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Die Wahrheit · 1924-01-25 · Heft 4 (25.1.1924) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 4 (25.1.1924)
Date
1924-01-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4 DIE WAHRHEIT Seite S in Ihnen das Bewußtsein des J u d e s e i n s, und nun kehren sie demütig zurück in diese ruhige Amtsstube, schreiten hoffend, bereuend vor ihre alten Seelsorger hin und öffnen wieder die Tür, welche sie zu dem Jahrtausende alten Judentum zurückführt. Erleichterten Herzens, gehobenen Hauptes kehren sie in das alte Leben zurück, mit Freuidentränen in den Augen fetern sie ein Wiedersehen mit den Vertretern ihres väterlichen Glaubens. Eine ganze Familie, die vor vier Jahren geschlossen dem Judentum den Rücken gekehrt hatte, kehrt wieder zu ihm zurück. Sie besitzt Rang und Ansehen, aber ihr fehlte die Seelenruhe, seitdem sie ihrem Glauben abtrünnig geworden ist; Und jetzt. kehren sie heim, der Vater, die Mutter, die Söhne unddie Töchter, und sind glücklich, weil sie mit ihrem alten jüdischen Glauben auch die verlorene Ruhe ihrer Seele wiedergewonnen haben. Ein junger Mensch tritt ein. Ernst sind seine Blicke, ernst itnd alt seine Gesichtszüge. Ich war leichtfertig gegen meine Religion, ich habe mich niemals als Jude gefühlt und mich deshalb auch leichten Herzehs vom Glauben meiner Eltern abgewendet. Erst nachdem ich abtrünnig .geworden war, erwachte ich zum Bewußtsein meiner Tat, erst jetzt als Renegat fühle ich so recht, daß ich Jude bin und Jude bleiben will bis ans Ende meines Lebens. ... Vor mir steht ein bleicher alter Mann, ein zitternder Greis. Wer weiß, wie lange er noch auf diesen irdischen Gefilden zu wandern hat Und er erschrickt bei dem Gedanken, daß er, der bis in sein Greisenalter dem Judentum treu war, nunmehr nicht auf jenem Gottesacker ruhen soll, wo seine frommen Eltern zur ewigen Ruhe bestattet sind. Er bittet und fleht, er möchte zurück zum Judentum, er findet keine Ruhe bei Tag, keinen Frieden bei Nacht und er fühlt es immer mehr, daß er diesen Frieden nicht eher finden werde, als bis ihn das Judentum, das er so schnöde verlassen hat, wieder liebevoll aufgenommen haben wird. . . . Ein anderer Gestrauchelter meldet sich. Er denkt nicht an den Tod, sondern an das Leben. Nicht um im Judentum begraben zu werden, sondern um zu leben an der Seite einer jüdischen Frau kehrt er zurück. Und er wjll die Ehe schließen „nach den Gesetzen Mosis und Israels". Ihn hat der jüdische Segen, das „Jeworech'cho", das er nicht missen will, zurück zum Judentum gezogen. . . . * Und so kommen sie der Reihe nach, die Enttäuschten und die zum Selbstbewußtsein Erwachten. Und sie erzählen alle, wie sie dazu kamen, den" furchtbaren Schritt auszuführen. Der e;ne wurde eingeschüchtert, der andere mit dem Leben bedroht, der dritte mit klingenden Versprechungen aus dem Judentum herausgelockt. Alles hat sich *als Lug und Trug erwiesen. Nur eines blieb Wahrheit, der Wurm der Selbstverachtung nagte an ihrem Herzen, das jüdische Gewissen bäumte sich in ihnen auf und sie fanden — keine Ruhe, bis sie den Heimweg antraten und wieder heimgefunden haben." Budgetreferat pro 1924. Vom Ersten Sekretär Guido Fuchs gelb. (Fortsetzung.) iL Schul- und Unterrichtsangelegenheiten und Bibliotheks- — angelegenheiten. 1. Einnahmen: Voranschlag 1923 ............K 200,000.000 1924 .............. „ 480,000.000 Das elfmonatige Ergebnis der Einnahmen/ pro 1923 beträgt K 393,502.403. Darunter außerordentliche Einnahmen von K 32,641.000. Im Voranschlage pro 1924 erscheint die von der Gemeinde Wien zu leistende Refundierung für die Kosten der Religionsunterrichtserteihmg entsprechend berücksichtigt. 2. Ausgaben: Voranschlag 1923 ...........K 1.540,000.000 1924..........., „ 1.600,000.0OC Das elfmonatige Ergebnis der Ausgaben pro 1923 beträgt K 1.478,294.235. Hiervon entfallen auf personelle Ausgaben K 1.379,929.703. Durch die Pensionierung einer Anzalü voll ausgedienter definitiver Religionslehrer und durch das Ausscheiden einer größeren Zahl sogenannter „exmittierter", d. h. nebenamtlich verwendeter Religionslehrpersonen wird im Laufe des nächsten Jahres ein umfangreicher Personalwechsel stattfinden, dessen Auswirkungen budgetär fühlbar sein werden. Es wird ferner die Ausgestaltung des bisher versuchsweise eingeführten hebräischen Unterrichtes nach der Weith be' Ivrith- Methode und der Wiederaktivierung von Bibelschulkursen eine rege Aufmerksamkeit zugewendet und die diesbezügliche Vereinstätigkeit entsprechend gefördert werden. In diesem Belange hat das Mitglied des Kultusvorstandes Gemeinderat Dr. Plaschkes im Vertreterkollegium auf das jüdische Schulwerk hingewiesen und es wird der Umfang jener Förderung, welche den nicht von der Kultusgemeinde erhaltenen jüdischen Unterrichtsanstalten zuteil werden kann, in allernächster Zelt den Gegenstand von Detailberatungen bilden. In diesem Budgetkapitel ist auch auf die Bedürfnisse der Gemeiridebibliothek in erhöhtem Ausmaße Bedacht genommen und ganz besonders wird die Sorge um die Erweiterung der Räumlichkeiten dieser so wichtigen und Weltruf genießenden Gemeindeinstitution den Kultusvorstand befassen. In diesen Abschnitt des Voranschlages fällt auch das Kapitel „Jugendgottesdienst". Auch auf diesem Gebiete sind verbessernde Maßnahmen im Zuge, die jedoch eist zur vollen Auswirkung gelangen können, wenn in allen Gemeindetempein die Heizungsmöglichkeit wieder vorhanden sein wird. III. Friedhof- und Beerdigungswesen. 1. Einnahmen: Voranschlag 1923 ...........K 5.400,000.000 1924........ . . „ 7.120,000.000 Das elfmonatige Lrgebnis der Einnahmen beträgt K 6.820,559.914. Hiervon entfallen auf Gräber und Grufttaxen zirka K 2.514,036.056. Im Voranschlag pro 1924 erscheint noch nicht berücksichtigt die Einhebung einer noch zu beschließenden Gebühr als Friedhofserhaltungsbeitrag. Die Rückbuchung der vereinnahmten Gräber- und Grufttaxen kommt im Abschnitte „Friedhoferwerbungs- und Erweiterungsfonds" zum Ausdruck. ' 2 Ausgaben: Voranschlag 1923 ........ . . K 2.100,000.000 1924...........„ 3.000,000.000 Das elfmonatige rirgebtüs der Ausgaben beträgt K 2.487,9S3.338. Hiervon entfallen auf personelle Auslagen K 784,950.889 und auf außerordentliche Ausgaben K 182,174.802. Im Voranschlage der Ausgaben für das Jahr 1924 erscheinen berücksichtigt die nunmehr normierten Funktionstaxen der Funktionäre, ferner Instandhaltungs- und Bepflan- .zungsauslagen am neuen und auf den alten Friedhöfen. Zu diesem Abschnitt ist zu berichten, daß im nächsten Jahre eine Reihe von baulichen Maßnahmen erforderlich sein wird, deren Kosten viele' Milliarden betragen werden. Unaufschiebbar ist die Anlegung weiterer Beerdigungsgruppen auf dem neuen Friedhofe und dessen gärtnerische Ausgestaltung. Ebenso dringlich ist auch die Ausführung einer Reihe von Hochbauten, wie die Herstellung einer stabilen Umfassungsmauer an Stelle deT bisherigen Holzeinplankung, welche bei jedem größeren Sturm zusammenbricht und mit ansehnlichen Kosten repariert werden muß. Der Mangel eines Gebäudes für Beisetzungen und Leichenwaschungen am neuen Friedhofe bringt es mit sich, daß die Beisetzungsräume auf der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes auch hierfür in Anspruch genommen und durch einen Pendelwagenverkehr die Verbindung geschaffen werden muß, ein Umstand, der nicht allein wegen des erhöhten Personalaufwandes und der Fuhrwerkskosten große Auslagen verursacht, sondern auch zu mannigfachen unliebsamen Störungen im Beerdigungsbetriebe führt. Die Unzulänglichkeit der im Kriege als Notbehelf errichteten Zermonienhalle am neuen Friedhofe wird so allgemein empfunden, daß der Neubau eines würdigen und entsprechend großen Zeremoniengebäudes von der gesamten Bevölkerung als dringliche Aufgabe anerkannt wird. Derartige Investitionsauslagen können naturgemäß nicht aus laufenden Einnahmen bestritten werden, der Voranschlag kann daher diesfalls nur auf Annuitätsraten Rücksicht nehmen. Die von der Gemeinde Wien auf dem ihr gehörigen Teile des alten Währinger Friedhofes vorgenommenen Veränderungen bedingen auch die Herstellung eines stabilen Abschlusses des alten Israelitischen Währinger Friedhofes durch Errichtung einer Mauer, welche Herstellung mit ansehnlichen Kosten verbunden ist. die im Präliminare berücksichtigt erscheinen. (Fortsetzung folgt.)

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