Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 5 (1.2.1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE WAHRHEIT gen 0-berkora.inandanten der transdanubisci£u Arrat-e, d«s jetzigen Reichs Verwesers Nikolaus Horthy standen. Damit ist erwiesen, daß der Reichsverweser Horthy der verantwortliche Urheber aller damaligen, an Juden verübten Greueltaten war, wie er noch heute die Bombenwerfer von Czongrad und vom Elisabethstädter-Klub derart schützt, daß alle angeblichen Untersuchungen und Verfolgungen der Polizei im Sande verlaufen und daß auch das Verfahren gegen den Abgeordneten U1 a i n und dessen Komplizen wegen Hochverrates mit einer lächerlichen Farce geendigt hat. In einer weiteren Sitzung des Abgeordnetenhauses ergriff der sozialdemokratische Abgeordnete und ehemalige Ministerpräsident Peidl das Wort und erinnerte an die Behauptung des rassenschützlerischen Abgeordneten Londva y. wonach .H e j j a s seine Mordtaten im November 1919 auf Grund einer Ermächtigung des damaligen Oberkonimandanten Horthy verübt habe. Unter großer Bewegung des Hauses erklärt Peidl, wenn dies wahr sei, müsse der Reichsverweser seinen Pia t z verlassen. Im weiteren Verlaufe dieser Sitzung drohte der Präsident des Vereines der „Erwachenden Magyaren" Tibor Eckhardt, ein Kusin des Reichs Verwesers, den. Regierung im heftigsten Tone, daß er sehr unangenehme Enthüllungen machen werde, wenn die Regierung noch weiterhin gegen die „Erwachenden Magyaren" vorgehen würde. Der sozialistische Abgeordnete Payer sagte am Schlüsse dieser Sitzung nachdenklich: „Die Eiterbeule platzt schon." Es wäre sehr zu wünschen, daß der Abgeordnete Payer recht behielte und daß die unerhörten Mordtaten, welche die Horthysche Soldateska bisher begangen hat, sowohl an deren Urheber, als an allen ausführenden Organen die gerechte Sühne finden würden. Solange dies nicht geschehen ist, hat Ungarn nicht das Recht, einen Platz unter den Kulturstaaten zu beanspruchen. Zur Araberfrage. In der „Neuen Freien Presse" Nr. 21.314 von 12. Jänner findet sich ein scheinbar sehr instruktiver Ariikel von Dr. Wolfgang W e i s 1 über die arabische Frage. Der Verfasser glaubt, .daß die Gefahr dieser Frage überwunden sei, und zwar deshalb, weil die Araber nur Politiker seien und in denselben Fehler verfallen wären, den früher die Zionisten gemacht hatten, während die Zionisten jetzt in der wirtschaftlichen, kolonisatorischen Durchdringung des Landes den einzig richtigen Weg gefunden haben, um der arabischen Gefahr zu begegnen. Man müßte zunächst einmal an Ort und Stelle die vorgebrachte Behauptung nachprüfen. Von einer wirklichen Durchdringung kann nur dann erst die Rede sein, wenn die Bevölkerungszahl infolge des wirtschaftlichen Aufschwunges gestiegen ist und natürlich kann die arabische Politik nur dann eine andere Bahn einschlagen, wenn dieser wirtschaftliche Aufschwung auch den Arabern so zugute gekommen wäre, daß dies in der Bevölkerungsstatistik zum Ausdruck käme. Die Frage selbst ist sotief, daß man vor einer Unterschätzung der arabischen Politik warnen muß. Sie haben jedenfalls eine Front bis tief in die Linie der gemäßigten Araber hinein, welche sich solange für nicht befriedigt erklärten, als die wirtschaftliche Tätigkeit der Juden einen politischen Hintergrund hätte. Sollte König Hussein wirklich das Kalifat erlangen, so wäre dies ein neuer Ansporn für die Araber, namentlich da der Sohn Husseins Emir Abdullah eigentlich unmittelbar vor den Toren Jerusalems steht. Es ist der Sache nicht gedient, wenn man die arabische Frace unterschätzt. Gelöst kann sie nur durch gecenseitiges Vertrauen werden und eine wahrhaft jüdische Politik müßte den Weg finden, dieses Vertrauen zu erringen. Der Hehler Hohler. Die Einsetzung einer fortschrittlichen Regierung in England beginnt ihre Auswirkungen auch in Europa, .selbst in seinem dunkelsten Teil, in Ungarn zu zeigen. Der englische Gesandte in Budapest, Hohler, hat telegraphisch seine Demission gegeben. Dieser Hohler trägt die meiste, wenn nicht die Hauptschuld an all den Ungeheuerlichkelten, die sich Horthy und seine Leute in den letzten fünf Jahren hatten zuschulden kommen lassen. Hohler, der Hausfreund des gesamten ungarischen Hochadels und der reaktionären Gentry, hat alle Niederträchtigkeiten gedeckt. Ein Festgelage in irgendeinem Budapester Adelskasino oder auf irgendeinem Jagdschloß genügte, daß Hohler in illuminierter Verfassung nach London telegraphierte, daß Horthy ein Gentleman und Ungarn das Eldorado der Demokratie und der Freiheit sei; Dieser Hohler war die wichtigste Stütze des weißen Terrors, der Erwachenden Unjgarn und der Offiziersdetachernents. Horthy, Hejjas und Hohler bildeten eine Interesseag/erajeln* schaff, eine Gesellschaft zu gegenseitigem Schutz In UngatJt. und zur gemeinsamen Irreführung, des Auslandes. Autfr Colonel Wedgewood, der jetzt im Kabinett Mac Donald sitzt,, weiß davon ein Lied zu singen. Als er an der Spitze einer Delegation der Labour Party in Budapest weilte, war es wieder Hohler, der ihn auf falsche Wege zu führen suchte. Damals wurde Hohler unter dem Druck der Anklagen gegen Ihn auf Urlaub geschickt. Horthy und seine Presse, beeilten sich, dem Hohler bei seiner Regierung beizuspringen, indem sie ihm das Zeugnis eines strengen, rücksichtslosen, aber objektiven Kritikers ausstellten. So kam Hohler wieder auf seinen Posten zurück und das alte Intrigenspiel begann von neuem. Jetzt hat Hohler* der mit bewundernswerter Ausdauer an seinem Budapester Posten klebte, seine Demission gegeben. Er konnte die früheren Regierungen düpieren und dadurch seinen Freunden, Horthy, Hejjas und Genossen, dienlich sein. Er fühlt es, daß er seine Rolle zu Ende gespielt hat. Wedgewood und Mac Donald, Shaw und Henderson wissen zu viel über ihn, er kann bei diesem Kabinett dem Hortlvy nicht mehr nützlich sein, weil dieses Kabinett ihm keinen Glauben schenkt. Hoffentlich folgen dem Hehler Hohler auch Horthy und seine Komplizen in den Ruhestand. Was will man eigentlich? Diese Frage behandelt Dr. Traub in seinen „Eisernen Blätter n", Foljre N»\ 2S. Man könnte die Frage so zurückgeben: Was will Dr. Traub eigentlich? Denn obgleich er im allgemeinen als klarer Kopf zu werten ist. vermißt man diese Klarheit in dem erwähnten Aufsatz. Er befürwortet nämlich eine Rechtsorientierung der Wehrmacht. Wörtlich: „Ein Wurzelbpden für den Geist des Soldatentums ist nicht die demokratisch-sozialistisch-kommunistische Weltanschauung, sondern die konservativ-nationale". Nun dieses Evangelium deckt sich so ziemlich mit jenem des berüchtigten General Ludendorff. Alle Welt, somit auch Dr. Traub, hat die Auswirkungen dieses Geistes erlebt. Seine Etappen waren die unterschiedlichen Putsche in Berlin, München und anderenorts, die Bürger- und Soldatenblut in Strömen kosteten. Jedes Kind-weiß bereits, daß die Pläne und Machenschaften der Rechten, sich der Wehrmacht als Werkzeug für monarchistisch-reaktionäre Ziele zu bedienen, auf so harten wie entschlossenen Widerstand der Linksparteien stießen, daß in diesen beklagenswerten Umständen die Ursachen liegen, die Deutschland einen Spielball der Parteien werden und demzufolge nicht zur Ruhe kommen ließen. Geschähe das. was Dr. Traub anscheinend will, dann wäre überhaupt nicht mehr von einem Geist des Soldatentums, sondern nur von einem Geist des Militarismus zu sprechen, der es ja verschuldet hat, daß der entsetzliche Weltkrieg entzündet wurde. Wenn heute noch von einem Geist des Soldatentums gesprochen v/erden kann, so bloß in dem Sinne, daß letzteres ein Instrument der Ruhe und Ordnung za sein die. Bestimmung hat. Jedes Abirren von diesen grundlegenden Prinzipien wandelt das Soldatentum zu einem Prätorianertum, das jedem zuläuft, der am meisten bietet oder — verspricht. Dr. Traub macht aus seinem Herzen keine Mördergrube und bekennt, daß er dem Präsidenten Ebert, Sozialisten, Kommunisten, Demokraten und Ostjuden nicht sehr hold Ist, diese Gesinnung bleibt sein gutes Recht. Anderseits aber trflt die Tatsache, daß Deutschland zur Stunde eine demokratische Republik ist und daß niemand sregen den Stachel locken kann. Die Fräse, was ..man" eigentlich will, erledigt sich demnach sehr einfach, die bestehende Staatsreform schützen und. wenn es sein muß, gegen jeden Angriff verteidigen. An unsere Freunde] Wir bitten, das Abonnement der Zeitschrift unverzüglich durchzuführen, das BezugsgeTd an eine der auf der ersten Umschlagselte angesehenen Stellen einzusenden und uns Adressen neuer AbonnenfeiizH übermitteln. Die Nummern 1 feisi 4'werden neuen Abonnenten, soweit der Vorrat reicht, nachgeliefert. Probenuminern können nicht mehr versendet werden. Administration „Die Wahrheit".