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Die Wahrheit · 1924-03-28 · Heft 13 (28.3.1924) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 13 (28.3.1924)
Date
1924-03-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT Nr. 15 den Hakenkreuzlern unter dem konfiszierten Plakat angeschlagen, so daß man beide Plakate durch mehrere Tage ruhig lesen konnte. "Es fragt sich, ob es angeht, ein gerichtliches Erkenntnis auf diese Weise zu verhöhnen, es fragt sich ferner: Woher nehmen die Herren die Gelder, um die namhaften, Kosten dieser Plakatierungen zu bestreiten? Aus unserem Rechtsschutz-und Abwehrbüro. Die Novosadisten. Hat der Hitler-Prozeß Wesen und Charakter oder besser gesagt: Charakterlosigkeit des deutschen Hakenkreuzlertum aufgedeckt, r so hat der jüngst in Wien abgeführte Prozeß gegen die Novosad-Platte die Struktur des Wiener Hakenkreuzlertums bengalisch durchleuchtet. Eine Schar grüner Jungen, zum Teil noch Gymnasiasten, hat die Indianerromantik der Kinderzeit ins Moderne übertragen. Die Geschichten vom „Lederstrumpf" und der „Weißen Adlerfeder" spukten offenbar noch in ihren Gehirnen und ihre Wirkung wurde verstärkt durch die Berichte über Geheimbündelei in Deutschland, über die Organisation „C" und die Organisation „Stahlhelm", durch welche das entwaffnete deutsche Volk wieder wehrhaft gemacht werden sollte. Dazu kamen die feigen Morde an Erzberger und Rathenau und die im Prozesse der Rathenau-Mörder bekanntgewordene Parole, daß Feinde und Verräter „erledigt" werden müssen. In den Siebzigerjahren erschien in Wien ein gutes Witzblatt, „Der Floh", welches als ständige Figur vom Meisterstifte des berühmten Karikaturisten Klic den „Ladislaus Bubus" und seine Betrachtungen brachte. Die Ladislaus-Bubusse haben sich nach dem Kriege in erstaunlicher Weise vermehrt und treiben unter dem Zeichen des Hakenkreuzes ihr lärmendes Unwesen an allen Straßenecken. Das Unglück wollte es, daß sich an die Spitze dieser Bubenschar ein notorisch Wahnsinniger stellte, der es mit der „Erledigung" von Verrätern wirklich ernst meinte und so den armen Karger im Neulengbacher Walde umbrachte. Die Novosad-Platte ist freigesprochen worden, weil es an Beweisen für die Geheimbündelei mangelte und nur das Geständnis der Angeklagten vorlag. Leider bot die Strafprozeßordnung keine Handhabe dafür, den Beteiligten vor ihrer Entlassung aus dem Gerichtssaale je 25 über den Hintern zu ziehen. Die besten jeder rituellen Anforderung entsprechenden MAZZOTH erzeugt dfe unter steter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der isr. Kultusgemeinde Wien stehende nazzotbfaM H. STRUM Wien II.« Rotensterngasse Mr. II Tel. 47-7-17 Die Mazzoth werden in meiner neuen, nach englischem Muster erstklassig eingerichteten maschinellen Bäckerei aus nur streng beaufsichtigtem Mehl erzeugt Erstklassiger Mazzothgries f Der Orel. Der Lenz ist gekommen. Die Sonne wagt sich langsam! hervor, die Vögel singen, es blühen die Blumen und — die Dummheiten im Wiener Gemeindierat; woraus sich streng logisch ergibt, daß Herr Aiiton Orel hier wieder einmal eine seiner berühmt geistvollen Reden mit dem originellen Refrain: „Wer is schuld, darr Jud!" von sich gegeben hat. Es hieße dieser traurigen Inkarnation politischer Impotenz zu viel Ehre antun, sich mit dem sogenannten Inhalt seiner periodisch auftretenden Anfälle ernstlich zu beschäftigen. Was sich der Herr Gemeinderat aber diesmal geleistet hat, verstößt nicht mehr gegen den guten Geschmack und gesunden Menschenverstand (ihm bloß deshalb Vorwürfe zu machen, wäre unbillig), sondern sein Benehmen, besonders dem Bürgermeister Seitz gegenüber, war derart, .daß es wohl kaum in eine Bürgerschule, geschweige in das Rathaus paßt. Herr Orel darf froh sein, nicht mehr Schuljunge zu sein (was man seinem Wesen nach leicht glauben konnte), er hätte sonst sicher anständige Prügel bekommen. So aber wurde er bloß von der Mehrheit des Hauses ebenso unhöflich als dringend eingeladen, seine Amtstätigkeit in Hinkunft auf den Steinhof zu verlegen. Das geistige Niveau des Wiener Gemeinderates w;ürde dadurch bestimmt nicht verlieren und es ist ganz leicht möglich, daß der Platzwechsel auch für diese stolze Zierde der christlichsozialen Partei den Vorteil hätte, dort bei den ganz schweren Fällen noch einige neue Anhänger seiner wertvollen Theorien zu finden. Im übrigen empfehlen wir dem Herrn Gemeinderat wärmstens die Lektüre von Knigges „Umgang mit Menschen" und versichern ihm, daß er ruhig das Buch lesen und die Nutzanwendung daraus ziehen darf — es ist von keinem Juden. . - A. R. Mozarts Ohren und Beethovens Schädel. Der in Rassefragen gewiß nicht unvoreingenommene „Fränkische Kurier" läßt sich mitteilen, daß neue Untersuchungen das im Salz- -burger Mozarteum aufbewahrte Ohr Mozarts als „B r e i t o h r" festgestellt haben, wie es die Neger und andere tiefstehende Rassen besitzen, während die Ohrform der kaukasischen Rasse fast immer „Längsohren" zeigt. Bekannt ist, daß Beethovens Schädel in unzweifelhafter Weise als Rundschädel bestimmt worden ist, was ja nach der antisemitischen Rassentheorie auf eine Verwandtschaft mit den Semiten hinweist. Vor wenigen 'lagen hat der deutsche Außenminister Stresemann in Wien eine Rede gehalten, in welcher er den gegenwärtigen Materialismus des deutschen Volkes zu den Idealgestalten eines Haydn, Mozart, Beethoven und Kant in Gegensatz stellte, und mm kommt diese merkwürdige rassische Klassifikation Mozarts und Beethovens. Mit Recht bemerkt hierzu dfe „C. V. Zeitung": Beethoven ein Rundschädel, Mozart ein B r e i t o h r — ein völkischer Mann muß nachgerade in Schweiß geraten, wenn er die Gedankenkette durchgeht: Nur der Arier ist imstande, schöpferisch zu wirken — ein Arier hat Langschädel und Längsohren, Beethoven und Mozart haben schöpferisch gewirkt — sie haben aber Rundschädel und Breitohren. Was ist nun richtig: Die Rassentheorie, dann waren die beiden keine Genies — oder ihre Musik ist genial, dann hatten sie falsche Köpfe und Ohren — oder die Rassentheorie ist falsch . . .? — Der völkische Mann seufzt: es ist halt schwer, überzeugungstreu zu sein, und geht, um sich zu entspannen, in die Operette. Die Stellung der Reventlow-Leute zu den Juden. Hierüber äußert sich ein gewisser L. Wimmer im „Reichswart" sehr schroff. Er faßt die Juden unter dem Begriff Schlafgänger zusammen,' in Wien und im deutschen Süden sagt man dafür Bettgeher. Wie nun der Schlafgänger, nach Wimmers Meinung, auf die Familie einen höchst verderblicher! entsittlichenden Einfluß nimmt, weil er dort das Recht, Unterschlupf zu nehmen, in der Regel überschreitet, so verhält es sich auch mit den jüdischen Schlafgängern unter den christlichen Gastvölkern. Da ist es heilige Pflicht der Familienvorstände, bzw. der Regierungen, solcher verderblicher Einschleicher sich zu entledigen. Judenhaß? I, wo denn! Nur erlaubte Notwehr. Juden als gleiche wie ihre andersrassigen Staatsgenossen anzusehen, wäre unheilvollste Verblendung. Darüber sind die Gelehrten von Schopenhauer bis Theodor Fritsch einig. Sogar Zeugen aus den Reihen der Juden selbst werden gegen diese belastend geführt. So hat sich vor 44 Jahren, mau merke wohl das historische Datum 22. November 1880, der preußische Abgeordnete Bachim auf folgende Stelle aus einem

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