Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1924-02-22 · Heft 8 (22.2.1924) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 8 (22.2.1924)
Date
1924-02-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064071-3064079--12604-3080063
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 8 Eines ist sicher: als Präsident der Vereinigten Staaten würde Ford weniger den Juden als dem ganzen Lande gefährlich werden. Die Kandidatur müßte daher, falls wirklich aufgestellt, schart bekämpft werden — nicht nur von den Juden. Ein gewohnheitsmäßiger Wortbrecher! Und ein leichtfertiger Lügner; ist doch sein Buch „Der internationale Jude" mit unverantwortlichen Unwahrheiten gespickt! Budgetreferat pro 1924. Vom Ersten Sekretär Guido F u c h s g e 1 b. (Schluß.) VIII. Außerordentliche Einnahmen und Ausgaben. 1. Einnahmen. Im Voranschlage pro 1923 waren außerordentliche Einnahmen nicht besonders prälhniniert. Es war auf dieselben in der Einnahmspost „Fürsorgewesen" Rücksicht genommen worden. Auf Grund der Ergebnisse an Tempelspenden, Spenden für den Notstandsfonds etc. sind pro 1924 K 1.500,000.000 als außerordentliche Einnahme eingestellt. 2. Ausgaben. Voranschlag 1923.......K 1.600,000.000 1924 .......K 4.7801,000jOOO Die pro 1923 präliminierte Summe erscheint auf den verschiedenen Konti zur Gänze konsumiert. Im Voranschlag für 1924 erscheint insbesonders auf eine entsprechende Reserve für die verschiedenen Budgetkapitel Bedacht genommen. Die hier in der Einnahmerubrik vorgesehenen VA Milliarden stellen schätzungsweise Spenden für verschiedene Wohltätigkeitsanstalten und Vereine, die bei der Kultusgemeinde bloß als durchlaufende Post figurieren, dar. Der gleiche Betrag ist daher auch von der präliminierten Ausgabspost von K 4.780,000.000 in Abzug zu bringen. Der Restbetrag bildete die Reserve zur Bestreitung jener Ausgabeposten, welche im Verlaufe der Budgetdebatte im Vertreterkollegium angeregt wurden, schließlich auch für die außerordentlichen Erfordernisse bei den einzelnen Budgetkapiteln und für die Kosten der in diesem Jahre vorzunehmenden Wahlen in den Kultusvorstand. IX. Friedhoferwerbungs- und Erweiterungsfonds. 1. Einnahmen. Die Einnahmen dieses Fonds ergeben sich aus den Gräber- und Grufttaxen. Pro 1923 war eine Entnahme aus diesem Fonds nicht eingestellt, weil der Fonds in den vorangegangenen Jahren nicht dotiert worden war. Pro 1924 erscheinen als Einnahme K 2.600,000.000 vorgesehen, was bedeutet, daß für Zwecke der Erweiterung und der baulichen Herstellungen am Neuen Friedhofe dieser Betrag aus dem Fonds zu entnehmen sein wird. 2. Ausgaben. Voranschlag 1923 ...... K 2.315^0001000 1924 ......K 3.000,000.000 Das elfmonatige Ergebnis, d. h. die im Kapitel „Friedhof- und Beerdigungswesen" vereinnahmten und an das Konto „Friedhoferwerbungs- und Erweiterungsfonds" abgestatteten Gräber- und Grufttaxen, beträgt K 2.514,036.056. Das Präliminare entspricht sohin den Ergebnissen des Vorjahres unter. Berücksichtigung offener Posten. Als erster Aufwand für die im Kapitel „Friedhofwesen" bereits erwähnten Hochbauten auf dem Neuen Friedhofe ist hier der Betrag von K 3.000,000.000 präliminiert, dem als Einhahmepost die im Jahre 1923 gemachten Rücklagen auf dem Friedhoferwerbungs- und Erweiterungsfonds gegenüber gestellt sind. Während die im Voranschlage angeführten Ergebnisziffern des Jahres 1923 sich auf das elfmonatige Ergebnis beziehen, seien nachstehend die Ergebnisziffern des ganzen Verwaltungsjahres 1923 angeführt: Gesamteinnahmen......K 24.205,384.937 Gesamtausgaben ......., 22.004,862.886 Hiervon personelle Ausgaben . . „ 8.851,341.857 Damit wäre nun der generelle Bericht über die Budgetvorlage erstattet. Das Vertreterkollegium beantragt dem Plenum, die im Voranschläge verzeichneten Ziffern zu genehmigen und auch jenen beantragten Abänderungen des Tax- und Gebührentarifes, welche als Voraussetzung für die Erlangung der präliminierten Einnahmen zu betrachten sind, zuzustimmen. Gestalten und Probleme einer jüdischen Weltbewegung. Berichterstattung von dem Erlebten und Erhofften auf dem Weltkongreß der Agudas-Jisroel in Wien von Oberrabbiner Dr. Adolf Altmann in Trier, Delegierter auf der Knessijo- Gedaulo in Wien. Der große Naturforscher Alexander v. Humboldt, der Verfasser des berühmten Werkes „Der Kosmos", soll einmal nach der Heimkehr von einer Weltreise vor einem erwählten Kreis von Sachverständigen über seine Erlebnisse gesprochen und dabei folgende Aeußerung getan haben: „Was ich erlebt habe, wird erst dann ein Erlebnis sein, wenn ich es in Ihnen zum Miterlebnis gestalten kann". Ich darf mich weder mit Humboldt vergleichen, noch habe ich wie er eine Weltreise gemacht und doch ist es mir vielleicht gestattet, mich heute hier seiner Aeußerung zu bedienen. Soll ich Ihnen ja auch von den Erlebnissen einer Reise berichten, die wohl keine Weltreise, aber doch eine Reise in die Welt gewesen ist, und zwar in die uns als Juden am nächsten interessierende Welt, in die jüdische Welt, in die lebendige Welt des Judentums. - „Wer eine Reise macht, weiß Manches zu erzählen", lautet ein bekannter alter Spruch. Aber „erzählen" heißt hoch lange nicht erleben, es zum Miterlebnis der anderen machen. Anders aber hat ein Erlebnis, wie das, von dem heutehier die Rede sein soll, nur wenig Sinn. Darum erwarten Sie, bitte, nicht von mir, daß ich Ihnen etwas in dem üblichen Sinne „erzählen" werde. Auch denke ich nicht daran, Ihnen eine malerische Schau von Dingen der Aeußerlichkeit des Kongresses zu entwerfen, wiewohl auch dieses ein lohnendes Stück lebenssprühender Originalität abgeben würde, sondern ein Anschauen im Geiste ist es, was mir selber in Wien geworden ist und daran ich Sie heute teilnehmen lassen möchte, hoffend, in ihrem Miterleben erst recht eigentlich den Kongreß nochmals zu erleben. Ich bin zu dem vom 4. bis 11. Elul, 16. bis 23. August d. J. in Wien stattgefundenen ersten Weltkongreß der Agudas Jisroel-Bewegung nicht ohne einen starken Grad innerer Skepsis gegangen. Vom Standpunkte des parteilosen Einheitsgedankens im positiven Judentume bangte es mir immer vor den Sonderzusammenströmungen und den Sonderkongressen, mögen sie von welcher Seite immer ausgehen. Sie haben stets nachgerade genug dazu beigetragen, das ohnehin arg zerklüftete Judentum noch mehr in verschiedene Teiljudentümer zu zerschlagen. Der Ruf der Agudas Jisroel litt zudem vor dem Kongreß gemeinhin an der Vorstellung einer horizontbeschränkten Partei-Ideologie. In dieser Hinsicht hat auch die Knessijo-Gedaulo — das sei wahrheitsgemäß schon gleich konstatiert — einen durchgreifenden und restlosen Wandel geschaffen. Deshalb hat mich der Kongreß beruhigt, denn die Ideenvertretung an sich auf der Knessijo hat den zweifellosen Beweis erbracht, daß der Agudas Jisroel-Gedanke, wie er sich in den Köpfen seiner vorzüglichsten Vertreter malt, turmhoch über dem steht, was man gewöhnlich unter Partei begreift. Diese Tatsache hat meine Skepsis in eine Bejahung umgewandelt. Nicht, daß ich meine Anschauung, die ich gewohnt bin, bei jeder Gelegenheit zu betonen, etwa weil ich, wie man zu sagen pflegt, „auch dabei gewesen" bin, irgendwie gewandelt hätte. Nach wie vor glaube ich, daß nur ein Zusammenstehen aller positiv jüdisch Orientierten, ohne Unterschied der Parteistellung, letzten Endes den Ausweg für alle bedeutet. Habe ich doch dieser Auffassung noch vor den beiden Kongressen in Karlsbad und Wien in diesem Blatte entschiedenen Ausdruck verliehen und mich auch auf der Knessijo veranlaßt gesehen, ihn zu vertreten und zu verteidigen, trotz der scharfen Polemik, in die ich durch diese Freimütigkeit meiner Ansicht mit mehreren markanten Köpfen des Kongresses verwickelt wurde. Aber gerade weil ich, vielleicht jetzt mehr denn je, an meiner Ueberzeugung festhalte, glaube Ich durch die Agudas Jisroel, wie ich sie in Wien auf mich habe wirken lassen, auf der rechten Fährte zu sein. Nach dem Erleben in Wien wage ich es auszusprechen, daß sich das positive Judentum in allen Lagern entweder im Zeichen der agudistischen Grundidee finden oder — was Gott verhüten möge — überhaupt nicht finden wird. Das Organisatorische der Aguda lasse ich in diesem Momente außer Betracht. Es mag seine Vorteile und seine Fehler haben, wie alle Gebilde menschlicher Zusammenschlüßformen. Es gibt nichts Vollkommenes unter der Sonne. (Fortsetzung folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.