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Die Wahrheit · 1924-01-11 · Heft 2 (11.1.1924) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 2 (11.1.1924)
Date
1924-01-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr..* DIE WAHRHEIT Seite 11 abgeordneten in den Münchener Neuesten Nachrichten: ,jDie K^öliken Pölten nicht einstimmen m den allgemeinen unfefs&föedslö'sen Haßgfesang gegen jeden, dem nichts weiter ätür Last gelegt werden kann, als daß er als Kind jüdischer Eltern auf der Erde geboren. Das ginge gegen das Gebot unseres Heilands, der wohl strenge Gerechtigkeit gegen alle Uebeltäter, nicht aber Haß gegen Andersgläubige und AndersKesüarte «eoredagt hat." Päfer rfllnka über die Juden. In der Prager „W a h rh e i t" lesen wir: Der bekannte Führer der slowakischen Volkspartei, dessen Anhänger bekanntlich zum größten Teil vom Antisemitismus verseucht sind, hatte die Freundlichkeit, einem unserer Redakteure gegenüber seine Stellung zum Antisemitismus folgendermaßen zu präzisieren: „Das slowakische Volk hat keinen Haß im Herzen; gegen keine Nation und gegen kein Volk. Die Slowaken schätzen die Juden, denn ihre Tüchtigkeit, ihr Verstand und ihre Geschicklichkeit ist nicht nur bewunderungswürdig, sondern auch im größten Aiaße nachahmenswert. Wir wissen sehr gut, welche Rolle die Juden auf der ganzen Wett spielen und welche Tätigkeit sie bei utis ejrftialteiT. Wir Slowaken können noch viel von ihnen lernen." Diese objektive Erklärung des Führers der slowakischen Volkspartei muß doppelt unterstrichen werden, zumal die Organe dieser Partei tagtäglich die wüsteste antisemitische Heize betreiben. Es wäre wünschenswert, wenn Pater Hlinkä diese seiner Gesinnung voll entsprechende Erklärung auch seihen Parteigenossen einprägen und bei allen sich darbietenden Gelegenheiten mit seiner Autorität gegen die antisemitische Auslassungen seiner Parteiorgane auftreten würde. Es wird weiter gezündelt. Wer der Meinung huldigte, daß nach der Kaltstellung des Diktators Hitler der deutschnationalen Schlange der Kopf zertreten worden sei, muß seinen Irrtum bekennen.. Das Gesetz zum Schutze der Republik hat eine gefällige Paj>ierforrh; wie es in der Praxis gehawdhabt wird, lehrt -das Fo'rfwuchern der alten völkischen Organisationen und das Auftauchen netter, die an Stelle der verbotenen mit nur geänderter Fortan ihr Gewerbe treiben. Bisniarck-Jugendverhand nationalgesinnter Soldaten, Nationalverhand.,deutscher Offiziere, Juhgdeütscher Orden, Wikingbund, Adelsgehossensehaft, Bund für deutsche Lebenserneuerüng — um tfar einige ans deri Älteuvielen zu nennen — sind mit frischer Kraft und frischem Geld der Sehwerindus+rietteh am Werke des vorzubereitenden Bürgerkrieges und der Diskrcditier'utig des deutschen Vaterlandes vor aller Welt. - Und da wifd trotzdem von einer Rettung der Mutter Germania gefabelt. Das LaSd otfifife Antisemitismus. In der „Neuen Freien Presse" schreibt „Ernst G o t h unter „Ansichtskarten aus. Flor enz": Es läßt sich nicht verschweigen, wenn man aus Deutschland kommt: _ Hier, eine einzfge Tagereise von Möffcfefö 'ewffefSr, weiß man nicht, was ÄhtiseMlisHiWs1 ist. Man kernt weder seine religiöse noch seine isoziale Abart. Immer wieder brachte ich mit hartnäckiger AbsrchtUehkeit das Gespräch auf Juden und Judentum — nirgends und. niemals war öfe Spur irgendwelcher Geringschätzung oder Mißachtung waharniehmbar. Sftuelle Einrichtungen, dfer jüdische Gottesdienst name»ilich. werden von frommen Katholiken ehrerbietig und rülirheh'd erwähnt. Von Ariern und: Arier tum und dem .ganzen erz^eE&rröften fesserfschwmä'el, der sich weiter nördlich wrssenschaföksh asfpllistert tfljd solch plamabfen Unfug verübt, weiß hier feein; Mensch. Und zu Neiid oder Gehässigkeil: fehlt jeder Anlaß*, denn es gibt keine absondernden Charakterzüge: Die ItaifiewR'er sind aus geographischen und historischen Bedärt'gheiten ihres 4,al#es. ein genau so tüchtiges, geistig regsalftös, intelligentes HandeTsvölk geworden, wie es in Mitteleuropa die . Jitdeti aus sozialen Bedingtheiten werden mußten. Wodurch die gan«?e Jü^enfrage, im LicTite rtaiEehs gesehen, alte Problematik verliert .«nid die ach so simplen- Motive des Antisemitismus wieder eiinmal nackt zu Tage treten. Konferenz der „Misrachi". Vom 25. bis 27. Dezember fartdr in Wien elfte Kcmferetfö der „Misrachi" statt, "die hauptsächlich die Gründung einer Zentrale für die Donauimtd'Balkanlähder bezweckte. Es wurdSe diese Zentrale mit dem Sftz iii Wien gegründet und eine Reihe von Beschlüssen für die Tätigkeit und Organisation angenommen. | Theater, Kunst «. Literatur Vortrag. Der Verein der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels veranstaltet Mittwoch, den 16. d. M.. um 8 Uhr abends, üm Cafe R e i c h s h o f,- II., Praterstraße 50 (Eingang auch im Hausflur), einen Vortragsabend, bei dem Herr Schulrat Prof. Dr. Heinrich Pollak über „Judäa, Hellas und Rom" sprechen wird. Gäste willkommen. August Bebel. Eine Lebensskizze von Hermann Wendel. Am 13. Aivgiist»; jährte sich der Todestag August Bebels, des deutschen Sozialdemokraten, zum zehnten Made. Ein packendes, lebendiges Bild von der Persönlichkeit des großen Kämpfers gibt die Lebensskizze, die Hermann Wendel (Verlag für Soziälwissenschaft, Berlin) erscheinen Heß unld die weit mehr an Darstellungskraft, verbunden mit einer getreuen Sachlichkeit, bietet, als der bescheidene Titel „Lebensskizze" vermiiton läßt. Hermann Menkes: „Die Jüdin Leenora." Dieser im Renaissance- Verlag erschienene Novellenband enthält Novellen, wie sie auf den einleitenden Seiten französischer Autoren der erzählenden Kunst stehen^ Arn gefälligsten zeigt sich die Novelle, die dem Buch« den Titel gibt und, sentimental historisch, im Schatten von Zweigs „Geschichtenbuch" erwachsen scheint. O. H. Tiere, Mensehen und Götter. (Beasts, Men and Gods.) Von Dr. Ferdinand Össendowski. Aus dem amerikanischen Urtext überfragen von Wolf von D e w a 11. Frankfurter Sozietäts-Druckerei G. m. b. H., Abteilung Buchverlag, Frank fürt a. M., Grundzahl: M. 5. — Dieses Buch liest man atemlos von der ersten "bis zur letzten Zeile. Es mutet wie ein moderner Abenteurerroman an, nur daß die wunderbaren Geschichten, die uns hier in einfacher starker Sprache vorgesetzt werden, nicht erträumt, sondern wirklich, erlebt sind. Wir begleiten den kühnen Verfasser durch die sibirische Taiga, wandern mit ihm an Flußläufen entlang, bestehen mit ihm aufregende Kämpfe mit Rotgardisten, lassen uns durch das Wunderland der Mongolei führen und gleiten schließlich im Plaudern und Erzählen in die Mystik der lamaistischen Welt hinüber, erleben die politischen Wirren im nachrevolutionären russisch-chinesischen Grenzgebiet. Das eigenartige höchst spannende Buch befruchtet unsere Phantasie und vermittelt uns spielend eine Unmenge von Kenntnissen. In diesem Werk stockt rftehf als ein Dranha. Wer es liest, begreift, daß „Tiere, Menschen und Götter" bei seinem Erscheinen in Amerika von jung und alt verschlungen wurde. Dem Buche wird bei uns und in Deutschland ein ebenso großer Erfolg beschieden sein. O. r! M. B. G. Langer, „Die Erotik der Kabbala*. Prag 1923, Verlag Dr. Josef Ftesch. Mark 5 (Schl.-Z. 2000). Sowohl der junge Vertag, der steh mit dieser ersteh Leistung sehr beachtenswert einführt, als ai*2h gaftz besonders der jitge-wdlKchie Autor sind tfü einer solchen Berefdhemng unserer Erkenntnis des Judetütams zu beglückwünschen. Daß wir das Buch Sögteich als einen Wertzuwachs unseres geistigen &'sftz2iistätfiäes aiispracWen, zeigt, dfcB wir üm Qruftd ittid Wesen mit ihm einverstanden sind. Dfes trockenen Tones historischer und literarkritfsoher Vefstänifesprödukte sind wir übersatt. Dieses frische, zuversichtliche Hinabtauchen in die tieferen Gründe der Erscheinungen, von denen unsere SchHilwefsheft mit ihrer Oberfläöhenwfcsensrcrfäft sich nichts träumen läßt, das Suchen nach den „Müttern'', Reiche Auswahl neuester PebmedeHe in aSrafl. Pelzarten «Pariser ti. Wiener Gesohmackvereint - erzeugt nur in eigenen Werkstätten, unter per«. Leftung tfw b^tteWnimferTltfn Inhabers der Firma PtlzhssPiMI. fratatr. 9-tl fir.ioir8Bg.2-6

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