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Die Wahrheit · 1924-03-21 · Heft 12 (21.3.1924) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 12 (21.3.1924)
Date
1924-03-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Settt 10 DIE WAHRHEIT Nr. 12 nung für die nationale Zugehörigkeit jedes Staatsbürgers nur das persönliche Bekenntnis maßgebend sein könne und daß der Rassenstandpunkt seinen wissenschaftlichen Ueberzeugungen widerspreche. Diese Erklärung sei von um so größerer Wichtigkeit, als sie sich zu dem Programm der Großdeutschen, deren parlamentarische Unterstützung der Bundeskanzler nicht entbehren könne, im direkten Gegensatz stelle. Redner bespricht hierauf die Stellungnahme der „Union" bei den letzten Nationalratswahlen. Wir haben mit der zionistischen Partei eine „Jüdische Wahlgemeinschaft" abgeschlossen, weil wir endlich die Vertretung unserer Rechte im Parlament einein Manne von unserem eigenen Fleisch und Blut, unserem eigenen Denken und Empfinden übertragen wollten. Unser Wahlfeldzug blieb leider erfolglos,- weil viele Anhänger der „Union" noch immer das Heil in der Unterstützung der bürgerlich-demokratischen Arbeitspartei suchten, welche aber der Vertretung jüdischer Interessen stets verschämt aus dem Wege ging, und eine noch viel größere Zahl zionistischer Anhänger aus Angst vor der Aufhebung des Mieterschutzes mit den Sozialdemokralen stimmte. Wenn wir nun die Partei- Verhältnisse nach der Wahl überblicken, so finden wir den großen Block der Christlichsozialen, die allerdings infjige der Notwendigkeiten der Sanierungspolitik den Juden gegenüber gegenwärtig mildere Saiten aufgezogen haben, im Kerne jedoch noch immer eine antisemitische Partei sind, und auf der anderen Seite den großen sozialdemokratischen Block, der wohl politisch freiheitlich denkt, wirtschaftlich jedoch den Bedürfnissen des Mittelstandes nicht entspricht. Der Großteil. der Juden bilde kein proletarisches, sondern ein bürgerliches Element. (Zustimmung.) Die Stellung der Sozialdemokraten zur Judenfrage sei aber dadurch charakterisiert, daß die sozialdemokratischen Führer vor lauter Angst, man könnte sie für eine „Judenschutztruppe" halten, auch dort versagen, wo es sich um die Wahrung der allgemeinen bürgerlichen Rechte der Juden handelt. Die dritte Gruppe, die Großdeutschen, haben zwar in Wien an Bedeutung viel verloren, in der Provinz aber ist ihre Macht gegenüber den Juden noch immer eine sehr bedeutende. Diese Konstellation begründet d i e Notwendigkeit des weiteren engen Zusammenschlusses aller jüdischen Gruppen im Kampfe um unsere staatsbürgerlichen Rechte. Es müssen alle Kräfte gesammelt und aufgeboten werden, um in Gegenwart und Zukunft die antisemitische Gefahr zu bannen. Wir brauchen * in diesem Kampfe nicht nur Geld, sondern in noch viel höherem Maße Menschen und dürfen uns nicht in einen engherzigen Parteistandpunkt einspinnen. Die Zionisten müssen mit uns für die Erhaltung unserer bürgerlichen Stellung eintreten und dagegen müssen wir noch einen solchen Ueberschuß an Kraft aufbringen, daß wir den Wiederaufbau Palästinas mit geistigen und materiellen Mitteln fördern. Das ist die Richtlinie für unsere künftige Organisation. (Lebhafter Beifall.) An die beiden Referate knüpfte sich eine anregende Diskussion. Bezirksrat W e i n e r betonte, daß die „Jüdische Wahlgemeinschaft" leider mangelhaft vorbereitet war und wünscht, daß die Ortsgruppe Aisergrund häufigere Versammlungen abhalte. Herr Alexius Salz er sucht in längeren Ausführungen seine dissentierende Haltung bei den Nationalratswahlen zu rechtfertigen. Er bestätigt, daß die Sozialdemokraten vor dem Verdachte, als Judenschutztruppe zu gelten, zurückscheuen und daß sie daher für die Vertretung der staatsbürgerlichen Interessen der Juden nicht viel übrig haben. Aus der Bemerkung des Dr. Ticho, daß die Juden überall dort, wo sie sich von der anderen Bevölkerung abschließen, in erhöhtem Maße zu leiden haben, zieht Redner den Schluß, daß die „Jüdische Wahlgemeinschaft" ein Fehler war und^daß die Juden sich immer nur an eine allgemeine freiheitliche Partei anschließen müßten. Präsident Dr. O r n s t e i n widerlegt in treffender Weise die Ausführungen Salzers. Die „Jüdische Wahlgemeinschaft"- war eine absolute Notwendigkeit, weil eine solche freiheitliche Partei wie Salzer sie meine, nicht vorhanden war. Die Führer der bürgerlich-demokratischen Partei Czernin und Dr. Hofmeister haben durch ihre öffentlichen Aeußerungen bekundet, daß sie im Herzen antisemitisch sind. Ein so guter Deutscher, wie Justizrat Dr. Eugen Fuchs, der Begründer des Berliner „ZentralVereins", habe für vollkommen zulässig erklärt, daß die Juden eine konfessionelle Kandidatur aufstellen. Ein jüdischer Abgeordneter werde für alle allgemeinen freiheitlichen Interessen und daher auch für die Gleichberechtigung der Juden in ganz anderer Weise eintreten können, als etwa der Graf Czernin. Redner schließt mit dem Ausdruck der Ueberzeugung, daß die „Jüdische Wahlgemeinschaft" sich auch bei einer nächsten Wahl, jedoch in verstärktem und erweitertem Maße zusammenfinden werde. (Zustimmung.) Dr. Ticho tritt Herrn Salzer mit der Bemerkung entgegen, daß er in seinem Vortrage von nationaler Abschließung der Juden gesprochen habe, die „Jüdische Wahlgemeinschaft" jedoch nur eine konfessionelle Zweckvereinigung war. Herr Baurat K e m p 1 e r betont gegenüber Herrn Salzer, daß der Beschluß für die „Jüdische Wahlgemeinschaft" von zwei Dritteln aller Delegierten gefaßt worden war, und., daß die Minorität die Pflicht hatte, sich diesem Beschlüsse zu fügen, keineswegs aber durfte sie im Rahmen und unter der Firma der „Union" gegen diesen Beschluß für eine andere Partei Stimmung machen. Im selben Sinne sprach schließlich noch Herr Börsenrat Glück, worauf der Vorsitzende seiner lebhaiten Genugtuung darüber Ausdruck gab, daß die Diskussion sich auf einem hohen Niveau bewegt habe und gewiß zur Beruhigung der Geister für die Zukunft beitragen werde. Aus unserem Rechtsschutz-undAbwehrbüro. „Deutsche Arbeiterpresse*." Nationalsozialistisches Kainpfblatt für Deutschösterreich. Selbstverständlich rechts und links vom Untertitel mit dem Hakenkreuz versehen. Dieses Blatt ist eine Klasse für sich, verschmäht zum Unterschiede von sonstigen antisemitischen Organen selbst den Schein von Idealismus. Immer feste druff betriebsam. Die uns vorliegende Nummer 9 vom 1. März läßt darüber keinen Zweifel. Am Fuße des leitenden Artikels vbb. Postexpeditionell heißt dies „voraus bezahlter Betrag". Wenn auch nicht behauptet werden kann, daß die D. A. P. sich für die Hitlerverhandlung im Voraus bezahlen ließ, wirkt das Zeichen mit Hinsicht auf den sonstigen geschäftlichen Teil wie ein Symbol. Die Schriftleitung verbindet nämlich den Sitz ihres Betriebes mit einem wohlassortierten Warenlager. Daß dort völkische Literatur feilgeboten wird, ginge noch an, aber die Parteigenossen können in der Geschäftsstelle im besonderen Interesse der nationalsozialistischen Sache Lieder, Abzeichen, Bilder, Aschenschalen, Biergläser, natürlich alles national eingestellt, mit Hakenkreuz und — Hosenträgerersatz erstehen. Bei der Abteilung Bilder muß es den gelernten älteren Alldeutschen einigermaßen kränken, daß vergrößerte Photographien Hitlers K 120.000 notieren, während das Bildnis Schönerers für nur K 600 abgegeben wird. Diebesten jeder rituellen Anforderung entsprechenden MAZZOTH erzeugt, \ die unter steter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der isr. Kultusgemeinde Wien stehende Wazzolülabrifc H. STRUM Wien II.« Rotensterngasse Mr. II Tel. 47-7-17 Die Mazzoth werden in meiner neuen, nach m englischem Muster erstklassig einge- ■ richteten maschinellen Bäckerei aus nur I streng beaufsichtigtem Mehl erzeugt• Erstklassiger Mazzothgries

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