Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 4 (25.1.1924)
- Date
- 1924-01-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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W£ WAHRHEIT die Vorstandsmitglleder des „Israelitischen Humanitätsvereines", dessen ÜDmann Herr Kari Vv e 1 s gleichfalls ist, und des i empeivereines eingetunden. rür üen Zentralvorstand "oer „Union" waren rrasident Dr. Urnstein und beiaetar fleisch er erschienen. Als der Jubilar mit semer Familie in dem mit biattpnanzen ausgeschmueKten Saaie erscnien, gruppierte sich uie Versammlung im Kreise um ihn unu der übmannstellvertreters des Humanitätsvereines, Herr Dr. Richard id a c K, richtete an ihn eine Ansprache, in welcher er che großen veraiensie aes ueieierteii mcnt nur um uie Ausgestaltung des Humanitätsvei eines, sondern auch um die Entwidmung des gesamten jüdischen Lebens im 10. bezirKe hervoiüuD. z,\ir uaiiciuaen Eniiueiung an diese vertruste und zur Aneiierung lur Kunitige uescmecnier widme-der riummntätsvereih dem Jubilar dessen künstlerisch ausgeführtes Bildnis, weienes nuiiuicnr emnuut wmue und ungemeinen ocuaii fand. Der uomann des l empeivereines, Herr Müntz Spitzer, bcgmcK-wunscnte fierrn Karl Weis im iNamen dieser Körperscnait mit herzlichsten Vv orten und erKlärte, aau der itmpelvorstaud das Diidms in seme treue uonut übernehme und neben den ßüdmssen all der bedeutenden Manner, welche hier gewirkt und geschalten haben, sorglich bewahren werde. Herr K^bbiner ur. A. L. Mandel begiucKwünscnte in formvollendeter und tiefempfundener Reue den Jubilar sowohl im eigenen, wie im iNamen der ganzen Tempelgemeinde. In einem geistvollen Vergleiche aus der Mischna zeigte er, wie Herr Karl Yv eis in selbstloser und autopiernuer Weise lur uas ucnicmwohl und für die öitentliche Wointatigkeit gewirkt hat. Dr. Mandel schloii mit dem innigen Wunsche, daii es dem Jubilar vergönnt sei, in jener körperlichen und geistigen frische, die er sich gewahrt hat, auch seinen achtzigsten üeburtstag im Kreise seiner ramme und unter der gleichen herzlichen Teilnahme der ganzen Tempelgemeinde zu feiern. Zum Schlüsse überbrachte Präsident Dr. Jakob. Ornstein die Ulückwünsche des Zentralvorstanoes der „Union" an den verdienten Ubmannunserer Ortsgruppe Favoriten, und gab dem Wunsche Ausdruck, daü Herr Weis auch fernerhin an der Spitze dieser Ortsgruppe für die Verbreitung der von der „Union" vertretenen Grundsätze und füF den wirksamen Schutz der staatsbürgerlichen Rechte unserer Glaubensbrüder mit aller Energie eintreten möge. Tief bewegt dankte der Jubilar für die ihm dargebrachten fcnrüngeh und gab insbesondere der „Union" die Versicherung, daü er auch weiterhin für den Fortbestand und den Ausbau der Ortsgruppe im i0. Bezirk seine volle Kraft einsetzen werde. Ortsgruppe Leopoldstadt. Dienstag, den 29. Jähner, präzise 8 Uhr abends, findet im Klubsaale des „Grandkaffee Stadt Wien" (Eingang Gr. Mohrengasse 3) eine Plenarve r- Sammlung statt, in welcher Sekretär Siegfried Fleischer ein Referat unter dem Titel „Unser Kampf ums Recht im letzten Jahre" und Herr Medizinalrat Dr. Heinrich Haase einen Vortrag unter dem Titel „Liberalismus und Orthodoxie im Judentum" halten wird. Hieran schließt sich eine Diskussion. Propagandasektion. Donnerstag, den 17. Jänner, fand im Cafe" Fetzer eine auch von. Damen zahlreich besuchte Versammlung statt, welche von unserer Propagandasektion einberufen war. Der Vorsitzende, Herr Dr. Edmund Korn, begrüßt mit herzlichen Worten die Erschienenen und erteilte sodann dem Präsidenten der „Union" Herrn Rechtsanwalt Dr. O r n s t e i n das Wort zu seinem Vortrage: „Wesen, Zweck und Bisherige Leistungen d«r .Union'." Der Vortragende ging von der Entstehung der „Union" aus, legte dann an zahlreichen Beispielen die bisherigen Leistungen der „Union" auf dem Gebiete des Reohtschutzes nicht nur für die einzelnen Glaubensgenossen, sondern auch für das Judentum als solches und unter Kennzeichnung der gegenwärtigen politischen Verhältnissen die dringende Notwendigkeit der Erhaltung und Stärkung unserer Organisation dar. Dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vertrage folgte nun ein eingehendes, sehr instruktives Retrat des Herrn Rechtsanwaltes Dr. Edmund Korn, betreffend „D a s n.<eue Gesetz igegen den unlauteren W e1tb e wer b", welches die volle Aufmerksamkeit der Hörerschaft, unter denen sich zahlreiche Kaufleute befanden, fesselte. Nach Beendigung des Referats beantwortete Herr Dr. Korn noch verschiedene Anfragen, welche aus der Mitte der Versammlung über dieses Thema-an ihn gerichtet wurden, in zufriedenstellender Weise. jj Wahrheiten vorn Tage jjj Gegen die Ritualmordhetze hat der Präsident des Prager jüdischen Nationalrates, Rechtsanwalt Dr. b i n g e r, im Auftrage des Nationalrates bei der btaatsanwaltsciiaft eme birafanzeige gegen den Redakteur des Organes dei_klerikaien Volkspartei „C e c h" eingereicht. Diese Zeitung hat in einer ihrer letzten Nummern im Zusammenhange mit einer Polemik gegen den „anglo-irischeu Juden Dernnard saa \v geschrieben, es sei „weder eine Lüge noch eine Taktlosigkeit, zu behaupten, daß die Juden christliches blut zu Ritualzwecken brauchen und deshalb zu Morden an christlichen Mädchen schreiben." böhmen und Mähren waren vor dem Krieg im Anschluß an den Hilsner-frozeß die Brutstätten der wildesten Gerüchte über Ritualmorde und blutabzapiungen. Es wird der tschechischen Nation zum ewigen Ruhme gereichen, daß der derzeitige Präsident der tscheeno-siowakischen Republik T. G. Masaryk mit dem Einsätze seiner vollen Persönlichkeit in Wort und Schrift gegen diesen Massenwahnsinn aufgetreten ist. Wir zweifeln nicht daran, daß der gesunde Sinn des tschechischen Volkes sich auch jetzt in dem Prozesse, der gegen den klerikalen „<J e c h" angestrengt wurde, durchsetzen wird, und vielleicht wird auch die Wiener „Reichspbst", welche erst vor kurzem dem P. Nivard Schlögl ihre spalten für eine neue allgemeine Ritualmordbeschuldigung geöffnet hat, aus dem Ausganse dieses Prozesses belehrt werden. Sensationen. Ein alter Leser der „Wahrheit" schreibt uns: Mit Ihrem Leitartikel „Entgleisungen"' in Nr. 2 Ihres geschätzten blattes haben bie den ftagei auf den Kopf getroffen, ohne leider die beabsichtigte Wirkung erzieh zu haben. Die Vukobrankovich ist tot, eslebe die Frau Kadi netz, die Geschäftsträgerin zahlungsfähiger Sadisten. Auch OTese Person ist ein richtiges „Brettl" für die sensatiousgieriije presse, die sich auf die Instinkte ihres Publikums versteht. Die „Arbeiterzeitung" hat gegen solche Auswüchse mobil gemacht. Ich lasse dahingestellt, ob dies aus ethischen Gründen oder geschäftlichem Neid geschehen ist. Aber jedenfalls ist beachtenswert, daß der Polizeipräsident Schober auf den Vorwurf der „A.-Z.'\ daß gewisse Blätter durch besondere Mitteilungen begünstigt werden, erklären ließ, die Polizeiorgane wären über den ihnen gemachten Vorwurf erhaben und die betreifenden Blätter ihre eigenen Nachforscher, die sich aus iiirev Tätigkeit ein Geschäft machen. Das dürfte auch stimmen. Es ist dem Eingeweihten kern Geheimnis, daß seitens der hier gemeinten Zeitungen die sogenannten Privatdetektive alles aufbieten, um das gekaute Schmutzmaierial herbeizutragen. Oerartige Recherchen, die ihren Mann reichlich nähren, machen si:h durch verstärktes Begehren nach den gut unterrichteten Blättern voll bezahlt. Die Nachrichtensteile der Polizei kann ihre Hände in Unschuld waschen, der Unflat immer höher steigen, und da gibt es nur das von Ihnen empfohlene Mittel des Boykottes der Skandalpresse. D. Sk. Der Jüdische Witz. Im Rahmen psychologischer Studien auf - Adlerscher und Freudscher Grundlage schrieb Doktor A. Weber jüngst im „Abend" über den jüdischen Witz: „Es gibt keine als „jüdisch" bezeichnete Eigenschaft, die nicht in einem dieser ausgezeichneten, vielfach geradezu unsterblichen Witze rücksichtslos an den Pranger gestellt wäre: Unreinlichkeit, Habgier, Hartherzigkeit, Unredlichkeit, Sophisterei, Aberglauben und was dergleichen angenehmer Eigenschaften mehr sind, die man, ob mit Recht oder Unrecht sei dahingestellt, gerade den Juden zuschreibt, alle sind in dieser ausgedehnten und ständig wachsenden Writzliteratur behandelt. Eine ganze Gruppe von Witzen, die Schadchen¬ oder Heiratsvermittlerwitze, beschäftigt sich mit der vielfach gerade bei Juden üblichen Unsitte der Ehevermittlung nach vorwiegend wirtschaftlichen Gesichtspunkten, wobei das Herz nichts dreinzureden hat. Ziehen wir nun in Betracht, daß all diese Witze von Juden stammen und Jür Juden gemacht sind, so können wir nicht umhin, sie insgesamt ais Ausdruck einer Selbstkritik des Judentums aufzufassen, einer Kritik, die man gern als den Antisemitimus der Juden bezeichnet. Die Juden, die insgeheim unter den schlechten Eigenschaften ihrer Zur Saison! Reiche Auswahl neuester Pelzmodelle In sämtl. Pelzarten - Pa tser u. Wiener Geschmack vereint - erzeugt nur In eigenen Werkstätten, unter pers. Leitung des beetrenommierten Inhabers der Firma Praterstr. 9-11 . Gr.MQhreng.2-S