Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 5 (1.2.1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT [Theater, Kunst u. Literatur ..- „Antisemitismus." Auf Einladung der d e u t s c h - d e m okratischeri F r e i h e i t s p a r t e i sprach kürzlich D r. Richard Coudenhove-Kalergi im Deutschen Hause zu Prag über „Antisemitismus". Der Vortragende ging davon aus, daß die Stellung der Juden in Deutschland in gewissem Sinne dieselbe sei, wie die der Deutschen in der Welt; beide hätten unter Verleumdung und Vorurteil zu leiden. Also sei es vor allem Pflicht der Deutschen, den Juden gegen die Verleumdung beizustehen. Die Quellen des modernen AntisemihV mus analysierend, kam Kalergi zu dem Schlüsse, daß er nicht auf Rassenabneigung zurückzuführen sei, sondern auf k ü n s t- V ich-erworbene Instinkte beruhe. Schon im frühesten Kindesalter lege die Erziehung den- Keim zu antisemitischen Vorurteilen durch die Erzählung von der Verfolgung und vom Kreuzestod Christi; und diese Vorurteile wirkten noch im spätesten Alter nach, wenn nicht rechtzeitig Aufklärung dagegen ankämpfe. Auch der Neid, insbesondere der Konkurrenzneid, fördere die Entwicklung antisemitischer Tendenzen. Der Antisemitismus identifiziere blindlings Kapitalismus und Judentum, obgleich als die typischen Vertreter des Kapitalismus die arischen Trustmagnaten Amerikas anzusehen seien. Außerdem sei der Antisemitismus bei vielen nur ein Ausfluß des Bestrebens, sich selbst durch die Herabsetzung anderer zu erhöhen. Das Judentum war von Haus aus keine Blutgemeinschaft, sondern eine Religionsgemeinschaft: hat doch die Anthropologie nachgewiesen, daß die Juden auf Grund ihrer Körperbeschaffenheit eher dem Ariertum als dem Semitismus zuzuzählen sind. Indem die sogenannten praktischen Antisemiten die Resultate des pseudowissenschaftlichen Antisemitismus kritiklos und ohne Prüfung der Gegenargumente hinnehmen, machen sich eines groben Verstosses gegen den Geist der Wahrheit schuldig. Ebenso gehöre die Theorie von der geistigen Minderwertigkeit des Judentums in das Reich der Fabel f das zeige ein Blick auf die glänzende Reihe jüdischer Namen in allen Zweigen des Geistes- und Kulturlebens. Die jüdische Schulbildung sei uralt, während man beispielsweise bei den Deutschen, wenn man ihre Geschlechterreihe einige Jahrhunderte zurückverfolge, schon in der fünften Generation auf Analphabeten stoße. Nur grenzenlose Leichtgläubigkeit könne ferner den moralischen Tiefstand der heutigen Zeit den Juden in die Schuhe schieben. In Wahrheit sei nicht nur der Typus Judas, sondern auch der Typus Christus unter den Juden der Gegenwart zu finden. Es bedürfe unermüdlicher religiöser und nationaler Aufklärung, um die Judenfrage restlos zu lösen. Dem mit stürmischen Beifall aufgenommenen Vortrag Kalergis folgte eine lebhafte Debatte. Vortrag über Dr. Josef S. Bloch s. A. Vor einigen Tagen hatten die Mitglieder der Gemeinde Zwittau in Mähren Gelegenheit, ihren ehrwürdigen weit und breit als hervorragenden Redner bekannten Rabbiner, Herrn Dr. Felix Kanter, am Vortragstisch begrüßen zu können. Das Ansehen und die Beliebtheit, deren sich Herr Rabbiner Dr. Kanter in weitesten Kreisen erfreut, wie nicht minder das einen genußreichen Abend versprechende Thema selbst — Gegenstand des Vortrags, der nach des Redners eigenen Worten „belehrend und unterhaltend zugleich sein sollte" und - auch war, bildete „ein interessanter Prozeß" (gemeint ist darunter der berühmte Prozeß Rohling—Dr. Bloch) — versammelte ein großes Auditorium, unter dem sich viele Christen befanden, das in atemloser Spannung den trefflichen Ausführungen des beliebten Redners lauschte. Der Vortragende, ein persönlicher Freund des leider nur allzu früh dem Judentume entrissenen großen Apologeten Dr. Josef S. Bloch s. A., gab in dialektisch und rhetorisch gleich großartiger Darstellung nach einigen einleitenden Worten ein Bild von der Entwicklung des Antisemitismus in Oesterreich, widerlegte in schlichter, einfacher Weise alle Angriffe, Vorurteile und Gehässigkeiten, die in weiten Volkskreisen gegen das rabbinische Schrifttum und namentlich den Talmud ins Treffen . geführt werden, um sodann auf das eigentliche Thema überzugehen, welcher Aufgabe sich der ehrwürdige Redner in vorbildlicher Weise entledigte. Rauschender, nicht endenwollender Beifall der Zuhörerschaft lohnte Herrn Rabbiner Dr. Kanter für seinen interessanten und in höchstem Grade lehrreichen Vortrag. — Die Zwittauer Judenschaft würde es nur mit aufrichtiger Freude begrüßen, wenn SonöersRngebot Ides | Warenhauses I Brüder Schiffmann ™-47 ll.v Taborstraße 48 ™-A7m IUnerreicht billig* Kauftelegenlielf! 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