Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 9 (29.2.1924)
- Date
- 1924-02-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 6 _ bit WAHfolfelf ___^_______fo^ tumultuarischen Erhebungsweise wurde alles begünstigt, was die Judenstatistik vetrisiahlechtern koninte. Jüdische Mannschaft und Unteroffiziere wurden am Stichtage beurlaubt oder in den Etappenrauan und nach besetztem Gebiete abkommandiert. Sehr interessant sind die Bemerkungen über den Dienst ohne Waffe jüdischer fleeresangehöriger. Die Juden wurden zu Magazinsverwaltern, Proviant- Offizieren und Dolmetschen gemacht, weil sie' die hierfür bedingte Intelligenz, Kenntnisse und Erfahrungen besaßen. Dann brauchte 'das Reich immer mehr Stimmung, je mehr sich die Opfer und Entbehrungen im! Volke häuften, diese Stimmung mußte die Presse machen, wofür däe Redakteure der Opposi-tionspresse, der sogenannten Judenipresse sorgen mußten. Dies erklärt und rechtfertigt die vielen Enthebungen der betreffenden Redakteure. Von alJem abgesehen, mußte die Judenstatistik des Kriegsministenums falsch sein, weil sie der „Auswanderungen aus dem Judentum" nicht Rechnung trug, die gerade in beträchtlichem Grade bei den militärpflichtigen Männern vorkommt unsd die Zählungsliiste beeinflußt. Gerade um die Zeit vor dem Kriegsausbruch hat in Deutschland die Zahl der Dissidenten und der Mischehen außerordentlich zugenommen. Was immer auch durch Unterlassung oder Fälschung gegen die Dienstunwilligkeit dler Judeiii vorgebracht wird, findet seine glänzendste Widerlegung durch die rote Zahl der jüdischen K r ie g s t o t e n, die volle 12 Prozent der jüda»schen Soldaten ergab. Oppenheimer bemerkt auch sehr treffend, daß die Drückebergerei unter den christlichen' Kriegspflichßgen bis hinauf zum hohen Adel eine sehr erhebliche war. AI dies aber wird, wie er zum Schluß seiner höchst lesenswerten Schrift sagt, „das Unglück nicht gut machen, das diese Veröffentlichung sicherlich angerichtet haben wird. Die Herren vom Hakenkreuz, die Antisemiten von Beruf, werden unentwegt behaupten, daß sich: in der Etappe 11 Prozent der Juden befunden haben und werden, nach wie vor sich auf diese Statistik berufen. „Hilft nachts, der Jude wird verbrannt." Wir müßten die Mentalität dieses Völkchens schlecht kennen, wenn sie nicht sogar in dieser Widerlegung eine Probe jüdischer Frechheit erblickten." d. Gestalten und Probleme einer jüdischen Weltbewegung. Von Oberrabbiner Dr. Adolf Alt mann in Trier. (Fortsetzung folgt.) Auch die großen JCöpfe, die in Wien über die Organisationsformen nachgedacht haben, sind doch die immerhin nur irdischen Vertreter der höheren Sache geblieben. — Was ich vielmehr bei meinem Werturteil im Auge habe, ist nicht die Organisation; sie gibt nur die vergängliche und wechselvolle Hülle ab, sondern es ist das ewig unwandelbare Prinzip, das in der Hülle wohnt, das mich zu dem Werturteil antreibt, das Charakteristische von der wahren Wesenheit des Judentums, das Agudas Jisroel, wie kaum eine andere Organisation im Judentume, anregt und in voller Konsequenz aufs Schild erhebt. Mag auch Vieles, was zur Schale gehört, die Kritik herausgefordert haben und etwa auch noch weiter herausfordern, was tut das zur Sache, da doch der Kern unzweifelhaft gut ist. Ich kenne keine andere Bewegung im Judentume, die so den springenden Punkt von dem Inhalte des Judentums betont und folgerichtig zu Ende denkt, wie Agudas Jisroel. Ich kann mir darum auch keine andere Bewegung im Judentume vorstellen, die, weil vollkommen geschlossen in ihrer Weltanschauung dastehend, so wie die Agudas Jisroel in der Lage wäre, einmal die Sanunlungsbasis für alle anderen Bewegungen abzugeben. Der Kongreß selbst hat das in eklatanter Weise bewiesen. Es haben Redner genug für und wider diesen oder jenen Punkt der Aiisführungspläne gesprochen. . Es gab Redeschlachten der schärfsten Art. Allein, auch nicht einer hat sich erhoben und erheben können, zu sagen, die Bewegung geht von falschen Prämissen aus, oder die Grundsätze sind irrig, oder das Ziel liegt nicht im Urplane des Judentums und dergleichen mehr. Selbst die gegnerische Presse vermochte und vermag niemals das zu sagen und hat es auch niemals noch eigentlich gesagt. Alle fühlten am Kongresse, daß man sich, wie am Firmamente die Planeten um die Sonne, im Verhandlungskreise dieser denkwürdigen Sitzungen, um das herum bewege, was wirklich das lebenswahre und lebendige Judentum ist. Was macht denn in Wahrheit die ewig unwandelbare Wesenheit des jüdischen Volkes aus, von dein Tage an, da es besteht? Doch nichts anderes als Israels Berufung zum Qottesvolke durch die Tauro. Es mag einer wie immer zum Judentume und seinen Problemen stehen, die Tatsache vermag er — solange er ehriich und konsequent denkt — nicht hinwegzudeuten, daß das Gottesvolkstum Israels durch seine Tauro die Originalität und unbestreitbare Eigentümlichkeit Israels ist. Ein Land hat auch andere Völker, eine Nation bilden auch andere Stämme, eine Kultur besitzen auch andere Rassen, tüchtig und gebildet sind auch andere Menschenklassen, aber eine Tauro haben nur wir allein, am Sinai standen nur unsere Ahnen. Und auf diese Tauro uns zu besinnen, unsere ursprüngliche Daseinsbestimmung wieder zu erkennen, in Leben und Wirken wieder zu unserer berufenen Originalität zurückzukehren, das erstrebt Agudas Jisroel, darauf zielt die Bewegung ab, dazu hat sie sich jetzt zum erstenmal eine Welttribüne errichtet. Von da aus nahm sie das Wort zu aller Welt und vor allem zu Israel, wo immer es lebt, um zu verkünden, daß trotz , aller Irrungen und Wirrnisse, durch die Israel zu gehen hatte und noch geht, die Urwesenheit des Judentums noch nicht "erstorben ist, daß vielmehr das Judentum in seiner reinen, unverfälschten Originalität noch bei Tausenden und Abertausenden lebt und besteht und gehört zu werden beansprucht, ja gehört und berücksichtigt werden muß, wenn das Volk des ewigen Gottes nicht zum Volke der ewigen Wandelbarkeit werden, sondern umgekehrt, inmitten des Wechsels und Wandels, wie seit Jahrtausenden auch weiter der ragende Fels in der Brandung der Wellen bleiben soll. Was hat das Judentum bis auf den heutigen Tag erhalten und der Welt die jüdischen Werte und Originalschöpfungen bewahrt? Was uns vor dem Untergang bewahrt und immer das Staunen und respektvolle Bewundern aller Welt gehabt hat und haben wird, das ist das Kleinod unserer Tauro und der kleine, aber nicht genug zu bewertende Kreis jener Thoratreuen, die, wie in einer Zwingburg von negierenden Elementen und Kulturen eingeschlossen, doch den Mut aufbrachten, einer ganzen andersgearteten Welt zu trotzen und der alten,, schon so oft bedrohten und immer wieder geretteten Tauro die Treue zu bewahren, nach ihr zu leben und, wenn nötig, für sie zu sterben. (Fortsetzung folgt.) An unsere geschätzten Abonnenten! Im Laufe der nächsten Zeit werden denjenigen Abonnenten, die den Abonnementsbetrag-für das (aufende erste Halbjahr per K 50.000 noch nicht beglichen haben, Abonnementsscheine durch Inkassanten zugestellt. 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