Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1924-01-02 · Heft 1 (2.1.1924) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 1 (2.1.1924)
Date
1924-01-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064071-3064072--12482-3079934
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr, 1 Und dies sind die Namen . . . Eine Betrachtung zum ersten Abschnitt des zweiten i Buches der heiligen -Schrift. Von Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n. im Talmud wird hervorgehoben, daß Israel drei gute Führer besessen habe und um derentwillen ihm drei gute Gaben verliehen wurden. Die drei Führer hießen -M oses, Ahron und Mirjam. Die drei Gaben waren: das Manna, der Brunnen und die Wolkensäulen. Diese drei Führer sind aus ein- und demselben Hause hervorgegangen, waren Geschwister. Allein, während über Moses, Ahron und Mirjam gar viel geforscht berichtet und geschrieben wird, ist über -deren Ursprung, das Elternhaus, kaum Wesentliches überliefert worden. Und doch darf ohne jeden Widerspruch angenommen werden, daß das Elternhaus den größten Einfluß darauf genommen hat. daß alle drei Kinder in gleichem Sinne wirkten und daß der Boden, auf dem sie später im Leben standen, für sie und Israel ein heiliger wurde. Aufschluß kann uns ein wichtiges Moment gewähren, nämlich der Name. Wenn der Dichter meint: „Name tst Schall und Rauch", so gilt dies wohl nicht in allen Beziehungen. Namen sind oft von Wichtigkeit und Bedeutung, Namen haben oft einen tiefen Sinn, wie auch unsere Weisen meinen, „daß wir nach dem Namen geheif. Der Vater von Moses, Ahron und Mirjam hieß A m r a in, die Mutter derselben J o c h e b e d. Amram bedeutet „Großes Volk". Zur Zeit, da Israel in Aegypten aus Lehm- und Ziegelarbeitern bestand, trug der Vater dieser drei hervorragenden Persönlichkeiten mit Stolz -und Selbstbewußtsein den Namen: Amram, „Großes Volk44. Und wir begreifen daher, daß, als später der Ewige dem aus Aegypten geflüchteten Moses im Dornbusch erschien, um ihn aufzufordern, zurückzukehren und der Retter seines Volkes zu sein, Gott hierbei, wie eine sinnreiche Erzählung des Midrasch lautet, die Stimme des Vaters angenommen habe. Und die Mutter hieß Jochebed, das heißt: „Gott sei die Ehre'\ Jede israelitische Frau in Aegypten, der ein Kind geboren wurde, mußte bangen und zagen um das Leben dieses Kindes und Zweifel dürfte in manchem Herzen aufgestiegen sein, ob oben, in den Himmelshöhen, ein Gott wohne, der dies dulde. Die Mutter dieser drei Kinder trug ihren Namen wie einen Schild, an dem jeder Angriff gegen ihre innere Ueberzeugung abprallte, „U n d d i e s s i n d die Name n'\ Es ist wohl erklärlich, daß das zweite Buch der heiligen Schrift, die Pforte zur Geschichte Israels als Volk, mit Namen beginnt und es dürfte vielleicht auch nicht ohne tiefe Absicht gewesen sein, daß, als Jakob vor; dem Sterben die beiden Söhne Josefs, Memasse: und Ephraim, die Enkel, die in der Fremde geboren worden waren, umarmte, diesen zurief: „Und es werde an ihnen genannt mein Name und der Name meiner V ä t <e r Abraham und Isaak!" Gerade in der Fremde ist der gute jüdische Namen Schutz gegen verderbliche Einflüsse. - Nicht als ob das Judentum vollständig abschließend und intolerant gegen die Außenwelt und ihre: Bezeichnungen -wäre. Wirr wissen doch, daß die. heilige Scfeiff-selber von Josef =änfühft^ daß er bei seinem Aufstiege noch einen anderen, Namen: Bornas Paneach bekam: Daniel hieß Baltschazar und selbst Feuilleton iliil! Katholiken über Juden. „Das ist eure Weisheit und. Klugheit in den Aucen der Völker*', b. Möse 4, 6- Durch die politischen Ereignisse der letzten Wochen sind, durchaus wider Willen, zwei berufene Wortführer des Katholizismus in den Vordergrund allgemeiner Beachtung gedrängt worden, von denen die wenigsten wissen dürften, daß die objektive, von strengem Gerechtigkeitssinnie diktierte Haltung gegenüber den Ausschreitungen einer -gewissen „Blüte der deutschen Nation" in einer auf wissenschaftliche Erkenntnis gegründeten Wertschätzung des Judentums und seiner literarischen Quellen wurzelt. Dfer eine ist der derzeitige Rektor der Wiener Universität P r o f. D r. Johannes D ö 11 e r, dessen Antrittsrede mit dem Finale zum Ruhme des Gottesvolkes Israel noch in bester Erinnerung lebt, der andere,. der von Münchner Hakenkreuzlem wegen seiner Schutzrede für die bedrohten Juden, tätlich insultierte Erzbischof von München-Freising Kardinal. Dr. Michael von Faulhaber. D ö 11 e r hat als Alttestamentier naturgemäß wiederholt in gelehrten Arbeiten Gegenstände dieses seines Forschungsgebietes behandelt, so u. ä. in einer Preisschrift, die eine Frage der Geographie des alten Palästiaa erörtert und in einer Würdigung der Stellung der Frau im Alte» Testament, die ähnlich, wie eine Monographie W i 1 k e s, des bekannten Professors an der Wiener protestantisch-theologischen Fakultät, in einer begeisterten Anerkennung der hohen altisraelitischen Auffassung von dem Wesen und Beruf der Frau gipfelt. Ganz besonders beachtenswert sind aber Döllers Ausführungen in seinem vor sechs Jahren erschienenen vortrefflichen Werke über die „Reinheits- und Speisegesetze des Alten Testaments". Hier glaubt man mitunter einem Apologeten-der jüdischen Orthodoxie zu lesen. Uebereinstimmend mit einem anderen Gelehrten sagt Döller Seite 280: „Die auf den ersten Blick sonderbar anmutenden Gebräuche sind für Israel im Ringen um seine Existenz ein Panzer des Monotheismus und seines Sittengesetzes geworden." Prinzipiell betont er Seite 168 mit Magnus: „Eine Religion* soll sie ihre ernste und heilige Aufgabe' erfüllen, muß ihren Bekennern in Blut und Leben übergehen. Sie muß alle Lebens^ Verhältnisse mit^ ihren Lehren und Grandsätzen durchdringen, ste muß in den wichtigsten Lebensäußerungen unbedingt zum Ausdruck gebracht werden." Daß ein solcher Kenner des Judentums Verächtern der „jüdischen Rasse" mit einer herzer-, hebenden Festigkeit abweisend gegenüber tritt, dar? uns nicht Wunder nehmen.. Hier wird unseren jüdischen Brüdern wieder'einmal ad oculos demon-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.