Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 1 (2.1.1924)
- Date
- 1924-01-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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„deraufbäu Palästinas zu vertiefen und dauernd an demselben ■ festzuhalten. Zu diesen* Z\vecke soll eine intensive Aufklärungsarbeit unter allen Gruppen und Schattierungen der österreichischen Judenschait sofort einsetzen, sowohl in bezug -auf die .Wahrung unserer politischen Rechte als-auch bezüglich der Palästinaarbeit und über den untrennbaren Zusammenhang dieser beiden Fragen, worüber jeder, bewußte'Jude in Oesterreich volle Klarheit gewinnen muß. Nur so ist es möglich, die bei den Wahlen erzielte Einigkeit für alle Zukunft aufrechtzuerhalten und gegen den auch in Oesterreich in ungeheurem Maße anwachsenden Judenhaß mit Erfolg aufzutreten. Die Unterzeichneten wenden sich daher an Ihre Organisation mit der dringenden Bitte, unverzüglich Besprechungen und Versammlungen einzuberufen, um die Mitglieder in den einzelnen Bezirks- und Ortsgruppen darüber aufzuklären, daß Rechtsschutz und Palästinaarbeit sofortige opferwillige und energische Arbeit erfordern. Es muß ein gemeinsamer Vollzugsausschuß der bisher getrennten Gruppen geschalten und jede Rechtsschutz- oder Palästinaarbeit in ' einheitlichem Einvernehmen durchgeführt werden. Wir schlagen daher vor, daß sowohl die Zionistische Organisation Oesterreichs als auch die Union österreichischer Juden unter Heranziehung noch anderer jüdischer Organisationen und hervorragender Persönlichkeiten unverzüglich zu einer gemeinsamen Beratung zusammenzu« treten, um sowohl die Grundlagen als auch das Arbeitsgebietder künftigen jüdischen Gemeinschaft festzusetzen." Unterzeichnet sind die Herren Baurat Dr. Siegmund Defris, Dr. Max Bernhardt, Dr. Heinrich Faß, Ing. Ludwig Klug und die Bezirksräte Moritz K o h n, Adolf Hirsch und Aurel Engel. Der Vorstand der „Union" hat sich in seiner Sitzung vom 10. Dezember zunächst mit der Frage einer gemeinsamen Führung des Rechtsschutzes befaßt. Er hat hierbei festgestellt, daß nach den Statuten der Vorstand für sämtliche Agenden der „Union" allein verantwortlich und daher auch verpflichtet ist, den Rechtsschutz wie bisher selbständig zu führen. Der Vorstand hat jedoch nicht verkannt, daß es Ereignisse gegeben hat und auch weiterhin geben kann, welche es notwendig und zweckmäßig erscheinen lassen können; :däß> die' Abwehr ^voirrallen- Organisationen der Wiener Juderischaft gemeinsam erfolge, und er hat seine Bereitwilligkeit kundgegeben, bei solchen Anlässen von Fall zu Fall das Einvernehmen mit diesen! Organisationen zu pflegen. Der Vorstand hat hierbei ausdrücklich betont, daß der Rechtsschutz seinerseits von jeher für alle Juden ohne Unterschied der Herkunft und Parteistellung geübt wurde, sonach eine Institution sei, die keinerlei parteimäßigen Charakter trage. Aus unseren Rechtsschutz- und Abwehrbüro. Bedenkliche Völksliteratur. Wir haben am 20. Dezember an'das Bundeskanzleramt, Abteilung Unterricht, folgende Zuschrift gerichtet: „Das Unterrichtsministerium hat gemeinsam mit dem Buchhändlerverein eine Ausstellung „Das gute Buch" veranstaltet, die im Gebäude des Gewerbefördeningsdienstes (Severingasse 9) stattfindet. Die Ausstellung enthält tatsächlich eine große Anzahl ausgezeichneter Schriften, die sich auch für die Jugend trefflich eignen. Leider sind aber in den Gruppen Geschichte, Gesellschaft usw. sehr bedauerliche Ver^ Stöße vorgekommen. Neben manchem Guten oder doch Erträglichen findet sich eine größere Anzähl von Schriften, die nur als alldeutsche Propagandaliteratur übelster Art bezeichnet werden können. Es genügt, etwa; Einharts .^Deutsche Geschichte", die tatsächlich den Geschäftsführer des Alldeutschen Verbandes Heinrich C1 a s s zum Verfasser hat, oder die Schriften von Friedrich Lange, Wilser, .Bieder zu nennen. Das ist weder Wissenschaft noch Volksbildung, sondern eine Hetziiteratur, die ungemein viel dazu beigetragen hat, das deutsche Volk in sein jetziges Elend zu stoßen. Besonders liebevoll ist die „Rassenkun de" hake nkreu zierisch er Färbung behandelt, so findet sich zum" Beispiel eine Schrift eines gewissen Herrn Kraitschek hierüber, der auf den bekannten orangegelben Plakaten als Vortragender und Leuchte der Rassenforschung erscheint. Die vom alldeutschen Verlag Lehmann herausgegebenen Propagandaschriften gegen den Versailler Frieden gehören auch nicht in eine solche Ausstellung, besonders da es zuverlässigere Solche Schriften gibt. Wir erheben entschieden Einsprache dagegen, daß derartige Publikationen i m Namen des Unterrichtsministeriums angepriesen werden, zumal vielfach auch Oesterreich in der üblichen alldeutschen Tonart beschimpft wird..". Wahrheiten vom Tage Im Irrgarten der Dummheit. Mit Herrn Qeorg .Qirondel, dem Herausgeber der kritischen deutschen Wochenschrift „Der Sturm", zu spazieren, ist vielleicht nicht sehr ehrenvoll, bringt aber entschieden Gewinn für das Zwerchfell. Andere gesinnungsähnliche deutsche Blätter mögen es darauf anlegen, Aerger und Unmut auszulösen, den Gegner, wenn schon nicht zu überzeugen, so doch kränken zu wollen. Herr Georg Quindel trägt kein so hohes Verlangen, er singt wie der Vogel singt, der in den Zweigen wohnt, der oft mehr Pechals Spaßvogel ist. Und dann, wir loben an ihm, daß er im Gegensatz zu den gelernten Antisemiten nicht darauf verschossen ist, alles allein machen zu wollen. Er weiß, daß es andere ebenso gut, vielleicht noch besser schaffen werden, also im Sturmgebraus zu Worte kommen dürfen. Da ist gleich jemand, der sein Licht, d. h. seinen Namen hinter den Scheffel stellt. Er schreibt: „Es kommt der Tag . . Vom Riesen Simson wird erzählt, der den deutschen Arbeiter geblendet hat, er hat Deutschland in Ketten gelegt. Was braucht der große Unbekannte zu wissen, daß der biblische Simson nicht geblendet, nicht in Ketten gelegt hat, sondern von den Philistern geblendet in Ketten gelegt wurde? Der Unbekannte hat sodann' eine aufregende Vision. „Ein anderer blauäugiger (wie sonsten?) Riese reißt dem ersten die schwarzen Locken -aus." Wutgeschrei des Bezwungenen erfüllt die Welt. Als das Geschrei verstummt ist (sie!) und der Schwarze seinen letzten stinkenden Atem ausgehaucht hat, da rauscht es in den Eichbäumen ringsum und ich sehe wie neues, frisches Grün auf den knorrigen Zweigen sproßt. Kommentar für jene, denen der Rede Sinn zu dunkel: der Platz dieses Kampfes ist das Land, das wir Deutschland nennen. Schlußapotheose: Heil uns! Ein starker Held hat den schwarzen Schurken bezwungen. Es ist ihm gelungen! Heil uns, die Welt ist wieder genesen. Wovon? Vom deutschen Wesen. Sonst hieß es immer, a m deutsehen Wesen werde die Welt genesen, beim Quindelmann -m Sturm genest sie vom deutschen Wesen. So spottet mancher seiner selbst und weiß nicht wie. Wer in derselben Sturmnummer die Groteske „Chaiin Reinlichkeit" von Hermann Deutsch gelesen hat und dem-Verfasser-nicht die Palme der Blödität reicht, hat eben keine mehr zu verabreichen. Da lobe ich mir Herrn Carl Gentzen, der mit seinem Aufsatz „Inkonsequenzen" für ein Eventualbündnis der Deutschnationalen mit den Kommunisten eintritt, falls diese bereit sind, den Ruhrkarren aus dem Dreck ziehen zu helfen. „Wir versagen einem solchen Kommunismus nicht die Bruderhand, der bereit wäre, die Sache des deutschen Volkes zur Sache der deutschen Nation zu machen." Wobei gesagt werden müßte, daß der Unterschied zwischen dem deutschen Volke und der deutschen Nation erst aufzuzeigen wäre. Herr Carl Gentzen ist jedenfalls so ahnungslos, nicht zu wissen, daß dem Kommunismus letzten Endes die Sache der Sowjets das' Um und Auf ist. d.