Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 1 (2.1.1924)
- Date
- 1924-01-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Wahrheit begriffen hat, daß es eigentlich nur eine Religion gibt, deren alleiniges Substrat das moralische Bewußtsein, ist, und nur eine Moral, nämlich das Mitleiidl und die. Nächstenliebe, die in diesem Bewußtsein geheimnisvoll wurzelt, welches moralische Bewußtsein aber, weil es ein metaphysisches Phänomen ist, aller Erklärungsversuche spottet, — der wird überhaupt nicht mehr intolerant sein können." Ferner: „Das Reformjudentum ist unzweifelhaft die toleranteste aller monotheistischen Religionsformen." (Alle christlichen Kirchen und der Islam lehren,, daß kein Heil möglich ist, ohne dem^Olauben an sie, dagegen lehrt der Talmud, daß die Frommen aller Völker der Seligkeit teilhaftig sind, weshalb die Juden im Gegensatz zu den anderen keine Proselyten machen; wenn ein „Jude sich taufen läßt, so wird ihm vom Taufenden gesagt: Tlorresce Judaicam perfidiam, respice Hebraicam superstitionem (zu Deutsch: Wende dich mit Schrecken ab von der jüdischen Treulosigkeit, verabscheue den hebräischen Aberglauben). Ich glaube, jeder weitere Kommentar ist überflüssig." — „Erschiene Christus heute wiederum auf Erden, so würde der Haß gegen die Reste des Volkes, dem er angehörte, mit seinem, heiligsten Willen gewiß nicht übereinstimmea ... Das Reformjudentum, international, kosmopolitisch wie alles wirklich Große, wie Wissenschaft, Kunst und die großen Weltreligionen, kosmopolitisch, wie es ja selbst dereinst war in der Diaspora, „dans ses .beaux jours", als sich Tausende von gottesfürchtigen Heiden ohne jeden Zwang ihm anschlössen, bloß angetrieben diurch den Zauber, . den die reine bilderlosev Gottesverehrung auf sie ausübte, dieses Reformjudentum hat die Pflicht, die Hälfte der Menschheit zu kurieren vom Gifte des religiösen Fanatismus... Salus ex Judaeis! — das Heil kommt von den Juden! Eine tiefe Wahrheit, die leider oft vergessen wird . . . nämlich der Glaube, daß wir alle Kinder eines Elternpaares und daher Brüder, alle Geschöpfe eines allmächtigen Gottes - sind, der die Welt erschaffen "— dieser Glaube ist von den Juden gekommen,, von jüdischen Propheten ausgesprochen worden, in judischer Sprache sind die Worte erklungen, die das Heil, den Trost, die Seligkeit von Millionen und Millionen Menschen, Juden, Christen und Moslims, ausgemacht haben und noch ausmachen". Nächst Lerpy-Beauiieux ist Cöudenho.ves Werk die erschöpfendste und vernichtendste Kritik des Antisemitismus. Das jadentiiiii bei Oswald Spengler. Von Dr. Max G r u n w a I d. (Fortsetzung.) Wenn daher Spengler, resigniert (II, 52) keinen Sinn in der MenscKengeschichtefindet, sondern nur eine, tiefe Bedeutung in den Lebensläufen der einzelnen Kulturen, wenn 'er auf den grausig plumpen Zufall hinweist, daß ein paar Banditen die mexikanische Kultur vernichten konnten, ein Beispiel, das er durch näherliegende aus den Kriegsjahren hätte vermehren können* so hätte er sich seines eigenen Wortes „Sozialisten sind alle Weltverbesserer" erinnern und den Fortschritt des sozialen Gedankens würdigen sollen, der, einmal von den Propheten Israels in die Menschheit geschleudert, nicht mehr zu ersticken und nur vorübergehend in seinem Laufe zu hemmen ist. Dualismus. Wie wenig S p e 11 g l e r sie versteht, zeigt dde ZusammensteUliumg mit Persern und Qialdiäern (IL 246).. Er spricht von dem ersten Verkünden der neuen Seele der prophetischen Religionen, die er als eine allgemein aramäische Erscheinung ansieht. Die Propheten unterscheiden sich von einem Zarathustra, dessen Geschick ihn neben einen Jeremias, ■stellt, nicht durch ihren neuen Glauben, sondern durch das, was sie bekämpfen. Spengler würdigt die ohaldäische Religion m;t ihrem astronomischen Tiefb'iick luimd der überraschenden Innenlichikeit von Persönlichkeiten vom Range eines Jesaja (243). >,Der Kern der prophetischen Lehre ist bereits magisch: Es gibt einen wahren Gott als Prinzip des Guten, mag es JHVE, Ahura Mazda oder Marduk-Baal sein. Die anderen Gottheiten sind: ohnmächtig oder böse. An ihn knüpft stdh die messianische Hoffnung sehr deutlich bei Jesaja, aber mit innerer Notwendigkeit durcihbrechend.nl den folgenden Jahrhunderten. In ihm liegt die Annahme eines welthistorischen Kampfes zwischen Gut und Böse, mit der Machst dies Bösen über die mittlere Zeit und dem Endsieg des Guten am jüngsten Tage. Diese Moralisierung der Weltanschauung ist Persern, Ctoaldäem und Juden gemeinsam; Die Idee des auserwählten Volkes brauchen Cbaldiäer und Perser nicht, da sie es durch Sieg bewiesen." „Dieser einzigartige Besitz verdankt seinen Ursprung letzten Endes der beständig drohenden Selbstverachtung! (402). Zum mikrokosmischen Dualismus mach und mephesch, pneuma und psyche gehört makrokosmisch Gott und Teufel, JHVE und Beelzebub, Onrauzd und Ahriman, Allah und Ibläs, dias absolut Gute und das aibsolut Böse." So ist, trotz Hegel, alles fein schematisiert, im Lichte der Tatsachen freilich ebenso absoralerMchy wie die These (205). „Besdhneidung und chaldiäisohe Sabbathfeier sind als Sakramente erst Erwerbungen des Exils" oder (210): „Die seit Alexander sich überall. , entwickelnden Priesterschaften erhalten die Namen verschollener oder fiktiver Stämme. Bei den Juden und südarafechen Sabäern heißen sie Leviten." Hier stehen wir ganz auf wohlbekanntem, wenn auch fragwürdigem Boden, dem der einer gewissen modernen protestantischen BifbeMeuitung. Es wäre verständlich, wenn Spengler sich sein Mißtrauen gegen die „Wissenschaftlichkert" hier geholt hätte. . / ■ (Foriselzung folgt.) uni! billigste im Wisrenhaus H.TaborstP.fB Teiephoa »7-1-79 Es gros Ei detail