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Die Wahrheit · 1924-03-28 · Heft 13 (28.3.1924) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 13 (28.3.1924)
Date
1924-03-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 15 Mainzer jüdischen Reformblatt berufen: „Das deutsche Judentum arbeitet jetzt so kräftig, so riesig, so unverändert an der neuen Kultur und Wissenschaft, daß der größte Teil des Christentums bewußt oder unbewußt von dem Geiste des modernen Judentums geleitet wird." Herr Wimmer braucht sich auf seinem preußischen Abgeordneten aus dem Jähre 1SS0 nicht gar viel einzubilden. Daß seitens des Judentums kräftig und unverändert an der Kultur und. Wissenschaft gearbeitet wurde, hat sich nicht erst im Jahre des Heils 1880, sondern schon vor Jahrhunderten ereignet und lebt im Zeugnis der Geschichte fort. Und weil dem also ist, müßte das Verhältnis der Christen zu den Juden ein arideres, dankbareres sein als zu — Schlafgängern. K Das andere Deutschland. Es wäre über alle Maßen trostlos, wenn draußen im Reich kein anderer Geist das politische Leben durchdränge als jener, den Professor Ouidde mit dem bombenartigwirkenden Artikel in der „Welt am Montag" gekennzeichnet hat. Der preußisch-militaristischen Strömung hauptsächlich unter der Jugend wirkt zum Glück gleichfalls unter der Jugend ein friedfertig-verständigungsbeflissenes Streben entgegen. Als wichtiges und erfreuliches Dokument der Zeit verzeichnen wir nachstehende, vom wahren Ethos beseelte Kundgebung der deutschen an die französische Jugend: „Große Teile der deutschen Jugend haben schon lange moralisch abgerüstet und sind mit heißer Liebe wie zum eigenen, so auch zu den anderen Völkern erfüllt. Deutschland soll in Zukunft Familienhäuser statt Kanonen, Kriegsschiffe und Kasernen bauen. Ihr wollt Sicherheiten unserer Gesinnung haben. Wir wollen sie Euch geben. Nehmt unsere Arbeitskraft und laßt uns so an Frankreichs Aufbau arbeiten, wie der Krieg an seiner Zerstörung gearbeitet hat. Wie wir Vater und Mutter, Weib und Kind, Schwester und Braut verließen, um das Vaterland mit dem Schwert zu verteidigen, so wollen wir jetzt, dem Ewigen dienend, -.viederum alles verlassen und in innerer Freiheit nach Frankreich gehen mit einem Herzen voll Liebe und erfüllt mit dem Gedanken, dem Haß ein ewiges Grab zu graben. Wie im Kriege wollen wir leben unter Entbehrungen, nicht besser essen und trinken, nicht schöner gekleidet sein und nicht bequemer wohnen.- Wir verlangen keinen Sold als die Ehre des Ewigen, dem wir allein dienen wollen und von dem wir alle unsere Kraft haben. Wir wollen freiwillig in die Verbannung gehen, damit wir und Ihr, Euer und unser Volk und die Völker der Erde alle zur wahren Freiheit kommen. Mag. Eucli unsere Zahl auch gering erscheinen im Vergleich zu dem gewaltigen Heere, das auf Frankreichs Boden gefochten hat, so wißt, daß hinter unserer Gesinnung der Herr der Welt steht. Werkleute und Studenten, Gelehrte und Bauern, Mönche und Priester, wir werden kommen! So laßt uns ein! Oeffnet jedem einzelnen von uns die Grenze und zeigt, v/o wir wirklich unmittelbar dem französischen Volke helfen können. Das Volk wird die größere Zukunft haben, welches aus innerer Freiheit das größere Opfer bringt!" — Man kann sich ungefähr vorstellen, wie Frontkämpfer, Stahlhelm und Hakenkreuzler über die Jugend dieses anders gesinnten Deutschland hergefallen sind. Der Antisemitismus in den deutschen Schulen. Eine Anzahl hervorragender Berliner Pädagogen hatte sich auf Einladung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu einer Aussprache über „Schule und Antisemitismus" in Berlin eingefunden. Als erster Redner führte Studiendirektor Dr. Henning aus. es sei leider eine Tatsache, daß der Antisemitismus in die höheren Schulen eingedrungen sei. ungeachtet dessen, daß 1914 die jüdischen Schüler der oberen Klassen mit großer Begeisterung für Deutschland als Freiwillige in den Weltkrieg gezogen sind. Nicht weniger als 15 frühere jüdische Schüler Dr. Hennings sind im Krieg gefallen. Dr. Henning beklagte, daß durch Hineintragen des Antisemitismus in die Schule die Beziehungen des Lehrers zu seinen Schülern und der Schüler zu ihren Mitschülern einen häßlichen Zug erhalten. Ein Lehrer habe sich gerühmt, in seiner Klasse würden Juden nie lange bleiben, er würde schon dafür sorgen, daß sie möglichst bald ausscheiden. Oft werden aber auch die Kinder schon im Elternhaus verhetzt. Prof. Dr. Hildebrandt sieht den Hauptgrund für das Eindringen des Antisemitismus in die Schule in der Politisierung der höheren Schulen. Er verlangte einen Zusammenschluß der Jugendverbände aller Richtungen. Frau S t u d i e n d i r e k t o r i n Gerhardt wies darauf hin, daß heute das Deutschtum im Auslande ähnliche Leiden durchmachen müsse wie die deutschen Juden. An dem Beispiel Spaniens könne die Schule zeigen, wie die Austreibung eines Volksteiles die ganze Wirtschaft eines Landes zu zerstören vermag. Ein Vertreter der völkischen Richtung führte dann aus, das völkische Problem, das heute die brennendste Tagesfrage ist. könne in der Schule nicht übergangen werden. Geheimrat Dehn icke versuchte, das Anwachsen des Antisemitismus in den höhereu Schulen dadurch zu erklären, daß die deutsche Jugend zurück will zu dem Bismarckschen Ideal des ..gesunden Natioualgeistes". während die Mehrheit der jüdischen Schüler heute auf der Seite des Internationalismus, Pazifismus und Kommunismus stehe. Der Schulreformer Professor O e s t r e i c h trat diesen Ausführungen entgegen und verlangte ein direktes Entgegenwirken gegen den Antisemitismus in den Schulen. Der einzige Jude unter den Vortragenden. M i 11 e 1 s c h u 11 e h r e r Stern, schilderte als Vater die Leiden jüdischer Kinder in antisemitisch verseuchten Schulen. In manchen Gegenden Deutschlands geht der Judenhaß in den Schulen bis zu dem durch Vereinbarung festgesetzten Brauch nicht.iüdisclier Schüler, mit jüdischen Schülern nicht zu sprechen. So wirkt die Verhetzung des Elternhauses auf die ohnedies zur Grausamkeit geneigte Jugend. An der bis Mitternacht sich hinziehenden Aussprache beteiligten sich Redner verschiedener Richtungen. Wie die nationaldeutschen „Juden" die Judcnirajse lösen wollen. In der soeben erschienenen Nummer 1 des „Mitteilungsblattes des-Verbandes tiationaldcutscher Juden, e. V.", berichtet Herr Dr. B r e s 1 a u e r, Redakteur des „Berliner Lokalanzeiger", über die aufgeregte Versammlung des Verbandes im Berliner Logenhaus und gibt hier die Gedankengänge des Hauptredners des Abends wieder. Dieser Hauptredner war kein geringerer als der Verbandsvorsitzendc, Dr. Max Naumann, selbst.- Nach dem doch zweifellos authentischen Bericht gab Dr. Naumann unter anderem auch seine Ansicht über, die Lösung der Judenfrage zum besten. In dem Bericht heißt es: „Heute sei nicht die Zeit, um praktischen Fragen, wie der Judenfragc, mit Philosophie näher zu kommen. Man müsse, wie Nietzsche sagt, mit dem Hammer philosophieren." Kommentar überflüssig. Aufklärung erwünscht. In Nummer 19 seiner allwöchentlich erscheinenden „Sonntagsbriefe'* verlangt der Herausgeber Joseph Sonntag anläßlich des Hitler-Prozesses die Beantwortung einiger interessanter Fragen, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. Nachdem gefordert wird, man sollte Ludendorff unter ein politisches Kuratel stellen und Hitler als ein „subalterner Geist" bezeichnet wird, welcher den Wodankultus wieder einführen will, heißt es weiter: „Weil die Gefahr besteht, daß die Völkischen dank der Propaganda, die die Linke durch ihr Drängen nach Beschleunigung des Hitlerprozesses kostenlos gemacht hat, eine beachtenswerte Position im deutschen Parteileben erringen werden, wäre es im höchsten Maße angezeigt, daß die Münchener Richter beim Zeugenverhör auch die Frage zur Klärung bringen, wer denn die Hitlerbewcgung finanziert hat. Daß sie ganz ungewöhnlich kostspielig gewesen ist, kann kaum einem Zweifel unterliegen. Ebenso ist es Tatsache, daß Hitler und seine Mannen enorme Gelder verschwendet haben. Es würde sich leicht nachweisen lassen, sofern das Gericht den Willen hat. daß die Hitlergarde gerade in denjenigen Monaten, wo unsere Mark am tiefsten stand, ungezählte Schweizer Franken ausgab. Es ist völlig ausr geschlossen, daß in dieser Währung von deutscher Seite Gelder geflossen sein könnten. In der Schweiz aber gibt es eine ganze Reihe von Banken, die es mit Frankreich halten. Und in Bern und Zürich pfeifen es die Spatzen von dj?n Dächern, daß und warum Poincare nach dieser Richtung keine Kosten scheute. Gerichtliche Nachforschungen würden manches Rätsel lösen, und Frankreich, nicht Deutschland, hätte den Ausgang des Prozesses zu fürchten. Den Völkischen würde der Nimbus in ein Nichts zerfließen, und unser Vaterland würde eher zur Ruhe kommen, fn München sollte man sich um die Feststellung dieser Finanzierungsfrage ernstlich auch' von Parteiwegen bemühen." 9|HM CJäSää«a i Beiche Auswahl neuester Pelzmodelle in sämtl. n i i . . n zur Saison! »jessksstsä Pß zlMSftififstert!i MHMaHMi Leitung des bestrenommierten Inhabers der Firma * « ipMiWlMSj II« MM

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