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Die Wahrheit · 1924-02-15 · Heft 7 (15.2.1924) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 7 (15.2.1924)
Date
1924-02-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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assyrisch-babylonischen Kuiturkreise vertrauen zu dürfen. Denn auch dort herrschte die Sitte, wichtige Urkunden an heiliger Stätte niederzulegen, wo sie,djann gelegentlich von späteren Generationen gefunden werden können. Betont Jirku nach der ganzen Stimmung seines Buches, wie stark Israel kulturlich mit dem gesamten Orient zusammenhängt, so vergißt er doch nicht, daß es in seinem sittlichen Eingottglauben eigene Wege ging. Von Israels religiöser Weltanschauung, das ist gerade das sicherste Ergebnis der Vergleichung, zeigt sich in der ganzen übrigen Welt des Jilten Orients keine Spur. Sieht man in der pluralischen Bezeichnung Elohim für „Gottheit" die Spur einer heidnischen Vorlage jener alten Erzählungen von den Ursprüngen der Weit,, so stimmt Jirku mit Söderblom „Das Werden des Gottesglaubens" darin überein, daß hier ein im ganzen westlichen vorherrschender Sprachgebrauch vorliegt, nach dem durch den Plural die Fülle und Kraft dies einen Gottes ausgedrückt wird. Auf Grund dieser vielfachen Bezeugung dieses uralten Sprachgebrauchs kann man mit Ed. Meyer in seinem „Ursprung des Christentums", S. 22, nicht mehr annehmen, daß in dem Ausdruck Elohim noch eine Neigung zur Vielgötterei mitspiele. Wenn der Israelit seinen Gott Elohim nannte, so war er sich der Einheit dieses Gottes bewußt und brauchte nur, aus Ehrfurcht allgemeinem Sprachgebrauch folgend, die Pluralform. Wie der Eingottglaube Israels Sondergut ist, so hat sich auch eine wirkliche Parallele zu dem, was das Wesen und den Kern des israelitischen Prophetismus ausmacht, bislang im aiten Orient nicht nachweisen lassen. Jirku erklärt, daß wir hier vor einer weltgeschichtlichen Erscheinung von einziger unvergleichlicher An stehen. Zum Schlüsse noch ein paar Einzelheiten, welche die Auslegung des Bibeltextes bereichern. Denn auch an exegetischer Ausbeute fehlt es nicht. Jes. 58,9 bedeutet der Ausdruck „Finger ausstrecken" wie das Nachbarwort „sündliche Rede führen" so viel als verleumden. Dies legt auch eine Wandlung im Hamrnurabbigesetz nahe: Wenn jemand auf eine Gottesschwester den Finger gestreckt hat, ist der Wahrheit gemäß gleich verleumden. Das rätselhafte Chanik als Krieger in der Abrahamsgeschichte Gen. 14,14 ist in diesem Sinne in einer der Urkunden von Taarak und in einen hetitischen Vokabular als Kämpfer bezeugt. Daß Sech. 9,9 der Esel als Reittier des Messias auftritt, will Jirku damit erklären, daß dieses Tier im alten Babel wie in Aegypten für heilig galt, während doch näher liegt, im Gegensatz zum kriegerischen Rosse, beim Esel an das Tier des friedlichen Wancterers-zu denken. So mag man im einzelnen gegen manche Auffassung Jirkus seine Bedenken haben, sein Buch ist als ganzes überaus wertvoll und verdient eifrige Verbreitung und Benützung seitens aller wissenschaftlich interessierten Bibelfreunde und vermag manche Dunkelheit der heiligen Urkunden durch das Lrcht aus dem Osten zu erhellen. Der Verlag hat sich um die Wissenschaft ein Verdienst erworben, daß er dem schön und schlicht ausgestalteten Buche zum Leben verhalf. Batkenaas Hans. Von K. Hahn. Die Republik hat dieses Haus geerbt: Rathenaus VÜia. Er hat es ihr nicht hinterlassen, aber iür wen sonst blieb diese Wohnung? So fragt man, wenn man das Haus verläßt. Und — noch ganz ergriffen von dem. was man sah: Wer war dieser Mann? Seit er gefallen ist, weiß man das Wichtigste über ihn: er hatte ein Schicksal. Wenn man sein Haus sieht, erfährt man erst: dieser Mann kannte sein Schicksal. Wir hören von denen, die nun über ihn predigen: er war ein echter Deutscher,' er war ein treuer Sohn, er war ein wahrer Jude, er war ein Dichter, ein Philosoph, ein Künstler, ein religiöser Mann. Wenn wir Carlyles „Französische Revolution" lesen, wird uns Rathenau als Mirabeau erscheinen. Es ist nicht unsere Schuld, daß wir sein Schicksal nicht mittragen können, wir sind eine Nation ohne Gott. Wir werden es auch nicht erfüllen können, denn Rathenau ist nicht unsere Hoffnung geworden. Er hat sich verschlossen. Du sahst diesem Mann an: Er wird schweigend seine Pflicht tun. Aber seine Träume? Irgendwo c-egann in seinem Leben eine ungeheure Resignation, ein Begriff: sein Werk wird zerstört werden, eine sinnlose Hand wird seinem Werk ein Ziel setzen. Dieser Begriff wurde zur Erkenntnis und zur Hingabe an einen unbekannten, großen Willen, an eine Mission. Wer ihn im Reichstag als Außenminister sah, hatte das deutliche Empfinden: Er gehört nicht hierher. Er steht ganz allein! Als man ihn dort aufgebahrt sah, in Blumen unter der Flagge der Republik, empfand mancher: Du ruhst aus, toter Minister, Sohn einer Mutter, von einem Leben voller Suchen, voller Unruhe und innerer Pein, voller Abwehr der oft grausam quälenden Frage: Muß es sein? — Man sagt, er wußte sein Ende voraus. Am Tage seines Todes hörte die deutsche Republik ihren ersten lauten Herzschlag um einen lieben Sohn, und wer es gesehen hat, vergißt nicht die letzte Abschiedsverbeugung des deutschen Reichspräsidenten am Sarge seines Ministers, eine Geste, die wahrhaft väterlich und eines Menschen, der für ein Volk trauert, würdig war. Rathenau hat sich sein ganzes Leben auf ein Schicksal vorbereitet. Seine Schriften haben diese tiefere Bedeutung, sie sind Rechnungslegungen, Versuche, Entwürfe zu kommenden Dingen. Sein Haus, seine letzte Wohnung, ist eine strenge Freude. Die auserwählten alten Möbel sind mit Hochachtung aufgestellt, aber ohne Liebe. Für wen Liebe? Auch hier ist die Frage deutlich: Wußte er? Seine vielen Bücher, in gepflegten Ausgaben, fassen zusammen, was an menschlichem Glück in Wissenschaft und Kunst, in der Weisheit und von den Geschicken der Völker und der großen Menschenführer überliefert ist. Er hat mit Ehrfurcht und mit Andacht und auch mit träumerischem Ernst gelesen und studiert, und dennoch, diese Bücher tragen kein Eigentumszeichen seiner Hand, keinen Namenszug, kein Exlibris. Seine Bilder sind mit Verehrung und Andacht aufgehängt, sogar mit der Fürsorge einer sanften Seele. Aber man findet keine Heraushebung bestimmter Neigung, kein Lieblingsbild, immer tritt er entsagungsvoll zurück, er versagt sich diese einfachsten Menschenfreuden. Er ist beispiellos gerecht gewesen. Auf seinem Nachttisch, an dem Bett, in dem Schlafzimmer, das wunderlich unwohniieh, etwas bange und etwas öde ist, liegt obenauf das Neue Testament in der Bearbeitung von Weizsäcker. Er hat es noch am Abend vor seiner Ermordung gelesen. Es ist voller Striche und Arbeitszeicfren. Was hat diesen Mann bewegt? Er war ein frommer Mensch. „Suchet in der Schrift," in diesem Gedankenkreis war seine Heimat. Er war sehr müde, er hatte keinen Siegerwillen und Reiche Auswahl neuester Pelzmodelle in sämtl. 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