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Die Wahrheit · 1924-01-11 · Heft 2 (11.1.1924) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 2 (11.1.1924)
Date
1924-01-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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wie es hier unternommen wird, wirkt an sich verjüngend und rechtfertigt sich durch den Erfolg. Nicht nur durch einzelne Perlen, die nebenbei herauigefischt werden, sondern vor allein durch das Aufspüren eines Systems, wo man bisher unzusammenhängende und darum -an sich unverstandliche Trümmer und Splitter sah. Man könnte an das Unheil denken, das in der landläufigen Medizin die allzeit schneidige Chirurgie in Fällen anrichtet, die durch Behandlung nach ganz anderen, derzeit verfehmten Methoden ohne Intervention des Messers, hätten glatt geheilt werden können. So hat unser Buch durchaus recht, wenn es auf die erotische Wurzel vieler uns längst mundgerechter Aussprüche und tausendfach behandelter Kultformen und Volksbräuche hinweist. Ebenso ist es als ein Verdienst zu werten, daß die hohe, religiös-sittliche Bedeutung der jüdischen Mystik nach Gebühr gewürdigt wird. Auch das Prinzip der Beurteilung jüdischer Kulturerscheinungen im Rahmen der vergleichenden Religionswissenschaft kann nicht stark genug betont werden. Das ist der Weg, nicht nur farblos gewordene und zum Abster-N ben verurteilte Elemente jüdischen Geisteslebens und religiöser Praxis mit neuem Saft und" Blut zu füllen, sondern auch der blind und plump dahersiampfenden und zarteste Werte zerstörenden Buchstabenkfitteruiig den Boden abzugraben. Nur so gelangen wir zu begeisternder Einsicht in die Schöpfertat des jüdischen ethischen Monotheismus, wenn wir den Boden kennen, auf dem, und die Elemente, aus denen er sich aufgebaut und die mächtigen, sonst alle Welt beherrschenden ethischen Anschauungen siegreich überwunden hat. Hier ist aber zugleich ' der Punkt, wo wir nicht mit dem; Buche gehen können. Es schießt über das Ziel hinaus, wenn, wie im Kapitel „Männerliebe" und besonders dem Hinweis auf Dt. 13, 7, in unser Schrifttum fremde Motive hineingetragen werden. Das heißt, um jeden Preis mit einer Hypothese recht behalten und wirklich Inkommensurables in sie hineinzwängen wollen. Nicht als ob wir keuschen Ohren nackte Wahrheit vorenthalten wollten. Das Judentum steht zu fest, als daß es eine Beleuchtung auch mit Freud-Strahlen zu scheuen hätte. Man schadet aber leicht der Glaubwürdigkeit einer Entdeckung nind ihrem Werte, wenn man sie künstlich übertreibt. Gewisse, unvergleicMiche Grundtatsachen des jüdischen Empfindens, wie die Nächstenliebe, die restlose Hingabe an Gott und aridere spezifische Schätze unseres religionsschöpferischen Volksgenius dürfen nicht ihres streng und rein ethischen Charakters entkleidet und mit unleugbaren krankhaften Entartungen Einzelner ins Mystisch-Erotische in Verbindung gebracht werden. E'iesen Gegensatz zwischen Ethos und Mythos, zwischen Pathos und Eros, der ,den höchsten Ruhmestitel des Judentums bedeutet, hätten wir gerne in dem Buche deutlicher hervorgekehrt gesehen. Diese Einseitigkeit, die es mit arideren Erzeugnissen -deriim übrigen so beachtenswert arbeitenden Prager — darf man Schule sagen? — gemein hat schmälern ihm aber keineswegs das Anrecht auf unsere vorangeschickte freundliche Begrüßung, Es ist eines von den Büchern, die uns in der Ergründung unseres Schrifttums um ein Stück vorwärts bringen. R. Von Woche zu Woche Danksagung. Zu meiner lebhaftesten Ueberraschung und gegen Erwarten ist der Umstand meines fünfzigsten Geburtstages aus dem engsten-Familienkreise zur Kenntnis der Oeffentlichkcit gelangt und bot Anlaß zu herzlichsten Sympathiekundgebungen von Seite meiner vielen persönlichen Freunde und Körperschalten, denen ich durch meine Tätigkeit nahestehe. Ihnen allen sei an dieser Stelle mein tiefempfundener Dank gesagt. Ein besonderes Wort sei dem geehrten Vorstande des Verbandes der Fachpresse in Wien gewidmet, der in seinem Beglückwimschungsschrieibeai mein fünfunidzwanzigjähriges Wirken für die allgemeinen Standesftiteresseni hervorhob. Ich kann auf diese Anerkennung von so maßgebender Stelle nur bemerken, daß meine bescheidenen Verdienste in dieser Beziehung als Selbstverständlichkeit und Pflichterfüllung in dem von mir gewählten Berufe zu werten sind. In auszeichnender Weise beglückwünschten mich auch der Protektor und Vorstand des Vereines der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels, die verehrlichen Vorstände der „Wohlfahrt", des Pazmanitentempels sowie anderer Körperschaften, der Stab der Mitarbeiter der „Wahrheit" und andere. Ich kann angesichts. so vieler erfreulicher Kundgebungen nur versichern, daß ich mich durch sie ebenso erfreut als geehrt fühle und bestrebt sein' werde, dieser erhebenden Gunstbeweise würdig zu bleiben. Ludwig Hirschfeld. » Noschim zadkonios. Unter düesetn Titel hat sich in Baden bei W i e n ein überaus rühriger Verein! gebildet, der sich zur Aufgaibe! mpclit, den Toten die letzte Ehre zu erweisen. Dieser Verein, bestehend aus den vornehmsten Badener jüdischen Gesellschaftskreisen, geht an die Erilülung dieser waihrhaft religiösen Aufgabe dadurch heran, daß et* es seinen Mitgliedern zur Pflicht macht, erstens die Totenwache selbst vorzunehmen, zwfeitens die damit verbnudenen Fiimk'tionen (rituelle Waschungen usw.) seJibst auszuüben und überhaupt ganz im Sinne der durch das Gesetz vorgechrtebenen Art und Weise der Ehrumig Verstorbener vorzugehen. An der Spitze dies Vereines, dessen konstituierende Versammlung bereits stattgefunden hat, stehen die Damen: Frl. Minna E i c h ne r, Frau Mannes (Zürich) un(d Frau Berta M o f b a u e r, unterstützt von einem Statt) werktätiger Mitarbeiter undi Mitarbeiterininen,. die die ohen angedeuteten Pflichten — und das soll mit besonderer Genugtuung hervorgehoben werden — restlos und aufopfernd: ausüben. Die Tätiigikeit dieses Vereines verdient unseres Eraclitens in weitesten Kreisen Förderung und' Nachahmung. J. H. Erholungsheim Philaiitropia (XIII., Lainzerstraße 172). Einige Plätze für erholungsbedürftige israelitische Frauen. und Mädchen sind gegen mäßigen Regiebeitrag zu beisetzen, und kann die Aufnahime sofort erfolgen. Auskunft daselibsf auch telephonisch unter Nr. 84-3-13. Humanitäts-Verein der Trebitscher in Wien. Vor kurzem veranstaltete dieser Verein, an dessen Spitze Herr J. Sp ka steht, in den Prachtsälen .des Hotel Continental, unter der artistischen Leitung des Herrn Karl Le der er eine Akademie mit anschließendem Tanz. Auf eine herzliche Ansprache des I. Obmannstellvertreters Siegfried Stein folgten Vorträge erstklassiger Kunstkräfte, darunter der Herren Reich und S t r i k s von der Staatsoper, begleitet von Fräulein S t a u b e r. Predigt. Heute,,Freitag, den 11. d. M., halb -5 Uhr, findet im großen Leopoldstädter Tempel eine Predigt Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Max G runwal d statt.

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