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Die Wahrheit · 1924-02-15 · Heft 7 (15.2.1924) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 7 (15.2.1924)
Date
1924-02-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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in»vOIWMM<*>9;>«<nsi<MUb>U«WCM4iMiui«»Hciis4«i>i<%*rt t»»fi»i«».it t».44<l3 Veröffentlichungen IbJSä1 « i.- I P*at«parka9s«it-Koato „Union deutschösterreichischer Juden* j Telep^' «B« IUI >■!»■»«■«■»■»<»—W—»1 Ein Kämpfer ums Recht. Aus einer Gedenkrede von Sanitätsrat Dr. Goldschmidt, Berlin. Wir haben vor kurzem den schweren Verlust gewürdigt, welchen unsere Bruderorganisation in Deutschland, der „Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", durch das Ableben seines geistigen Führers, Geheimrates Dr. Eugen Fuchs, erlitten hat. Der Centraiverein übersendet uns nun eine ausgezeichnete Gedenkrede, deren wesentlichste Stellen wir hier abdrucken, weil sie trotz mancher Verschiedenheit der Verhältnisse zwischen Deutschland und Oesterreich doch auch für die österreichische Judenschaft volle Geltung und .größtes Interesse besitzt. Die Red. Drei Begriffe kann man dem Leben dieses Kämpfers vielleicht voranstellen: Suchen, forschen, handeln — suchen, forschen, handeln — aus den treibendfen Kräften einer lauteren Seele. So mag er wohl im Religiösen das Rechte und im Recht das Religiöse empfunden haben. Zornige Empörung über das täglich und stündlich den Juden angetane Unrecht, stolz auf seine jüdische Abkunft und Vaterlandsliebe — er spürte den Antisemitismus als ein Unrecht am Vaterlande— veranlaßteri ihn, mit anderen wackeren Männern' im Jahre 1893 den „Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens44 zu begründen. Fuchs war es, der Maximilian H o r w i t z bald nach der Gründung heranzuziehen verstand und in ihm die Führernatur entdeckte, die dem Verein fast 25 Jahre vorangestanden hat. Vertrat Horwite — diese schöne imponierende Erscheinung — mehr das Repräsentative, er war der geborene Versammlungsleiter, so konnte man in Fuchs dien geistigen Träger der Vereinsideen sehen. Er rang gewissermaßen mit dem Wort und Begriff. Dieser Gedanke des Ringenden verstärkte sich, wenn er im engeren Kreise sprach und gelegentlich beim Reden die Augen schloß. So war er nicht das, was man einen Volksredner nennt, aber es war doch sein Geist, der auf so unendlich viele wirkte. Was Fuchs gedacht und! gesagt, das konnte unmöglich falsch und unrecht sein. Man spürte einen ehrliehen, einen tiefen — einen stolzen Gedanken. — Es war der Gedanke der Sammlung der deutschen Juden in ihrem Kampfe um ihr Recht im deutschen Valterlande — als Deutsche und als Juden. Stolz auf sein Judentum und glühende Vaterlandsliebe waren die starken Pole seiner Gedankenreihen. Seine gesammelten Reden und Aufsätze sind niedergelegt in einem stattlichen Bande, der mit dem Bildnis von Fuchs geschmückt ist. „Um Deutschtum und Judentum4' — ist der bezeichnend« Titel. Ein gut Teil der Geschichte des Centraivereines spiegelt sich in diesen Blättern und Ansprachen wieder. . Wir sehen Fuchs als Anwalt des Rechltes — als Referenten — auftreten in der Rechtsschutzkommission des Vereines. „Rechtsschutz und Rechtsfrieden44 ist sein Bericht betitelt. Das scharfe Auge des Juristen sondert Spreu vom Weizen, Wesentliches vom Unwesentlichen, hebt die Dinge hervor, die den Einzelfall des beleidigten Juden zum allgemeinen stempeln. Aus dem Wust der Infamie strahlt plö-tzlich das Recht auf, aus dem Unerträglichen wird das Notwendige, das was sein soll, das, was rechtens ist. Die Gegner horchen auf. Der Kampf hört nicht auf. Aber die Kampfformen ändern sich. Der Kampi ist nicht mehr nur einseitig, wird nicht mehr gegen Waffenlose geführt. Es ist häufig die Frage erhoben worden: Was hat der Centraiverein geleistet? Der Antisemitismus geht weiter und nimmt die schlimmsten Formen an. Ich stelle die Gegenfrage: Was wären wir ohne den Centraiverein? Eine widerstandslose Masse — oder besser : eine Vielheit von einzelnen, wehrlos im ganzen preisgegeben, auch wenn der einzelne sich wehren wolJte. Der Zusammenschluß erst im Kampfe für das Ganze gibt Festigkeit, Sicherheit, Gefühl des Halt es unddes Zusammenhai tens. Nicht der Erfolg macht den Wert eines Lebens und Strebens aus, die Anschauung, in der es geführt wird, die persönliche Würde und Festigkeift:, mit der man seinen Weg geht und sich den zukommenden Platz erkämpft oder erstrebt, das ist höher anzuschlagen als der äußere Erfolg, den der einzelne erringen mag. Fuchs verleiht diesem Gedanken Worte, indem er saglt: „Das Leben ist lebenswert, auch wenn man nicht Korpsstudent, Reserveoffizier oder Landrat werden kann. Können wir nicht vor der Front kämpfen, so werden wir in Reih und Olied kämpfen, wenn das Vaterland ruft; kann man nicht Richter des Rechtes sein, so besenekle man sich, ein Anwalt zu sein, und läßt man uns nicht Lehrer der Wissenschaft sein, so wollen wir versuchen, ihre Mehrer zu sein. Alles das ist im Grunde genommen gewiß zu ertragen. Vielleicht ist es auch gut, daß wir unsere Kinder daran gewöhnen, vom Staate nichlts zu fordern, sondern ihm nur zu geben, sich nicht auf Pfründen des Staates zu verlassen, sondern auf eigenen Füßen zu stehen und im freien Kampf der Kräfte zu bestehen, und daß wir unsere Kinder dazu erziehen, mehr nach Ehre als nach Ehren zu streben. Aber was wir nicht ertragen und dulden dürfen, das ist die geistige Strömung, die die Frucht der Antisemitenbewegung ist, daß man uns unseres Glaubens wegen für minderwertig hält, und daß man es nich* einmal für nötig hält, uns das verbriefte Recht und die beschworene Verfassung zu halten, daß der kurulischen Ehren fähig nur der ist, der seiner Glaubensgemeinschaft die Treue bricht." Zu all* den großen Zeitereignissen, soweit sie Beziehung auf Judentum und Centralvereta hab«n,

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