Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 4 (25.1.1924)
- Date
- 1924-01-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seatel DIE WAHRHEIT Rassengenossen leiden und sich aus einem Gefühl der Gemeinschaft mit ihnen dieser Eigenschaften schämen, lassen im Witz die Kritik zu Worte kommen, die jeder von ihnen in sich trägt, aber nur wenige offen und unbefangen aussprechen wollen. Daß unter diesem Gesichtspunkt dem jüdischen Witz eine gewisse erzieherische Wirkung nicht abgesprochen werden kann, unterliegt keinem Zweifel, ebensowenig wie die Tatsache, daß wohl alle anderen Volker genau soviel Ursache zur belbstKritik hatten wie die Juden; nur daß bei "diesen die Selbstkritik in dem seit Jahrhunderten andauernden Dasein als Uastvoik in der Fremde groß und sichtbar werden mußte wie ihr Minderwertigkeitsgefühl." Diese Ausführungen haben ihre Richtigkeit mit jener EinschränKung, die von jeder Regel gilt. Jene Untugenden und Fehler, von denen oben die Rede war, eignen nicht ausschließlich dem Judentum, sind deshalb auch Andersrassigen auf den Leib geschrieben, beispielsweise lasen wir schon vor langer Zeit in den „Fliegenden" den befehl des hartherzigen Reichen: „Johann, schmeiß den Kerl raus, er zerbricht mir das Herz!" oder auf die Frage des ungeduldigen Uläubigers die Gegenfrage: „bin ich ein Prophet?" Sehr natürlich ist naive Frechheit auch bei Nichtjuden zu finden. Und mehr noch bei diesen Gefühlsroheit, die sich mit Empfinden drapiert. Derlei Witze vertragen eine neuhochdeutsche Ausdrucksform ebensogut als die jargonhafte. Zu einer Klasse für sich wird der jüdische Witz, wenn er als „Lozele" erscheint, d. h. von dem eigenartigen Humor des Judentums umwittert und nur diesem anhaftende Sonderheiten behandelt. Wenn die zwei Schiffbrüchigen, ans Land gekommen, den Umstehenden erklären, sich durch Reden über Wasser gehalten zu haben, so wird" auf die tempoartigen Gesten angespielt, die in ihren Reden unvermeidlich sind. Und jener Korrespondent, der den Rekord des Lakonismus schlägt, indem er dem säumigen Schuldner nichts schreibt als „Nüü?" Diesj^ Nü mit den dreifachen Umlauten ist gänzlich unübersetzbar' und lehrt, daß über die Psj'chologie des jüdischen'Witzes manches zu sagen wäre. Däs platte Land der Antisemiten. Ein „Land ohne jüdische Staatsbürger" schildert folgende Zuschrift an den „Hammer": „Kürzlich gründete ich in meiner Heimat, dem Fürstentum L i c h t e n s t e i n, eine national-radikale Vereinigung, die für die Reinerhaltung der Art und Rasse kämpfen soll. Zur Ehre unseres Fürstentums darf gesagt werden, daß bis heute" noch kein Jude lichtensteinscher Staatsbürger wurde, obwohl in der letzten Zeit viele -darum nachsuchten. Darum ist unser Fürst wahrscheinlich noch der einzige deutsche Fürst, der den Thron inne hat. Damm gab es bei uns auch keine Novemberverbrecher von 1918. Die Juden, die sich in der letzten Zeit aus Deutschland und Oesterreich zu uns geflüchtet haben, und zwar in ziem-: licher Anzahl, versuchen nun durch Schenkungen die Gunst des Volkes zu erwerben, das natürlich die Gefahr des Judentums noch nicht kennt, sondern den Juden nur instinktiv abgeneigt ist. Das Ziel unserer Organisation ist es nun, durch Aufklärung der Bevölkerung den Juden den hiesigen. Aufenthalt zu verleiden." Also nun weiß die Welt, wie man es macht, um Revolution und Republik zu vermeiden: man verweigert den Juden das Staatsbürgerrecht! Vielleicht schreiben sich das Inhaber der Throne in den noch übrig gebliebenen Monarchien hinter die Ohren. Uebrigens — sollte Lichtenstein bei der Revolution von 1918 nicht geradeso vergessen worden sein wie es 1866 bei dem Friedensschluß vergessen wurde, so daß sich Preußen juristisch noch 1914 im Kriege mit Preußen befand? Bazillen werden ja auch leichter übersehen als Elefanten. Reichskanzler Dr. Marx über seine Abstammung. Auch die Schweiz hat judenschnüfflerische blättchen. Ein solches wollte sich damit auftun, daß der Reichskanzler Dr. Marx Judenstämmling sei. Vom „Israelitischen Wochenblatt für die Schweiz" hierauf aufmerksam gemacht, schrieb er diesem: „Antwortlidl Ihres werten Schreibens vom 27. v. M. kann ich Ihnen nur erklären, daß ich allerdings infolge meiner Tätigkeit in der Schulgesetzgebung schon seit dem Erlaß des preußischen Schulgesetzes mit jüdischen Kreisen Verkehr unterhalte, der sich naturgemäß auf Besprechungen über Maßnahmen auf dem Gebiete des Schulwesens beschränkt, wie es meines Erachtens Pflicht eines Reichs- und" Landtagsabgeordneten ist, der sich schon verfassungsmäßig als Vertreter des gesamten Volkes zu betrachten hat. Ob irgendwelche Vorfahren von mir Juden gewesen' sind,' habe ich noch niemals restgestellt und -werde es wahrscheinlich auch niemals feststellen können.-Soweit ich meine Vorfahren kenne, waren sie stets Mitglieder der katholischen Kirche. Ich möchte dazu auch noch bemerken, daß es Gegenden in der Rheinprovinz gibt, in denen der Name Marx durchaus häufig in christlichen Familien vorkommt, so daß aus dem Familiennamen an sich durchaus keine Schlüsse zu ziehen sind. Vielleicht genügen Ihnen diese meine Mitteilungen. Hochachtungsvoll Marx." Die durch Sperrschrift hervorgehobene Stelle ist. eine gelungene Abfuhr und belehrt die arischen Reinblütler, daß ein Forschen nach der Vaterschaft, beziehungsweise eine Ahnenprobe zuweilen ungewollte Ergebnisse liefern könne. - Die vereideten Wittelsbacher. Schwere Sorgen erwachsen den „Völkischen" immer aufs neue. Ueberall stoßen sie auf die Juden, selbst dort, wo sie im Geiste schon siegreich das Hakenkreuz aufgepflanzt. Wie schwollen noch vor wenig Monden ihre Herzen, wenn sie an Bayern und seine Wittelsbacher dachten! Aber alsbald fiel auf ihren Frühlingstraum der Reif der Ludendorff-Hitler-Pleite, und nun sogar der große Schreck, daß der bajuvarische Monarchismus durch und durch „verjudet" ist! Voll dieser Bekümmernis schreibt der „Hammer": „Kronprinz Rupprecht ahnt „scheinbar" nichts von der Schädlingsrolle des Judentums, denn sonst könnte ~ es nicht vorkommen, daß er einer christlichen Firma die. Möbellieferungen für sein Haus entzieh t und, sie dem Juden Bern heim er übertragen läßt. Prinz Leopold überläßt sein Palais dem jüdischen Bankhaus Rheinstrom und. setzt dasselbe zur Verwaltung seines Vermögens ein. Prinzessin Gisela verwendet sich für die ausgewiesenen Ostjuden. General Lossow errichtete vor etwa 14 Tagen ein Bankkonto bei dem Juden Auffhäuser. Im übrigen stellen wir noch, fest, daß eine innige Verbindung zwischen dem Macher der bayerischen Bauernbewegung Dr. Heim und, dem reichsten Juden Bayerns Rosenblatt in Regensburg besteht. Es bedarf wohl nicht weiterer Hinweise, um das Zusammenwirken der finsteren Kräfte mit dem Ziel, Gründung einer j ü d i s c h - jesuitischen Donaumonarchie von Frankreichs Gnaden, klar zu erkennen." Pech über Pech! — Da müssen sich nun also die „Völkischen" selbst anklagen, mit all ihrer randalierenden Propaganda für die bayerische Reaktion nur „jüdisch-jesuitischen" Interessen Vorspanndienste geleistet zu haben. Arme Lämmerschwänzchen! Das politische Ergebnis des Rathenau-Prozesses, behandelt eine lesenswerte Broschüre, die im Berliner Verlag für Sozialwissenschaft erschienen ist. Manches, das Im seinerzeitigen summarischen Bericht über den furchtbaren Mord keinen Raum fand, wird hier stigmatisierend -für die Großen der deutschnationalen Rotte aufgezeigt. Manches treffende Wort des Verhandlungsleiters rückt durch die gegenwärtigen Verhältnisse in die richtige Beleuchtung. So, wenn zur Urteilsbegründung des Staatsgerichtshofes vom Präsidenten hervorgehoben wurde: „Durch feigen Meuchelmord ist eines der edelsten, wertvollsten Menschenleben ausgelöscht, * ein ungeheurer Frevel äh der Menschheit ist an unserem armen g e q u äl t e n V a t e r 1 a n d e v e r üb t worden, dem der Tod Rathen aus unsäglichen Schaden gebracht hat und noch bringen wird. Er wird vielleicht in. dem furchtbaren Winter, der uns bevorsteht, den Tod von Hunderttausenden von Greisen und Kindern zur Folgehaben. Denn gerade Rathenau wäre der Mann gewesen, den Gefahren, welche uns von außen und innen bedrohen, wirksam entgegenzutreten. Feige Mörder haben ihn nach einem wohl vorbereiteten Plane hinterlistig, nach allen Regeln der Mordkunst, aus dem Wege geräumt." Wie entsetzlich hat sich die Befürchtung des Richters in diesem Winter bewahrheitet! Ein Alfred Grünfeld-PIatz in Wien. In der am 16. d. M. unter dem Vorsitz des Bezirksvorstehers Wieninger ab- T /% Ah /\% JE7F^ Kleider-,Pelze u.Gummimäntel-Fa 1 /-% A iVl /"% \f: 1^ tm Zentrale: Detail verkauf J ä m & w ■ 1 1 * i-rf l m Wien IJ., Glockengasse 24 Wien II., Taborsfre