortlichkeit auf diese Maschine schieben kann, die eine Schöpfung seines Intellekts und nicht seiner ganzen sittlichen Persönlichkeit ist. Der Nationalismus ist eine sehr schwere Gefahr .... da Indien von einer Nation regiert und beherrscht wird .... haben wir trotz des Erbes unserer Vergangenheit versucht, den Glauben in uns zu entwickeln, daß wir auch vielleicht eine politische Aufgabe haben .... Wir sollten aber nur aus eigenem Geist geborene, schöpferische Arbeit leisten und dabei selbst noch in des Verfolgers Rachen nicht aufhören, unsere uns vom Schicksal auferlegte Pflicht zu tun, und so durch Leiden und Mißerfolg frei jedem Schritt moralische Siege gewinnen .... Noch heute macht sich bei den Europäern der Ausrottungsgeist bemerkbar, indem "sie Fremde ungastlich ausschließen, sie, dae selbst als Fremde kamen in die Länder, die' sie nun beherrschen. Sie verschließen den Fremden entweder ihre Türen oder sie würdigen sie zu Sklaven herab. Dies ist ihre Art, das Problem des Rassenstreites zu lösen .... JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Delaüverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien IL, Taborslraße 44