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Die Wahrheit · 1924-04-04 · Heft 14 (4.4.1924) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 14 (4.4.1924)
Date
1924-04-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Schluß, den man skfo merken muß, dtenn es handelt sich um de Grnndälalgie der ganzen Aufesuiig. nach der DetttsdhJanü erneuert werden soll: „Auch hier harrt des Lesers eine bittere Enttäuschung. Nur der Deutsche kann Staatsbürger sein, Juden und Nichtdeutscjie werden aus allen verantwortlichen Stellen des öffentlichen Lebens ausgeschieden und unter Fremdenrecht gestellt. Schon für ein bloßes Programm ist das mager, für ein Buch von mehr als 200 Seiten, das uns die Grundlagen des völkischen Staates zeigen will, ist das garnichts. Daß die Juden unter Fremdenherrschaft gestellt werden sollen, ist schon unzählige Male gesagt worden. Dadurch, daß es noch einmal wiederholt wird, verschwindet keine der Unklarheiten, die mit dieser Forderung verbünden sind." Dann stellt der völkische Professor mit bemerkenswerter Offenheit dar, welche zahlreichen Unklarheiten in-seiner eigenen Weltanschauung des Antisemitismus vorhanden sind und schreibt im Anschluß daran das folgende vernichtende Urteil über das Programmbuch des Nationalsozialismus nieder: „Das sind nur die grundlegenden Fragen, die auf diesem Gebiet gestellt werden müssen. Aber auf keine von ihnen gibt Feders Buch eine Antwort. Ja, man sieht nicht, einmal, daß die Notwendigkeit ihrer Aufwerfung ihm zum Bewußtsein gekommen wäre. Staatspolitisch betrachtet ist das Buch eine Niete. Auf alle entscheidenden Fragen bleibt es eine Antwort schuldig, speist es den Leser mit kümmerlichen Schlagworten ab." Wie gut, daß das ein völkischer Rechtslehrer sagt! Dieses Wort muß den Herren fMer und Compagniire solange entgegengeworfen werden, bis auich, dem dümmsten Spießer endlich aufgeht, was der Natibnatlsoziiailsmus eaTgentiichist. Nicht viel besser sieht es auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Forderungen und Programmpunkte aais. Das stellt der völkische Professor gleich zu An- Feuilleton Von Wien nach Bukarest Ernste und heitere Erlebnisse von Josef Grob. (Fortsetzung.) IX. Assekuranza. Ganz genau zu erklären, was eigentlich die rumänische „Assekuranza" bedeutet, ist mir auch heute, nachdem ich die Ehre hatte, einigemale mit ihr in Berührung zu kommen, nicht möglich, was jedoch den Wunsch nicht ausschließt, daß nicht nur ich, sondern kein Mensch mit ihr im Leben etwas zu tun haben möge. Assekuranza soll die sogenannte Polizeidirektion sein, wo das An- und Abmelden und dergleichen behördliche Pflichten durchgeführt werden. So ist es angeblich in jeder Stadt und in jedem Staate. Ganz anders im neuen Staate Rumänien. Wenn ich das, was ich und wahrscheinlich auch alle anderen Ausländer, insbesondere Juden, auf der rumänischen Assekuranza mitmachen müssen, genau charakterisieren wollte, so würde ich sie am liebsten mit einem Folterinstitute vergleichen. Gleich beim Betreten des rumänischen Bodens ist es Pficht eines jeden Fremden, sich auf die Assekuranza zu begeben und so wollte auch ich selbstverständlich dieser Pflicht nachkommen. Zuerst mußte ich lange warten, bis ich an die "Reihe kam und dann wurde mir bedeutet, ich sollte ein Ansuchen in rumänischer Sprache aufsetzen, dasselbe mit Stempel versehen und es dann zwecks Aufenthaltsbewilligung einfang seiner Betrachtungen jfest: „Darneben finden sich dann einige ebenso dürftige Betrachtungen über die sittlichen Grundlagen dies neuen Staates, Betrachtungen, die nichts bringen als abgegriffene Deklamationen gegen Wucher und; Schiebertum, also gegen wirtschaftliche Sünden, die doch lange nicht die schlimmsten sind (?) und deren Ausmerziung allein unser Volk nicht zu retten vermöchte." Damit kommt der Kritiker aiuif den „sozialistischen" Teil des nationalsozialistischen Programmes, der in einem miserablen Plagiat des wirklich sozialistischen Programmes besteht. In diesem Punkte versteht der Herr Professor keinen Spaß: „Aber gerade, daß diese Art der Sünden in den Vordergrund gestellt werden, ist bezeichnend für das Buch, das ein Bild des neuen Staates geben will und neun Zehntel seines Raumes würtschaftichen Fragen widmet." Der Kritiker behauptet dann,- es sei durch! „hingebende Aufklärungsarbeit" gelungen, das Schlagwort vom Wiederaufbau Deutschlands durch die Wirtschaft auszurotten. „Und nun kommt ein Wortführer des Nationalsozialismus, der uns ein neues Ideal bringen will und erweist sich als völlig befangen in materialistischen Anschauungen, in einer Denkweise:, die folgerecht nur in den von ihm angeblich bekämpften Marxismusausmünden kann." „Der Staat ist ihm (dem Verfasser Feder) nicht die lebendige Zusammenfassung des Volkes, nicht die Verkörperung seiner Größe und Herrlichkeit, sondern ein Instrument der Wirtschaft." - Diesen Teil lehnt der völkische Professor entschieden ab und zeigt deshalb auch hier die Hohlheit und Dürftigkeit des nationalsozialistischen Programmbuches: „In diesem Rahmen aber verkündet Feder einen Gedanken, dessen Verwirklichung alle Not beseitigen, alle Schwierigkeiten lösen soll: die Brechung der Zinsknechtschaft. Brechung der Zinsknechtschaft, das ist ein zweifellos agitatorisch sehr wirksames Schlagwort. Aber wias denkt sich Feder darunter?" Nichts, was sich irgendwie durchführen reichen. Natürlich wurde mir diese Erklärung in der Landessprache gegeben, von der ich kein Wort verstehe, weshalb ich eine neben mir stehende Partei um Aufklärung ersuchen mußte. Wie aber ein Gesuch in rumänischer Sprache aufsetzen, wenn ich das nicht kann? Nachdem es mir nach weiteren zwei Stunden gelungen war, jemanden zu finden, der die Liebenswürdigkeit hatte, mir das Gesuch aufzuschreiben, ging ich wieder in die Assekuranza, doch ich kam zu spät, da die Amtsstunden bereits zu Ende waren. So war ich gezwungen, am nächsten Tage wieder in aller Frühe auf der Assekuranza zu erscheinen. Ich* wurde von einer Dame, nicht über sechzig, mit stark geschminktem Gesicht, einer dampfenden Zigarette im Mund, angefahren, warum ich erst heute komme, da ich doch schon seit gestern hier bin. Ich motivierte meine Verspätung mit den Schwierigkeiten des Gesuchaufsetzens und nach vielem Hin- und Herreden stellte es sich heraus, daß ich auch heute die Anmeldung nicht vornehmen könne, weil zur Herausgabe einer Aufenthaltsbewilligung Photographien beigebracht werden müssen. Es blieb mir nichts* anderes übrig, als zu einem Photographen zu gehen und dort Bilder zu beistellen. Am dritten Tage mußte ich wieder endlos lange Warten. Dann aber begann eine Protokollaufnahme, wieder in rumänischer Sprache. Es gelang mir jedoch, den Beamten davon zu überzeugen, daß es nicht sehr human sei, mich absolut in einer Sprache zu befragen, die ich nicht verstehe und so mußte sich der Beamte der deutschen Sprache bei der Protokollaufnahme bedienen. Aber so viel Zeitungspapier umfaßt eine ganze Nummer der „Wahrheit" nicht und so viel Tinte verbrauchte ich in meinem Leben nicht, um all das hier nieder-

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