Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 5 (1.2.1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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>eite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 5 der geschätzte Redner die Freundlichkeit hätte, dem am Schluß des Vortrages aus Zuhörerkreisen geäußerten Wunsche, bald wieder am Vortragstische zu erscheinen, Folge leisten würde. Ans Rankes Fruhzelt. Mit den Briefen Rankes an seinen Verleger Friedrich Perthes und anderen unbekannten Stücken seines Briefwechsels. Von Hermann Gucken. Professor der Geschichte an der Universität Heidelberg. Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G., Gotha. -— Mit der an wissenschaftlich und literarisch Belangvollem überraschend reichen Schrift setzt der bekannte Heidelberger Historiker zugleich Leopold von Ranke und Friedrich Perthes ein weithin leuchtendes Denkmal. Der Verlag hat ihr daher — in pietätvoller Erinnerung an den Mann, der ihn vor 125 Jähren begründete, — ein hervorragend würdiges und schönes Gewand« gegeben Besonders lebhaften Dank wird man dem gelehrten Verfasser dafür wissen, daß er sich mit seiner Darstellung bei aller Vertiefung in den Gegenstand und aller Knappheit, des Ausdrucks keineswegs bloß an den immerhin beschränkten Kreis der Fachleute wendet, vielmehr ganz ausdrücklich an die breiten Schichten der historisch und überhaupt geistig Interessierten. Hochwillkommen ist die hier dargebotene erstmalige Veröffentlichung der Briefe von Ranke an Perthes, sowie einer Reihe äußerst wichtiger an Ranke gerichteter Briefe — u. a. von A. von Humboldt, Varnhagen und dem Grafen Aug. von Platen, deren volles Verständnis Oncken durch kurze Anmerkungen erschließt. Das Buch stellt dem Leser ein lebendiges Bild des jungen Ranke im ersten Jahrzehnt -seines wissenschaftlichen Aufstiegs vor Augen und öffnet das Eingangstor zu seinem Lebenswerk, indem es gleichzeitig einen tiefen blick tun läßt in das innere Erleben und die Entwicklung des großen Historikers und eine Ueberschau gewährt über den ganzen Kreis, die ganze Zeit, in der er lebte und wirkte. Unstreitig gehört Ranke zu den geistigen Größen, die den Nahenden sofort ganz ergreifen; wie ihn selber der Strom der Weltgeschichte fortriß, so fühlt man sich von einer Fülle der persönlichsten und allgemeinsten Probleme wie von einem Strome gepackt, der einen nicht wieder losläßt. Die wertvolle Gabe des Herausgebers der „Allgemeinen Staatengeschichte" wird darum auch weit über diejenigen hinaus, die die Bände dieses stetig wachsenden Unternehmens als Grundlage neuzeitlicher Geschichtsforschung kennen und schätzen, berechtigtes Aufsehen erregen. Der Niedergang Europas, die Wege zu seinem Wiederaufbau. (Von Francesco N i 11 i, Minister a. D., Verlag der Frankfurter Socitätsdruckerei, G. m. b. H.) Als Nitti vor etwa zwei Jahren das „Friedlose Europa'* erscheinen Heß und damit die ganze Kulturwelt alarmierte, hoffte er und alle, die gleich hoher Gesinnung sind, daß die führenden Staatsmänner, denen Macht über Entscheidung in Händen liegt, jenen Kurs nehmen werden, der einzig und allein die grauenhaften Schäden des Weltkrieges -beseitigen könnte. Leider sind wir von diesem Ziel, aufs innigste zu wünschen, entfernter denn je. Die Lage hat sich vielmehr noch gefährlicher und trostloser gestaltet Aus dieser Erkenntnis schöpfte Nitti den Entschluß, seinem ersten pazifistischem Buche als Fortsetzung und dringenderen Appell den „Niedergang Europas und die Wege zu seinem Wiederaufbau" anzureihen. Dieses Werk zeigt alle Vorzüge des zielbewußten, politischen Schriftstellers. Scharfe Beobachtung, die Fähigkeit, aus Wahrgenommenem klare logische Folgerungen zu ziehen und vollen Bekennermut. Dazu eine wahrhaft bezwingende poetische Sprache, deren Kraft und Pracht in der politischen Literatur nicht ihresgleichen hat. Nitti vertritt den Gedanken, daß der sichtliche Niedergang Europas nur durch die anglikanische Welt aufgehalten werden könne. Dieser Erdteil, sagt er am Schlüsse, wird solange keinen Frieden genießen als ein einziger fremder Soldat auf dem Boden des besiegten Landes steht, solange Okkupationstrüppen und Horden in der Form von Kontrolluad Repräsentationsorganen;, die ehrlose Curie fortsetzen, die die große Schmach unserer Zeit ist. d. Von Woche zu Woche Der jüdische Sammeltag. Der Jüdische Sammeltag hat. wie erwartet wurde, in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Wiens einen großen Anklang gefunden. Die Beteiligung war eine ziemlich rege. Es ist noch immer nicht möglich, den Erfolg der Sammlung genau festzustellen, da hoch nicht alle Gelder abgeführt wurden. Jedenfalls sind derartige große Mittel notwendig, daß die jüdische Oefferitlichkeit auch nach dem Sammeltage an die große Not ihrer Brüder, au die Zukunft der jüdischen Waisen und an alle Institutionen, die deren Not lindern und die Möglichkeit schaffen wollen, aus den vielen verlassenen Kindern produktive jüdische Menschen zu machen, weiterhin .bei jeder Gelegenheit wird denken müssen. Lese- und Redehalle Jüdischer Hochscbuler, Wien IX., Türkenstraße 9. Samstag, den 26. Jänner fand im Vereinslokale die feierliche Eröffnung des neueingerichteten jüdischen Lesesaales statt. Probevortrag im' Großen Leopoldstädter Tempel. Wie bereits gemeldet, findet Freitag, den 1. Februar, %5. Uhr, und Samstag, den 2. Februar, %9 Uhr, ein Probevortrag des Herrn Markus Fuchs, Oberkantor aus Tyrnau (Tschechoslowakei), statt. Für die Umgestaltung und Erhaltung der „Wahrheit" als Wochenschrift sind uns bis zum 25. Jänner weiters eingegangen: K 1,000.000 S. M. Rothschild; je K 200.000 Adolf Pappenheim, J. Riess, Leopold Bösel; je K 100.000 Julius Feingold, Richard Leitner, h H.; K 80.000 Max' Rosenberger (Neunkirchen); je K ,50.000 Hugo Reininger (Wr. Neustadt), Carl Mayer (Piesting), Moritz Schwärz, D. Auspitz, Moritz Mayer, Ch. M. Dachinger (Gmunden), Nathan Reisner, Jacob Schaffer, Salomon Sommer (Graz), Fritz Mayer (Wr. Neustadt), M B. Kauffmann; je K 30.000 Adolf Pick (Linz), Carl Weiss, Dr. E. Münz, Robert Horecki; je K 25.000 J. Sonnenschein, Hermann Brust; K 20.000 B. & S. Kormanyi (Gmunden). ,% Todesfall. Am 15. v. M. ist in London Rev. John Lionel Geffen, der allgemein beliebte und geachtete Vorbeter der New West End Synagoge nach kurzem Leiden in seinem 56. Lebensjahre gestorben. Das allzu frühe Ableben dieses aus^ gezeichneten Chazans und edlen Menschen wird weit über den Rahmen seiner Gemeinde, wo er zirka 30 Jahre erfolgreich wirkte, tief betrauert. Die englische Chazanim Association beklagt den Verlust ihres verdienstvollen Vizepräsidenten, der eine Zierde des Standes und ein Muster der Kollegialität war. Erfüllt von stolzem Standesbewußtsein hat Rev. Geffen stets das vermeinte Künstlertum im Kantorenstande eifrig bekämpft und energisch die Ansicht vertreten, daß der Kantor auch außerhalb der Synagoge Pflichten gegen die Gemeinde und das Judentum zu erfüllen hat.. Von solchen Idealen geleitet, hat Rev. Geffen sich auf allen humanitären, kulturellen und sozialen Gebieten unermüdlich betätigt und es gibt in London fast keinen Verein, in dessen Vorstand Geffen nicht nur saß, sondern auch aufopfernd mitarbeitete. Seine Verdienste wurden auch durch die Verleihung des Titels „Justice of Peace" an hoher Stelle anerkannt. Am 14. v. M. sollte Rev. Geffen in einer Mission als Vertreter der Föderation der ukrainischen Juden nach Rumänien reisen, ' um die Situation der dort befindlichen ukrainischen Flüchtlinge an Ort und Stelle zu studieren und die nötigen Hilfsmaßnahmen zu beantragen. Aber eine unerforschliche Vorsehung wollte es anders. Das Leichenbegängnis fand am 17. v. M. in der in London üblichen einfachen Weise — ohne Gesang und ohne Reden unter ungeheurer Beteiligung statt. Der ganze jüdische Klerus mit dem Chief Rabbi an der Spitze und Repräsentanten aller Synagogen und Institutionen folgten dem von Chazanim getragenen Sarge dieses treuen Diener Gottes und seines Volkes. K. Mayerowitsch. SeidBirhaus KUHSTHDT Wien I., Fleisdimafki Nr. ■minuMi»MnrHiMiiHMii»ii>»iiuiii»i»iiH>nu»»tn«tiniiMtiiii»iiHii<i BröBtes Spezialtiaus aller Qualität^ Seidenstoffe fUr Kleide und Futter. Herrliche BroWate, Crepe de Chine, Crepe Maroquine etc., zu Staunen«* biOiaen Preisen . Telephon Mr. 79.201 und 79.202 ,