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Die Wahrheit · 1924-03-28 · Heft 13 (28.3.1924) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 13 (28.3.1924)
Date
1924-03-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 13 Theater, Kunst u. Literatur Verein der Freunde des Großen Leopoldstädter Tempels. Das Purinifest bot den geeigneten Anlaß zu einer sehr gelungenen Akademie mit anschließendem Ball, die Donnerstag, den 20. d. M. im Festsaal des Hotel Continental stattfand. Nach der Eröffnungsansprache des Vereinsvizepräsidenten Redakteur L. H i r s c h f e 1 d, der die anwesenden Ehrengäste mit Herrn Dr. Desider F r i e d m a n n, Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde, an der Spitze auf das herzlichste begrüßte, folgten künstlerische Darbietungen, die überaus beifällig aufgenommen wurden. Die ganz hervorragenden Leistungen des Pianisten Prof. Roderich Baß ernteten stürmischen Applaus. Der fein differenzierte Anschlag, die warme, seelenvolle Kanteline, ein stark entwickeltes rhytmisches Gefühl und die perlende Technik, die diesen genialen Künstler auszeichnen, kamen ganz besonders in einer Serie eigener, ungemein wirksamer Kompositionen zur vollen Geltung. Besonders glänzend und bei prächtiger Stimme waren Frau Opernsängerin Malvine S'z t e r e n y i sowie Herr Oberkantor G. M a r g u I i e s. Spezielles Lob verdienen auch Herr Bela Weiß vom Bürgertheater als Conferencier, der ausgezeichnete Humorist Kurt Karsten, der jugendliche Cellist Theo Salzmann sowie die bekannte Soubrette Rosl B e r n d t, die für ihre überaus hervorragenden Leistungen vom zahlreich anwesenden Publikum gleichfalls mit großem Beifall ausgezeichnet wurde. Die meisterhaften Vorträge Oskar Beregis lösten wahren Jubel aus. Es war ein ebenso genußreicher als künstlerischer Abend, um dessen Gelingen sich Jugendkomitee und Gesamtvorstand mit Präsidenten Kommerzialrat Alfred Landesberger an der Spitze redlich bemüht haben. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. In der gleichnamigen Notiz in Nr. IL die sich unter anderem auf den Vortrag des Herrn Dr. Naftali Lieber über „Die Juden in der modernen französischen Literatur" bezieht, sind mehrere sinnverwirrende Druckfehler unterlaufen, die wir im folgendien berichtigen. Statt Decroisez soll es heißen De Croisset; der „gallische Bartels" ist der antisemitische Kritiker Pierre Gilbert (kein Jude); einen Henri Pierre gibt es nicht: der Referent hat nicht gesagt, daß „andere den George de Porto Riehe mit Racine in eine Linie gestellt haben", sondern nur, daß Lanson von George de Porto Riehe rühmt, er habe im Geiste Racines gedichtet: es soir richtig Tharand statt Tarraut heißen; „Quand Israel est roi" ist eine nicht zum Roman verarbeitete Darstellung des bolschewistischen Umsturzes in Budapest: statt ,.a l'hombre de Iacroix" soll es richtig „A l'ombre de la Croix" heißen. — Am 22. d. M. sprach Herr Bahnoberinspektor a. D. Max St ei n über „Esther in der Weltliterat u r". Der Vortragende erzählte kursorisch, wie oft dieser dankbare Stoff zur Dramatisierung gelangt ist; man zählt 27 lateinische Estherstücke allein. Schon Luther hat zur Dramatisierung aufgefordert und es entstanden zahlreiche Schuldramen dieses biblischen Textes zum Zwecke moralischer Betrachtung. Eingehend wurde Lope de Vega's. Racine's und Grillparzer's Esther besprochen, sowie Goethe's Benützung des Motivs im „Jahrmarkt von Plunderweilen". Weiter das Zitat aus dem letzteren und bezeichnend für die Objektivität leider nur ganz großer Geister: Haman: „Du kennst das Volk, das man die Juden nennt, das außer seinen Gott nie einen Herrn erkennt ... der Jude liebt das Geld und fürchtet die Gefahr. Er weiß mit leichter Müh' und ohne viel zu wagen, durch Handel und durch Zins Geld aus dem Land zu tragen." Ahasverus: „Ich weiß das nur zu gut, mein Freund, ich bin nicht blind: doch das tun andere mehr, die unbeschnitten sind." Es wurde noch auf die Darstellung des Sujets in der Malelei (Paolo Veronese, Lorraine) und in der Gobelins von Detroit verwiesen und auf die Versuche, den Grillparzer'schen Torso zu ergänzen, bzw. zu vollenden, wie sie von Karl v. Heigel und Rudolf Kranz angestellt werden; zu diesen das Hebbel'sche geistreiche Wort angeführt, daß man „ebensowenig weiter dichten kann, wo ein anderer aufgehört hat, wie weiter lieben". — Im ganzen eine respektable literarische Studie eines Nichtfachmannes, was der Verein mit Recht auch zu fördern bemüht ist. Dr. Heinrich Haas e. Ernst Goth gestorben. Aus Florenz kommt die Nachricht, daß dort Ernst Goth plötzlich an einem schweren Leiden verstorben ist. Vielen unserer Leser wird bei diesem Namen die Erinnerung an Aufsätze unserer, Zeitung aufsteigen, die von einer eigenartigen Geschlossenheit und Beschwingtheit des Stils waren. Ernst Goth war ein Feuilletonist und Essaist von hervorragendem Ausmaß. "Durch seine jahrelange Wirksamkeit im Auslande hatte er eine seltene Sach- und. Menschenkenntnis erlangt. Die geistige Beweglichkeit, die* in starkem Maße sein Wesen kennzeichnete, ließ ihn auch rasch mit unserer Arbeit vertraut werden. Zeitschrift Debir. Buzh II, Berlin 1924. Die Not der Zeiten, die hauptsächlich in Deutschland groß war, als diese Zeitschrift begründet und in zwei Büchern (nicht Heften) herausgegeben wurde, hat vor der jüdischen Tatkraft und der jüdischen Opferwilügkeit halt gemacht, denn dieses „Debir ' ist reich, vornehm und geschmackvoll ausgestattet worden. Es iracht seinem Namen „Tempel" alle Ehre, denn es bereitet den Anhängern der jüdischen Wissenschaft wahre Erhebung und Sammlung und auch der Verlag Debir in Berlin und die Herausgeber (die Herren J. Elbogen, I. N. Epstein und H. Torczyner) sind mit heiligen Ernst an ihre Arbeit hcran- .getreten. Um den Vergleich fortzusetzen, auch der Inhalt ist tempelrnäßig; richtige, sogar feine hebräische Sprache, vielfach Beschäftigung mit der heiligen Schrift (in vorliegendem zweiten Buche M. S o 1 o v e i t s c h i k: Der Begriff „Wüste" in der Geschichte und Anschauung Israels; R. Eisler: Die Kunst der Schrift im Zeitalter Mosis: H. Torczyner: Zur Sprach- und Bibelforschung; alle drei Artikel tiefgründig und Bleibendes wirkend), doch auch Talmudisches in reichem Maße (z. B. M. Guttmann, Breslau: Akademische Fragen im Talmud), Philosophisches (darunter Erinnerung au H. Steinthal von M. Joseph), neue Texte aus Handschriften (von A. Marx, Marmorstein und I. M a r k o n; die drei repräsentieren soweit auseiuanderliegende Welten wie New-York, London und Petersburg) und andere Forschungen (M. W i 1 e n s k i und Josef Klausner, letzterci aus Jerusalem) und Bücheranzeigen (von S. Krauss, F. Beer und I. N. Epstein). An der Spitze steht eilte Uebersicht über die „Wissenschaft des Judentums1' der vergangenen 100 Jahre, geschrieben von I. Elbogen, mit der Eleganz und dem sicheren Urteil, deren wir bei diesem Gelehrten stets sicher sind, ein Aufsatz, der übrigens auch' deutsch erschienen ist und verdient, in weiten Kreisen gelesen zu v/erden. S. Krauss. Apollotheater. Die neue Operette „Ein Ballroman" ist die dritte Operette von Robert Stolz in einer Saison und die Saison ist erst halb vorüber, kein Wunder, wenn die Sache diesmal etwas schwächer gelungen ist. Willner und Oesterre.icher haben dazu drei Akte gemacht, die ebenfalls nicht hervorragend sind. Dafür ist die Darstellung ausgezeichnet. T r e s s 1 e r kann alle Munterkeiten seliger Burgthcaterlustspiele und seine fabelhafte Knockabout- und Artistengesjhicklichkeit zeigen, Paul M o r g a n ist ein komischer Kauz von menschlichen und schauspielerischen Vorzügen, weniger gut Treumann. Christi M a r d a y n spielt, singt und tanzt flott und Mimi B r i x- W e r n e r als Wiener Jungfrau, singende Czardasfürstin und geschickte Separe- Novize ist sehr zu loben. | fon der Bundesregierung Dewilligte WBm „ m ä?^stiTiis mmm.mwH v?l»£ +4 *MmM a dftdt___9. nll9/IIIClll-IICl Fl : S1 llrM ■ M^lllaHB ■ VwTmm^ {ür Kriegswaisen, Lehrmädchen und Arbeiterinnen £ j LlltlllUllUlltl IL » Gesamttreffer 600 Hillionen Kronen 5 Haupttreffer 120, 60, 35, 20 und lO Millionten Kronen \ und Mausend andere Treffer; 34>> Lose in allen Banken und Trafiken erhältlich! — Wiederverkäufer gesucht! *WC \

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