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Die Wahrheit · 1924-01-11 · Heft 2 (11.1.1924) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 2 (11.1.1924)
Date
1924-01-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sek* 10 DIE WAHRHEIT Nr. 2 Wahrheiten vom Tage Die große Sache der Wiener Universität. Von der Parteien Haß und Gunst wundte Herr Sigmund Bösel, Präsident der Unionbank, wieder in den Vordergrund geschoben. Und ■das kam so: Der Bundeskanzler Dr. Seipel unternahm es, Oesterreich zu sanieren, was ihm nach Ansicht mancher Zeitungen auch gelungen sein soll. Sanieren heißt auf gut deutsch gesund machen, und wer gesund werden will, muß einnehmen. Das ist Sache des Bundesministers für Finanzen. Daran muß die Bevölkerung glauben.-Der Bundeskanzler hat, wenn er sich's mit 4em Dr. Zimraerman nicht verderben will, für ideale Forderungen nichts übrig, kann sich aber als akademisch gebildeter Mann der Erkenntnis nicht verschließen, daß für die ns&ädesdt Wiener UlHvejsita^ etwas geschehen müssjg. Also hielt er eine bewegliche Rede. Wer aber wurde bewegt? Eiwa die Besitzer großer Latifundien, die reichen, deutschvölkischen lndjustriellen? Keine Spur. Es meldete sich nur der Präsident der Union-Bank, Herr Sigmund Bösel. Er allein nahm es auf sich, aus seinen Mitteln dieselbe Wiener Universität zu sanieren, an der ein national gerichtetes Proiessorenklüngel und gleichgeartete Studenten den numerus clausus einführen wollen. Das ist allerdings ehie_ große Sache für unsere Hochschule, denn diese Aktion wird nach Versicherung güt Eingeweihter vorläufig zwischen zehn und zwölf Milliarden kosten. Denn mit der einmaligen Zuwendung dieser Riesensttmme wird es nicht abgetan sein. Es ist vielmehr zu besorgen, daß die Herren, die aus dem Vollen schöpfen können, nach dem Beispiel jenes Schnorrers sagen werden: Für die Sanierung unserer alma mater ist uns kein Geld des Herrn Bösel zu viel. Wir wissen nicht und-haben auch nicjit den , Wunsch, uns darüber den Kopf zu zerbreche», ob Her* Bösel dem akadesiischen Senat einen Kontrollmann an die Seite stellen wird, damit nicht ins Blaue herumge wirtschaftet werde. Der eigentliche Zweck dieser Zeilen ist, aufzuzeigen, wie wenig Dank und Liebe die Boselsche Tat in dter pflen#iehen MeinunjE gefunden, einige wenige Blätter ausgenommen. Die ,,Dejuischösterrei£hische Tageszeitung", das Sprachrohr der Hakenkreuzler, sagt Herrn Bösel auf den Kopf zu, daß er sich irre, wenn er die deutsehnationale Stu^entejj^chift durch seine Milliarden anderer Gesinnung zu machen wähne. Aber auch die «Arbeiter-Zeitung" stieß in dasselbe Horn und gab ihrer Besoifcfljs Afisdjuck, daß die Wissenschaft vom Finanzkapital abhängig werde. Dieses Satt leistete sich in seiner Weihnaehtsiuttnmer die Gesehmacklpsigkeit, eine Illustration „per neue Heiland" zu bringen, die den kleinen Bösel als Jesukmdtein darstellte, vor dem Seipel und Frank anbetend stehen. Soiclie Ausbrüche der Gemeinheiten reihen wohl an die Höhe der Munifizenz Bösels nicht hinan, aber immerhin könnten sie bewirken, daß mancher Glaubensgenosse des Union-Bank- Präsidenten daraus lernt, seinem Wohltätigkeitsdrang andere Ziele zu setzen. Von mancher Seite wurde darauf hingewiesen, daß Herr Bösel sich der Pflichten des Besitzes in der Weise erinnerte, »die an die allbekannten amerikanischen Milliardäre heranreiche: Der Vergleich stimmt wohl nicht ganz. Die Vanderbijts, Rockefeller, Carnegie ujnd. andere öftnetejjt ihre Taschen für gemeinnützige Zwecke erst, als sie bereits saturiert waren. Herr Bösel aber ist erst im Aufstiege zum Zenjth- Und ganz besonders — er ist dfr erste Jude, der eine bei uns unerhört gewesene Riesenspende für die Wiener Universität geleistet hat. Das soll für alle Zeit und alle Welt festge h-a I ten werden! JMe Qfdatiugg&furie, Als vor nun inehr als fünf Jah/en der dgytsgfee ^SSave die Kette des preußischen Militarismus zerbrash, zitterte djje Umwelt nicht ohne Grund bei dem Q&- das&m, was da wolle. Uad ik der Ta*, es wurde ein anderer Kfjeg 4er Parteien gegeflehjggd^r. Es floß BJut in djn Straften, es floß Blut der besten ^hre#den deutschen M^juner. Die «e^jikftfiisehe Siafttsiorm' verjagte eh^a die Freiheit der JSiejs««g und der TM. Des $£hjecfe?ns und des Leides warte«! linde «öd da« Volk Tief inbrüiistig' nach dejp „sacken Mann". Es fegtt ihn nun scheinbar und seine Sprge ist sichüjjph, Qtiamtg m nrnefeen. Nicht jene Gr<|fliigg, jjjfe einj> aegensMehe H«s«g|s$S£ähiec ist, sondern jene preußische Osömmg, die blindwtt^g äftefe link« md rechts gtäfa 4&ik ejifechiete qgkr msh Hßfcs. fei Sssss des 0£se&§$ zm Ssfeö&e de/ Republik, m& &u»£fe§£ dte Presse gsran gjj#>eH. Eige &&zm v*>n pejiodjgghefl DßicksfiJwifteH, die der Ümt§&m gigch_sr#gie« rung HKfeequem erschieß wj&4e Mmwbm& v*r&>ten. Es will uns aber nicht einleuchten, daß der gemaßregelte „Reiehswart" des großen Reventlows schlechter sein könnte als der stumpfsinnig=bösar-tige „Sturm" (jetzt unter der Firma „Mitteilungsblatt des SeWageter-Gedächtnisbundes"). oder Frdtzschens erzverlogener „Hammer" und ähnlich gerichtete Blätter, die gegen Judentum und kirchliches Christentum wüten. Sollte ihre SehoHUHg dadurch bedingt sein, daß sie zu feige sind, die Reiehsregieriing anzugreifen, wie dies ständig Graf Reventlow getan? Gänzlich unfaßbar aber wird esj daß aueth „Die Menschheit-4 und „Die Weit am Montag" "als staaisgefahrlich verboten wurden, jene Zeitschriften, denen nichts anderes zum Vorwurf gemacht werden kann, als daß sie pazifistisch gerichtet sind, für Friede, Gerechtigkeit, Aufklärung und Ueberbrüekimg der Gegensätze eintreten? Ist der preußische Regierungsgedanke im Gegensatz zu solchem Streben, dann rechtierflgf er das Mißtrauen, das die äußeren Feinde dem Deutschtum entgegenbringen, dann macht er sieh mitschuldig an der Wiedejvej^el^un^olijSc, die von den Deutsehnationalen in Wort us4 .$ßhi$ft g^predj^t^ wird. So endet clje preußische Qrdnungsfurie letzten Endes auch gegen sicfi selbst. CsoHgräd. Man wind sich .den Namen dieser kemmagyairischen und seinerzeit kernliberal gewesenen Stadt merken und wahrscheinlich wird dies auch die kleine und große Entente - tun, bei welchen die Regierung des Herrn Horthy unentwegt um eine Kredithilfe heri*msehno»t, die Wolfsgestalt mit einem Schafs/feil der Kultur inaskierendL Csoagräd war der Schauplatz einer gegen die dj&rtigen Juden verübten Bestialität, die alle in solcher Beziehung registrierten Leistungen, der erwachenden Ungarn weit h&ter sich läßt. Eine von den dortägen jüdischen Frauen, unternommene humanitäre Veranstaltung gab den .sogenannten 8ehut«ehristen das SigHal zu einem Bombeiiattentate, durch das den Jüdinnen der Wohltätigkeitssport grüben verleidet werden sollte. Die Wirkung blieb nicht aus. ÄlierÄgs inT anderer Weise als idfe Csangrader „Chsisiten" beabsichtigt hatten. Die Bombe suchte ihre Opfer unter den wenigen anwes-gnäen christlichen Personen. Zu der TeibaahiBie für die unschuldig Osmorleten gebellt sieh der Glaube an d.as Walten der Vorsehung, die* ein furchtbares Memento hiaslellie. Die Behörden werdeu selbstverständlich — der offizielle Tele« graph meldet es wenigstens — mit den Verbrechern strenge ins Gericht gehen oder auch nicht. Man hat-Beispiele aus früheren ähnlichen Vor^ompni§§eii. Vielleicht nehmen sie es diesmal ernster, weil verhängnisvoller weise keine Juden zur Strecke gebracht wurden. ßhies der Opfer des Csongräder Bombenattentats, Frau Stephan Feh er, eitle Schwester des tödlich verwundeten Alexander WoM, die selbst schwere Verwundungen davontrug, bat einen bei ihr erschienen Journalisten, ihren Wunsch zu veröffentlichen, daß in Ungarn in diesem Jahre kein jüdischer Ball mehr veranstaltet wde. Diese Publikation hat auf die gesamte Juidenschaft Ungarais einen tiefen Eindruck gemacht, h fast Sittichen Synagogen des Landes predigen die Rabbäiner von -der Kanzel herab geg^ j|dwede Veranstaltung in di^sein Jjhre uiwi t^g^Mch wwiden die meisten bereite aasgeküadagten Bälle unsi Ta^iffiLterhalrungen in Budapest und *n der Provinz bereits a&ge§ägt. Qeafii den A#j|s^mJt^mus.. In Ergänzung unserer in der letzten hnmmr gebrachten Nfitiz über die ablehnende Hajtog der katholischen Zentruffl.snilinner g~egenüber den j'udenigmalichen Hakenkremzfern könijen wir; auch eine hochbiedeuttame Kundgebung des Reichskanzlers Marx in diesem Sinne mitteileii, die wir einem Schreiben des ^ichskänzlers an den Zentralv^rein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, entnehmen, . Reichskanzler Marx exWxi.'msk&&^ 4a6 der Aiitisemitisjijus sicji fast umner auch als eine ö^nefseha^ gegep 4as Christeüifeuni, speziell gegen die .^athofiscEe Kpnfession; entwickelt, und versichert," „die Katholiken leimen den Antiseujiüsnius grundsltzlich un^ bewußt ibil. AHe vejmünftig denkeiiden Peuschen müssen erkennen^ daj die Bestrehungen des Antiseanü$isiHus für das 'jden t.s pUe Volk g e r i&h~z ti v e r de r b 1 i c Ii sind. Der BrLei %cJi|iejH: Die vaterlgridisph ^esinnt^i Ju^en .djirf^L im Kainpfe gejen idie a^se^tisofie Hetze auf die U^fetütz^unj: d&s ^thohs^heE» Yolkes ujtid auch d>r Zei:trumipartei x^clinen. A*uch im Süden des Reiches weht nunmehr £in schaiür Wind geggn die destruktiven Bestrebungen 4er Deutsphnatioflalen, die im Hauj)^beruf praktischen foitiseniitismus treiben. Man greift yietiieicht nie%t "d,aiieben, wemj miß isscj^eji ''Z^uj^menib.i^cn-def' fl^erei %ti'4m Siei des j^ä^f a.uihaber über die kifettgnfeij^ä^lien ßeu^hy^kjs^heji ^rtickführt. In Sachen d^s QhjjiJ&i)§ steUtr ,eben 4gr '.richj^ gehende ßsiuvaxe ajÖe~po|iti- SSfem Bü%£^ WJ%<%. in mhmn- Sjnse .ättBefte sich'^uch 'ß&tosät Jt&xtsifr ids .9§ioam' ksik^ß^m

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