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Die Wahrheit · 1924-03-07 · Heft 10 (7.3.1924) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 10 (7.3.1924)
Date
1924-03-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 ___ _____________ DIE WAHRHEIT_______________ _ Seftejt Staimn Bestandhaben", und Arnos beschließt diese' Prophetie in dem letzten seiner. Bücher*: „Alle Sünder in meinem Volk sollen durchs Schwert sterben, die da sagen: Es wird das Unglück nicht so nahe sein, noch uns begegnen. Zur selben Zeit will ich die zerfallene Hütte. Davids wieder aufrichten und ihre Lücken verzäuwen, und was abgebrochen ist, wieder aufrichten und will sie bauen, wie sie vorzeiten gewesen ist. Denn ich will das Verhängnis meines Volkes Israel wenden, daß sie sollen die wüsten Städte bauen und bewohnen, Wein zu pflanzen und Wein davon zu trinken, Gärten machen und Früchte daraus essen. Denn ich' will sie in ihr Land pflanzen, daß sie nicht mehr aus ihrem Lande ausgerottet werden, das ich ihnen gegeben habe, spricht der Herr, dein Gott.4' Und in dem Sinne kann das Wort des Propheten Jeremias gelten: „Es bleibe Hoffnung für Deine Zukunft." Die innere Gewißheit bleibt uns, daß das Judentum als solches mit dem Abendland nicht untergehen kann, und wenn auch die Mehrzahl nicht sehen will, wohin wir steuern. Der kleine Teil, der in sieiner Zeit zu lesen versteht, erkennt den Weg, den Weg ins Freie. Dr. Willy Cohn, Breslau. * * Aus dem Vorstehenden ist ersichtlich, daß das übertrieben pessimistische Werk A. T h e i 1 h a b e r s auf imseren Rezensenten einen furchtbaren Eindruck gemacht hat und daß der Schmerz und die Besorgnis des, auch von Dr. Jakob S e g a 11 bereits im Erscheinungsjahre des Buches widerlegten Autors von Dr. Willy Cohn geteilt wird. Diesen starken Eindruck hat er bei uns nicht bewirkt und so wollen wir an obige Rezension noch einige Bemerkungen knüpfen. Wir gehen dabei von einer_Gegenüberstellung der Thora und des Werkes des Sozialpolitikers Malt hu s aus. Zwei grundverschiedene Welten treten! aus diesen zwei Büchern hervor, zwei widersprechende Welt- und Lebensanschauungen. Auf der einen Seite Offenbarung und ein unbeirrbarer Glaube, auf der anderen Seite Erkenntnis und Wissenschaft. In der Bibel wird Fruchtbarkeit und Vermehrung gepredigt, ohne Beschränkung, „zahlreich wie der Sand am Meere". Malthus lehrt: „An der Tafel des Lebens ist nur eine beschränkte Zahl von Gedecken, die Ueiberzähligeni finden nichts zu essen". Derselbe. Malthus, der als Kleriker, den Widerspruch zwischen seinemi und dem Worte Gottes wußte. Aber die katholische Soziologie ist mit der jüdischen unvereinbar. Nichtsdiestowehiiger hat der Mailthusismus auch einen Großteil, ja man kann beruhigt sagen, die meisten der modernen Juden influenziert und seine Früchte-, eigentlich; seine Nichtfrüchtä werden; auch am Körper des Judentums bemerkbar. Teilhaber zieht aus der Beobachtung, daß in Deutschland zurzeit von 100 Juden ein Viertel gar nicht heiratet, ein Viertel kinderlos bleibt, ein weiteres Viertel dem Zweikindersystem huldigt, den etwas weitgehenden Schluß des Unterganges der deutschen Juden in absehbarer Zeit. Der Verfasser ist sich über die Ursachen dieser Verhältnisse vollkommen klar, kann sich aber gleichwohl mit ihnen nicht abfinden und ruft als Heil und Rettung die alte religiös-jüdische Sexual- Ethik, besser eine talmudisch-jüdische Erziehungsatmosphäre. Standpunkte solcher Art sind begreiflich und verständlich, aber im besten Falle nur in engen Schranken möglich. Der altfromrne Israelit muß jede Deportation seines Stammes verurteilen, die Aufgeklärten tragen den jeweiligen Verhältnissen Rechnung. Sie verweisen zur Rechtfertigung auf die Ostjutden, denen Kinderreichtum religiös geboten erscheint, aber oft mehr zum Verhängnis wird. Der ostjüdische Kinderreichtum ist auch wirklich die Quelle schwerer Not und Heimsuchung. Es bleibt übrigens noch die Frage zu entscheiden, ob eine große Anzahl Kinder, vernachlässigt und entbehrend, widerstandsfähiger und lebenskräftiger wird als nur wenige, aber gut alimentierte. lieber* die rassenbiologischem Gesetze hilft der festeste Glaube nicht hinweg und deshalb war Tfteilhabers Idee zwar gut gemeint, aber weniger gut durchführbar. Dia Juden toh China, (Aus einem Gespräch mit einem chinesischen Gelehrten.) Von Dr. Desiderius Papp. Ein Zufall führte mich dieser Tage mit einem ebenso interessanten wie gebildeten Asiaten zusammen. Es war in einein Klub, in dem Ausländer zu verkehren pflegen. An dem kleinen runden Tisch saß mir ein junger, bebrillter Chinese gegenüber. Die großen, leuchtenden Augen, die hinter dem Augenglas dem regen Betrieb der Klubgäste mit gespanntem Interesse zu folgen schienen, verrieten eine außergewöhnliche Intelligenz. Der Chinese, ein Gelehrter von Ruf und Dozent der Universität in Shanghai, befand sich auf einer Studienreise durch Europa. Am Tisch nebenan mühte sich ein Einheimischer damit ab, in gebrochenem Französisch einer Dame all das Uebel zu erklären, das die vielen „bodenfremden Elemente", vor allem die Juden von Oesterreich, angerichtet haben sollen. Der Chinese wurde aufmerksam und wandte sich schließlich mit der Bemerkung an mich: „Es ist geradezu erstaunlich, wieviel hier in dem schönen Vvenna auf die Juden geschimpft wird, und besonders auf die Ostjuden. Für mich ist dieser Unterschied, der hier zwischen Ost und West gemacht wird, ein wenig unverständlich. Denn unsere chinesischen Juden sind freilich Westländer ebenso gut wie die Franzosen oder die Deutschen, die in China leben. Wenn all das Schlechte, was ich da über die Juden während der acht Tage meines Aufenthaltes vernommen habe, wahv sein sollte, dann dürfte es mehrere jüdische Rassen geben, denn über unsere chinesischen Juden könnte ich nur das Beste sagen." Das Gespräch begann mich zu interessieren und mein Nachbar, dessen Spezialgebiet, wie ich später erfuhr, gerade die Geschichtswissenschaft war, teilte mir über die Schicksale der Juden in China folgende interessante Einzelheiten, mit; „Die Juden gehören zu den ältesten Gastvölkern des Reiches der Mitte. Ich glaube sogar behaupten zu dürfen, daß es das älteste Gastvolk unter den wenigstens 5u Völkern ist, die sich im Laufe der Jahrtausende in China angesiedelt haben. Vor mehr als zweitausend Jahren, zu Zeiten des weisen Königs Tang, sind die ersten Juden nach China eingewandert. Dieser gelehrte! Herrscher, dessen tiefe Weisheit im selben Maße verehrt wurde, wie die des biblischen Königs Salomon in Palästina, war tief von dem milden Geiste des Buddhismus durchdrungen und glaubte, seine Toleranz in Glaubenssachen dadurch am besten beweisen zu können, daß er den Entschluß faßte, aus den Nachbarländern mehrere tausend Fremde, denen völlige Freiheit zugesichert wurde, nach China zu berufen. Auf seine Initiative siedelten sich etwa 10.000 jüdische Familien aus Persien in China an, zu gleicher Zeit kamen auch viele Tausende Perser, Neger und Japaner ins Reich der Mitte herüber. Die Juden haben sich in Chunan angesiedelt und bauterr dort eine herrliche Synagoge, deren Mauern noch heute be-

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