Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 4 (25.1.1924)
- Date
- 1924-01-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seit« 10 DIE W AHRTOT Nr. 4 sich niemals darauf gerichtet, daß Deutschland siege," Unwillkürlich denkt man an Walther Rathenaus Aeußerung: ..Wenn der deutsche Kaiser als Sieger in Berlin einzöge, dann hätte die Weltgeschichte ihren Sinn verloren." Hans Wehberg ist' über die Verdächtigung, ein Weiser von Zion zu sein, erhaben, entstammt einer seit Jahrhunderten in Westphalen ansässigen Dauernfamilie, war im Zivilberuf königlich-preußischer Assessor und Autorität auf dem Gebiete des Völkerrechtes. Trotzdem oder eben deshalb war die ganze nationaldeutsche Meute hinter dem „Landesverräter" her und ruhte nicht mit ihren Denunziationen, bis das Generalkommando ihn „einrückend gemacht" hatte, wie die Bezeichnung für eine niederträchtige Methode bei uns lautete. Was Dr. Hans Wehberg als Musketier zu leiden und zu dulden hatte, das erzählt er schlicht, schmucklos, sachlich, aber durch die Tatsachen ergreifend und empörend. Wer die Bestie im preußisch-militaristischen Menschen so recht erkennen, sich mit Entrüstung und Ekel vor jenem leider nicht ganz abgetanen System sättigen will, lese dieses kleine, wertvolle, im Neuen Geist-Verlag, Leipzig, erschienene Büchlein. Spiel der Hölle von Cuno Hofer, Neuer Geist- Verlag. Von demselben Verfasser sind bereits zwei bemerkenswerte Bücher über den großen Krieg erschienen. Mit dem vorliegenden versuchte er eine Metaphysik des Krieges zu schreiben und geheimste allerlei Symbolisches hinein. Der Versuch ist leider weder zugunsten des, Lesers, noch des Autors geglückt. Von den beiden Teilen des lang und breitgediehenen Werkes beinhaltet der erste, eine Reihe, volkstümlicher Abhandlungen, die wie die Faust aufs Auge passen und ganz unbegründet herbeigezogen sind. Es wird mehr als gut über Antropologie. Soziologie, moderne Technik, Militärwesen und' anderes gefachsimnelt. Im zweiten Teil zeigt Hofer dem Leser alle Schrecken der Hölle, was einem gewissen Dante seinerzeit wohl grandioser gelungen ist; von dem Erhabenen zum fast Belustigenden dieses modern aufgemachten Inferno ist kein erfreulicher Schritt: so wenig, wie der Gedanke. den Helden Alenlis, ein syrnbolischei Jüngling, zwischen der Unterwelt und den verschiedenen K™egisschaur>lätz.en hospitieren zu lassen. Auch bei diesen Ausflügen wird ein Ueberfluß an Re^en angewendet. Neben manchen hübschen Stellen gibt es bedauerlich viel ermüdendes Oedland. Die Verauickune von Politik und Dichtkunst ist jeder deutschen Feder ein Inkompatibles, konnte also auch unserem Verfasser -nicht gelingen. Er ist aber ein so handfester Schriftsteller, daß der Glaube, er werde mit seinem nächsten Werke die Scharte auswetzen, wohl berechtigt ist. d. Deutschland. Oesterreich und die Völkor des Ostens. Zwei Reden von Dr. Karl Renner. (Verlag für Sozialwissenirchaft G. m. b. H., Berlin SW. 68.) — D-r ehemalige Staatskanzler der nus den Trömnwi^ies Zusammenbruches hervorgam?eneu deutschösterreichischen Republik gehört zu jenen Realpolitikern. d<e unbeirrt durch persönliche Neigungen der Tatsacbenlo^ik folgen. So hat auch Dr. Renner sein verantwortungsvolles Amt iu dem Sinne \er.stardcn, daß v^r allem wirtschaftlich gjjte Beziehungen zu den Nationalstaaten, namentlich zur Tschecho-Slowakei, hergestellt werden müssen. Auch sein Nachfolger Schober hat srh in gleichem Sinne bemüht, wenn er auch darüber dem verblendeten Fanatismus der Großdeutschen in der Nation* vowaiiifiiurg zum Opfer fallen mußte, was den jetzigen Bundeskanzler S e l o e 1 nicht hindern konnte, das gleiche Ziel zu verfolgen. Dr. Karl Renner ist sich auch nach, seinem Rücktritte treu geblieben und wirbt für seine Idee in Wort und Schrift Anbänger. Solcherart waren die beiden Reden, die er voriges Jahr in zwei politischen Vereinen zu Berlin gehalten, wo er mit aller Entschiedenheit den Gedanken betonte:-„In der Oekonomie allein liegt die Kraftquelle für unseren Wiederaufstieg. Wir müssen erkennen, daß wir, wie die Dinge liegen, die geschichtliche Bestimmung haben, mit Tschechen, Polen, Rumänen, Magyaren. Jugoslawen u. ä. als Gleiche und Gleiche Oekonomie zu machen." Ebenso* beherzigenswert ist Renners Mahnung.: ..Unheilvoll wäre es» auf irgendeine Kombination zu hoffen, die eine siegreiche Revanche und die Erfüllung jener Träume garantieren möchte, die manche nationalen Kreide im August 1914 erfaßt und hingerissen haben." Renners Ausführungen in den beiden Reden sind offenbar unter dam Eindruck der Konferenz in Genua entstanden, als Lloyd George der Welt zehn Jahre politischen Friedens versprach zum Zwecke des wirtschaftlichen Wiederaufbaues Europas. Nun ist bekanntlich die Weltgeschichte über Llovd George zur Tagesordnung übergegangen und vöii Genua ist auch kein Hauch des friedlichen Wollens verblieben, aber gleichwohl wird Europa nur wirtschaftlich oder gar nicht wiedererstehen. Von allgemeinem Interesse ist, was Renner betreffs der Rassenreinheit erklärt, mit besonderem Bezug auf Oesterreich: ^Untersuchen wir, was aus dem österreichischen Stamm-bis 1866 und in den folgenden Jahrzehnten seinem Blut und Wesen nach geworden war. Die Unterlage des Volkes war bahivarisch, obwohl in den nördlichen Gebieten von Ober- und Niederösterreich der fränkische Einschlag auch im Landvolk unverkennbar ist. Aber Wien und all die deutschen Städte des östlichen Alpenlandes, und nicht nur sie, sondern auch die Dörfer haben durch einen vierhundertjährigen freien Wechselverkehr mit den deutschen Stämmen des Sudetengebietes und Ungarns einen großen Teil ihres Volkstums ausgetauscht. Würde man die alten Wiener Bürger von erwiesenem deutschem Stamme auf ihre Herkunft untensuchen, so würde man finden, daß vielleicht zwei Drittel von ihnen aus allen anderen deutschen Gauen des alten Oesterreich-Ungarn stammet^ Vielleicht die Hälfte kommt aus Deutschböhmen, Deutschmähren und Schlesien, viele aus deutschen Gebieten des ehemaligen Ungarn. Zu diesen Einschlägen kommen alle eingedeutschten Slawen und Magvaren Wiens und Oesterreichs, man findet überall b?s nach Vorarlberg hinaus Fanrlien mit tschechischen, polnischen, ungarischen, ja selbst italienischen Namen, in denen die Erinnerung an die frühere Nationszusehörferkeit verloren gegangen ist. Viele allerdings sfnd in der letzten oder heutigen Generation eingedeutscht. Zu diesen Mischungen -kommt noch ein starker Einfluß der drei jüdischen Stimme, die sich in Wien begegnet sind, der böhmischen, der polnischer?' und ungarischen .Inden, die sich, sehr ker>nb^r voneinander unterscheiden. Das österreichische Volkstum, d?»s auf diesem Weee geworden ist, der heutisre österreichische Stamm der deutschen Nation, ist daher eine B*so"d^rhplt und beinahe allen anderen Stämmen gegenüber vergleichsios." d. Das ideal srermanteebe Weih. Der Buchbesprecher beim , Hammer" kriesrte es kürzlich mit der Becrpfsterung zu tun, die sich rund um die Frau Frieda Rnnee-fäecht erffoß. D'ese Darne hatte nämlich einen baverischen Hochwaldroman ..FrauenopW geschrieben.?n de^n sich nach dps Rezensenten 'Meinung Unerhörtes begibt. Nichts weniger als ein Sinnb"d der völkischen Zukiinft. — Zwei junee Leute führen eine stülse]i?e Ehe. bis die Frau erkennt, daß ihrem Schoß die Fruchtbarkeit verebt ist. Durchdrungen von der Pflicht der „Zeugung im Dienste des Volkstums"""*- führt sie selbst ihm eine tauglichere Gefährtin zu und geht in den Wald, einsam zu sterben. .Das deutsche Schrifttum besitzt nichts, das diesem Bekenntnisse der rein gebliebenen germanischen Weibesseelc gliche", meint der Besprechen der offenbar im neueren Schrifttum seines Volkes nicht sehr zu Hause ist, sonst müßte es ihm bekannt sein, daß lanee vorher ein bajuvarischer D'chter dieses Thema in einem Volksstück behandelt hat. Es heißt .Der heiliee Rat". Eine gleichfalls kinderlose Bäuerin, die sich nach einem Erben des reichen Anwesens /.ehut, folgt nach dem Vorbilde der Erzmutter Sarah dem heiligen Rat, sich einer strammen Magd zu bedienen. Aehnlich tat ja bekanntlich auch Rachel. Man denke nur! Zwei semitische Weiber, von derselben Pfl'cht der Zeugung im Dienste des Volkstums durchdrungen. Einigen Trost bietet es vielleicht, daß die alten Germanen der gleichen Gesinnung waren. Der untüchtige Mann mußte einem erprobten Ersatz das Zelt räumen. Aber mau beacMe den wesentlichen Unterschied: Während das hebräische Eheweib ihren Leib rein von iedem fremden männlichen Zugriff hielt, war ihre Geschlechtsgenossin bei den Germanen willenloses Gefäß für den Zuchtzweck. Der gleiche Brauch herrscht nach Mnller-Lver (..Phasen der Liebe", eine Soziologie des Verhältnisses der Geschlechter, Albert Laneen. München) bei den Südsee- Insulanern. Merkwürdig schließt sich der Kreis von dem semitischen Volk, der Hebräer über die barbarischen Germanen und wilden Stämme zu dem edelgermanischen Weib der Frau Frieda Runge-Hecht. Ob der Lobrich dieser Poetin angesichts der hier festgestellten Tatsachen zu einer Revision seiner Kritik kommen wird? Es ist kaum anzunehmen. Eher dürfte er sich zu einer Scbunpfonie aufschwingen. Hier sieht man eben wieder die Niedertracht des Semitentums. Nach Jahrtausenden streckt es seine boshaft-begehrliche Hand neidisch nach dem Lorbeer einer deutscheermanischen Dichterin, den ihr. eingleichgearteter Sachverständiger gewunden hat. d. Rassen, Städte und Physiognomien. Kulturhistorische Aspekte von Robert Müller. Berlin 1923. Erich Reiss Verlag. 168 S. — Ein seltsames Buch, interessant und fesselnd, an-