Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 7 (15.2.1924)
- Date
- 1924-02-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Nr. 7 Wir wollen sehen, ob die Gesetze noch gegen die Herren Antisemiten Geltung haben. Sollte dies nicht der Fall sein, gilt gleiches Recht, bzw. Unrecht für alle und wir werden ein Verzeichnis der Salzburger Firmen, die in dem judenhetzerischen Blatte ihre Waren anbieten, in einer unserer nächsten Nummer veröffentlichen, damit die jüdischen Kundschaften gegen diese Finnen in Streik treten. Auch die nach Salzburg reisenden Fremden werden dann1 diesem Beispiele folgen. Und schließlich noch ein Wort an die Hauptverelnigung der Landesverbände für Fremdenverkehr. Es wäre unseres Erachtens die Pflicht dieser großen Korporation, gegen derartige Vorkommnisse, wie der Judenkataster in Salzburg, Stellung zu nehmen. Diese Pflicht wurde bisher vernachlässigt. Man hörte nichts davon, daß die Vereinigung energisch in dieser Frage aufgetreten wäre. Es muß deshalb nachdrücklichst Protest gegen diese -Schlappheit und Schwachheit erhoben werden. Hier machen wir vorläufig einen Schlußpunkt. Wir behalten aber die Herren weiter im Auge und sollten sie die schamlose Hetze wie bisher weiter treiben, dann werden wir mit gröberem Geschütz auffahren. Soviel können wir schon heute sagen, zu lachen v/erden die Herrschaften dabei nicht haben. Oskar Hirschfeld. Licht ans dem Osten. Von Bez.-Rabb. Dr. Beermami. Heilbromi. Lange schon emufand man es als ein dringendes Bedürfnis, bei der Erforschung der Bibel zu jeder Stelle den ganzen Stoff aus der Kunde des gesamten Morgenlandes zur Verfügung zu haben. Eine besonders wetvolle Hilfe leistete bisher das bahnbrechende Werk Schräders: Die Keilinschriften und tias Alte Testament. Ueber dies aufschlußreiche Buch hinaus bedeutet der soeben erschienene altorientalische Kommentar zum Alten Testament (Deicherts Verlag, Leipzig:) einen wesentlichen Fortschritt. Der Verfasser, der als Semitist bereits rühmlichst bekannte Professor Jirku, Breslau, begleitet der Reihe nach den Bibeltext mit der Belehrung1 aus dem alten Orient. Er berücksichtigt ferner nicht bloß die assyrisch-babylonische Welt, wie es Schräder tat, sondern er zieht das ganze alte Vorderasien einschließlich Aegypten zum Vergleiche heran, und zwar gibt er das Material nicht (wie Schräder) bereits verarbeitet, sondern er läßt die Quellen möglichst selbst reden undr umrahmt diesen ursprünglichen Stoff nur mit Erläuterungen und Hinweisen. Er zeichnet sich dabei durch zuverlässige Genauigkeit und sachliche Unparteilichkeit, aus. Von der Einseitigkeit der Panbabylonisten, die blind macht für die Eigenwerte der Bibel, hält er sieh grundsätzlich frei. Er legt sich bei Aehnlichkeiten hüben und drüben nicht sofort fest. Er erwägt vorsichtig drei Möglichkeiten: Israel erfuhr fremden Kultureinfinß oder die gemeinsame Aehn- Hchkeit kann als Ursache den gemeinsemitischen Ursprung haben, oder es kann sich drittens um bloße Analogien handeln, die da und dort selbständig bei verschiedenen Völkern entstehen können. Bei vollständiger Wiedergabe aller Anklänge, die sich in antiken Weistümern an biblische Gesetze finden,' bei genauester Buchimg aller Inschriften, die irgendwie auf eine biblische Mitteilung Licht zu werfen vermögen, geht er ohne jede Voreingenommenheit zu Werke. Sein Buch will keine Verteidigungsschrift der Bibel sein, und darum wird es absichtslos die beste Rechtfertigung des heiligen Schrifttums gegenüber den Ausschreitungen befangener Forscher. Tritt doch im Hinblick auf das altorientalische Material die Treue der Bibel im kleinen und kleinsten hervor. Wenn Ermann im „Aegyp'dsches Leben im Altertum" die Bibel als Quelle für ägyptische Sitten und Bräuche etwa in der Josephsgeschichte ebensowenig gelten lassen will, wie die christliche Heiligen - Legende für die Kultur der römischen Kaiserzeit, so betont Jirku mit Recht, wie bei sorgfältiger Prüfung sich zeigt, daß in dieser biblischen Geschichte die kulturlichen Zustände und Verhältnisse Aegyptens bis in die kleinsten Einzelheiten hinein durchaus richtig gezeichnet sind. Ganz gewiß aber ist die heilige Schrift zuverlässig, wo sie Tatsachen aus dem israelitischen Volksschicksai angibt. Die Kritik hat lange den Aufenthalt Israels in Aegypten bezweifelt, wiewohl es doch von vornherein unfaßbar ist, daß ein so auf seine Nationallehre bedachtes Volk wie das biblische Israel sich die die Schmach der ägyptischen Knechtschaft andichten wird. Heute bestätigen uns ägyptische Texte aus dem 15. bis 11. Jahrhundert die biblische Uebeflieferung. Jene Texte reden von einem in Aegypten ansässigen Fremdvolke namens Iwri, das Sklavendienste tun, Steine heranschleifen muß usw. Noch wichtiger sind uns aber folgende Tatsachen über die beiden von den Israeliten erbauten Städte Pitom und Ramses. Bei der Ausgrabung der Stadt Pitom fand der Schweizer Naville eigenartige Vorratskammern, die stark an die in der Bibel erwähnten „Kammern" erinnern. Ferner kennen wir ägyptische Abbildungen, auf denen uns semitische Sklaven beim Ziegelformen vorgeführt werden. Auf Grund des inschriftlichen Materials gewinnt Jirku auch Vertrauen zu den biblischen Berichten über die Wanderungen der Hebräer in der Patriarchenzeit. Daraus ergibt sich ihm folgendes Bild: Die Abrahams-Leuite, die Habiru der babylonischen Ueberlieferung, lebten um 200 in Südbabel-Urkasdim. Um 1500 suchen diese Habiru sich in Palästina seßhaft zu machen, und. etwa 200 Jahre später sehen wir sie in Aegypten. Die Geschichtlichkeit eines Abraham etwa anzuzweifeln, ist übertriebene Skepsis, da ägyptische Inschriften ein „Feld Abrahams" ausdrücklich bezeugen. Vorsichtig nimmt auch Jirku zu der großen Frage über die Entstehung der Mosistjücher Stellung. Er hält es für gut möglich, daß bereits vor Mose religiöse Urkunden über die Vätergeschrchte vorhanden gewesen sind. "Hat uns doch der Tontafelfund von El-Amarna gelehrt, daß man im 15. und 14. Jahrhundert in der kleinsten palästinensischen Stadt zu schreiben verstand und sich manche Leute richtige Archive anlegten. Auch dem Berichte über die Auffindung der Moses-Thora im Jahre 623 unter dem König Josias gelegentlich einer Tempelreparatur glaubt er angesichts der Parallelen aus dem ägyptischen wie