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Die Wahrheit · 1924-02-22 · Heft 8 (22.2.1924) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 8 (22.2.1924)
Date
1924-02-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT ■Nr. * Deutsch-arische Gemütsmenschen. Die „Deutschösterreichische Tageszeitung", das offizielle Organ der großdeutschen Partei, verzeichnet frohlockend das Gerücht, daß in Rußland neue Pogrome bevorstehen und fügt dieser Meldung mit Behagen bei, daß die russischen Juden damit nur ihr „wohlverdientes Schicksal" erleiden würden. Ueber die Rohheit dieser Bemerkung ist wohl kein Wort zu verlieren. Bemerkenswert aber ist die Dummheit und Unwissenheit, mit welcher dieselbe der teutonischen Oeffentlichkeit aufgetischt wird. Die berüchtigten Judenpogrome in Rußland waren bekanntlich das Werk der zaristischen Bürokratie, welche vor und nach Erlassung des Oktobermanifestes von der Angst geschüttelt wurde, daß sie durch die freiheitliche Bewegung ihrer wichtigsten Einnahmsquellen, die in Bestechungen und Erpressungen bestanden, beraubt werden könnte. Das heutige Rußland, in welchem die Arbeiterschaft die Macht ausübt, zeigt selbstverständlich ein ganz anderes Antlitz und in diesem Rußland sind Pogrome nach Kischinewer Muster Pogromhetzer nach dem Vorbilde des berüchtigten Kruschewan nicht möglich. Die „Deutschösterreichische Tageszeitung" sieht sich trotzdem veranlaßt,- die österreichische Regierung vor jüdischen Pogromflüchtlingen zu warnen und sie dringend aufzufordern, die österreichischen Grenzen gegen die Gefahr einer solchen Invasion zu sperren. Man sieht, daß die Menschenfreundlichkeit unter den Deutschvölkischen wahre Triumphe feiert. Das geistreiche Blatt hat nur eines übersehen: Daß seit dem Friedensvertrage von Saint Germain' die Republik Oesterreich an keinem einzigen Punkte mehr an Rußland grenzt, sondern von demselben durch Polen, Rumänien und die Ukraine getrennt ist. Unter iiorthys Regime. Der „Morgen" veröffentlichte einen ausführlichen Bericht über scheußliche Grausamkeiten, die von Horthys besten Offizieren an dem jüdischen Gendarmeriekommandanten Josef K at z verübt wurden, bloß aus dem Grunde, weil dieser sich weigerte, seine Hand zur Durchführung eines wahrhaft teuflischen Planes zu bieten. Josef Katz ist infolge der an ihm begangenen bestialischen Mißhandlungen an beiden Beinen gelähmt und vollkommen erwerbsunfähig. Die gesamte Kulturwelt wird diese Enthüllungen mit Entsetzen und Abscheu zur Kenntnis nehmen. Ob sie auch die verdiente Sühne zur Folge habem werden, ist nach alldem, was aus dem Pfuhl Europas bekannt wurde, sehr zweifelhaft, wird aber schwerlich beitragen, Ungarns Begehren um Aufnahme in den Völkerbund zu fördern. Preßfreiheit in Deutschland. Nach dem Dauerverbot der pazifistischen Wochenschrift „Die Menschheit" erfolgte auf Befehl des Militärbefehishabers von Stettin das gleiche Verbot an dem „Pionier". Mit grimmiger Ironie wird hi der Begründung gesagt: „Das Verbot ist notwendig, und zwar nicht nur auf kurze Zeit, sondern für die Dauer, weil der Gesamtinhalt der Zeitschrift den Beweis erbringt, daß es nicht, um ruhige Erörterungen im Kampfe der Geister, um Weltanschauungsfragen geht, sondern daß die Sensation, die Aufpeitschung der Leidenschaften ihr Zweck ist." Es ist das Unglück der militärischen Machthaber, daß sie gleich den Königen, mit denen sie etwas Wesensverwandtes haben, die Wahrheit nicht hören können und reaktionären Zeitungen, auch solchen* die zum Rassenkampf und Bürgerkrieg hetzen, mit Duldsamkeit begegnen. Ein jüdischer Friedenspreis — 50,000 Dollar. Wie Reuter aus Boston meldet, hat ein jüdischer Kaufmann einen Preis von 50.000 Dollar für die besten Vorschläge zur dauernden Sicherung des Friedens ausgesetzt. Frankreich, Italien, England und wahrscheinlich auch Deutschland werden sich an dem Wettbewerb beteiligen. In dieser Form'ist diese Nachricht, wie wir erfahren, nicht ganz richtig. Der Friedenspreis des jüdischen Kaufmanns Edward W. Bock aus Philadelphia beträgt 100.000 Dollar. Er ist jedoch in zwei Hälften geteilt: 50.000 Dollar erhält derjenige, dessen Plan von dem zur Begutachtung eingesetzten Komitee als der beste und praktischeste bezeichnet wird. Dieser Plan wird dann in den amerikanischen Zeitungen veröffentlicht und zur Abstimmung unter der gesamten Bevölkerung der Vereinigten Staaten gestellt. Wenn diese Abstimmung die Annahme des Planes ergibt, erhält der Gewinner die zweiten 50.000 Dollar. Die Entscheidung des Komitees ist, wie die amerikanischen Blätter melden, bereits gefallen. Es gab nicht weniger als 22.165 Einsendungen, üeberdies erhielt Bock, beziehungsweise das Komitee, tausende von Briefen, in welchen verschiedene Pläne zur Sicherung des Weltfriedens entwickelt wurden. Das Komitee hat beschlossen, bis nach der Durchführung der Volksabstimmung über den von ihm erwählten Plan den Namen des Gewinners geheimzuhalten. Nun soll die öffentliche Meinung darüber entscheiden, qb der ausgewählte Friedensplan ihr entspricht. Wenn dies der Fall ist, so soll dahin gewirkt werden, daß die Regierung der Vereinigten Staaten sich ihn zu eigen mache und auf seine Durchführung hinarbeite. Ueber den Inhalt des Friedensplanes, dessen Verfasser die Hälfte des Bockschen Preises bereits zur Verfügung gestellt wurde, teilen die amerikanischen Blätter mit, daß er zunächst den Beitritt Amerikas zu dem Haag.er Friedenstribunal vorsieht, welches unter der Aufsicht des Völkerbundes konstituiert wurde. Dieser Beitritt soll unter den Bedingungen erfolgen, welche Staatssekretär Hughes und der verstorbene Präsident H a r d i n g noch im Februar 1923 gestellt haben. Ferner soll nach der Ansicht des Verfassers dieses Friedensplanes Amerika, wenn es auch nicht Mitglied des Völkerbundes wird, darauf hinarbeiten, mit dem Völkerbunde in immer innigerem Kontakt zu kommen und mit ihm zusammenarbeiten unter der Bedingung, daß beide, der Völkerbund und die Vereinigten Staaten, keinen militärischen und ökonomischen Druck, sondern einen moralischen Druck auf die öffentliche Meinung der dem Völkerbunde angehörenden Staaten im Falle von Verletzungen der Völkerbundsakte ausübe; ferner, daß die Monroe-Doktrin unberührt bleibe und daß Amerika keine Verpflichtungen aus dem Versa iiier Friedensverträge auf sich nehme, wofern der Kongreß nicht seine Zustimmung dazu gibt; schließlich soll allen Staaten die Möglichkeit gegeben sein, dem Völkerbund beizutreten. Amerika soll dahin wirken, daß die Paragraphen 10 und 26 der Völkerbundvertassung, welche den Gebrauch von Waffen bei internationalen Streitigkeiten aussprechen und die nach der Ansicht des Verfassers des Friedensplanes von Amerika nicht anerkannt, werden dürfen, aufgehoben werden. Der vom Preiskomitee' ausgewählte Vorschlag (der sich allerdings wenig von den in Amerika herrschenden Ansichten über die Friedenspolitik unterscheidet und keine bedeutenden Neuerungen bringt) trägt die Nummer 1469 des Einlaufes. Was der Hammer für Sorgen hat. Der Prophet, der im eigenen deutschen Lande nichts gilt, wendet sich an die Ostmark und führt ihr zu Gemüte, wie traurig es um sie bestellt sei'infojge ihrer Abhängigkeit vom internationalen (spr. jüdischen) Wucherkapital. Um dies zu erläutern, zeigt er die Verschmelzung des Wiener, selbstverständlich jüdischen Kreditwesens mit jenem der Engländer, Franzosen und Amerikaner auf. Diese Erkenntnis ist nicht auf eigenem Hammer-Mist gewachsen, sondern wurde seit jeher von den Organen der Wiener Linksradikalen verkündet. Herr Fritsch, der die Feuerprobe aufs Arische gemacht hat (?), besorgt eigentlich hier die Geschäfte des jüdischen Herrn Austerlitz ohne merklich besseren Erfolg als dieser. Wobei man sagen muß, daß die Westler Schneider-Creuzot und andere unbedingt judenrein sind, was sie nicht hindert,' schändlichen Wucher zu treiben. Uebrigens möge sich Herr Fritsch in Leipzig nicht den deutschösterreichischen Köpf zerbrechen und nach dem Rezept sehen, wie seinem Vaterlande \tpn dem Stinnes, Krupp und Thyssen zu helfen wäre. So lange das nicht geschehen, bleibt die Wahl zwischen arichristlichem Wucher drüben und angeblich jüdischem hüben sehr peinlich. Mac Donald — ein Antisemit. Es hätte uns sehr gewundert, wenn der Chef der englischen Regierung von den Judenfeinden nicht als einer der ihrigen reklamiert worden wäre. Und richtig, das „Egerland" hat es aus zweiter oder gar dritter Hand, daß Mac Donald judenfeindlich gerichtet sei. Beweis: Er reiste 1922 zum Studium der politischen und sozialen Verhältnisse nach Aegypten, Syrien und Palästina. Das Ergebnis dieser Zur Saison! Reiche Auswahl neuester Pelzmodelle In sämti. Pelzarten - Pariser u,Wiener Besohmaekvereint - erzeugt nur in eigenen Werkstätten, unter pers. Leitung des bestrenommlerten Inhabers der Firma, Fraterstr. 9-11 Johreflfl.2-B

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