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Die Wahrheit · 1924-01-11 · Heft 2 (11.1.1924) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 2 (11.1.1924)
Date
1924-01-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Mr. 8 DIE WAHRHEIT Seite 1 soll auch diese Fülle aufgesammelter großer Eindrücke, welche die jüdische Geschichte für jede jüdische Familie ausmacht, diese Fülle von Leidenschaften, Tugenden, Entschlüssen, Entsagungen, Kämpfen, Siegen aller Art — wohin soll sie sich ausströmen, wenn nicht zuletzt in große geistige Menschen imd Werke! Dann, wenn die Juden auf solche Edelsteine und Gefäße als ihr Werk hinzuweisen haben, wie sie die europäischen Völker kürzerer und weniger tiefer Erfahrung nicht hervorzubringen vermögen! und verinochten, wenn Israel seine ewige Rache in eine ewige Segnimg Europas verwandelt haben wir-d: dann wird jener siebente Tag wieder einmal da sein, an dern der -alte Judengott sich seiner selber, seiner S§höj||ung lind seines auserwählten Volkes freuen darf — und wir alle, -alle wollen uns mit ihm freuen! Das Judentum bei Oswald Spengler. Von Dr. Max G r u n w a 1 d. (Fortsetzung.) Spinoza. Wichtig für Miseren Gegenstand und zugleich für dieBeufteilung der philosophischeniAnschauiingen Spenglers islt seine Behandlung Spinozas. Daß er neben ihm als Repräsentanten des Judentums den Baalschem, „einen echten Messias" (II 396), und — Otto Weininger bezeichnet, wird uns nach allem, was wir bereits gehört, nicht mehr Wunder nehmen. „Spinoza mit seinem: Denken in Substanzen statt in Kräften uiniji seinem durch und durch magischen Dualismus gehört durchaus zu denletzten Nachzüglern der islamitischen Philosophien. Er bedient sieh der ganzen Begriffssprache des ihn unrgeibend'ej| ^aroek und! hat sich in dessen Vorstellungsw£is£ bis £ur yolU^ommenen Selbsttäuschung hineingeiebt, aber die Herkunft von Maimonidos, Avicenna, 'der talrnuidischen Methode more geometrico bleiben von allem,. #as über die Oberfläche seiner Seele hinwegging, unberührt (I 536). „Spinoza als Jude, seelisch der magischen Kultur zugehörig, vermochte nicht1 den faustischen Krafthgpiif in sich aufzunehmen." Es zeigt' stich die „ge- Ijejme Macht der Üebergrirfe'' darin, daß auch Hertz (5.05) „versucht hat, den Begriff der Kraft ganz auszuschalten. Er wollte das Bild der Physik einfach ans den Größen der Zeit, dies Raumes und der Masse» aufbauen. Er bemerkte nicht, daß die Zeit selbst, db $tls Richtungsfaktor in den Begriff der Kraft eingegangen ist, das organische Element war, ohne das eine dynamische Theorie sich nicht aussprechen läßt. Die Kraft ist im mechanischen Naturbilde des aibendiäridisehen Menschen, was der Wille in seinem Seelenbilde und die unendliche Gottheit in seinem Weltbilde ist" (536). „Das Dogma von der Kraft ist das einzige Thema der faustischen Physik. Kraft ist ein dem abendlänidtisehen Geist eingeborener Urbegriff, daher kann man nicht darauf verzichten. Hertz suchte feste Koppelungen zwischen Lagen und Geschwindigkeiten; auf das Prinzip cter ^erfcung den Stoß zurückzuführen (395). „Spinoza mit seinem dualistischen Seelembild ist der letzte, verspätete Vertreter des magischen, und ein Fremder in der Formenwelt des faustischen Weltgefühls. Er hat als kluger Schüler der Barockzeit seinem System die Farbe abendländischen Denkens jlu geben gewußt. Der arabische Dualismus zweier Seeiensuibstanzen ist der wahre Grund, weshalb ihm der Kraftbegriff Galileis und Descartes' fehlt. Dieser Begriff ist der Schwerpunkt eines dynamischen und damit dem magischen^ Weltgefühl fremd1. Zwischen der Idee vom Stein "der Weisen — causa sui — und der kausalen Notwendigkeit unseres Naturbildes gibt es keine Vermittlung. Sein Wil'lensdieterminismus ist „Kismet", doch die Heimat des Verfahrens „more geometrico", dlas dem Talmud, Awesta und dem arabischen Kala&m gemeinsam ist. Spinozas „Ethik" bildet innerhalb unserer Philosophie ein groteskes Unikum." Zunächst wieder die Betonung: „unsere Philosophie". Nach Spengler gibt es eben verschiedene, sagen wir: Rassenphilosophien. Er fühlt sich in seinem faustischen Drange als Germane dem Juden — oder sagen wir: in seiner Terminologie Araber — mit seinem magischen Denken gegenüber. Paß das Verfahren „more geometrico" talmudisch sein soll, wird auch die oberflächlichsten Kenner des Talmuds überraschen. Ebenso, daß der Gott — Schöpfer, das Allerpersönlichste, nicht dem Judentum, sondern der faustischen Weltauffassung eigen ist. Aber zur Sache selbst. Tatsächlich besteht in der Geschichte der Versuche, die Bewegung mathematisch, und begrifflich restlos zu fixieren, ein Unterschied toto coelo zwischen Spinoza und Leibniz, der mit dem Kraftbegriff gegen Spinoza polemisiert. Spinoza, der Naturforscher, dem nicht nur bedeutende Physiker und Chemiker seiner Zeit, mit ihms duirch Briefwechsel verbunden, Anerkennung zollten, aus "dessen Ethik ein Johannes M ü 11 e r ganze Sätze wörtlich in sein „Lehrbuch der Physiologie" übernommen hat, dem in erkenntnistheoretischen Fragen ein H e 1 m h o 1 z buchstäblich gefolgt ist, hat den* Kraftbegriff in einem Sinne gefaßt, den Spengler, wie so viele andere, nicht verstanden haben. Aber gewiß nicht ohne Grund sag* ein Denker vom Range Lichtenbergs: wenn überhaupt, könne man nur als Spinozist philosophieren. Spinoza verzichtet freilich, sich streng an den Tatbestand haltend, dort wo er von der natura naturata spricht, auf einen Hilfsbegriff, wie „Kraft", als Ursache der Bewegung, die ihm als Urphänomen der Materie gilt. Hier wird alles mechanistisch erklärt. „Kraft" ist nach Spinoza gleichbedeutend mit dem „Wesen" der Dinge. Nicht anders, als Spengler es tut, proiziert Spinoza das Gefühl des Willens in die natura naturans und nennt es „Kraft". „Ist nicht Kern der Natur Menschen im Herzen?" (Fortsetzung folgt.) MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detail verkauf: Wien iL, Gloekengasae 24 Wien Ii., Taborstraße 44

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