Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 9 (29.2.1924)
- Date
- 1924-02-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 9 Dlfc WAH&HEiT Seite 5 versität hatte eF die Lehrkanzel für Anthropologie und Völkerkunde inne. Seine Forschungsreisen fanden reichste Unter- * Stützung der deutschen Regierung und der wissenschaftlichen Gesellschaften Deutschlands. Dies wäre heute nicht mehr möglich, denn im heutigen Deutschland ist der Sinn für reine Wissenschaft geschwunden. Wir bringen nachstehend das Schlußstück seines im „Weltverlage'f erschienenen Buches „Völker, Rassen, Sprachen'", das die Folgerungen aus der Lebensarbeit dieses großen Gelehrten zieht: Es gibt einzelne Autoren, die den großen Neger mit dem Gorilla, den Urwaldpygmäen mit dem Schimpansen, den Chinesen mit dem Orang und den Japaner sogar mit dem Gibbon zusammenbringen wollen, aber ich glaube nicht, daß sie außerhalb ihres engeren Kreises von irgend jemandem ernst genommen werden. Persönlich glaube ich unbedingt an die absolut e Einheit des Menschengeschlechts, aber ich kann mich auch in den Standpunkt der Polygenisten durchaus hineindenken: Sie nehmen mehrere bish£rvj.mbekannte Ahnen des Menschen an, während wir Monogenisten uns mit einem einzigen Urahn begnügen. Das ergibt theoretisch vielleicht eine weite Kluft, aber sie ist praktisch belanglos, denn auch die Polygenisten müssen zugestehen, daß die verschiedenen von ihnen angenommenen Ahnen des Menschen letzten Endes doch wieder auf einen gemeinsamen Stammvater zurückgehen: für uns ist dieser Stammvater allerdings schon ein richtiger Mensch, für die Polygenisten aber erst ein Vorläufer des Menschen — ein Unterschied, der nur in der Theorie bedeutend erscheint. . Ungleich interessanter wäre es allerdings, zu wissen, wo sich jener Prozeß der Menschwerdung vollzogen hat, wo also etwa die erste artikulierte Sprache entstanden ist. Inzwischen hat uns vorwiegend das große Problem zu beschäftigen, wie aus dem ursprünglich einheitlichen Menschen (oder „Vormenschen") die uns heute so verschieden erscheinenden menschlichen Gruppen entstanden sind. Gewiß wirkt ein Neger anders auf uns als etwa ein Japaner, ein Buschmann wirkt , anders als ein Schotte, aber diesen oft nur mehr äußerlichen Verschiedenheiten gegenüber sind wir meist geneigt, die sehr viel durchgreifenderen Aehnlichkeiten zu unterschätzen, für die} hier als einziges Beispiel nur die absolute Uebereinstimmung in allen periodischen Funktionen der Frau (Gestationsdauer usw.) erwähnt sei. Ändere menschlichen Eigenschaften hinwieder sind sicher nur als eine Funktion der Umwelt, vor allem des Klimas, teilweise auch der Lebensweise und Beschäftigung aufzufassen. Ebenso kann man sich gut vorstellen, wie in der Entwicklung einzelner Formen Zeiträume großer Plastizität mit Perioden der Erstarrung und des intensiven Festhaltens an einmal erworbenen Eigenschaften abwechseln. Besonders lange Zeit hindurch fortgesetzte Inzucht, das Verharren in der alten Umwelt und das Ausbleiben fremder Einwanderungen müssen notwendig zu einer festen Konsolidierung aller Eigenschaften führen, während Wechsel der Umwelt, Vermischung mit Fremdvölkern usw. ganz automatisch die Bildung neuer Varianten begünstigt. Selbstverständlich darf man sich aber nicht vorstellen, daß neue feste; Typen innerhalb, weniger Generationen entstehen; das mag in den seltenen Ausnahmefällen der sogenannten „Mutation" eintreten, bei der eine sprungweise eingesetzte Abänderung dauernd bestehen bleibt — in der Regel wird man mit sehr langen Zeiträumen zu rechnen' haben, die wöhl eher nach Jahrzehntausenden als nach Tausenden von Jahren zu schätzen sein dürften. W i e sehr die Eigenschaften der Organismen durch' die Funktion, durch die Umwelt und durch verwandte Faktoren beeinflußt werden, ist aus ungezählten und fast unzählbaren Beispielen bekannt. Zusammenfassend kommen wir nun am Schlüsse zu folgenden Sätzen: 1. Die gesamte Menschheit besteht nur aus einer einzigen Spezies: Homo sapiens. 2. Es gibt keine „wilden" Völker, es gibt nur Völker mit einer anderen Kultur als die unsere; aber es gibt einzelne „weiße Wilde", rohe, ungebildete und an Tropenkoller leidende Europäer, die .sich keine Mühe geben, die Eingeborenen kennen zu lernen, unter ihnen wie Wilde hausen und sie in der denkbar grausamsten Weise mißhandeln und ausbeuten. 3. Diel trennenden Eigenschaften der sogenannten „Rassen" sind im wesentlichen durch klimatische, soziale und andere Faktoren der Umwelt entstanden. 4. Es gibt keine an sich minderwertigen Rassen. 5. Es gibt in jeder Rasse einzelne minderwertige Individuen. 6. Die meisten Rassen sind der Umwelt in vollendeter Weise angepaßt. 7. Eine in ihren körperlichen Eigenschaften einheitliche menschliche Gruppe hatte ursprünglich auch eine einheitliche Sprache. Im Laufe der Zeit ist aber durch Wanderungen, durch Völkerverschiebungen aller Art, durch mehr oder weniger friedliche oder gewaltsame Durchdringung, durch Handel und Verkehr das ursprüngliche Verhältnis fast überall verschwunden, so daß jetzt eine Deckung von Rasse und Sprache in ganz seltenen Ausnahmefällen besteht. 8. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Rassen ist, besonders was die moralischen Eigenschaften und die Intelligenz angeht, nicht entfernt so groß als der zwischen einzelnen Individuen ein und derselben Rasse. 8. Mischlinge sind (genau wie etwa die unehelichen Kinder) niemals a priori minderwertig; sie werden es nur, wenn ihre Eltern individuell minderwertig sind. 10. Die menschliche Gesellschaft hätte es in der Hand, sich vor minderwertigen, das heißt asozialen oder antisozialen Elementen dauernd zu schützen und zugleich ihre Anzahl wesentlich herabzusetzen. Die dentschen Jnden im Weltkrieg. Zum täglichen Brot der Judenbeschuldigungen während des Krieges und nach 'diesem gehörte auch der Anwurf, daß es die Indern verstanden haben, sich vom Militärdienst entweder gänzlich freizumachen oder in die Etappen- und Besetzungsgebiete zu drükken. Eine Anzahl deutscher jüdischer Verbände hat in Voraussicht dieser Verleumdungen im eigenen Wirkungskreise eine Statistik durch Dr. Jakob S e g a 11 im Ph ilo-Verlage herausgegeben, die zusammenfassend feststellte: zirka 100.000 deutsche jüdische Soldaten haben am Feidznge teilgenommen, von diesen sind bei 80.000 an der Front gewesen, 12.000 sind gefallen öder vermißt, 35.000 wurden kriegsdekoriert, 23.000 befördert, darunter mehr als 2000 zu Offizieren, womit bewiesen ist, daß die Juden in entsprechender Weise ihrer patriotischen Pflicht genügten. Zu ganz anderen Ergebnissen gelangte die Statistik, die vom preußischen Kriegsministerium während der heftigsten Kriegsbewegung angeblich nur zur eigenen Unterrichtung vorgenommen wurde, um Klagen und Beschwerden über Versuche der Juden, sich dem Heeresdienst zu entziehen, nachprüfen zu können. Obgleich das hereingebrachte Material Amtsgeheimnis bleiben: sollte, gelangte es unerklärlicherweiise in den Besitz antisemitischer Elemente und wurde von einem gewissen oder richtiger Ungewissen Otto Armin, später vom Generalmajor W r i s b e r g, seinerzeit Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements, nationaltendenziös de r Oeff entlichke it üb ergeb en. Gegen die letztere Publikation wendet sich in einer im Verlag für Kulturpolitik erschienenen Arbeit „Die Judenstatistik des preußischen Kriegsministeriiums" Prof. Dr. Franz Oppenheimer mit aller ihm eigenen, sachlichen Gründlichkeit und polemischen Schärfe. Er weist nicht bloß auf die gewollten Fehlerquellen hin, sondern auch darauf, wie sie unter allen Umständen entstehen mußten. Bei der Mentalität (sprich Judenfeindiichkeit) der höheren deutschen Kommandostelleu und bei der