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Die Wahrheit · 1924-03-07 · Heft 10 (7.3.1924) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 10 (7.3.1924)
Date
1924-03-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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i Veröffentlichungen ÖeP •/? Poa««n2i<ba«Mii | Wien IX. | se 4| „Union deutschösterreichischer Juden* Am Abgrund vorbei. Maro spotte nicht darüber, daß die Hitler, L u d e n d o r f f und Genossen, die sich gegenwärtig vor dem Münchener Volksgericht wegen Hochverrate zu verantworten haben, den Versuch eines Staatsstreiches im völkisch-monarchistischen Sinne mit untauglichen Mitteln unternommen hätten. Schon der bisherige Verlauf 'der Verhandlung zeigt die Gefahr der nationalsozialistischen Bewegung, welche in Deutschland einen schrecklichen Bürgerkrieg zu entfesseln drohte. Der Münchner Prozeß bietet nur einen Ausschnitt aus den Zettelungen der deutschvölkischen Formationen. Aber selbst dieser begrenzte Ausschnitt läßt die geistige Einstellung eines Großteiles des deutschen Volkes und namentlich der militärischen, bürokratischen und; intelektuellen Kreise erkennen. Von München aus sollte der Marsch über Thüringen undf Sachsen nach Berlin angetreten werden, um die Republik zu beseitigen und die Schöpfer der Weimarer Verfassung niederzuschlagen. Dabei gibt es nur Unterschiede in der Farbe, nicht aber in der Sache. Auch Herr von K a h r, der Hitler und Ludendorff auf die Anklagebank brachte und von diesen gegenwärtig eines falschen Doppelspieles beschuldigt wird, war bereit, den Süden gegen den Norden zu führen, nur wollte er dies für die blau-weißen Wittelsbacher, tun, während Hitler u nd L u d e n d o r f f für die schwarzweiß-roten Hohenzollern arbeiteten. Der Putsch in einem Münchener Bierkeller am 8. November des Vorjahres erschien erst dann als eine lächerliche Farce, als die Herren Kahr und! Lossow wortbrüchig wurden und den Veranstaltern in den Rücken fielen. Wäre diese Abschwenkung zugunsten des Kronprinzen Rupprecht nicht erfolgt, so hätte schon der 9. November in München ein grausiges Bild der Vernichtung beleuchtet, denn all diese treudeutschen Ehrenmänner, die sich kein Gewissen daraus machten, einander im gegebenen Momente zu belügen und zu betrügen, stimmten in einem Punkte durchaus überein: Darin nämlich, daß die Wiedergeburt Deutschlands mit einer fürchterlichen Judenmetzelei eingeleitet werden müsse. Der ehemalige Tapezierergehilfe Hitler hält den billigsten Antisemitismus für notwendig, um das Reich in seiner alten Kaiserherrlichkeit wieder aufzurichten. Der Schlachtenverlierer L u d e n d o r f f gibt mit Lossow den Befehl ans, den Münchener Hauptbahnihof zu besetzen, damit die Juden wie in einer Mausefalle gefangen werden und man ihnen in aller Bequemlichkeit ihre Devisen abnehmen könne, und der Generalstabsvkommissär Kahr verwirklicht dieses antisemitische Programm auch nach dem Scheitern des Putsch es durch Massenausweisung der Juden aus München und Nürnberg und durch die Konfiskation ihres Vermögens und ihrer Geschäfte. Der Prozeß vor dem Münchener Volksgericht : Postsparkassen- Konto £ Nr. 9464 t Telephon Nr. n-g-rr | enthüllt die ungeheure Spaltung, die gegenwärtig durch das deutsche Volk geht und die fast daran verzweifeln läßt, daß es jemals wieder gesunden könnte. Es ist bezeichnend, daß nun auch die deutschen Studentenausschüsse den Numerus clausus an den deutschen Hochschulen verlangen und diaß die künftige Blüte des „Volkes der Dichter und Denker" jene Jugend ist, aus deren Reihen die Mörder R a t h en a u s und Erzbergers hervorgegangen sind, die Beschränkung der Lehr- und Lernfreiheit für die Juden verlangt und die Anstiftung von Juidenmasakres als eine national-patriotische Tat preist. Aber die Hakenkreuzler bedrohen nicht allein den politischen Bestand und die geistige Entwicklung des Deutschen Reiches. Wir haben schon in früheren Artikeln und Berichten den engen Zusammenhang aufgezeigt, der zwischen dem Hakenkreuzlertum in Bayern, der deutschvölkischen Hetze in Salzburg und Tirol und dem Rassenschützlertum in Ungarn besteht. Wir haben auch nicht verabsäumt, die österreichischen Behörden wiederholt auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen. Der Mann, der die Sturmtruppen Hitlers über Sachsen nach Berlin führen sollte, der Kapitänleutnant Ehrhardt, hat von Innsbruck aus seine Fäden nach München gesponnen. General Ludendorff hat mit hakenkreuzlerischen Anhängern in den Alpenländern und in Wien persönliche Konferenzen gepflogen und aus Salzburg sind zu den Fahnenweihefesten der Hitlergarde ganze Demonstrationszüge nach München gerollt. Nichts geringeres war beabsichtigt, als zunächst Salzburg und Tirol von Oesterreich loszureißen und an Bayern anzugliedern, um so iin einem großen süddeutschen Staate ein Gegengewicht gegen den deutschen Norden zu schaffen. Und all das sollte mit dem Blute der Juden gekittet werden. Heulte wissen wir, daß die bayrischen und vielleicht, auch ein Teil der österreichischen Juden nur durch den schroffen Gegensatz, der zwischen den Anhängern der Häuser Wittelsbach und Hohenzollern bestand und in der Nacht vom 8. auf den 9. November zu offenem Ausbruch kam, einer Niedermetzelung entgangen sind. Das ist eine ernslie Mahnung an die österreichische Regierung, für die weiteren Vorgänge an der deutschen Grenze die Augen offen zu halten. Siegfried Fleischer. Mitteilungen des Zentralvorstandes. In der am 25. Februar stattgefundenen Vorstandssitzung wurden die Herren Baurat Wilhelm Kempler und Rechtsanwalt Dr. Josef T i c h 9, welche bisher ihre wertvollen Kräfte der „Union" als Beiräte gewidmet hatten, in den Vorstand kooptiert und Herr Bezirksrat Simon Weiner in den Beirat berufen. Aus unseren Mitgliedschaften. Ortsgruppe Floridsdori. Dienstag, den 26. Februar, fand im Restaurant Klein eine auch von Damen zahlreich besuchte Versammlung der Ortsgruppe Floridsdori statt, welche von dem regen Interesse dieser Zweigstelle für die Tätigkeit der

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