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Die Wahrheit · 1924-02-01 · Heft 5 (1.2.1924) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 5 (1.2.1924)
Date
1924-02-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Hochstrebende und weitiiiegende Geister unter den Juden stießen sich immer an den Schranken, welche räumlich und geistig durch die Tore des Ghettos gezogen waren, xmd mußten solcherart innerlich verkrümmen und verkümmern. Alle geistigen Energien des Judentums waren, soweit sie nicht vom Erwerbe absorbiert wurden, nach innen gerichtet und erschöpften sieh im Thorastudium, in kleinlichen Rivalitäten um die Ehren und Würden der Gemeinde, in Akten der Wohltätigkeit. Erst mit der Emanzipation richteten die Juden ihre Blicke auf die äußere Umwelt, und die erlangte Rechtsgleichheit löste in ihnen das begreif- Hehe Bestreben aus, es in allen Dingen ihren nichtjüdischen Mitbürgern gleichzutun. In Mitteleuropa und im Westen vollzog sich diese Umwandlung rascher als im Osten, wo mit dem Begriffe des Juden noch bis in die jüngste Zeit der Begriff der Selbsterniedrigung und des scheuen Geducktseins verbunden war. Die allgemeine Wehrpflicht hat zuerst neben der ideeilen auch die körperliche Gleichberechtigung der Juden erwiesen. Ihr Mut und ihre Todesverachtung sind im Weltkriege von den höchsten Stellen wiederholt rühmend anerkannt worden. Der Körpersport aber, der sich langsam in ihren Reihen nach englischem Vorbilde entwickelte, hat aus einem früher furchtsamen, engbrüstigen und knechtseligen Geschlechte rasch stolzbewußte und freie Menschen gemacht. Es ist hier nicht am Platze, zu untersuchen, in welchem Maße die universelle Bedeutung und die Weltherrschaft des britischen Volkes die Auswirkungen der berühmten Kampfspiele von Cambridge und Eton geworden sind;.' War der Sport in England eine eminent nationale Institution, so ist er auf dem Kontinente längst zu einer internationalen, d. h. völkerverbindenden und daher nichtnationalen Einrichtung geworden. Auf dem Gebiete der Touristik, des Turnen«, Fechtens, Schwimmens und der athletischen Spiele wie Fußball und Hockey haben Juden nicht geringere Leistungen vollbracht als „arische" Sportler. Und wenn gegenwärtig durch die Anwen- ' düng des Arierparagrapheii die Ausschließung der Juden fast überall durchgeführt wird, so spielt dabei weniger der Rassenhaß als die Angst vor der überlegenen jüdischen Konkurrenz eine Rolle, genau so, wie der Waidhöfener Beschuß der deutschvölkischen Studenten nur deshalb zustande kam, weil die schlagenden jüdischen Verbindungen eine-schärfere Klinge führten als die deutschen Burschenschaften. Die „Hakoah" ist zionistisch gerichtet. Aber der Wert ihrer beiden Siegesfahrten nach London und Jerusalem liegt nicht so sehr in der Betätigung des zionistischen Prinzips als vielmehr in der Bekundung vor aller Welt, daß die jüdische Jugend Oesterreichs sich zu stahlharten Männern heranbildet, welche die staatsbürgerliche Gleichberechtigung nicht als Gnade von den umgebenden Völkern — die antisemitische Terminologie nennt sie ja „Wirtsvölker"— empfangen wollen, sondern daß sie als starke und freie Seelen ihren Platz fordern und sich behaupten wollen jn dem Wettbewerbe aller Völker. In Wahrheit hat die „Hakoah" durch ihren sensationellen Londoner Sieg und durch ihre erfolgreichen Kampfspiele in Aegypten und Palästina Wien und ganz Oesterreich zu Ehren gebracht und dafür muß ihr und ihrem sympathischen Führer Dr. Körner nicht nur vom jüdischen, sondern auch vom gesamtösterreichischen Standpunkte aus aufrichtiger und herzlicher Dank gesagt werden. Der Sport kann nicht unmittelbar ein treibendes politisches Motiv sein. Aber wir haben schon durch das oben angezogene Beispiel der Engländer gezeigt, daß er unter den Imponderabilien, aus welchen sich policische Ereignisse und politische Macht entwickeln, eine bedeutsame Stelle einzunehmen vermag. Die Schilderungen, welche gegenwärtig offiziell und inoffiziell über die Lage in Palästina vorliegen, lauten nicht sehr ermutigend. Die Sperre der Einwanderung, die Reibungen mit den Arabern, die Vorsichten,, die England gegenüber der mohammedanischen Macht üben muß, die wirtschaftliche Stagnation und die schlimmen Währungsverhältnisse zusammen mit mancherlei Unstimmigkeiten in der zentralen Leitung, und m der lokalen Verwaltung haben es bewirkt, daß die Besiedelung Palästinas von Seiten der Juden nicht in jenem Tempo fortschreitet, in welchem sie vielfach erwünscht und erhofft wurde. Aber es, ist gewiß ein Moment wertvoller Anregung, wenn nicht nur die notleidenden Chaluzim, sondern auch die englischen Behörden in Palästina starke und freie Menschen erblickt haben, welche das alte Europa zu ihnen entsendet hat. Auch durch die glänzendsten Fußballschlachten wird' Palästina nicht kolonisiert und erobert werden. Hier spielen weltpolitische Erwägungen und Einstellunigen mit, welche nicht durch einen Sportklub gemeistert oder gar überwunden werden können. Aber damit soll das Verdienst der „Hakoah" nicht geschmälert werden, welches darin gipfelt, daß sie der ganzen Welt ein Beispiel von dem Mute und der Kraft des Judentums und von der Ertüchtigung der jüdischen Jugend geboten hat. Siegfried Fl ei s c h 6.r':

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