Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 11 (14.3.1924)
- Date
- 1924-03-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr.. Ii DIE WAHRHEIT Seite 7 zu seinen Füßen sah. Es war in der Morgendämmerung und der junge Tag brach an. Er hemmte seinen Schritt, atmete in vollen Zügen die frische Morgenluft uikU die Träume glitten von seiner Seele. Er erkannte, daß sie sich im Bergwalde befanden, den er vor kurzem allein durchstreift hatte. Und Elieser sprach zum Bai Schern: „Seht her, Rabbi, an dieser Stelle lag ich und flehte Gott um Offenbarung an. Noch erkennt man die Spuren meines Körpers im Grase. Ich rief die toten Dinge um mich an und wartete, daß sie mir ihr Leben, verkünden. Ich heiligte mich, bevor ich hierher kam, damit ich d>äs Unendliche schauen konnte, doch kein Zeichen ward mir und' vergebens suehtö ich in diesen Bergen und Abgründen den Keim des Lebens, vergebens rief ich die irrenden Seelen an, die hier verbannt sein könnten." „Du fandest nur das Tote und Starre an den Dingen, denn Dir war es nicht gegeben, zu schauen," erwiderte der Bai Schern. „Dir war es in Deinem jetzigen Leben nur vergönnt, Längstvergangenes wie in einem matten Spiegelglas zu sehen, und damit bist Du vor vielen ausgezeichnet, denn; ausgelöscht ist beim Menschen jede Erinnerung an ein früheres Sein. Doch ich versprach Dir die Welt der Wirrsalen m zeigen und Du wirst sehen, daß es nichts Lebloses auf Erden gibt. Jedes Ding trägt Leben in sich und überall sind Seelen, die au irgend eine Stelle festgebannt sind, von der sie nicht loskommen können." Der heilige Mann stellte sich zum Gebet und lange betete er leuchtenden Auges und strahlenden Angesichts in großer Hingabe und Innigkeit, bis die Bäume bittend und hilfesuchend ihre Zweige neigten und die Steine sich in Demut bückten. Alle toten Dinge wurden belebt und atmeten Leben und wie im Chore raunte und flüsterte es in der Luft im unter der Erde: „Erlöset uns, erlöset uns." „Merkt auf, die Stunde der Befreiung ist gekommen," flüsterte es von den Bäumen, vom Gestein und von den Bergan ringsum und wie ein Seufzen un!d Stöhnen ging das Erwachen alles scheinibar Leblosen vor sich. Wie Libellen licht und leicht bewegte es sich zu Häupten der Beiden und' ©ine Stimme rief: „Wann ist die Reihe an uns?" „Es kommt für jeden die Stunde," rief eine Grabesstimme tief unter der Erde. Viele Tiere des Waldes kamen herbeigeeilt. Wölfe, und Luxe, Vögel flogen herbei und Erdgjewüran kam herangekrochen. Alle umschmeichelten den Bai Schern und jedes Tier stellte in seiner Sprache die Frage: „Auch wir harren der Stunde der Befreiimg. Sagt, wie weit ist noch der Weg?" Und aus den Wolken kam die Antwort: „Noch weit, noch weit. Endlos ist der Raum." Als der Bai Schern mit dem Gebet zu Ende war, war noch ein stärkeres Leuchten in seinen Blicken und er sprach zu Elieser: „Viele von Ihnen werden der Wirrsal entrinnen und dfereinst zur Ruhe zurückkehren. Dann wird es Geburten ohne Zahl bei Mensch und Tier geben. Es gibt nichts größeres auf Erden als die Befreiung der gefangenen Seelen." (Schluß folgt-) ' Esther! Esther, hohe Königin, Hörst Du nicht des Volkes Rufen? Gnad' erbittend, wirf Dich hin Zu des Thrones Marmorstuten. Goldgestickt ist Dein Gewand, Fürstlich ^schimmert das Geschmeide, Doch ringsum im ganzen Land, Schmachten Brüder tief im Leide. Sieh', Dein Volk muß untergeh'n, Unter Feindeshänden fallen. Wirst Du Rettung nicht erfleh'n In den stolzen Königshallen? Geh' ans Werk, o Königin, Kannst vom Tode uns befreien. Hold ist Dir des Königs Sinn, Er wird gütig Dir verzeihen. Wardst zum Heil uns ausersehen, Segen weilt ob diesem Bunde, Durch Dich werden wir begeh'n Freudig die Erlösungsstunde. Wenn längst Deine Seel1 entschwebt. Noch in abertausend Jahren, Wird man, wo ein Jude lebt. Deinen Namen treu" bewahren. Und voll Ehrfurcht nennt man ihn, Deine Taten Ruhm Dir schufen. Esther, hohe Königin, Die von Gott ans Werk beruien. Beate Baumgarten. Die besten jeder rituellen Anforderung entsprechenden ZZOTH erzeugt die unter steter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der isr. Kultusgemeinde Wien stehende Nazzotbfabrilt H. STRUM Wien II.. Rotensterngasse Mr.lt Tel. 47-7-17 DieMazzoth werden in meiner neuen, nach englischem Muster erstklassig eingerichteten maschinellen Bäckerei aus nur streng beaufsichtigtem Mehi erzeugt* Erstklassiger Ntazzothgries f