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Die Wahrheit · 1924-03-07 · Heft 10 (7.3.1924) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 10 (7.3.1924)
Date
1924-03-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sekeö DIE WAHRHEIT Nr. 10 stehen. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die persischen Juden, die sich hauptsächlich mit Handel beschäftigten, physiologisch assimiliert: ihre Haut wunde gelb, so gut wie die urisrige, sie nahmen die chinesische Nationaltracht an und trugen noch vor hundert Jahren lange Zöpfe, wie dies in China damals Mode war. Sie sind Chinesen geworden, aber \ dennoch blieben sie ihrem ererbten Glauben treu, in dessen Ausübung übrigens sie nirgends und niemals behindert wurden. Diese physiologische Assimilation ist trotz des langen Zeitraumes, in dem sie sich vollzog, überraschend, da die Juden, ihrem Glaubensprinzip treu, nur unter sich heirateten und kein einziger Fall zu verzeichnen ist, daß ein Jude sich eine Chinesin zur Frau genommen hätte. Vielleicht diesem Umstände ist es zuzuschreiben, daß die Zahl dieser Juden, die mit Fug und Recht als Urbewohner Chinas betrachtet werden können, rapid zurückging. Bereits von zwei-, dreihundert Jahren lebten nur mehr einige hundert Familien in Chunan, und heute gibt es nur sieben jüdische Familien, die die Nachkommenschaft der zur Zeit des Königs Tang übersiedelten Juden darstellen. Neben diesen Familien, die das historische Judentum in China repräsentieren, gibt es freilich mehrere Hunderttausende jüdische Ausländer, die im Reiche der Mitte leben. Die Zahl der in China lebenden Juden ist äußerst schwer festzustellen, weil im chinesischen Reiche seit mehreren Jährzehnten keine Volkszählung vorgenommen wurde und selbst die Angaben der älteren Volkszählungen nicht besonders zuverlässig sind. ■0h- Man kann jedoch schätzungsweise annehmen, daß die Zahl der Juden in China sich auf eine halbe Million beläuft. Uebrigens gibt es für den Chinesen nur zwei Sorten von Ausländern: Japaner und Westländer. Die Juden gehören der zweiten Kategorie an. Und da sie meist russisch, englisch oder deutsch sprechen, werden sie von der chinesischen Bevölkerung als Russen, Deutsche oder Engländer betrachtet. Der Antisemitismus ist ein unbekannter Begriff in China. Im Reiche der Mitte gibt es freilich auch keine Zionisten. Die Juden bekennen sich entweder zur chinesischen Nation oder zu dem Volke, dessen Nationalsprache sie angenommen haben. Unter den Intellektuellen befinden sich besonders in' Shanghai und in Peking viele Juden, zumal unter den Aerzten, die, da sie ihre Ausbildung in Europa erworben haben, sich eines außerordentlich guten Rufes erfreuen. Auch unter den Professoren der chinesischen Hochschulen kann man Juden finden. Der populärste Jude in China ist der in Shanghai lebende Großkaufmann Chalden. Er spielt in der chinesischen Weltstadt ungefähr dieselbe Rolle, die die alten Rothschilds in Wien oder in Paris gespielt haben. Chalden Ist vor zwanzig Jahren in China eingewandert und hat sein ungeheueres Vermögen durch Exportgeschäfte erworben. Er ist der Eigen* tümer der größten chinesischen privaten Schiffahrtsgesellschaft, und seia großer Garten, der mitten in der* Stadt liegt, ist der schönste öffentliche Park der chinesischen Weltstadt." („Wahrheit", Prag.) Gestalten und Probleme einer jüdischen Weltbewegung. Von Oberrabbiner Dr. Adolf Alt mann in Trier. (Fortsetzung) Alle Achtung vor unsereim Kulturbedürfnis, vor unserem BHdungsdrang und vor unserer glücklichen Anpassungsfähigkeit. Aber sie .sind: für uns nur ein Glück, solange wir .diese Genialität, diese TaJentiertheit als Menschen unter Menschen in Anwendung bringen, sie schlagen uns aber stets zum Unglück aus, wenn wir anfangen, sie als Juden unter Nichtjuden ausüben. Wir können und sollen als Menschen dem höchsten Maße von Kultur nachstreben, ebenso uns auch der Zivilisation unseres jeweiligen Milieus anpassen. Es wäre ein Unsinn, dieses verneinen zu wollen. Schon weil es zu verneinen geistig, technisch und auch seelisch unmöglich ist. Allein, in unserer Eigenschaft als Juden sollen, können und müssen^ wir klug und feinsinnig genug sein, uns selber treu zu bleiben und unsere altgeheiligte, über alle Zivilisationen unö4 Kulturen hinaus- und zurückreichende jüdische Eigenkultur zu bewahren. In diesem Punkte muß es für uns heißen: Nur der eine Gott, den wir anbeten, die eine Tauro, der wir folgen, das eine Judentum, dem wir dienen. Neben dem einen Gotte keine fremde Glaubensangleichung, neben der einen Tauro keine anderen Biindumgen, neben dem einen Judentume keine falschen Judentümer. Das ist, wie das Einmaleins für jeden, so auch die auf die einfachste Formel zurückgeführte Selbstverständlichkeit, die das Judentum von seinen Bekennern fordert und die Agudas Jisroel im wesentlichen den Gliedern des jüdischen Volkes ins Gedächtnis zurückrufen und einschärfen will. Von diesem Gesichtswinkel aus sieht Agudas Jisroel die Probleme des Judentums, mögen sie welcher Natur immer sein, an und glaubt, daß auch deren Lösung nur von dieser zentralen, scharf gezogenen Betrachtungsweise aus erfolgen wird können. Dieses, auch schon deshalb, weil sich auf .diesem Wege der Zurückführung aller Fragen auf ihre einfachsten und zentralsten Elemente die Ursächlichkeiten aller lösungsbedürftigen Erscheinungen im Judentume ergeben. Ich möchte Ihnen das mit einer erhebenden und schönen Reminiszenz aus dem Kongresse in Wien, die geeignet ist, Ihnen in die Denkungsweise der berufensten Vertreter der Aguda über die Probleme des Judentums einen Einblick zu gewähren, demonstrieren: Bei der feierlichen Eröffnungssitzung, Mittwroch, den 16. August, kam nach den üblichen Formalitäten, eine der merkwürdigsten Erscheinungen des Kongresses, wenn nicht gar der zeitgenössischen Judenheit überhaupt, als erster zu Worte. Es war das die eine rabbinische Weltkapazität ersten Ranges abgebende Erscheinung des „Weisen aus Kariin", des nach seinem ethischen Hauptwerk so benannten „Chofez Chajim". Ein Greis, hoch in den Achtzigerjahren, vom Ansehen schwächlich, klein und zart, überragt er an Wissen und an Heiligkeit des Lebenswandels die bekanntesten Taurogrößen der Zeit und wird, wiewohl selbst kein Rabbinat bekleidend, doch als die gegenwärtig maßgebendste Autorität der thoratreuen Welt angesehen. Umgeben von einer Anzahl hochinteressanter Köpfe und feingeschnittener Profile von Rabbinern und Laien, die sich in frommem Eifer auf die Estrade drängten, hob, er vor der tausendköpfigen Menge, die an seinen Lippen hing, mit folgendem schlichten Gleichnis an: Es trug sich zu, daß einmal ein Mensch von einem schweren Unfall betroffen wurde. Stöhnend, blutend und leidend lag er da und harrte der Hilfe mitleidsvoller Aerzte. Eine Anzahl solcher eilte denn auch herbei und jeder von ihnen untersuchte ein anderes Glied, einen anderen Teil des arg zugerichteten Körpers. Der eine fand das Bein beschädigt und wollte rasch dieses Uebel beheben, der andere stellte einen verrenkten Arm fest und war entschlossen einzugreifen, ein dritter entdeckte eine tiefe Kopfwunde, die gewaschen und verbunden werden sollte und so weiter fand jeder eine andere Beschädigung am Kranken, die ihm bedrohlich schien und auf deren Heilung er Bedacht nehmen wollte. Da kam ein besonnener und gründlicher Meister der Heilkunde vorbei, sah das zerstückelte Treiben der Aerzte am leidenden Körper und sprach: „Toren, die ihr seid, nach dem Herzen müßt ihr sehen, was nützt euch einstweilen die Arbeit an Kopf und Bein und Arm. Seht doch, das Herz ist krank, was wollt ihr jetzt an den anderen Organen, laßt uns erst sorgen, daß das Herz nicht versage und gesundet, von diesem aus wird dann schon neue Kraft allen Organen und Körperteilen zufließen, die Widerstandskraft des Kranken stählen und das Heilungswerk aller Glieder ermöglichen." Der kranke, leidende, blutende und stöhnende Körper, der von Unfällen ohne Zahl betroffen wurde, ist das Judentum; es fehlt, wie einst schon Jesaja geklagt hat, an allen Gliedern. Da kommen Aerzte, die Helfer und Helfeshslfer aller Richtungen und stellen Diagnosen, auf, und wollen die verschiedensten Uebel mit den verschiedensten Mitteln heilen. Jedem von ihnen scheint das, was in seine Spezialanschauung schlägt, das wichtigste Leid zu sein und jedem das von ihm vorgeschlagene Heilmittel das beste. Da sehen die einen das lange, finstere Galuth, da ist für die anderen das drohende bittere Rischus, dort schreckt das dunkle Gespenst der geistigen Verarmung, hier wieder die physische Not; einmal die schreckliche Zerklüftung und wieder ein anderesmal die Unmoral und Verführung^_Oort-i' 5ii"g foh't. > Zur Saison! Reiche Auswahl neuester Pelzmodelle in sämtl. Pelzarten ~ Pa iser u. Wiener Geschmack vereint - erzeugt nur in eigenen Werkstätten, unter pers. Leitunq des bestrenommierten Innabars der Firma Pratßrstr. 9-11 .Mühreno-2-B

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